Schweizerisches Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung nichtionisierender Strahlung auf elektrosensible Personen
- ShortId
-
15.4214
- Id
-
20154214
- Updated
-
28.07.2023 05:35
- Language
-
de
- Title
-
Schweizerisches Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung nichtionisierender Strahlung auf elektrosensible Personen
- AdditionalIndexing
-
36;52;2841
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Mit der ungebremsten Verbreitung der Mobiltelefonie, drahtlosen Internetzugängen über Wireless LAN, elektrischen Geräten für den Haushalt usw. mit Strahlungswerten weit unterhalb der amtlichen Grenzwerte, aber auch dem Ausbau von Hochspannungsleitungen klagen vermehrt Menschen über Beschwerden, die sie den Begleiterscheinungen dieser Technologien zuschreiben. Sie klagen über Kopfschmerzen, Schlaf-, Herzrhythmus- und Konzentrationsstörungen und vieles mehr. Die Beschwerden führen oftmals zu starken Einschränkungen in der Lebensführung bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Die Betroffenen leiden grosse Not und fühlen sich von Medizin und Politik im Stich gelassen. Linderung finden sie nur in abgeschirmten Räumen, in Kellern oder im dichten Wald. Die bisherigen Forschungsprojekte erwiesen sich als irreführend, da auf viel zu kurze oder viel zu schwache Befeldung, auf ungeeignete Probanden (z. B. 20-jährige Männer) oder auf ungeeignete Messverfahren abgestellt wurde, um eine Elektrosensibilität nachweisen zu können.</p><p>Das neue Forschungsprojekt soll den umgekehrten Weg gehen. Es soll eine von nichtionisierender Strahlung möglichst freie Zone geschaffen werden, um zu erforschen, ob damit elektrisch hypersensiblen Personen wieder ein beschwerdefreies Leben ermöglicht werden kann und ob diese sich wieder ins Erwerbsleben integrieren können.</p><p>Die Telekommunikationsanbieter zeigen wenig Interesse an solchen Ergebnissen. Daher ist es notwendig, dass dieses Gebiet seriös, mit unabhängigen Mitteln und vorurteilslos erforscht wird. Insbesondere sind nicht nur die mit heutigem Wissensstand messbaren Veränderungen zu dokumentieren, sondern auch die von den Probandinnen und Probanden erlebten Symptome, auch wenn noch nicht eruierbar ist, weshalb diese auftreten.</p>
- <p>Als elektrosensibel werden Menschen bezeichnet, die eigene gesundheitliche Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten auf elektromagnetische Felder zurückführen. Der Bundesrat hat sich zu dieser Thematik bereits in seiner Stellungnahme zur Motion Zisyadis 09.3222, "Massnahmen bei Elektrosensibilität", sowie zu der in den Grundzügen gleichlautenden Motion Kiener Nellen 13.3957, "Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung von nichtionisierenden Strahlungen auf elektrosensible Personen", geäussert. Er hat beide Motionen zur Ablehnung beantragt. Sie wurden abgeschrieben, nachdem sie mehr als zwei Jahre hängig waren.</p><p>Das Phänomen der Elektrosensibilität wird seit Jahren diskutiert und erforscht, und dies weltweit. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat im Jahr 2012 einen Synthesebericht "Elektromagnetische Hypersensibilität" veröffentlicht, welcher den Stand der Forschung dokumentiert und bewertet. Demnach gibt es für Elektrosensibilität keine anerkannte medizinische Diagnose, und es wird aus wissenschaftlicher Sicht als unwahrscheinlich betrachtet, dass kurzfristige Belastungen mit nichtionisierender Strahlung für die genannten Symptome verantwortlich sind. Es bleiben jedoch offene Fragen zu allfälligen langfristigen Auswirkungen, die durch weitere Forschung geklärt werden sollten. An diesem Befund hat sich nichts geändert.</p><p>Im Jahr 2014 hat das Bafu eine beratende Expertengruppe NIS (Berenis) eingesetzt, welche laufend neu erscheinende wissenschaftliche Publikationen, einschliesslich solcher zur Thematik der Elektrosensibilität, auf die Bedeutung für den Schutz des Menschen sichtet und beurteilt.</p><p>Was die von der Motionärin vorgeschlagene Ausscheidung einer strahlungsarmen Zone und Einrichtung einer Anlage zur Erforschung elektromagnetischer Hypersensibilität anbelangt, erscheint es als wenig aussichtsreich, auf diese Weise verlässliche Aussagen über die Ursachen der Elektrosensibilität und die Wirksamkeit von Interventionen zu gewinnen. Es ist bekannt, dass beim Phänomen der Elektrosensibilität auch Erwartungen und Befürchtungen der betroffenen Menschen eine Rolle spielen können. Änderungen der Befindlichkeit in einer solchen als strahlungsarm deklarierten Zone können deshalb auch durch Placebo-Effekte ausgelöst werden oder überlagert sein. Solche Einflüsse lassen sich im vorgeschlagenen Untersuchungsansatz grundsätzlich nicht kontrollieren.</p><p>Forschende haben jederzeit die Möglichkeit, wissenschaftliche Projekte zu Einzelfragen in diesem Themenbereich zu vertiefen oder beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) einzureichen. Insgesamt ist der Bundesrat aber der Ansicht, dass zurzeit kein zusätzlicher Handlungsbedarf besteht.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung von nichtionisierenden Strahlungen auf elektrosensible Personen einzurichten. Dazu braucht es die Bezeichnung und den temporären Schutz einer elektrosmogfreien oder -armen Gemeinde respektive eines Gebietes, um ein entsprechendes Projekt zu installieren. Der Bund soll eine entsprechende Forschungsanlage einrichten und betreiben bis zum Abschluss des Forschungsprojekts und zum Vorliegen der Ergebnisse. Er zieht anschliessend daraus die angezeigten Schlussfolgerungen und leitet die erforderlichen Massnahmen ein.</p>
- Schweizerisches Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung nichtionisierender Strahlung auf elektrosensible Personen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Mit der ungebremsten Verbreitung der Mobiltelefonie, drahtlosen Internetzugängen über Wireless LAN, elektrischen Geräten für den Haushalt usw. mit Strahlungswerten weit unterhalb der amtlichen Grenzwerte, aber auch dem Ausbau von Hochspannungsleitungen klagen vermehrt Menschen über Beschwerden, die sie den Begleiterscheinungen dieser Technologien zuschreiben. Sie klagen über Kopfschmerzen, Schlaf-, Herzrhythmus- und Konzentrationsstörungen und vieles mehr. Die Beschwerden führen oftmals zu starken Einschränkungen in der Lebensführung bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Die Betroffenen leiden grosse Not und fühlen sich von Medizin und Politik im Stich gelassen. Linderung finden sie nur in abgeschirmten Räumen, in Kellern oder im dichten Wald. Die bisherigen Forschungsprojekte erwiesen sich als irreführend, da auf viel zu kurze oder viel zu schwache Befeldung, auf ungeeignete Probanden (z. B. 20-jährige Männer) oder auf ungeeignete Messverfahren abgestellt wurde, um eine Elektrosensibilität nachweisen zu können.</p><p>Das neue Forschungsprojekt soll den umgekehrten Weg gehen. Es soll eine von nichtionisierender Strahlung möglichst freie Zone geschaffen werden, um zu erforschen, ob damit elektrisch hypersensiblen Personen wieder ein beschwerdefreies Leben ermöglicht werden kann und ob diese sich wieder ins Erwerbsleben integrieren können.</p><p>Die Telekommunikationsanbieter zeigen wenig Interesse an solchen Ergebnissen. Daher ist es notwendig, dass dieses Gebiet seriös, mit unabhängigen Mitteln und vorurteilslos erforscht wird. Insbesondere sind nicht nur die mit heutigem Wissensstand messbaren Veränderungen zu dokumentieren, sondern auch die von den Probandinnen und Probanden erlebten Symptome, auch wenn noch nicht eruierbar ist, weshalb diese auftreten.</p>
- <p>Als elektrosensibel werden Menschen bezeichnet, die eigene gesundheitliche Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten auf elektromagnetische Felder zurückführen. Der Bundesrat hat sich zu dieser Thematik bereits in seiner Stellungnahme zur Motion Zisyadis 09.3222, "Massnahmen bei Elektrosensibilität", sowie zu der in den Grundzügen gleichlautenden Motion Kiener Nellen 13.3957, "Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung von nichtionisierenden Strahlungen auf elektrosensible Personen", geäussert. Er hat beide Motionen zur Ablehnung beantragt. Sie wurden abgeschrieben, nachdem sie mehr als zwei Jahre hängig waren.</p><p>Das Phänomen der Elektrosensibilität wird seit Jahren diskutiert und erforscht, und dies weltweit. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat im Jahr 2012 einen Synthesebericht "Elektromagnetische Hypersensibilität" veröffentlicht, welcher den Stand der Forschung dokumentiert und bewertet. Demnach gibt es für Elektrosensibilität keine anerkannte medizinische Diagnose, und es wird aus wissenschaftlicher Sicht als unwahrscheinlich betrachtet, dass kurzfristige Belastungen mit nichtionisierender Strahlung für die genannten Symptome verantwortlich sind. Es bleiben jedoch offene Fragen zu allfälligen langfristigen Auswirkungen, die durch weitere Forschung geklärt werden sollten. An diesem Befund hat sich nichts geändert.</p><p>Im Jahr 2014 hat das Bafu eine beratende Expertengruppe NIS (Berenis) eingesetzt, welche laufend neu erscheinende wissenschaftliche Publikationen, einschliesslich solcher zur Thematik der Elektrosensibilität, auf die Bedeutung für den Schutz des Menschen sichtet und beurteilt.</p><p>Was die von der Motionärin vorgeschlagene Ausscheidung einer strahlungsarmen Zone und Einrichtung einer Anlage zur Erforschung elektromagnetischer Hypersensibilität anbelangt, erscheint es als wenig aussichtsreich, auf diese Weise verlässliche Aussagen über die Ursachen der Elektrosensibilität und die Wirksamkeit von Interventionen zu gewinnen. Es ist bekannt, dass beim Phänomen der Elektrosensibilität auch Erwartungen und Befürchtungen der betroffenen Menschen eine Rolle spielen können. Änderungen der Befindlichkeit in einer solchen als strahlungsarm deklarierten Zone können deshalb auch durch Placebo-Effekte ausgelöst werden oder überlagert sein. Solche Einflüsse lassen sich im vorgeschlagenen Untersuchungsansatz grundsätzlich nicht kontrollieren.</p><p>Forschende haben jederzeit die Möglichkeit, wissenschaftliche Projekte zu Einzelfragen in diesem Themenbereich zu vertiefen oder beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) einzureichen. Insgesamt ist der Bundesrat aber der Ansicht, dass zurzeit kein zusätzlicher Handlungsbedarf besteht.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung von nichtionisierenden Strahlungen auf elektrosensible Personen einzurichten. Dazu braucht es die Bezeichnung und den temporären Schutz einer elektrosmogfreien oder -armen Gemeinde respektive eines Gebietes, um ein entsprechendes Projekt zu installieren. Der Bund soll eine entsprechende Forschungsanlage einrichten und betreiben bis zum Abschluss des Forschungsprojekts und zum Vorliegen der Ergebnisse. Er zieht anschliessend daraus die angezeigten Schlussfolgerungen und leitet die erforderlichen Massnahmen ein.</p>
- Schweizerisches Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung nichtionisierender Strahlung auf elektrosensible Personen
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