Nationales Sorgentelefon für Lehrlinge
- ShortId
-
15.3837
- Id
-
20153837
- Updated
-
14.11.2025 07:16
- Language
-
de
- Title
-
Nationales Sorgentelefon für Lehrlinge
- AdditionalIndexing
-
28;32
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Lehrabbrüche sind dafür verantwortlich, dass jeder zehnte Erwachsene keinen nachobligatorischen Abschluss erreicht. Das hochgesteckte Ziel des Bundes, dass 95 Prozent aller Erwachsenen über einen Abschluss Sekundarschulstufe II verfügen, kann nur erreicht werden, wenn die Lehrabbruchquote deutlich verringert wird. Mehr als ein Fünftel der Lehrverhältnisse werden im schweizerischen Durchschnitt vorzeitig abgebrochen. Die Anzahl der Abbrüche ist unterschiedlich je nach Branche, Beruf oder Lehrbetrieb. Häufigste Ursachen nebst mangelnden Leistungen sind ungeklärte Konflikte und die Ausbildungsqualität im Betrieb. Nur in rund der Hälfte der Fälle wurde ein Gespräch geführt, um einen möglichen Ausbildungsabbruch abzuwenden.</p><p>Eine Anlaufstelle im Sinne eines "Sorgentelefons für Lehrlinge" könnte sowohl Berufslernende wie Lehrbetriebe gezielt über ihre Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit ihrer Berufsbildung aufklären. Die Probleme der Lernenden in ihren Lehrbetrieben könnten auf diesem Weg frühzeitig angegangen und in vielen Fällen unbürokratisch einer Lösung zugeführt werden. Die finanzielle Unterstützung dieser Anlaufstelle über Artikel 54 des Berufsbildungsgesetzes "Beiträge für Projekte zur Entwicklung der Berufsbildung und zur Qualitätsentwicklung" ist denkbar. Das Sorgentelefon soll primär die Lehraufsicht der Kantone unterstützen.</p><p>In den meisten Lehrbetrieben ist die Ausbildungsqualität gut oder sogar hervorragend. Kommt es aber zu Problemen am Arbeitsplatz, fühlen sich die Lehrlinge oft allein gelassen. Für Jugendliche ist der Weg zu Fach- oder Amtsstellen wie die Lehraufsicht meist weit und bürokratisch. Zudem befürchten die Lernenden Repressionen. Durch die korrekte Aufklärung der Lernenden über ihre Rechte und Pflichten profitieren alle Betriebe von einer niederschwelligen Anlaufstelle. Das duale Berufsbildungssystem würde durch das "Sorgentelefon für Lehrlinge" insgesamt gestärkt und die Qualität der Lehre verbessert.</p>
- <p>Zur Problematik der Lehrabbrüche hat sich der Bundesrat bereits in der Stellungnahme zum Postulat Munz 15.3430 eingehend geäussert. Von 2009 bis 2011 hatte der Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen das Call Center Berufsbildung geführt. Dieses Call Center mit einer nationalen, kostenlosen 0800-Telefonnummer war als zentrale Anlaufstelle für alle konzipiert, die Fragen rund um die Berufsbildung hatten. Der Schwerpunkt lag auf Fragen im Zusammenhang mit bestehenden Lehrverhältnissen. Spezifische Zielgruppen des Call Centers waren Lernende und Lehrbetriebe.</p><p>Das Call Center wurde wegen mangelnden Interesses eingestellt. Es erhielt knapp fünf Anrufe pro Monat. Die Lehrbetriebe und die Lernenden bevorzugten den direkten Kontakt mit dem kantonalen Berufsbildungsamt.</p><p>Die kantonalen Berufsbildungsämter unterstützen sowohl Lernende als auch Lehrbetriebe bei Fragen und Schwierigkeiten während der Ausbildung. Sie stellen ausserdem die Koordination zwischen den an der beruflichen Grundbildung Beteiligten sicher und erfüllen damit die Aufgaben der Kantone gemäss Artikel 24 des Berufsbildungsgesetzes.</p><p>Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berufsbildungsämter berücksichtigen bei Konflikten die Sicht aller Lehrvertragsparteien und haben die Kompetenz, Massnahmen einzuleiten. Sie informieren die Lernenden schriftlich (u. a. im Internet und auf Merkblättern zum Lehrvertrag) und mündlich (z. B. in den Berufsfachschulen) über ihre Dienstleistungen. Lernenden stehen darüber hinaus weitere Unterstützungsangebote zur Verfügung (u. a. auch die nationale 24-Stunden-Telefonhotline "Beratung + Hilfe 147" von Pro Juventute). Diese Angebote werden u. a. im Rahmen der Umsetzung des Berufsbildungsgesetzes, der Verordnung über Massnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie zur Stärkung der Kinderrechte und des nationalen Programms zur Prävention und Bekämpfung von Armut vom Bund unterstützt.</p><p>Aufgrund der gemachten Erfahrungen mit dem Call Center Berufsbildung erachtet der Bundesrat eine Anlaufstelle auf Bundesebene nicht als zielführend.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Ist der Bundesrat bereit, eine niederschwellige Anlaufstelle für Lehrlinge einzurichten und finanziell zu unterstützen, damit Probleme in der Lehre frühzeitig angegangen werden und Lehrabbrüche möglichst verhindert werden können?</p>
- Nationales Sorgentelefon für Lehrlinge
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Lehrabbrüche sind dafür verantwortlich, dass jeder zehnte Erwachsene keinen nachobligatorischen Abschluss erreicht. Das hochgesteckte Ziel des Bundes, dass 95 Prozent aller Erwachsenen über einen Abschluss Sekundarschulstufe II verfügen, kann nur erreicht werden, wenn die Lehrabbruchquote deutlich verringert wird. Mehr als ein Fünftel der Lehrverhältnisse werden im schweizerischen Durchschnitt vorzeitig abgebrochen. Die Anzahl der Abbrüche ist unterschiedlich je nach Branche, Beruf oder Lehrbetrieb. Häufigste Ursachen nebst mangelnden Leistungen sind ungeklärte Konflikte und die Ausbildungsqualität im Betrieb. Nur in rund der Hälfte der Fälle wurde ein Gespräch geführt, um einen möglichen Ausbildungsabbruch abzuwenden.</p><p>Eine Anlaufstelle im Sinne eines "Sorgentelefons für Lehrlinge" könnte sowohl Berufslernende wie Lehrbetriebe gezielt über ihre Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit ihrer Berufsbildung aufklären. Die Probleme der Lernenden in ihren Lehrbetrieben könnten auf diesem Weg frühzeitig angegangen und in vielen Fällen unbürokratisch einer Lösung zugeführt werden. Die finanzielle Unterstützung dieser Anlaufstelle über Artikel 54 des Berufsbildungsgesetzes "Beiträge für Projekte zur Entwicklung der Berufsbildung und zur Qualitätsentwicklung" ist denkbar. Das Sorgentelefon soll primär die Lehraufsicht der Kantone unterstützen.</p><p>In den meisten Lehrbetrieben ist die Ausbildungsqualität gut oder sogar hervorragend. Kommt es aber zu Problemen am Arbeitsplatz, fühlen sich die Lehrlinge oft allein gelassen. Für Jugendliche ist der Weg zu Fach- oder Amtsstellen wie die Lehraufsicht meist weit und bürokratisch. Zudem befürchten die Lernenden Repressionen. Durch die korrekte Aufklärung der Lernenden über ihre Rechte und Pflichten profitieren alle Betriebe von einer niederschwelligen Anlaufstelle. Das duale Berufsbildungssystem würde durch das "Sorgentelefon für Lehrlinge" insgesamt gestärkt und die Qualität der Lehre verbessert.</p>
- <p>Zur Problematik der Lehrabbrüche hat sich der Bundesrat bereits in der Stellungnahme zum Postulat Munz 15.3430 eingehend geäussert. Von 2009 bis 2011 hatte der Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen das Call Center Berufsbildung geführt. Dieses Call Center mit einer nationalen, kostenlosen 0800-Telefonnummer war als zentrale Anlaufstelle für alle konzipiert, die Fragen rund um die Berufsbildung hatten. Der Schwerpunkt lag auf Fragen im Zusammenhang mit bestehenden Lehrverhältnissen. Spezifische Zielgruppen des Call Centers waren Lernende und Lehrbetriebe.</p><p>Das Call Center wurde wegen mangelnden Interesses eingestellt. Es erhielt knapp fünf Anrufe pro Monat. Die Lehrbetriebe und die Lernenden bevorzugten den direkten Kontakt mit dem kantonalen Berufsbildungsamt.</p><p>Die kantonalen Berufsbildungsämter unterstützen sowohl Lernende als auch Lehrbetriebe bei Fragen und Schwierigkeiten während der Ausbildung. Sie stellen ausserdem die Koordination zwischen den an der beruflichen Grundbildung Beteiligten sicher und erfüllen damit die Aufgaben der Kantone gemäss Artikel 24 des Berufsbildungsgesetzes.</p><p>Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berufsbildungsämter berücksichtigen bei Konflikten die Sicht aller Lehrvertragsparteien und haben die Kompetenz, Massnahmen einzuleiten. Sie informieren die Lernenden schriftlich (u. a. im Internet und auf Merkblättern zum Lehrvertrag) und mündlich (z. B. in den Berufsfachschulen) über ihre Dienstleistungen. Lernenden stehen darüber hinaus weitere Unterstützungsangebote zur Verfügung (u. a. auch die nationale 24-Stunden-Telefonhotline "Beratung + Hilfe 147" von Pro Juventute). Diese Angebote werden u. a. im Rahmen der Umsetzung des Berufsbildungsgesetzes, der Verordnung über Massnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie zur Stärkung der Kinderrechte und des nationalen Programms zur Prävention und Bekämpfung von Armut vom Bund unterstützt.</p><p>Aufgrund der gemachten Erfahrungen mit dem Call Center Berufsbildung erachtet der Bundesrat eine Anlaufstelle auf Bundesebene nicht als zielführend.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Ist der Bundesrat bereit, eine niederschwellige Anlaufstelle für Lehrlinge einzurichten und finanziell zu unterstützen, damit Probleme in der Lehre frühzeitig angegangen werden und Lehrabbrüche möglichst verhindert werden können?</p>
- Nationales Sorgentelefon für Lehrlinge
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