Anreize zur Verminderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen schaffen
- ShortId
-
14.3162
- Id
-
20143162
- Updated
-
14.11.2025 08:59
- Language
-
de
- Title
-
Anreize zur Verminderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen schaffen
- AdditionalIndexing
-
2841;32;arztähnlicher Beruf;Arbeitskräftebedarf;Wiedereinstieg ins Berufsleben;Unterricht für arztähnliche Berufe;Arzt/Ärztin;Einstellung;berufliche Bildung;ärztlicher Beruf
- 1
-
- L05K0702020302, Arbeitskräftebedarf
- L04K01050401, arztähnlicher Beruf
- L04K13020308, Unterricht für arztähnliche Berufe
- L05K0702010204, Einstellung
- L04K01050402, Arzt/Ärztin
- L03K010504, ärztlicher Beruf
- L03K130202, berufliche Bildung
- L05K0702030305, Wiedereinstieg ins Berufsleben
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Das Gesundheitswesen der Schweiz steht vor grossen personellen Herausforderungen. Bis ins Jahr 2030 müssen 120 000 bis 190 000 Personen neu rekrutiert werden (Obsan 2009). Und: In den kommenden Jahren geht über ein Drittel der Berufstätigen in Rente, und der Bedarf an Pflegeleistungen wird im Bereich der Spitex und Alterspflege signifikant steigen. Um diesen Bedarf zu decken, fehlen jährlich etwa 5000 Gesundheitsfachleute. Es sind heute zu einem guten Teil im Ausland ausgebildete Fachkräfte, die in der Schweiz die Gesundheitsversorgung sichern. Mit der Umsetzung der Volksinitiative "gegen Masseneinwanderung" wird sich aber der Mangel an ausgebildeten Fachkräften nochmals massiv verschärfen. </p><p>Mit dem Masterplan Bildung Pflegeberufe haben Bund, Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt die ersten Weichen gestellt. Aufgrund der neuen Ausgangslage gilt es aber, die bildungspolitischen Ziele und Massnahmen zu überdenken und die Umsetzung wesentlich rascher voranzutreiben. Die Schweiz verfügt über ein beträchtliches inländisches Potenzial an zu wenig genutzten Fachkräften. Wir brauchen: </p><p>1. ein bedarfsgerechtes Bildungsangebot auf allen Stufen und insbesondere mehr Ausbildungs- und Praktikumsplätze in Spitälern, Pflegeheimen und Spitex. Die flächendeckende Einführung der zweijährigen Grundausbildung mit Attest Gesundheit und Soziales muss vorangetrieben werden. </p><p>2. flexible, moderne Arbeitszeitmodelle sowie bezahlbare, familienergänzende Betreuungsmöglichkeiten.</p><p>3. Nachholbildung und Höherqualifizierung für Erwachsene: Entwicklung und Schaffung von gezielten Angeboten, gezielte Unterstützung von Wiedereinsteigerinnen, Anrechnung von Bildungsleistungen ("validation des aquis").</p><p>Nur so kann die Schweiz zukünftig Qualitätseinbussen oder gar Leistungseinschränkungen in der Gesundheitsversorgung verhindern. </p>
- <p>Der Bundesrat hat 2013 die gesundheitspolitische Agenda "Gesundheit 2020" verabschiedet. Ein Ziel der Agenda ist es, mehr und gut qualifiziertes Gesundheitspersonal auszubilden. Das Thema Konsolidierung und Ausbau von Lehre und Forschung in der Humanmedizin wird in die BFI-Botschaft 2017-2020 einbezogen werden, wie der Bundesrat in seiner Stellungnahme zur Motion Rytz 12.3931 festgehalten hat. Mit dem Masterplan Bildung Pflegeberufe und der Fachkräfteinitiative setzen Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt Massnahmen zur Erhöhung der inländischen Ausbildungstätigkeit und zur Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials um.</p><p>Zu den einzelnen in der Motion angesprochenen Punkten:</p><p>1. Gesundheitsfachkräfte werden heute bedarfsgerecht auf allen Bildungsstufen ausgebildet. Die zweijährige berufliche Grundbildung Assistentin/Assistent Gesundheit und Soziales mit eidgenössischem Berufsattest wurde 2012 gesamtschweizerisch erfolgreich eingeführt. Um die Anzahl an Ausbildungsplätzen auf Sekundarstufe II und Tertiärstufe zu erhöhen, hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) Grundsätze für die Steuerung und Finanzierung der betrieblichen Ausbildungsleistungen erarbeitet. Den Kantonen wird empfohlen, die Betriebe zur Ausbildung zu verpflichten. Einige Kantone haben die Ausbildungsverpflichtung bereits realisiert.</p><p>2. Der Bund hat 2011 in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Fachkräfteinitiative (FKI) lanciert. Im Massnahmenbericht zur FKI von 2013 wurden vier Handlungsfelder identifiziert, wovon eines die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Für das Angebot und die Kosten der familienergänzenden Kinderbetreuung sind die Kantone und Gemeinden zuständig. Der Bund unterstützt die Beschaffung zusätzlicher Plätze mit einem befristeten Impulsprogramm. In Erfüllung des Postulates Tornare 13.3135, "Familienpolitik", wird der Bundesrat einen Bericht erstellen. Er wird darlegen, wie die Familienpolitik im Rahmen der geltenden Zuständigkeiten weiterentwickelt werden kann.</p><p>3. Erwachsene können durch den direkten Zugang zum Qualifikationsverfahren, eine verkürzte berufliche Grundbildung oder die Validierung von Bildungsleistungen auf vereinfachtem Weg einen Abschluss als Fachfrau/Fachmann Gesundheit mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis erlangen. Einige Kantone bieten berufsbegleitende Studiengänge und Teilzeitausbildungen an höheren Fachschulen für Pflege an und unterstützen Wiedereinstiegskurse. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation wird in diesem Frühjahr den Bericht "Berufsabschluss und Berufswechsel für Erwachsene" publizieren und darin aufzeigen, welche Handlungsspielräume genutzt werden können, um den Berufsabschluss und die berufliche Mobilität für Erwachsene zu erleichtern.</p><p>Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt haben somit bereits umfassende Massnahmen zur Deckung des Fachkräftebedarfs ergriffen. Im Zusammenhang mit der Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung prüft der Bundesrat auch, ob die vorgesehenen Massnahmen schneller, schärfer oder umfassender umgesetzt werden sollen und ob in gewissen Bereichen weitere Anstrengungen und zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Der Bundesrat erachtet damit das Anliegen der Motion als erfüllt.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und der Wirtschaft die seit Jahren identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich des Nachwuchses im Gesundheitswesen rasch umzusetzen und die identifizierten Potenziale im Inland diesbezüglich bestmöglich zu aktivieren und weitere Anreize zur Verminderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen zu schaffen.</p>
- Anreize zur Verminderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen schaffen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Das Gesundheitswesen der Schweiz steht vor grossen personellen Herausforderungen. Bis ins Jahr 2030 müssen 120 000 bis 190 000 Personen neu rekrutiert werden (Obsan 2009). Und: In den kommenden Jahren geht über ein Drittel der Berufstätigen in Rente, und der Bedarf an Pflegeleistungen wird im Bereich der Spitex und Alterspflege signifikant steigen. Um diesen Bedarf zu decken, fehlen jährlich etwa 5000 Gesundheitsfachleute. Es sind heute zu einem guten Teil im Ausland ausgebildete Fachkräfte, die in der Schweiz die Gesundheitsversorgung sichern. Mit der Umsetzung der Volksinitiative "gegen Masseneinwanderung" wird sich aber der Mangel an ausgebildeten Fachkräften nochmals massiv verschärfen. </p><p>Mit dem Masterplan Bildung Pflegeberufe haben Bund, Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt die ersten Weichen gestellt. Aufgrund der neuen Ausgangslage gilt es aber, die bildungspolitischen Ziele und Massnahmen zu überdenken und die Umsetzung wesentlich rascher voranzutreiben. Die Schweiz verfügt über ein beträchtliches inländisches Potenzial an zu wenig genutzten Fachkräften. Wir brauchen: </p><p>1. ein bedarfsgerechtes Bildungsangebot auf allen Stufen und insbesondere mehr Ausbildungs- und Praktikumsplätze in Spitälern, Pflegeheimen und Spitex. Die flächendeckende Einführung der zweijährigen Grundausbildung mit Attest Gesundheit und Soziales muss vorangetrieben werden. </p><p>2. flexible, moderne Arbeitszeitmodelle sowie bezahlbare, familienergänzende Betreuungsmöglichkeiten.</p><p>3. Nachholbildung und Höherqualifizierung für Erwachsene: Entwicklung und Schaffung von gezielten Angeboten, gezielte Unterstützung von Wiedereinsteigerinnen, Anrechnung von Bildungsleistungen ("validation des aquis").</p><p>Nur so kann die Schweiz zukünftig Qualitätseinbussen oder gar Leistungseinschränkungen in der Gesundheitsversorgung verhindern. </p>
- <p>Der Bundesrat hat 2013 die gesundheitspolitische Agenda "Gesundheit 2020" verabschiedet. Ein Ziel der Agenda ist es, mehr und gut qualifiziertes Gesundheitspersonal auszubilden. Das Thema Konsolidierung und Ausbau von Lehre und Forschung in der Humanmedizin wird in die BFI-Botschaft 2017-2020 einbezogen werden, wie der Bundesrat in seiner Stellungnahme zur Motion Rytz 12.3931 festgehalten hat. Mit dem Masterplan Bildung Pflegeberufe und der Fachkräfteinitiative setzen Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt Massnahmen zur Erhöhung der inländischen Ausbildungstätigkeit und zur Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials um.</p><p>Zu den einzelnen in der Motion angesprochenen Punkten:</p><p>1. Gesundheitsfachkräfte werden heute bedarfsgerecht auf allen Bildungsstufen ausgebildet. Die zweijährige berufliche Grundbildung Assistentin/Assistent Gesundheit und Soziales mit eidgenössischem Berufsattest wurde 2012 gesamtschweizerisch erfolgreich eingeführt. Um die Anzahl an Ausbildungsplätzen auf Sekundarstufe II und Tertiärstufe zu erhöhen, hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) Grundsätze für die Steuerung und Finanzierung der betrieblichen Ausbildungsleistungen erarbeitet. Den Kantonen wird empfohlen, die Betriebe zur Ausbildung zu verpflichten. Einige Kantone haben die Ausbildungsverpflichtung bereits realisiert.</p><p>2. Der Bund hat 2011 in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Fachkräfteinitiative (FKI) lanciert. Im Massnahmenbericht zur FKI von 2013 wurden vier Handlungsfelder identifiziert, wovon eines die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Für das Angebot und die Kosten der familienergänzenden Kinderbetreuung sind die Kantone und Gemeinden zuständig. Der Bund unterstützt die Beschaffung zusätzlicher Plätze mit einem befristeten Impulsprogramm. In Erfüllung des Postulates Tornare 13.3135, "Familienpolitik", wird der Bundesrat einen Bericht erstellen. Er wird darlegen, wie die Familienpolitik im Rahmen der geltenden Zuständigkeiten weiterentwickelt werden kann.</p><p>3. Erwachsene können durch den direkten Zugang zum Qualifikationsverfahren, eine verkürzte berufliche Grundbildung oder die Validierung von Bildungsleistungen auf vereinfachtem Weg einen Abschluss als Fachfrau/Fachmann Gesundheit mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis erlangen. Einige Kantone bieten berufsbegleitende Studiengänge und Teilzeitausbildungen an höheren Fachschulen für Pflege an und unterstützen Wiedereinstiegskurse. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation wird in diesem Frühjahr den Bericht "Berufsabschluss und Berufswechsel für Erwachsene" publizieren und darin aufzeigen, welche Handlungsspielräume genutzt werden können, um den Berufsabschluss und die berufliche Mobilität für Erwachsene zu erleichtern.</p><p>Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt haben somit bereits umfassende Massnahmen zur Deckung des Fachkräftebedarfs ergriffen. Im Zusammenhang mit der Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung prüft der Bundesrat auch, ob die vorgesehenen Massnahmen schneller, schärfer oder umfassender umgesetzt werden sollen und ob in gewissen Bereichen weitere Anstrengungen und zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Der Bundesrat erachtet damit das Anliegen der Motion als erfüllt.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und der Wirtschaft die seit Jahren identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich des Nachwuchses im Gesundheitswesen rasch umzusetzen und die identifizierten Potenziale im Inland diesbezüglich bestmöglich zu aktivieren und weitere Anreize zur Verminderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen zu schaffen.</p>
- Anreize zur Verminderung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen schaffen
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