Sofortige Sistierung des Vertriebs von gefährlichen glyphosathaltigen Unkrautvertilgungsmitteln
- ShortId
-
15.3411
- Id
-
20153411
- Updated
-
28.07.2023 06:03
- Language
-
de
- Title
-
Sofortige Sistierung des Vertriebs von gefährlichen glyphosathaltigen Unkrautvertilgungsmitteln
- AdditionalIndexing
-
2841;52;55
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) ist Teil der Weltgesundheitsorganisation. In der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten IARC-Wissenschaftler am 20. März 2015 eine Neubewertung von insgesamt vier Wirkstoffen, wobei Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" klassifiziert und in die zweihöchste von fünf Kategorien gehoben wurde. Nach IARC-Einschätzung liefern Studien, die seit 2001 in den USA, Kanada und Schweden erschienen sind, Hinweise auf eine krebsauslösende Wirkung beim Menschen und ausreichende Belege für eine Kanzerogenität im Tierversuch.</p><p>Glyphosat als Herbizid wird weltweit am meisten gespritzt und tötet jede Pflanze ab. Auch in der Schweiz ist Glyphosat der meistverkaufte Wirkstoff und findet sich in über 70 zugelassenen Herbizidprodukten. Die verkaufte Menge nimmt zu und wird auf rund 300 Tonnen Glyphosat jährlich geschätzt. Ausgebracht wird es im Ackerbau, in Obstanlagen, im professionellen wie privaten Gartenbau sowie auf den Gleisanlagen usw. Glyphosat oder N-(Phosphonomethyl)glycin wurde vom Schweizer Chemiker Henri Martin im Jahre 1950 erfunden. Die Substanz kam erstmals 1974 als Wirkstoff des Totalherbizids Roundup von Monsanto auf den Markt.</p><p>Bereits in den letzten Jahren haben sich Hinweise verdichtet, dass der Wirkstoff Glyphosat und weitere Zusatzstoffe sowie deren Abbauprodukte nicht nur für die Pflanzen und Umwelt (Grundwasservergiftung), sondern auch für Menschen und Tiere gefährlicher als bisher angenommen sind. Konkret stehen sie im Verdacht, das menschliche Hormonsystem bereits in winzigen Mengen zu beeinflussen und so bei Tieren und Menschen die Fortpflanzung und Embryonal- bzw. Fötalentwicklung zu stören sowie bestimmte Krebserkrankungen zu begünstigen. Unser Ökosystem ist sensibel, unsere Umwelt und somit auch unsere Gesundheit werden durch immer mehr chemische Stoffe belastet. Langzeitstudien fehlen in vielen Fällen. Es ist höchste Zeit zu handeln.</p><p>In Deutschland und Österreich wie auf EU-Ebene haben die Grünen ebensolche Forderungen nach einer Sistierung, einer umfassenden Langzeit-Risikoabklärung und einer Neubeurteilung des heiklen Wirkstoffes Glyphosat gestellt.</p>
- <p>Glyphosat ist das in der Schweiz am meisten angewandte Herbizid. Es wird insbesondere für die Neuansaat von Wiesen, vor der Ansaat einer Kultur im Rahmen der bodenschonenden Verfahren, für die Bekämpfung von problematischen Unkräutern in Brachen, für die Gleisanlagepflege sowie für die Bekämpfung von Unkräuter im Obst- und Weinbau und in öffentlichen Anlagen angewendet. Mit dem Rückzug von vielen Bodenherbiziden bleiben neben der mechanischen oder manuellen Bekämpfung für gewisse Anwendungen keine Alternativen.</p><p>Dem Bundesrat ist bekannt, dass die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März 2015 Glyphosat neu als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hat. Dieser Entscheid wurde am 20. März 2015 in "The Lancet" in Form eines kurzen Artikels publiziert. Dieser Artikel erlaubt es jedoch nicht, die Schlussfolgerungen des IARC objektiv und wissenschaftlich nachzuvollziehen. Der umfassende Bericht und die detaillierten Auswertungen, die zu dieser neuen Einstufung geführt haben, stehen noch nicht zur Verfügung. Gemäss diesem Artikel hat die IARC offensichtlich für ihre Beurteilung keine neuen toxikologischen Studien ausgewertet.</p><p>Glyphosat ist in der Schweiz und in Europa nicht als karzinogen eingestuft. Diese Beurteilung basiert auf den Schlussfolgerungen des für die gesundheitliche Bewertung national zuständigen Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, internationaler Expertengremien wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, aber auch dem gemeinsamen Expertengremium für Pestizidrückstände von WHO und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, das für die Bewertung von Pflanzenschutzmitteln zuständig ist.</p><p>Im Rahmen der neusten, erst kürzlich durchgeführten Überprüfung von Glyphosat in der EU wurde basierend auf der Neubewertung von fast 1000 Studien Glyphosat weder als krebserregend, reproduktionsschädigend noch als fruchtschädigend beurteilt. Im Rahmen der Zulassungen wurden mehrere Studien über die chronische Toxizität von Glyphosat bewertet. Die zulässigen Höchstkonzentrationen in Lebensmitteln befinden sich weit unter der zum Schutz der Gesundheit maximal akzeptablen Dosis, die gemäss dieser Studien abgeleitet wurde.</p><p>Glyphosat erfüllt ebenfalls alle Anforderungen zum Schutz der Umwelt. Glyphosat ist weder für Vögel und Säugetiere noch für Insekten schädlich. Auch für Gewässerorganismen besteht nach heutigem Wissensstand bei sachgemässer Anwendung kein unannehmbares Risiko. Dank der guten Bindung von Glyphosat und seinem Metaboliten Ampa im Boden, ist dieser Wirkstoff bezüglich Grundwasser als eher unproblematisch einzustufen. So belegen Monitoringdaten, dass die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind und keine negativen Effekte auf aquatische Tiere und Pflanzen und das Grundwasser zu erwarten sind.</p><p>Gestützt auf die aktuellen toxikologischen Studien gibt es im Moment keinen Anlass, Glyphosat neu als karzinogen einzustufen. Sollten neue wissenschaftliche Informationen zeigen, dass eine neue Einstufung gerechtfertigt ist, werden die nötigen Massnahmen zum Schutz des Menschen und der Umwelt getroffen. Im Rahmen der Erarbeitung des nationalen Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird zudem geprüft, wie die Risiken weiter reduziert werden können.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, den Vertrieb von Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten sofort zu sistieren und die Langzeitrisiken einer Exposition für Mensch, Tier und Umwelt umfassend abzuklären.</p>
- Sofortige Sistierung des Vertriebs von gefährlichen glyphosathaltigen Unkrautvertilgungsmitteln
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) ist Teil der Weltgesundheitsorganisation. In der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten IARC-Wissenschaftler am 20. März 2015 eine Neubewertung von insgesamt vier Wirkstoffen, wobei Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" klassifiziert und in die zweihöchste von fünf Kategorien gehoben wurde. Nach IARC-Einschätzung liefern Studien, die seit 2001 in den USA, Kanada und Schweden erschienen sind, Hinweise auf eine krebsauslösende Wirkung beim Menschen und ausreichende Belege für eine Kanzerogenität im Tierversuch.</p><p>Glyphosat als Herbizid wird weltweit am meisten gespritzt und tötet jede Pflanze ab. Auch in der Schweiz ist Glyphosat der meistverkaufte Wirkstoff und findet sich in über 70 zugelassenen Herbizidprodukten. Die verkaufte Menge nimmt zu und wird auf rund 300 Tonnen Glyphosat jährlich geschätzt. Ausgebracht wird es im Ackerbau, in Obstanlagen, im professionellen wie privaten Gartenbau sowie auf den Gleisanlagen usw. Glyphosat oder N-(Phosphonomethyl)glycin wurde vom Schweizer Chemiker Henri Martin im Jahre 1950 erfunden. Die Substanz kam erstmals 1974 als Wirkstoff des Totalherbizids Roundup von Monsanto auf den Markt.</p><p>Bereits in den letzten Jahren haben sich Hinweise verdichtet, dass der Wirkstoff Glyphosat und weitere Zusatzstoffe sowie deren Abbauprodukte nicht nur für die Pflanzen und Umwelt (Grundwasservergiftung), sondern auch für Menschen und Tiere gefährlicher als bisher angenommen sind. Konkret stehen sie im Verdacht, das menschliche Hormonsystem bereits in winzigen Mengen zu beeinflussen und so bei Tieren und Menschen die Fortpflanzung und Embryonal- bzw. Fötalentwicklung zu stören sowie bestimmte Krebserkrankungen zu begünstigen. Unser Ökosystem ist sensibel, unsere Umwelt und somit auch unsere Gesundheit werden durch immer mehr chemische Stoffe belastet. Langzeitstudien fehlen in vielen Fällen. Es ist höchste Zeit zu handeln.</p><p>In Deutschland und Österreich wie auf EU-Ebene haben die Grünen ebensolche Forderungen nach einer Sistierung, einer umfassenden Langzeit-Risikoabklärung und einer Neubeurteilung des heiklen Wirkstoffes Glyphosat gestellt.</p>
- <p>Glyphosat ist das in der Schweiz am meisten angewandte Herbizid. Es wird insbesondere für die Neuansaat von Wiesen, vor der Ansaat einer Kultur im Rahmen der bodenschonenden Verfahren, für die Bekämpfung von problematischen Unkräutern in Brachen, für die Gleisanlagepflege sowie für die Bekämpfung von Unkräuter im Obst- und Weinbau und in öffentlichen Anlagen angewendet. Mit dem Rückzug von vielen Bodenherbiziden bleiben neben der mechanischen oder manuellen Bekämpfung für gewisse Anwendungen keine Alternativen.</p><p>Dem Bundesrat ist bekannt, dass die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März 2015 Glyphosat neu als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hat. Dieser Entscheid wurde am 20. März 2015 in "The Lancet" in Form eines kurzen Artikels publiziert. Dieser Artikel erlaubt es jedoch nicht, die Schlussfolgerungen des IARC objektiv und wissenschaftlich nachzuvollziehen. Der umfassende Bericht und die detaillierten Auswertungen, die zu dieser neuen Einstufung geführt haben, stehen noch nicht zur Verfügung. Gemäss diesem Artikel hat die IARC offensichtlich für ihre Beurteilung keine neuen toxikologischen Studien ausgewertet.</p><p>Glyphosat ist in der Schweiz und in Europa nicht als karzinogen eingestuft. Diese Beurteilung basiert auf den Schlussfolgerungen des für die gesundheitliche Bewertung national zuständigen Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, internationaler Expertengremien wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, aber auch dem gemeinsamen Expertengremium für Pestizidrückstände von WHO und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, das für die Bewertung von Pflanzenschutzmitteln zuständig ist.</p><p>Im Rahmen der neusten, erst kürzlich durchgeführten Überprüfung von Glyphosat in der EU wurde basierend auf der Neubewertung von fast 1000 Studien Glyphosat weder als krebserregend, reproduktionsschädigend noch als fruchtschädigend beurteilt. Im Rahmen der Zulassungen wurden mehrere Studien über die chronische Toxizität von Glyphosat bewertet. Die zulässigen Höchstkonzentrationen in Lebensmitteln befinden sich weit unter der zum Schutz der Gesundheit maximal akzeptablen Dosis, die gemäss dieser Studien abgeleitet wurde.</p><p>Glyphosat erfüllt ebenfalls alle Anforderungen zum Schutz der Umwelt. Glyphosat ist weder für Vögel und Säugetiere noch für Insekten schädlich. Auch für Gewässerorganismen besteht nach heutigem Wissensstand bei sachgemässer Anwendung kein unannehmbares Risiko. Dank der guten Bindung von Glyphosat und seinem Metaboliten Ampa im Boden, ist dieser Wirkstoff bezüglich Grundwasser als eher unproblematisch einzustufen. So belegen Monitoringdaten, dass die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind und keine negativen Effekte auf aquatische Tiere und Pflanzen und das Grundwasser zu erwarten sind.</p><p>Gestützt auf die aktuellen toxikologischen Studien gibt es im Moment keinen Anlass, Glyphosat neu als karzinogen einzustufen. Sollten neue wissenschaftliche Informationen zeigen, dass eine neue Einstufung gerechtfertigt ist, werden die nötigen Massnahmen zum Schutz des Menschen und der Umwelt getroffen. Im Rahmen der Erarbeitung des nationalen Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird zudem geprüft, wie die Risiken weiter reduziert werden können.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, den Vertrieb von Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten sofort zu sistieren und die Langzeitrisiken einer Exposition für Mensch, Tier und Umwelt umfassend abzuklären.</p>
- Sofortige Sistierung des Vertriebs von gefährlichen glyphosathaltigen Unkrautvertilgungsmitteln
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