Publikation von Messergebnissen zu den Infektionsraten in den Spitälern

ShortId
14.4107
Id
20144107
Updated
28.07.2023 06:24
Language
de
Title
Publikation von Messergebnissen zu den Infektionsraten in den Spitälern
AdditionalIndexing
2841
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1. Es ist zu begrüssen, dass der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) und der Verein Swissnoso Wundinfektionsraten publizieren und so zur Transparenz im Gesundheitswesen beitragen. Die Resultate der Messung zeigen, dass die Schweiz Infektionshäufigkeiten aufweist, die im Ländervergleich überdurchschnittlich hoch sind. Swissnoso macht verschiedene methodische Vorbehalte für den Ländervergleich geltend, stellt aber insbesondere für den Bereich der Dickdarmchirurgie Verbesserungspotenzial fest. Swissnoso unterstützt die Spitäler mit einem Paket von Massnahmen, um einen strukturierten Verbesserungsprozess einzuleiten. Der Bundesrat geht davon aus, dass die auf das einzelne Spital bezogene Publikation der Ergebnisse einen wirksamen Anreiz für diesen Verbesserungsprozess bildet.</p><p>2. Die ANQ-Messungen sind für die Spitäler, die dem Nationalen Qualitätsvertrag des ANQ und dessen Trägerorganisationen beigetreten sind, verpflichtend. Zum Zeitpunkt der Messung waren noch nicht alle Spitäler dem Nationalen Qualitätsvertrag beigetreten. Gemäss Aussage des ANQ sind jedoch aktuell 153 Spitäler in die Datenerhebung eingeschlossen. Weiter sind all die Spitäler, die an der Erfassung mitgewirkt haben, aber nur Hüft- oder Knieimplantatoperationen erfassten, noch nicht in der Veröffentlichung, weil die poststationäre Befragung erst ein Jahr nach dem Eingriff abgeschlossen ist. Einige Spitäler waren mit dem Aufbau der Messorganisation und der Schulung der Mitarbeitenden noch nicht soweit oder hatten entsprechende "Anlaufschwierigkeiten". Schliesslich können Spitäler, die sich auf chirurgische Disziplinen spezialisiert haben, die durch die Qualitätsmessungen nicht betroffen sind (wie z. B. Ophthalmologie oder plastische Chirurgie), nicht am Messprogramm teilnehmen. Angesichts dieser Erklärungen des ANQ sieht der Bundesrat zurzeit keine Notwendigkeit, subsidiär aktiv zu werden.</p><p>3. Die Wahlmöglichkeit gibt den Spitälern die Möglichkeit, die Auswahl der Messung auf ihr Leistungsportfolio auszurichten. Der ANQ hat jedoch auf Ersuchen von Swissnoso ab dem 1. Oktober 2013 die Messung "Dickdarmoperationen" für alle Spitäler, die diese Operationen durchführen, als verpflichtend erklärt. Der Grund war das deutliche Optimierungspotenzial bei den Infektionsraten bei der Dickdarmchirurgie. Der Bundesrat würde allerdings eine Verpflichtung der Spitäler zur Teilnahme an allen relevanten Messungen begrüssen.</p><p>4. Gemäss Publikationskonzept des ANQ werden auch Spitäler mit geringen Fallzahlen mitausgewertet, und es wird publiziert. Am höchsten sind die Anteile solcher Spitäler bei der Dickdarmchirurgie und Hüftprothetik; da bewegen sich etwa 30 Spitäler mit Fallzahlen unter 30. Es liegt in der Kompetenz der Kantone, im Rahmen der Spitalplanung die Problematik der geringen Fallzahlen anzugehen. Der Bundesrat befürwortet die Festlegung von Mindestfallzahlen, wenn sie nachweislich zu einer besseren Qualität oder Sicherheit der Leistungserbringung führen.</p><p>5. Qualitätsverbesserungsmassnahmen und deren Kommunikation liegen in der Verantwortung der einzelnen Spitäler. Es liegt vorab in der Kompetenz der Kantone und der Versicherer, die Leistungserbringer auf Verbesserungsmassnahmen zu verpflichten. Der Bund hat hier keine direkte Interventionsmöglichkeit. Im Rahmen der Umsetzung der Qualitätsstrategie des Bundes unterstützt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Stiftung Patientensicherheit Schweiz bei der Umsetzung von nationalen Pilotprogrammen zur Verbesserung der Qualität und Patientensicherheit. Diese Pilotprogramme sollen die Spitäler bei Verbesserungsmassnahmen unterstützen.</p><p>6. Die Pilotprogramme werden mit eingeschränkten Themen und limitierter Teilnehmerzahl durchgeführt. So wird das 3. Nationale Pilotprogramm voraussichtlich auf die blasenkatheterassoziierten Infektionen fokussiert sein. Im Rahmen der Programmplanung wird ein entsprechendes Messkonzept auszuarbeiten sein und das Swissnoso-Messprogramm ergänzen. Mit seinem Vorschlag für ein Zentrum für Qualität in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Stärkung Qualität und Wirtschaftlichkeit) will der Bundesrat eine nachhaltige Finanzierung sicherstellen, sodass die Qualitätsprogramme thematisch in die Breite gefahren und auch eine grössere Anzahl von Spitälern eingeschlossen werden könnten. Zudem ist zu erwähnen, dass das BAG auf der Basis des revidierten Epidemiengesetzes (BBl 2012 8157; Informationen unter <a href="http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/03030/03209/03210/index.html?lang=de">http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/03030/03209/03210/index.html?lang=de</a>), das voraussichtlich im Januar 2016 in Kraft treten wird, an der Erarbeitung einer nationalen Strategie zur Prävention, Überwachung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen in Spitälern und Pflegeheimen ist. Diese Strategie wird Grundlage für weitere Massnahmen in diesem Bereich sein.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Swissnoso erfasst zusammen mit dem ANQ Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen. Von der Untersuchung wurden kürzlich die Messergebnisse der zweiten Messperiode publiziert. Diese zeigen in den 118 Spitälern und Spitalgruppen, die an der Erfassung teilgenommen haben, bei fünf Eingriffsarten tiefere Infektionsraten im Vergleich zur Vorperiode, bei drei Eingriffsarten höhere. Damit wird eine transparente, nationale Vergleichbarkeit ermöglicht. Zuweisenden Ärzten - und bedingt auch Patientinnen und Patienten - bietet sich eine erhöhte Information an, wie ernsthaft Spitäler Infektionsrisiken zu senken versuchen.</p><p>Wundinfektionen nach Operationen lassen sich nie zu hundert Prozent vermeiden. Die Infektionsmessungen sind ein wichtiger Schritt zur Reduktion der Infektionen, zumal einerseits bereits die Messungen zu Qualitätssteigerungen führen. Nicht publiziert werden aber andererseits die Anstrengungen der kantonalen Gesundheitsbehörden und der Spitäler selbst, die notwendig sind, damit mit gezielten Massnahmen die Infektionsraten gesenkt werden. Im Interesse der Patientinnen und Patienten sind solche Massnahmen zwingend zu definieren und umzusetzen.</p><p>Zu den (teil-)publizierten Resultaten stellen sich nachfolgende Fragen:</p><p>1. Welche Schlussfolgerungen zieht der Bundesrat aus den Messresultaten?</p><p>2. Von den 158 Spitälern und Spitalgruppen haben sich 46 nicht beteiligt. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, damit sich sämtliche Spitäler an den Messungen beteiligen?</p><p>3. Die Eingriffsarten, die gemessen werden sollen, können von den Spitälern selber gewählt werden. Wie beurteilt er die Möglichkeit, nur die Eingriffe messen zu lassen, bei denen gute Resultate erwartet werden?</p><p>4. Teilweise liessen sich die Messungen einzelner Eingriffe nicht nach einem Jahr auswerten, weil diese im jeweiligen Spital zu selten durchgeführt wurden. Wie stellt er sich zu dieser Problematik des Qualitätsmangels infolge zu geringer Fallzahlen? </p><p>5. Wie erfahren die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte, die Patientinnen und Patienten sowie die Öffentlichkeit, welche Spitäler mit welchen organisatorischen und finanziellen Massnahmen die Reduktion der Infektionsrisiken anstreben? </p><p>6. Werden die Resultate bei den geplanten nationalen Programmen zu den nosokomialen Spitalinfektionen miteinbezogen und/oder wie beeinflussen sie diese?</p>
  • Publikation von Messergebnissen zu den Infektionsraten in den Spitälern
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1. Es ist zu begrüssen, dass der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) und der Verein Swissnoso Wundinfektionsraten publizieren und so zur Transparenz im Gesundheitswesen beitragen. Die Resultate der Messung zeigen, dass die Schweiz Infektionshäufigkeiten aufweist, die im Ländervergleich überdurchschnittlich hoch sind. Swissnoso macht verschiedene methodische Vorbehalte für den Ländervergleich geltend, stellt aber insbesondere für den Bereich der Dickdarmchirurgie Verbesserungspotenzial fest. Swissnoso unterstützt die Spitäler mit einem Paket von Massnahmen, um einen strukturierten Verbesserungsprozess einzuleiten. Der Bundesrat geht davon aus, dass die auf das einzelne Spital bezogene Publikation der Ergebnisse einen wirksamen Anreiz für diesen Verbesserungsprozess bildet.</p><p>2. Die ANQ-Messungen sind für die Spitäler, die dem Nationalen Qualitätsvertrag des ANQ und dessen Trägerorganisationen beigetreten sind, verpflichtend. Zum Zeitpunkt der Messung waren noch nicht alle Spitäler dem Nationalen Qualitätsvertrag beigetreten. Gemäss Aussage des ANQ sind jedoch aktuell 153 Spitäler in die Datenerhebung eingeschlossen. Weiter sind all die Spitäler, die an der Erfassung mitgewirkt haben, aber nur Hüft- oder Knieimplantatoperationen erfassten, noch nicht in der Veröffentlichung, weil die poststationäre Befragung erst ein Jahr nach dem Eingriff abgeschlossen ist. Einige Spitäler waren mit dem Aufbau der Messorganisation und der Schulung der Mitarbeitenden noch nicht soweit oder hatten entsprechende "Anlaufschwierigkeiten". Schliesslich können Spitäler, die sich auf chirurgische Disziplinen spezialisiert haben, die durch die Qualitätsmessungen nicht betroffen sind (wie z. B. Ophthalmologie oder plastische Chirurgie), nicht am Messprogramm teilnehmen. Angesichts dieser Erklärungen des ANQ sieht der Bundesrat zurzeit keine Notwendigkeit, subsidiär aktiv zu werden.</p><p>3. Die Wahlmöglichkeit gibt den Spitälern die Möglichkeit, die Auswahl der Messung auf ihr Leistungsportfolio auszurichten. Der ANQ hat jedoch auf Ersuchen von Swissnoso ab dem 1. Oktober 2013 die Messung "Dickdarmoperationen" für alle Spitäler, die diese Operationen durchführen, als verpflichtend erklärt. Der Grund war das deutliche Optimierungspotenzial bei den Infektionsraten bei der Dickdarmchirurgie. Der Bundesrat würde allerdings eine Verpflichtung der Spitäler zur Teilnahme an allen relevanten Messungen begrüssen.</p><p>4. Gemäss Publikationskonzept des ANQ werden auch Spitäler mit geringen Fallzahlen mitausgewertet, und es wird publiziert. Am höchsten sind die Anteile solcher Spitäler bei der Dickdarmchirurgie und Hüftprothetik; da bewegen sich etwa 30 Spitäler mit Fallzahlen unter 30. Es liegt in der Kompetenz der Kantone, im Rahmen der Spitalplanung die Problematik der geringen Fallzahlen anzugehen. Der Bundesrat befürwortet die Festlegung von Mindestfallzahlen, wenn sie nachweislich zu einer besseren Qualität oder Sicherheit der Leistungserbringung führen.</p><p>5. Qualitätsverbesserungsmassnahmen und deren Kommunikation liegen in der Verantwortung der einzelnen Spitäler. Es liegt vorab in der Kompetenz der Kantone und der Versicherer, die Leistungserbringer auf Verbesserungsmassnahmen zu verpflichten. Der Bund hat hier keine direkte Interventionsmöglichkeit. Im Rahmen der Umsetzung der Qualitätsstrategie des Bundes unterstützt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Stiftung Patientensicherheit Schweiz bei der Umsetzung von nationalen Pilotprogrammen zur Verbesserung der Qualität und Patientensicherheit. Diese Pilotprogramme sollen die Spitäler bei Verbesserungsmassnahmen unterstützen.</p><p>6. Die Pilotprogramme werden mit eingeschränkten Themen und limitierter Teilnehmerzahl durchgeführt. So wird das 3. Nationale Pilotprogramm voraussichtlich auf die blasenkatheterassoziierten Infektionen fokussiert sein. Im Rahmen der Programmplanung wird ein entsprechendes Messkonzept auszuarbeiten sein und das Swissnoso-Messprogramm ergänzen. Mit seinem Vorschlag für ein Zentrum für Qualität in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Stärkung Qualität und Wirtschaftlichkeit) will der Bundesrat eine nachhaltige Finanzierung sicherstellen, sodass die Qualitätsprogramme thematisch in die Breite gefahren und auch eine grössere Anzahl von Spitälern eingeschlossen werden könnten. Zudem ist zu erwähnen, dass das BAG auf der Basis des revidierten Epidemiengesetzes (BBl 2012 8157; Informationen unter <a href="http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/03030/03209/03210/index.html?lang=de">http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/03030/03209/03210/index.html?lang=de</a>), das voraussichtlich im Januar 2016 in Kraft treten wird, an der Erarbeitung einer nationalen Strategie zur Prävention, Überwachung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen in Spitälern und Pflegeheimen ist. Diese Strategie wird Grundlage für weitere Massnahmen in diesem Bereich sein.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Swissnoso erfasst zusammen mit dem ANQ Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen. Von der Untersuchung wurden kürzlich die Messergebnisse der zweiten Messperiode publiziert. Diese zeigen in den 118 Spitälern und Spitalgruppen, die an der Erfassung teilgenommen haben, bei fünf Eingriffsarten tiefere Infektionsraten im Vergleich zur Vorperiode, bei drei Eingriffsarten höhere. Damit wird eine transparente, nationale Vergleichbarkeit ermöglicht. Zuweisenden Ärzten - und bedingt auch Patientinnen und Patienten - bietet sich eine erhöhte Information an, wie ernsthaft Spitäler Infektionsrisiken zu senken versuchen.</p><p>Wundinfektionen nach Operationen lassen sich nie zu hundert Prozent vermeiden. Die Infektionsmessungen sind ein wichtiger Schritt zur Reduktion der Infektionen, zumal einerseits bereits die Messungen zu Qualitätssteigerungen führen. Nicht publiziert werden aber andererseits die Anstrengungen der kantonalen Gesundheitsbehörden und der Spitäler selbst, die notwendig sind, damit mit gezielten Massnahmen die Infektionsraten gesenkt werden. Im Interesse der Patientinnen und Patienten sind solche Massnahmen zwingend zu definieren und umzusetzen.</p><p>Zu den (teil-)publizierten Resultaten stellen sich nachfolgende Fragen:</p><p>1. Welche Schlussfolgerungen zieht der Bundesrat aus den Messresultaten?</p><p>2. Von den 158 Spitälern und Spitalgruppen haben sich 46 nicht beteiligt. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, damit sich sämtliche Spitäler an den Messungen beteiligen?</p><p>3. Die Eingriffsarten, die gemessen werden sollen, können von den Spitälern selber gewählt werden. Wie beurteilt er die Möglichkeit, nur die Eingriffe messen zu lassen, bei denen gute Resultate erwartet werden?</p><p>4. Teilweise liessen sich die Messungen einzelner Eingriffe nicht nach einem Jahr auswerten, weil diese im jeweiligen Spital zu selten durchgeführt wurden. Wie stellt er sich zu dieser Problematik des Qualitätsmangels infolge zu geringer Fallzahlen? </p><p>5. Wie erfahren die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte, die Patientinnen und Patienten sowie die Öffentlichkeit, welche Spitäler mit welchen organisatorischen und finanziellen Massnahmen die Reduktion der Infektionsrisiken anstreben? </p><p>6. Werden die Resultate bei den geplanten nationalen Programmen zu den nosokomialen Spitalinfektionen miteinbezogen und/oder wie beeinflussen sie diese?</p>
    • Publikation von Messergebnissen zu den Infektionsraten in den Spitälern

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