Studie der ETH Zürich über Kuhglocken
- ShortId
-
14.3907
- Id
-
20143907
- Updated
-
28.07.2023 06:35
- Language
-
de
- Title
-
Studie der ETH Zürich über Kuhglocken
- AdditionalIndexing
-
55;36;52;24;Wissenschaft und Forschung;Ausrüstung für drahtlose Nachrichtenübermittlung;Tierschutz
- 1
-
- L05K0601040802, Tierschutz
- L01K16, Wissenschaft und Forschung
- L06K120202010102, Ausrüstung für drahtlose Nachrichtenübermittlung
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die kürzlich veröffentlichte Doktorarbeit über Kuhglocken kommt laut Medienberichten zum Schluss, dass die Lärmbelastungen sowie das Gewicht der Kuhglocken die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Beim Lesen der Zeitungsberichte über diese Studie und deren Empfehlungen kann man sich fragen, ob das Forschungsteam die Verhältnisse vor Ort und die Praxis der Viehhalterinnen und Viehhalter, denen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt, wirklich kennt. Die Forscherinnen und Forscher empfehlen, jede Kuh mit einem GPS-Sender auszustatten. Ist ihnen bewusst, dass es aufgrund der schlechten Netzabdeckung in gewissen Regionen nicht möglich ist, ein GPS-Signal zu senden? Wie soll man denn da seine Tiere wiederfinden? Die Studie berücksichtigt die gängige Praxis nicht. Sie äussert lediglich Zweifel an einem ganzen Berufsstand, der darauf achtet, dass sein Vieh unter den bestmöglichen Bedingungen gehalten wird. Sie stellt ausserdem unsere Traditionen, Sitten und Gebräuche infrage, die Teil unseres Kulturgutes sind. Dass so mit öffentlichen Geldern umgegangen wird, ist inakzeptabel!</p>
- <p>1. Das ETH-Gesetz (SR 414.110) garantiert in Artikel 5 Absatz 3 die Lehr-, Lern- und Forschungsfreiheit. Gestützt darauf halten die Richtlinien zur Integrität in der Forschung und gute wissenschaftliche Praxis der ETH Zürich in Artikel 4 fest, dass die Forschenden ihre Forschungsziele und -methoden frei wählen, wobei sie die ethischen Grenzen der Forschungsfreiheit zu beachten haben. Zudem sollen die ETH und die Forschungsanstalten gemäss Artikel 2 Buchstabe b des ETH-Gesetzes durch Forschung die wissenschaftlichen Erkenntnisse erweitern. Bei der Wahl der Forschungsthemen ergeben sich die Prioritäten aus der persönlichen Einschätzung der für die Projektdurchführung verantwortlichen Forschenden, der Kompetenz und Arbeitskapazität der zur Verfügung stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Möglichkeiten der Infrastruktur und gegebenenfalls der Zweckbestimmung der eingeworbenen Drittmittel.</p><p>Die Schulleitung der ETH Zürich, ihre Departemente und ihre Institute können im Rahmen ihrer Strategie Schwerpunkte setzen. Diese wirken sich aber nur auf eine Minderheit der über 700 pro Jahr abgeschlossenen Doktorate aus. Doktorarbeiten werden nicht nur vom Betreuer, sondern auch von zusätzlich mindestens einem unabhängigen Korreferenten beurteilt.</p><p>2. Die Schweiz gehört weltweit zu den Ländern mit den höchsten Ansprüchen an das Tierwohl in der Nutztierhaltung. Lehre und Forschung zum Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere hat dazu beigetragen, das von der Gesellschaft geforderte Tierwohl zu steigern. Diese Art der Forschung wird in den Agrarwissenschaften der ETH Zürich seit über 30 Jahren betrieben.</p><p>3. Die Forschung hat unter anderem die Aufgabe, wissenschaftliche Grundlagen für den gesellschaftlichen Diskurs bereitzustellen. Wie die in den Medien zur Untersuchung zum Kuhglockengeläut zitierten kontroversen Meinungen aus der Bevölkerung bezeugen, werden deren Auswirkungen auf das Wohl von Tier und Mensch schon länger diskutiert.</p><p>4./5. Der Bundesrat misst der Freiheit von Lehre und Forschung grösstes Gewicht bei. Er sieht daher keinen Anlass, sich zur Berechtigung der erwähnten Studie zu äussern oder in Verletzung des obgenannten Grundsatzes in die Hoheit der Institutionen des ETH-Bereichs und ihrer Mitarbeitenden einzugreifen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Aufgrund einer kürzlich veröffentlichten und von den Medien weiterverbreiteten Studie über die schädlichen Einwirkungen von Kuhglocken, die im Rahmen einer Doktorarbeit an der ETH Zürich durchgeführt wurde, stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen: </p><p>1. Auf welcher Grundlage legt die ETH Zürich die Prioritäten bei der Wahl ihrer Doktorarbeiten fest?</p><p>2. Sollten die für die Forschung zur Verfügung gestellten Mittel nicht ernstzunehmenden Bereichen vorbehalten sein?</p><p>3. Gibt man sich nicht der Lächerlichkeit preis, wenn öffentliche Mittel für solche Studien bereitgestellt werden?</p><p>4. Wie beurteilt der Bundesrat eine solche Studie?</p><p>5. Was gedenkt der Bundesrat zu unternehmen, um solche Auswüchse zu verhindern und um sicherzustellen, dass die öffentlichen Mittel gut eingesetzt werden?</p>
- Studie der ETH Zürich über Kuhglocken
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die kürzlich veröffentlichte Doktorarbeit über Kuhglocken kommt laut Medienberichten zum Schluss, dass die Lärmbelastungen sowie das Gewicht der Kuhglocken die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Beim Lesen der Zeitungsberichte über diese Studie und deren Empfehlungen kann man sich fragen, ob das Forschungsteam die Verhältnisse vor Ort und die Praxis der Viehhalterinnen und Viehhalter, denen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt, wirklich kennt. Die Forscherinnen und Forscher empfehlen, jede Kuh mit einem GPS-Sender auszustatten. Ist ihnen bewusst, dass es aufgrund der schlechten Netzabdeckung in gewissen Regionen nicht möglich ist, ein GPS-Signal zu senden? Wie soll man denn da seine Tiere wiederfinden? Die Studie berücksichtigt die gängige Praxis nicht. Sie äussert lediglich Zweifel an einem ganzen Berufsstand, der darauf achtet, dass sein Vieh unter den bestmöglichen Bedingungen gehalten wird. Sie stellt ausserdem unsere Traditionen, Sitten und Gebräuche infrage, die Teil unseres Kulturgutes sind. Dass so mit öffentlichen Geldern umgegangen wird, ist inakzeptabel!</p>
- <p>1. Das ETH-Gesetz (SR 414.110) garantiert in Artikel 5 Absatz 3 die Lehr-, Lern- und Forschungsfreiheit. Gestützt darauf halten die Richtlinien zur Integrität in der Forschung und gute wissenschaftliche Praxis der ETH Zürich in Artikel 4 fest, dass die Forschenden ihre Forschungsziele und -methoden frei wählen, wobei sie die ethischen Grenzen der Forschungsfreiheit zu beachten haben. Zudem sollen die ETH und die Forschungsanstalten gemäss Artikel 2 Buchstabe b des ETH-Gesetzes durch Forschung die wissenschaftlichen Erkenntnisse erweitern. Bei der Wahl der Forschungsthemen ergeben sich die Prioritäten aus der persönlichen Einschätzung der für die Projektdurchführung verantwortlichen Forschenden, der Kompetenz und Arbeitskapazität der zur Verfügung stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Möglichkeiten der Infrastruktur und gegebenenfalls der Zweckbestimmung der eingeworbenen Drittmittel.</p><p>Die Schulleitung der ETH Zürich, ihre Departemente und ihre Institute können im Rahmen ihrer Strategie Schwerpunkte setzen. Diese wirken sich aber nur auf eine Minderheit der über 700 pro Jahr abgeschlossenen Doktorate aus. Doktorarbeiten werden nicht nur vom Betreuer, sondern auch von zusätzlich mindestens einem unabhängigen Korreferenten beurteilt.</p><p>2. Die Schweiz gehört weltweit zu den Ländern mit den höchsten Ansprüchen an das Tierwohl in der Nutztierhaltung. Lehre und Forschung zum Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere hat dazu beigetragen, das von der Gesellschaft geforderte Tierwohl zu steigern. Diese Art der Forschung wird in den Agrarwissenschaften der ETH Zürich seit über 30 Jahren betrieben.</p><p>3. Die Forschung hat unter anderem die Aufgabe, wissenschaftliche Grundlagen für den gesellschaftlichen Diskurs bereitzustellen. Wie die in den Medien zur Untersuchung zum Kuhglockengeläut zitierten kontroversen Meinungen aus der Bevölkerung bezeugen, werden deren Auswirkungen auf das Wohl von Tier und Mensch schon länger diskutiert.</p><p>4./5. Der Bundesrat misst der Freiheit von Lehre und Forschung grösstes Gewicht bei. Er sieht daher keinen Anlass, sich zur Berechtigung der erwähnten Studie zu äussern oder in Verletzung des obgenannten Grundsatzes in die Hoheit der Institutionen des ETH-Bereichs und ihrer Mitarbeitenden einzugreifen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Aufgrund einer kürzlich veröffentlichten und von den Medien weiterverbreiteten Studie über die schädlichen Einwirkungen von Kuhglocken, die im Rahmen einer Doktorarbeit an der ETH Zürich durchgeführt wurde, stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen: </p><p>1. Auf welcher Grundlage legt die ETH Zürich die Prioritäten bei der Wahl ihrer Doktorarbeiten fest?</p><p>2. Sollten die für die Forschung zur Verfügung gestellten Mittel nicht ernstzunehmenden Bereichen vorbehalten sein?</p><p>3. Gibt man sich nicht der Lächerlichkeit preis, wenn öffentliche Mittel für solche Studien bereitgestellt werden?</p><p>4. Wie beurteilt der Bundesrat eine solche Studie?</p><p>5. Was gedenkt der Bundesrat zu unternehmen, um solche Auswüchse zu verhindern und um sicherzustellen, dass die öffentlichen Mittel gut eingesetzt werden?</p>
- Studie der ETH Zürich über Kuhglocken
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