Der duale Bildungsweg in Gefahr. Wie reagieren?
- ShortId
-
13.4123
- Id
-
20134123
- Updated
-
28.07.2023 07:17
- Language
-
de
- Title
-
Der duale Bildungsweg in Gefahr. Wie reagieren?
- AdditionalIndexing
-
32;duales Bildungssystem;Lehrstelle;Lehre;Prognose;Apotheker/in;berufliche Bildung
- 1
-
- L04K13020205, duales Bildungssystem
- L05K1602010701, Prognose
- L06K070202030801, Lehrstelle
- L04K13020204, Lehre
- L03K130202, berufliche Bildung
- L05K0105040101, Apotheker/in
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Das duale Berufsbildungssystem trägt massgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz bei.</p><p>Anfang November hat eine grosse Apothekenkette mit Sitz in Freiburg bekanntgegeben, dass sie aus Spargründen auf die Ausbildung von Lernenden verzichten wird. Ein solches Verhalten ist unverantwortlich: einerseits mit Blick auf die Ausbildungsverantwortung des Unternehmens und andererseits mit Blick auf den Personalmangel, der in Zukunft auftreten könnte. Der Entscheid der Kette ist umso erstaunlicher, als es sich hier um eine Branche handelt, in der die Rentabilität mehr als gut ist.</p><p>Damit sich ein solches Verhalten nicht auf andere Unternehmen und Branchen ausbreitet, müssen die Behörden schnell und angemessen reagieren. Zu diesem Zweck muss eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation sowie der Chancen und Risiken für die Zukunft gemacht werden.</p>
- <p>Der Bundesrat beantwortet die Fragen des Postulanten wie folgt:</p><p>1. Die Berufsbildung stellt in der Schweiz die bedeutendste Erstausbildung dar. Zwei Drittel der Jugendlichen entscheiden sich nach der obligatorischen Schulzeit für diesen Ausbildungsweg. Seit Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes (BBG; SR 412.10) ist die Zahl der Abschlüsse der beruflichen Grundbildung gemäss Bundesamt für Statistik kontinuierlich gestiegen: von 60 100 Abschlüssen im Jahr 2004 auf 69 400 im Jahr 2012. Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist erfreulich hoch. Untersuchungen der Universität Bern im Rahmen der Kosten-Nutzen-Erhebungen kommen zum Schluss, dass rund 42 Prozent der ausbildungsfähigen Betriebe in der Schweiz Lernende ausbilden. Die gesamtschweizerische Lehrstellensituation ist stabil. Seit zwei Jahren übersteigt das Lehrstellenangebot der Unternehmen gemäss den Hochrechnungen des Lehrstellenbarometers die Nachfrage der Jugendlichen.</p><p>2./4. Wie die Umfragen im Rahmen des Lehrstellenbarometers 2013 (August-Erhebung) zeigen, boten drei Viertel der Unternehmen gleich viele Lehrstellen an wie im Vorjahr. Der Hauptgrund, dass nicht jedes Jahr gleich viele Lehrstellen zur Verfügung gestellt werden, liegt in innerbetrieblichen Schwankungen. Daneben wurden insbesondere Umstrukturierungen als Grund angegeben. Lediglich 7 Prozent der befragten Unternehmen nannten als Grund fehlende Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Darüber hinaus ist die Ausbildung zur Berufsbildnerin bzw. zum Berufsbildner eine Zusatzqualifikation, die den Arbeitsmarktwert des Individuums steigert. Nicht zuletzt tragen die pädagogischen Anforderungen zur Qualität der Schweizer Berufsbildung bei.</p><p>3. Die Universität Bern untersucht regelmässig die Kosten-Nutzen-Situation der ausbildenden Betriebe. Die Erhebungen zeigen, dass die produktiven Leistungen der Lernenden im Schnitt bereits während der Lehrzeit die Ausbildungskosten der Betriebe übersteigen. Nicht zuletzt ermöglicht die duale Berufsbildung mit der hohen Praxisorientierung den Unternehmen, Nachwuchskräfte nach ihren Bedürfnissen auszubilden. Dies ist im Hinblick auf den Fachkräftebedarf zentral. Die in der Antwort auf Frage 1 erwähnte Ausbildungsquote zeigt, dass sich die Unternehmen dieses Nutzens bewusst sind. Der Bund trägt mit diversen Massnahmen dazu bei, die Berufsbildung attraktiver zu machen: u. a. Berufsbildungskampagne, Fördermassnahmen für unterschiedliche Begabungspotenziale und Mobilitätsaktivitäten. Zudem stehen jedes Jahr 10 Prozent sämtlicher Bundesbeiträge für die Berufsbildung für Projekte und Leistungen Dritter zur Verfügung (Art. 54 und 55 BBG).</p><p>5. In den eidgenössischen Räten ist ein Erlassentwurf der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates hängig, der eine Anpassung des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (SR 172.056.1) verlangt. Neu soll die Ausbildung von Lernenden der beruflichen Grundbildung in den Katalog der Zuschlagskriterien aufgenommen werden. Um ausländische Anbieter nicht zu benachteiligen, würde der Bundesrat eine andere Regelung bevorzugen. Er hat deshalb in seiner Stellungnahme vom 3. Juli 2013 einen neuen Gesetzesartikel vorgeschlagen. Dieser besagt, dass der Bundesrat das zusätzliche Zuschlagskriterium der Ausbildung von Lernenden in der beruflichen Grundbildung für alle öffentlichen Beschaffungen regelt, mit Ausnahme von Beschaffungen, zu denen völkerrechtliche Verträge ausländischen Anbietern einen nichtdiskriminierenden Zugang gewährleisten.</p><p>Der Bundesrat ist der Ansicht, dass mit der Beantwortung der Fragen die Anliegen des Postulanten erfüllt sind. Ein Bericht wird keine weiteren Fakten aufzeigen können.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in dem insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:</p><p>1. Wie sind die Entwicklungen im dualen Berufsbildungssystem (Lernendenzahlen, Anteil Lernender an der Anzahl Berufstätiger, Zahl der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner usw.)?</p><p>2. Handelt es sich bei der Apothekenkette mit Sitz in Freiburg, die aus Spargründen auf die Ausbildung von Lernenden verzichtet, um einen Einzelfall? Wenn nein, auf wie hoch wird die Zahl solcher Fälle geschätzt, und wie viele Lehrstellen gehen dabei verloren?</p><p>3. Wie gedenkt der Bundesrat die Lehre wieder attraktiver zu machen?</p><p>4. Hat der Bundesrat festgestellt, dass die pädagogischen Anforderungen, die an die Lehrbetriebe gestellt werden, zu einem Verlust an Lehrstellen führen? Wenn ja, wie gedenkt er diesen Trend zu korrigieren?</p><p>5. Ist der Bundesrat bereit, dem Kriterium Lehrlingsausbildung bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen mehr Gewicht zu geben?</p>
- Der duale Bildungsweg in Gefahr. Wie reagieren?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Das duale Berufsbildungssystem trägt massgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz bei.</p><p>Anfang November hat eine grosse Apothekenkette mit Sitz in Freiburg bekanntgegeben, dass sie aus Spargründen auf die Ausbildung von Lernenden verzichten wird. Ein solches Verhalten ist unverantwortlich: einerseits mit Blick auf die Ausbildungsverantwortung des Unternehmens und andererseits mit Blick auf den Personalmangel, der in Zukunft auftreten könnte. Der Entscheid der Kette ist umso erstaunlicher, als es sich hier um eine Branche handelt, in der die Rentabilität mehr als gut ist.</p><p>Damit sich ein solches Verhalten nicht auf andere Unternehmen und Branchen ausbreitet, müssen die Behörden schnell und angemessen reagieren. Zu diesem Zweck muss eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation sowie der Chancen und Risiken für die Zukunft gemacht werden.</p>
- <p>Der Bundesrat beantwortet die Fragen des Postulanten wie folgt:</p><p>1. Die Berufsbildung stellt in der Schweiz die bedeutendste Erstausbildung dar. Zwei Drittel der Jugendlichen entscheiden sich nach der obligatorischen Schulzeit für diesen Ausbildungsweg. Seit Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes (BBG; SR 412.10) ist die Zahl der Abschlüsse der beruflichen Grundbildung gemäss Bundesamt für Statistik kontinuierlich gestiegen: von 60 100 Abschlüssen im Jahr 2004 auf 69 400 im Jahr 2012. Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist erfreulich hoch. Untersuchungen der Universität Bern im Rahmen der Kosten-Nutzen-Erhebungen kommen zum Schluss, dass rund 42 Prozent der ausbildungsfähigen Betriebe in der Schweiz Lernende ausbilden. Die gesamtschweizerische Lehrstellensituation ist stabil. Seit zwei Jahren übersteigt das Lehrstellenangebot der Unternehmen gemäss den Hochrechnungen des Lehrstellenbarometers die Nachfrage der Jugendlichen.</p><p>2./4. Wie die Umfragen im Rahmen des Lehrstellenbarometers 2013 (August-Erhebung) zeigen, boten drei Viertel der Unternehmen gleich viele Lehrstellen an wie im Vorjahr. Der Hauptgrund, dass nicht jedes Jahr gleich viele Lehrstellen zur Verfügung gestellt werden, liegt in innerbetrieblichen Schwankungen. Daneben wurden insbesondere Umstrukturierungen als Grund angegeben. Lediglich 7 Prozent der befragten Unternehmen nannten als Grund fehlende Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Darüber hinaus ist die Ausbildung zur Berufsbildnerin bzw. zum Berufsbildner eine Zusatzqualifikation, die den Arbeitsmarktwert des Individuums steigert. Nicht zuletzt tragen die pädagogischen Anforderungen zur Qualität der Schweizer Berufsbildung bei.</p><p>3. Die Universität Bern untersucht regelmässig die Kosten-Nutzen-Situation der ausbildenden Betriebe. Die Erhebungen zeigen, dass die produktiven Leistungen der Lernenden im Schnitt bereits während der Lehrzeit die Ausbildungskosten der Betriebe übersteigen. Nicht zuletzt ermöglicht die duale Berufsbildung mit der hohen Praxisorientierung den Unternehmen, Nachwuchskräfte nach ihren Bedürfnissen auszubilden. Dies ist im Hinblick auf den Fachkräftebedarf zentral. Die in der Antwort auf Frage 1 erwähnte Ausbildungsquote zeigt, dass sich die Unternehmen dieses Nutzens bewusst sind. Der Bund trägt mit diversen Massnahmen dazu bei, die Berufsbildung attraktiver zu machen: u. a. Berufsbildungskampagne, Fördermassnahmen für unterschiedliche Begabungspotenziale und Mobilitätsaktivitäten. Zudem stehen jedes Jahr 10 Prozent sämtlicher Bundesbeiträge für die Berufsbildung für Projekte und Leistungen Dritter zur Verfügung (Art. 54 und 55 BBG).</p><p>5. In den eidgenössischen Räten ist ein Erlassentwurf der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates hängig, der eine Anpassung des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (SR 172.056.1) verlangt. Neu soll die Ausbildung von Lernenden der beruflichen Grundbildung in den Katalog der Zuschlagskriterien aufgenommen werden. Um ausländische Anbieter nicht zu benachteiligen, würde der Bundesrat eine andere Regelung bevorzugen. Er hat deshalb in seiner Stellungnahme vom 3. Juli 2013 einen neuen Gesetzesartikel vorgeschlagen. Dieser besagt, dass der Bundesrat das zusätzliche Zuschlagskriterium der Ausbildung von Lernenden in der beruflichen Grundbildung für alle öffentlichen Beschaffungen regelt, mit Ausnahme von Beschaffungen, zu denen völkerrechtliche Verträge ausländischen Anbietern einen nichtdiskriminierenden Zugang gewährleisten.</p><p>Der Bundesrat ist der Ansicht, dass mit der Beantwortung der Fragen die Anliegen des Postulanten erfüllt sind. Ein Bericht wird keine weiteren Fakten aufzeigen können.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in dem insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:</p><p>1. Wie sind die Entwicklungen im dualen Berufsbildungssystem (Lernendenzahlen, Anteil Lernender an der Anzahl Berufstätiger, Zahl der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner usw.)?</p><p>2. Handelt es sich bei der Apothekenkette mit Sitz in Freiburg, die aus Spargründen auf die Ausbildung von Lernenden verzichtet, um einen Einzelfall? Wenn nein, auf wie hoch wird die Zahl solcher Fälle geschätzt, und wie viele Lehrstellen gehen dabei verloren?</p><p>3. Wie gedenkt der Bundesrat die Lehre wieder attraktiver zu machen?</p><p>4. Hat der Bundesrat festgestellt, dass die pädagogischen Anforderungen, die an die Lehrbetriebe gestellt werden, zu einem Verlust an Lehrstellen führen? Wenn ja, wie gedenkt er diesen Trend zu korrigieren?</p><p>5. Ist der Bundesrat bereit, dem Kriterium Lehrlingsausbildung bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen mehr Gewicht zu geben?</p>
- Der duale Bildungsweg in Gefahr. Wie reagieren?
Back to List