Raubkunst. Provenienzforschung wirksam fördern
- ShortId
-
14.3497
- Id
-
20143497
- Updated
-
28.07.2023 06:52
- Language
-
de
- Title
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Raubkunst. Provenienzforschung wirksam fördern
- AdditionalIndexing
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36;2831;Museum;Vergangenheit;Kunstwerk;Handelsgeschäft;Zweiter Weltkrieg;Diebstahl
- 1
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- L04K01060312, Museum
- L04K07010102, Handelsgeschäft
- L06K050102010202, Diebstahl
- L05K0106030105, Kunstwerk
- L03K020101, Vergangenheit
- L05K0201010409, Zweiter Weltkrieg
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Provenienzforschung ist aufwendig. Einzelne Museen stossen an ihre Grenzen. Eine Umfrage des Bundesamtes für Kultur vor einiger Zeit hat ergeben, dass die Schweizer Museen die Provenienzen ihrer Sammlungen schlecht bis gar nicht aufgearbeitet haben. Vielen fehlen die personellen und finanziellen Mittel sowie das entsprechende Fachwissen. Nur ein international vernetztes, schweizweit koordiniertes Vorgehen führt zum Ziel. </p><p>Erfahrungen der Vergangenheit haben auch gezeigt, dass Provenienzrecherchen, die auf Freiwilligkeit beruhen, von den Museen nicht oder kaum durchgeführt werden. Es gibt nach wie vor Museen, die Provenienzrecherchen als lästige Zusatzaufgabe sehen, die nicht zu ihrem Kernbereich gehört.</p><p>Immer wieder machen neue Fälle deutlich, dass noch sehr viel Raubkunst in Museen und privaten Sammlungen lagert - vermutlich auch in der Schweiz. Die Schweiz war ja in der Zeit des Nationalsozialismus eine Drehscheibe für geraubte oder unter Druck verkaufte Kunstwerke. Aus moralischen Gründen gebietet es sich, alles zu tun, um die Nachkommen von bestohlenen Eigentümern von Kunstwerken ausfindig zu machen und "gerechte und faire Lösungen" zu finden. Das ist in der Schweiz bisher nur mangelhaft durchgeführt worden. </p><p>Der Bund muss seine Verantwortung wahrnehmen. International (z. B. in Deutschland und Österreich) werden staatliche Mittel für die Provenienzforschung eingesetzt, die zudem erhöht werden sollen. Es werden zudem auch gesetzliche Massnahmen diskutiert, um die Provenienzrecherchen zu einer staatlichen Aufgabe zu machen. </p><p>Die Ergebnisse der Recherchen sollen transparent gemacht und auf einer Internet-Plattform nach dem Muster von Lostart.de publiziert werden.</p><p>Die Schweiz tut - auch als wichtiger Kunstmarkt - gut daran, alles in ihrer Macht zu tun, um den Komplex "Raubkunst" (verfolgungsbedingter Verlust) proaktiv aufzuarbeiten, um nicht später allenfalls unter ausländischem Druck und zu höheren finanziellen Kosten und verbunden mit Reputationsverlust das tun zu müssen wie im Fall der nachrichtenlosen Vermögen.</p>
- <p>Der Bund hat die Provenienzforschung für seine Bestände vorgenommen und die Ergebnisse 1998 in einem Bericht publiziert. Der Bericht ist auf dem Internet (<a href="http://www.bak.admin.ch/rk">www.bak.admin.ch/rk</a> > Provenienzforschung in der Schweiz) abrufbar.</p><p>Seit 2007 arbeiten EDI und EDA im Auftrag des Bundesrates für die weitere Aufarbeitung der NS-Raubkunstproblematik aktiv mit den Kantonen (EDK) und den Museumsverbänden in einer Arbeitsgruppe zusammen.</p><p>Aus diesen Arbeiten entstand 2011 der vom Bundesrat genehmigte "Bericht EDI/EDA zum Stand der Arbeiten im NS-Raubkunstbereich, insbesondere im Bereich Provenienzforschung". Dieser stellt den Handlungsbedarf bei den Museen und Sammlungen Dritter fest und sieht vor, dass der Bund ein Internetportal zur NS-Raubkunst und Provenienzforschung lanciert.</p><p>Das Internetportal wurde mit einer internationalen Tagung im Juni 2013 lanciert. Ziel ist die Unterstützung der Museen und Sammlungen Dritter im Sinne einer "Hilfe zur Selbsthilfe" bei der Durchführung von Provenienzforschung. Ein weiteres Ziel ist es, die Resultate dieser Provenienzforschungen zugänglich zu machen.</p><p>Die Schaffung einer neuen gesetzlichen Grundlage zur Unterstützung der Provenienzforschung ist nicht notwendig, zumal der Bund bereits heute aufgrund von Artikel 10 KFG (SR 442.1) Projektbeiträge für Museen, Sammlungen und Netzwerke Dritter sprechen kann.</p><p>Die vom Bundesrat für die Vernehmlassung verabschiedete Kulturbotschaft 2016-2019 weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Museen und Sammlungen der Kantone, Gemeinden und Privaten noch Aufarbeitungsbedarf bezüglich der Provenienzen besteht und dass der Bund wünscht, dass diese die Provenienzforschung intensivieren und die dafür nötigen Mittel zur Verfügung stellen.</p><p>Aus diesen Gründen sieht der Bundesrat die Schaffung gesetzlicher Grundlagen sowie die Zurverfügungstellung zusätzlicher Mittel nicht vor.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen und die finanziellen Mittel bereitzustellen, damit die Provenienzrecherchen in öffentlichen Museen und Sammlungen Dritter in Zusammenarbeit mit den Kantonen (EDK) und den Museumsverbänden für Erwerbungen ab 1933 bis heute durchgeführt und deren Ergebnisse publiziert werden.</p>
- Raubkunst. Provenienzforschung wirksam fördern
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Provenienzforschung ist aufwendig. Einzelne Museen stossen an ihre Grenzen. Eine Umfrage des Bundesamtes für Kultur vor einiger Zeit hat ergeben, dass die Schweizer Museen die Provenienzen ihrer Sammlungen schlecht bis gar nicht aufgearbeitet haben. Vielen fehlen die personellen und finanziellen Mittel sowie das entsprechende Fachwissen. Nur ein international vernetztes, schweizweit koordiniertes Vorgehen führt zum Ziel. </p><p>Erfahrungen der Vergangenheit haben auch gezeigt, dass Provenienzrecherchen, die auf Freiwilligkeit beruhen, von den Museen nicht oder kaum durchgeführt werden. Es gibt nach wie vor Museen, die Provenienzrecherchen als lästige Zusatzaufgabe sehen, die nicht zu ihrem Kernbereich gehört.</p><p>Immer wieder machen neue Fälle deutlich, dass noch sehr viel Raubkunst in Museen und privaten Sammlungen lagert - vermutlich auch in der Schweiz. Die Schweiz war ja in der Zeit des Nationalsozialismus eine Drehscheibe für geraubte oder unter Druck verkaufte Kunstwerke. Aus moralischen Gründen gebietet es sich, alles zu tun, um die Nachkommen von bestohlenen Eigentümern von Kunstwerken ausfindig zu machen und "gerechte und faire Lösungen" zu finden. Das ist in der Schweiz bisher nur mangelhaft durchgeführt worden. </p><p>Der Bund muss seine Verantwortung wahrnehmen. International (z. B. in Deutschland und Österreich) werden staatliche Mittel für die Provenienzforschung eingesetzt, die zudem erhöht werden sollen. Es werden zudem auch gesetzliche Massnahmen diskutiert, um die Provenienzrecherchen zu einer staatlichen Aufgabe zu machen. </p><p>Die Ergebnisse der Recherchen sollen transparent gemacht und auf einer Internet-Plattform nach dem Muster von Lostart.de publiziert werden.</p><p>Die Schweiz tut - auch als wichtiger Kunstmarkt - gut daran, alles in ihrer Macht zu tun, um den Komplex "Raubkunst" (verfolgungsbedingter Verlust) proaktiv aufzuarbeiten, um nicht später allenfalls unter ausländischem Druck und zu höheren finanziellen Kosten und verbunden mit Reputationsverlust das tun zu müssen wie im Fall der nachrichtenlosen Vermögen.</p>
- <p>Der Bund hat die Provenienzforschung für seine Bestände vorgenommen und die Ergebnisse 1998 in einem Bericht publiziert. Der Bericht ist auf dem Internet (<a href="http://www.bak.admin.ch/rk">www.bak.admin.ch/rk</a> > Provenienzforschung in der Schweiz) abrufbar.</p><p>Seit 2007 arbeiten EDI und EDA im Auftrag des Bundesrates für die weitere Aufarbeitung der NS-Raubkunstproblematik aktiv mit den Kantonen (EDK) und den Museumsverbänden in einer Arbeitsgruppe zusammen.</p><p>Aus diesen Arbeiten entstand 2011 der vom Bundesrat genehmigte "Bericht EDI/EDA zum Stand der Arbeiten im NS-Raubkunstbereich, insbesondere im Bereich Provenienzforschung". Dieser stellt den Handlungsbedarf bei den Museen und Sammlungen Dritter fest und sieht vor, dass der Bund ein Internetportal zur NS-Raubkunst und Provenienzforschung lanciert.</p><p>Das Internetportal wurde mit einer internationalen Tagung im Juni 2013 lanciert. Ziel ist die Unterstützung der Museen und Sammlungen Dritter im Sinne einer "Hilfe zur Selbsthilfe" bei der Durchführung von Provenienzforschung. Ein weiteres Ziel ist es, die Resultate dieser Provenienzforschungen zugänglich zu machen.</p><p>Die Schaffung einer neuen gesetzlichen Grundlage zur Unterstützung der Provenienzforschung ist nicht notwendig, zumal der Bund bereits heute aufgrund von Artikel 10 KFG (SR 442.1) Projektbeiträge für Museen, Sammlungen und Netzwerke Dritter sprechen kann.</p><p>Die vom Bundesrat für die Vernehmlassung verabschiedete Kulturbotschaft 2016-2019 weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Museen und Sammlungen der Kantone, Gemeinden und Privaten noch Aufarbeitungsbedarf bezüglich der Provenienzen besteht und dass der Bund wünscht, dass diese die Provenienzforschung intensivieren und die dafür nötigen Mittel zur Verfügung stellen.</p><p>Aus diesen Gründen sieht der Bundesrat die Schaffung gesetzlicher Grundlagen sowie die Zurverfügungstellung zusätzlicher Mittel nicht vor.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen und die finanziellen Mittel bereitzustellen, damit die Provenienzrecherchen in öffentlichen Museen und Sammlungen Dritter in Zusammenarbeit mit den Kantonen (EDK) und den Museumsverbänden für Erwerbungen ab 1933 bis heute durchgeführt und deren Ergebnisse publiziert werden.</p>
- Raubkunst. Provenienzforschung wirksam fördern
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