Statistiken im Zusammenhang mit Einnahme von Psychopharmaka
- ShortId
-
13.4113
- Id
-
20134113
- Updated
-
28.07.2023 07:00
- Language
-
de
- Title
-
Statistiken im Zusammenhang mit Einnahme von Psychopharmaka
- AdditionalIndexing
-
2841;Todesursache;Medikamentenkonsum;Betäubungsmittel;Gewalt;Freitod;Statistik
- 1
-
- L06K010102010201, Betäubungsmittel
- L03K020218, Statistik
- L06K010503010202, Medikamentenkonsum
- L05K0101030402, Todesursache
- L04K01010206, Freitod
- L04K01010207, Gewalt
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Bei Einnahme der meisten Psychopharmaka treten neben der erwünschten Wirkung auch teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen auf, die schon zu Todesfällen geführt haben. Deshalb gibt es weltweit bereits über 100 Warnungen von Arzneimittelbehörden, die auf Risiken und Gefahren der Einnahme von Psychopharmaka hinweisen. Damit solche Warnungen ausgesprochen werden, muss bereits eine grössere Anzahl Patienten, die solchen Nebenwirkungen zum Opfer gefallen sind, registriert sein.</p><p>Eine fatale Nebenwirkung vieler Psychopharmaka ist auch die Erhöhung der Gewaltbereitschaft. Im Jahre 2011 wurde eine Studie veröffentlicht (Kopp-Verlag, 26. Januar 2011), welche die zehn schlimmsten gewaltauslösenden, verschreibungspflichtigen Medikamente auflistet. Darunter werden auch die Medikamentengruppen Fluoxetin ("Prozac"), Amphetamin, Triazolam ("Halcion") und Atomoxetin ("Strattera") aufgeführt. Diese werden auch in der Schweiz häufig eingesetzt.</p>
- <p>1./2. Es gibt keine systematische Erfassung von Todesfällen einschliesslich Suiziden in Verbindung mit Psychopharmakabehandlungen in der Schweiz. Psychopharmaka umfassen ein breites Spektrum von Wirkstoffen und Präparaten, vom rezeptfreien Beruhigungsmittel über die rezeptpflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmittel, Medikamente gegen Depressionen oder schwere Psychosen bis hin zu den Psychostimulanzien. Da die genannten Risiken selten sind, müssten, um entsprechende verlässliche Daten zur Häufigkeit zu generieren, umfassende Register von Patienten unter Psychopharmaka generiert werden. Dies ist aus Sicht des Bundesrates nicht gerechtfertigt, da Swissmedic erstens verlangt, dass bereits im Rahmen der Zulassung mögliche psychische Nebenwirkungen dargelegt werden müssen und die Fach- und Patienteninformationen entsprechende Warnhinweise enthalten müssen. Selbst- und Fremdgefährdung sowie weitere lebensbedrohende Komplikationen müssen als wichtige Risiken in den sogenannten Risk Management Plan der betreffenden Arzneimittel aufgenommen werden. Das heisst, dass die Zulassungsinhaberin Swissmedic die aktuelle Datenlage darlegen und einen Plan vorlegen muss, wie sie die Risiken nach der Zulassung weiterverfolgt und mit welchen Massnahmen sie ihnen vorbeugt.</p><p>Zweitens gelten Einschränkungen bezüglich Packungsgrössen und Abgabekategorie. Die meisten Psychopharmaka sind rezeptpflichtig, manche auch dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt.</p><p>Drittens erfasst Swissmedic nach der Zulassung im Rahmen der Pharmacovigilance Spontanmeldungen vermuteter unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Dabei handelt es sich um ein Meldesystem zum frühzeitigen Erkennen von neuen Sicherheitsproblemen ("Signalen"). Psychopharmaka haben ein relevantes Nebenwirkungspotenzial. In der Nebenwirkungsdatenbank von Swissmedic sind Psychopharmaka bei etwa 22 Prozent aller registrierten Meldungen vermuteter unerwünschter Arzneimittelwirkungen mitbeteiligt. Tödliche Komplikationen einschliesslich Suizide sind verhältnismässig selten, jedoch ein Schwerpunkt in der Überwachung bei Psychopharmaka und werden seitens Swissmedic sehr engmaschig verfolgt.</p><p>Des Weiteren führt das Schweizerische toxikologische Informationszentrum eine Datenbank über Vergiftungen, auch durch Medikamente. Es informiert Swissmedic über Medikamentenvergiftungen in suizidaler Absicht.</p><p>Schliesslich erfasst das Programm "Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie" unerwünschte Wirkungen in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz und tauscht sie mit Swissmedic aus.</p><p>Diese obenaufgeführten Überwachungsmassnahmen in Verbindung mit dem international gewährleisteten Austausch von Signalen stellen sicher, dass produktspezifische Probleme frühzeitig erkannt und korrigierende Massnahmen eingeleitet werden können.</p><p>3. Nein, es gibt keine Statistik der Gewalttaten in möglichem Zusammenhang mit Psychopharmaka. Gewalttaten werden nur in Einzelfällen erfasst, sodass dazu keine zuverlässige Aussage möglich ist. Bei Suizid und Gewalttaten ist im Einzelfall immer schwer abzuschätzen, welche Rolle das Medikament und welche das psychiatrische Grundleiden gespielt hat.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>1. Gibt es eine Statistik der Todesfälle, welche sich im Zusammenhang mit der Einnahme von Psychopharmaka ereigneten?</p><p>2. Gibt es eine Statistik der Suizide, welche während der Behandlung mit Psychopharmaka oder kurz nach deren Einnahme aufgetreten sind?</p><p>3. Gibt es im Bundesamt für Statistik oder im Bundesamt für Gesundheit entsprechende Statistiken, die Gewalttaten im Zusammenhang mit der Einnahme von Psychopharmaka aufzeigen?</p>
- Statistiken im Zusammenhang mit Einnahme von Psychopharmaka
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Bei Einnahme der meisten Psychopharmaka treten neben der erwünschten Wirkung auch teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen auf, die schon zu Todesfällen geführt haben. Deshalb gibt es weltweit bereits über 100 Warnungen von Arzneimittelbehörden, die auf Risiken und Gefahren der Einnahme von Psychopharmaka hinweisen. Damit solche Warnungen ausgesprochen werden, muss bereits eine grössere Anzahl Patienten, die solchen Nebenwirkungen zum Opfer gefallen sind, registriert sein.</p><p>Eine fatale Nebenwirkung vieler Psychopharmaka ist auch die Erhöhung der Gewaltbereitschaft. Im Jahre 2011 wurde eine Studie veröffentlicht (Kopp-Verlag, 26. Januar 2011), welche die zehn schlimmsten gewaltauslösenden, verschreibungspflichtigen Medikamente auflistet. Darunter werden auch die Medikamentengruppen Fluoxetin ("Prozac"), Amphetamin, Triazolam ("Halcion") und Atomoxetin ("Strattera") aufgeführt. Diese werden auch in der Schweiz häufig eingesetzt.</p>
- <p>1./2. Es gibt keine systematische Erfassung von Todesfällen einschliesslich Suiziden in Verbindung mit Psychopharmakabehandlungen in der Schweiz. Psychopharmaka umfassen ein breites Spektrum von Wirkstoffen und Präparaten, vom rezeptfreien Beruhigungsmittel über die rezeptpflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmittel, Medikamente gegen Depressionen oder schwere Psychosen bis hin zu den Psychostimulanzien. Da die genannten Risiken selten sind, müssten, um entsprechende verlässliche Daten zur Häufigkeit zu generieren, umfassende Register von Patienten unter Psychopharmaka generiert werden. Dies ist aus Sicht des Bundesrates nicht gerechtfertigt, da Swissmedic erstens verlangt, dass bereits im Rahmen der Zulassung mögliche psychische Nebenwirkungen dargelegt werden müssen und die Fach- und Patienteninformationen entsprechende Warnhinweise enthalten müssen. Selbst- und Fremdgefährdung sowie weitere lebensbedrohende Komplikationen müssen als wichtige Risiken in den sogenannten Risk Management Plan der betreffenden Arzneimittel aufgenommen werden. Das heisst, dass die Zulassungsinhaberin Swissmedic die aktuelle Datenlage darlegen und einen Plan vorlegen muss, wie sie die Risiken nach der Zulassung weiterverfolgt und mit welchen Massnahmen sie ihnen vorbeugt.</p><p>Zweitens gelten Einschränkungen bezüglich Packungsgrössen und Abgabekategorie. Die meisten Psychopharmaka sind rezeptpflichtig, manche auch dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt.</p><p>Drittens erfasst Swissmedic nach der Zulassung im Rahmen der Pharmacovigilance Spontanmeldungen vermuteter unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Dabei handelt es sich um ein Meldesystem zum frühzeitigen Erkennen von neuen Sicherheitsproblemen ("Signalen"). Psychopharmaka haben ein relevantes Nebenwirkungspotenzial. In der Nebenwirkungsdatenbank von Swissmedic sind Psychopharmaka bei etwa 22 Prozent aller registrierten Meldungen vermuteter unerwünschter Arzneimittelwirkungen mitbeteiligt. Tödliche Komplikationen einschliesslich Suizide sind verhältnismässig selten, jedoch ein Schwerpunkt in der Überwachung bei Psychopharmaka und werden seitens Swissmedic sehr engmaschig verfolgt.</p><p>Des Weiteren führt das Schweizerische toxikologische Informationszentrum eine Datenbank über Vergiftungen, auch durch Medikamente. Es informiert Swissmedic über Medikamentenvergiftungen in suizidaler Absicht.</p><p>Schliesslich erfasst das Programm "Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie" unerwünschte Wirkungen in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz und tauscht sie mit Swissmedic aus.</p><p>Diese obenaufgeführten Überwachungsmassnahmen in Verbindung mit dem international gewährleisteten Austausch von Signalen stellen sicher, dass produktspezifische Probleme frühzeitig erkannt und korrigierende Massnahmen eingeleitet werden können.</p><p>3. Nein, es gibt keine Statistik der Gewalttaten in möglichem Zusammenhang mit Psychopharmaka. Gewalttaten werden nur in Einzelfällen erfasst, sodass dazu keine zuverlässige Aussage möglich ist. Bei Suizid und Gewalttaten ist im Einzelfall immer schwer abzuschätzen, welche Rolle das Medikament und welche das psychiatrische Grundleiden gespielt hat.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>1. Gibt es eine Statistik der Todesfälle, welche sich im Zusammenhang mit der Einnahme von Psychopharmaka ereigneten?</p><p>2. Gibt es eine Statistik der Suizide, welche während der Behandlung mit Psychopharmaka oder kurz nach deren Einnahme aufgetreten sind?</p><p>3. Gibt es im Bundesamt für Statistik oder im Bundesamt für Gesundheit entsprechende Statistiken, die Gewalttaten im Zusammenhang mit der Einnahme von Psychopharmaka aufzeigen?</p>
- Statistiken im Zusammenhang mit Einnahme von Psychopharmaka
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