Perspektiven für die bäuerliche Kälbermast
- ShortId
-
16.3173
- Id
-
20163173
- Updated
-
28.07.2023 05:27
- Language
-
de
- Title
-
Perspektiven für die bäuerliche Kälbermast
- AdditionalIndexing
-
52;55
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der bäuerliche Kälbermäster mästet vorwiegend seine eigenen Kälber. Reichen die betriebseigenen Kälber (eigene Population) nicht aus, müssen einige zusätzliche Tiere für die Milchverwertung zugekauft werden. 25 Prozent der produzierten Mastkälber in der Schweiz stammen aus der bäuerlichen Kälbermast. Verfüttert wird vor allem selbstproduzierte Vollmilch. Die bäuerlichen Kälbermäster veredeln die anfallende Milch direkt auf dem Hof zum begehrten und qualitativ hochstehenden Kalbfleisch. Sie entlasten somit auch den strapazierten Milchmarkt. Im Berggebiet haben die bäuerlichen Kälbermäster eine wichtige Rolle für die dezentrale Besiedelung. Für viele Viehzuchtbetriebe in Rand- und Bergregionen ist die Kälbermast ein natürlicher Produktionszweig zur Verwertung der Milch, und diese Produktionsart ist in vielen Fällen mit der Alpwirtschaft verbunden. Die kleinen Produktionseinheiten der bäuerlichen Kälbermäster, mit der Mast der vorwiegend eigenen Kälber, haben auch Vorteile im Bereich der Tiergesundheit. Dies begründet sich mit seltenen Tiertransporten und Betriebswechseln. Die bäuerlichen Kälbermäster sind seit dem Wegfall der Tierbeiträge und aufgrund der saisonal grossen Schwankungen der Kalbfleischpreise jedoch wirtschaftlich stark unter Druck. Es sind unbedingt Massnahmen zu ergreifen, um den bäuerlichen Kälbermästern eine Perspektive zu geben. Damit kann auch verhindert werden, dass diese zusätzlich in den Milchmarkt einsteigen.</p>
- <p>1. Eine Auswertung von Agroscope mit Betrieben der zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten aus dem Berggebiet zeigt, dass Betriebe mit Kälbermast im Vergleich zu Betrieben mit Rindviehaufzucht und Betrieben mit Verkehrsmilchproduktion wirtschaftlich schlechter dastehen. In der untersuchten Periode von 2009 bis 2014 wiesen Betriebe mit Kälbermast im Durchschnitt im Vergleich zu den Betrieben mit Rindviehaufzucht ein um rund 25 Prozent tieferes landwirtschaftliches Einkommen und einen rund 22 Prozent geringeren Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft auf. Im Vergleich zu Betrieben mit Verkehrsmilchproduktion im Berggebiet war das landwirtschaftliche Einkommen der Kälbermastbetriebe um rund 44 Prozent respektive rund 38 Prozent je Familienarbeitskraft tiefer. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Kälbermastbetriebe im Vergleich zu den übrigen Betrieben deutlich kleinere Strukturen haben.</p><p>Im Vergleich zum Jahr 2013 konnten die Kälbermastbetriebe im Jahr 2014, im ersten Jahr mit der neuen Agrarpolitik 2014-2017, das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen um fast 30 Prozent steigern. Gründe dafür sind unter anderem höhere Erlöse bei den Kälbern, höhere Rohleistungen bei den Kühen und das allgemein in der Bergregion gestiegene Direktzahlungsniveau. Die landwirtschaftlichen Einkommen der Aufzuchtbetriebe sind 2014 im Vergleich zu 2013 um rund 10 Prozent und diejenigen der Verkehrsmilchproduktionsbetriebe um rund 15 Prozent angestiegen.</p><p>2. Der Bundesrat ist sich des Stellenwerts der kleinstrukturierten bäuerlichen Kälbermastbetriebe, die sich vorwiegend im Berggebiet befinden, bewusst. Mit der Agrarpolitik 2014-2017 hat das Parlament auf Vorschlag des Bundesrates die Unterstützung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaft und des Tierwohls gestärkt. Gerade auch die bäuerlichen Kälbermäster im Berggebiet können von dieser Neuausrichtung der Agrarpolitik profitieren, wie erste Ergebnisse zeigen.</p><p>3. Der bäuerliche Kälbermäster ist wie jeder Landwirt ein Unternehmer und sichert sein Einkommen aus den Einnahmen aus Leistungen am Markt und Bundesmitteln einerseits und den Ausgaben und Abschreibungen andererseits. Jeder Landwirt muss sein Unternehmen periodisch betriebswirtschaftlich beurteilen, das Optimierungspotenzial ausloten und gegebenenfalls die notwendigen Korrekturen beispielsweise beim Aufwand oder bei der Anpassung der Produktion vornehmen.</p><p>Bei einem sinkenden Pro-Kopf-Konsum und einem überdurchschnittlich hohen Inlandanteil am Konsum sind aus der Sicht des Bundesrates beim Kalbfleisch innovative Massnahmen mit dem Fokus Qualität und Nachhaltigkeit besonders gefragt. Eine klare Differenzierung auf den Absatzmärkten und eine weiter verstärkte Zusammenarbeit der Produzenten mit den Verarbeitungsbetrieben und dem Handel könnten mögliche Lösungen für die bäuerliche Kälbermast sein. Der neue Produktionsstandard "Buure Chalb", welcher in der Startphase von 2014 bis 2017 vom Bundesamt für Landwirtschaft mit einer Finanzhilfe zur Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit unterstützt wird, ist eine von der Branche getroffene Massnahme.</p><p>4. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die bestehenden Instrumente der Agrarpolitik genügen und keine weiteren Massnahmen zur Förderung der bäuerlichen Kälbermast notwendig sind. Insbesondere können gestützt auf Artikel 11 des Landwirtschaftsgesetzes innovative gemeinschaftliche Massnahmen zur Sicherung der Qualität und der Nachhaltigkeit von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und deren Verarbeitungsprodukten unterstützt werden.</p><p>Falls die Startphase für das Projekt "Buure Chalb" erfolgreich verläuft, wäre gegebenenfalls eine weitergehende, auf vier Jahre befristete Finanzhilfe für die Teilnahme der Landwirte an diesem Produktionsstandard denkbar.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Fragen in Bezug auf die bäuerliche Kälbermast zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er die wirtschaftliche Situation der bäuerlichen Kälbermäster?</p><p>2. Welchen Stellenwert erkennt er in der kleinstrukturierten bäuerlichen Kälbermast im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Produktionsvielfalt und mit der Tiergesundheit?</p><p>3. Welche Möglichkeiten sieht er, um die wirtschaftliche Zukunft der bäuerlichen Kälbermast zu sichern?</p><p>4. Ist er bereit, für die bewährte und konsumentenfreundliche bäuerliche Kälbermast unterstützende Massnahmen einzuleiten, und wenn ja, welche?</p>
- Perspektiven für die bäuerliche Kälbermast
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Der bäuerliche Kälbermäster mästet vorwiegend seine eigenen Kälber. Reichen die betriebseigenen Kälber (eigene Population) nicht aus, müssen einige zusätzliche Tiere für die Milchverwertung zugekauft werden. 25 Prozent der produzierten Mastkälber in der Schweiz stammen aus der bäuerlichen Kälbermast. Verfüttert wird vor allem selbstproduzierte Vollmilch. Die bäuerlichen Kälbermäster veredeln die anfallende Milch direkt auf dem Hof zum begehrten und qualitativ hochstehenden Kalbfleisch. Sie entlasten somit auch den strapazierten Milchmarkt. Im Berggebiet haben die bäuerlichen Kälbermäster eine wichtige Rolle für die dezentrale Besiedelung. Für viele Viehzuchtbetriebe in Rand- und Bergregionen ist die Kälbermast ein natürlicher Produktionszweig zur Verwertung der Milch, und diese Produktionsart ist in vielen Fällen mit der Alpwirtschaft verbunden. Die kleinen Produktionseinheiten der bäuerlichen Kälbermäster, mit der Mast der vorwiegend eigenen Kälber, haben auch Vorteile im Bereich der Tiergesundheit. Dies begründet sich mit seltenen Tiertransporten und Betriebswechseln. Die bäuerlichen Kälbermäster sind seit dem Wegfall der Tierbeiträge und aufgrund der saisonal grossen Schwankungen der Kalbfleischpreise jedoch wirtschaftlich stark unter Druck. Es sind unbedingt Massnahmen zu ergreifen, um den bäuerlichen Kälbermästern eine Perspektive zu geben. Damit kann auch verhindert werden, dass diese zusätzlich in den Milchmarkt einsteigen.</p>
- <p>1. Eine Auswertung von Agroscope mit Betrieben der zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten aus dem Berggebiet zeigt, dass Betriebe mit Kälbermast im Vergleich zu Betrieben mit Rindviehaufzucht und Betrieben mit Verkehrsmilchproduktion wirtschaftlich schlechter dastehen. In der untersuchten Periode von 2009 bis 2014 wiesen Betriebe mit Kälbermast im Durchschnitt im Vergleich zu den Betrieben mit Rindviehaufzucht ein um rund 25 Prozent tieferes landwirtschaftliches Einkommen und einen rund 22 Prozent geringeren Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft auf. Im Vergleich zu Betrieben mit Verkehrsmilchproduktion im Berggebiet war das landwirtschaftliche Einkommen der Kälbermastbetriebe um rund 44 Prozent respektive rund 38 Prozent je Familienarbeitskraft tiefer. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Kälbermastbetriebe im Vergleich zu den übrigen Betrieben deutlich kleinere Strukturen haben.</p><p>Im Vergleich zum Jahr 2013 konnten die Kälbermastbetriebe im Jahr 2014, im ersten Jahr mit der neuen Agrarpolitik 2014-2017, das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen um fast 30 Prozent steigern. Gründe dafür sind unter anderem höhere Erlöse bei den Kälbern, höhere Rohleistungen bei den Kühen und das allgemein in der Bergregion gestiegene Direktzahlungsniveau. Die landwirtschaftlichen Einkommen der Aufzuchtbetriebe sind 2014 im Vergleich zu 2013 um rund 10 Prozent und diejenigen der Verkehrsmilchproduktionsbetriebe um rund 15 Prozent angestiegen.</p><p>2. Der Bundesrat ist sich des Stellenwerts der kleinstrukturierten bäuerlichen Kälbermastbetriebe, die sich vorwiegend im Berggebiet befinden, bewusst. Mit der Agrarpolitik 2014-2017 hat das Parlament auf Vorschlag des Bundesrates die Unterstützung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaft und des Tierwohls gestärkt. Gerade auch die bäuerlichen Kälbermäster im Berggebiet können von dieser Neuausrichtung der Agrarpolitik profitieren, wie erste Ergebnisse zeigen.</p><p>3. Der bäuerliche Kälbermäster ist wie jeder Landwirt ein Unternehmer und sichert sein Einkommen aus den Einnahmen aus Leistungen am Markt und Bundesmitteln einerseits und den Ausgaben und Abschreibungen andererseits. Jeder Landwirt muss sein Unternehmen periodisch betriebswirtschaftlich beurteilen, das Optimierungspotenzial ausloten und gegebenenfalls die notwendigen Korrekturen beispielsweise beim Aufwand oder bei der Anpassung der Produktion vornehmen.</p><p>Bei einem sinkenden Pro-Kopf-Konsum und einem überdurchschnittlich hohen Inlandanteil am Konsum sind aus der Sicht des Bundesrates beim Kalbfleisch innovative Massnahmen mit dem Fokus Qualität und Nachhaltigkeit besonders gefragt. Eine klare Differenzierung auf den Absatzmärkten und eine weiter verstärkte Zusammenarbeit der Produzenten mit den Verarbeitungsbetrieben und dem Handel könnten mögliche Lösungen für die bäuerliche Kälbermast sein. Der neue Produktionsstandard "Buure Chalb", welcher in der Startphase von 2014 bis 2017 vom Bundesamt für Landwirtschaft mit einer Finanzhilfe zur Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit unterstützt wird, ist eine von der Branche getroffene Massnahme.</p><p>4. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die bestehenden Instrumente der Agrarpolitik genügen und keine weiteren Massnahmen zur Förderung der bäuerlichen Kälbermast notwendig sind. Insbesondere können gestützt auf Artikel 11 des Landwirtschaftsgesetzes innovative gemeinschaftliche Massnahmen zur Sicherung der Qualität und der Nachhaltigkeit von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und deren Verarbeitungsprodukten unterstützt werden.</p><p>Falls die Startphase für das Projekt "Buure Chalb" erfolgreich verläuft, wäre gegebenenfalls eine weitergehende, auf vier Jahre befristete Finanzhilfe für die Teilnahme der Landwirte an diesem Produktionsstandard denkbar.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Fragen in Bezug auf die bäuerliche Kälbermast zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er die wirtschaftliche Situation der bäuerlichen Kälbermäster?</p><p>2. Welchen Stellenwert erkennt er in der kleinstrukturierten bäuerlichen Kälbermast im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Produktionsvielfalt und mit der Tiergesundheit?</p><p>3. Welche Möglichkeiten sieht er, um die wirtschaftliche Zukunft der bäuerlichen Kälbermast zu sichern?</p><p>4. Ist er bereit, für die bewährte und konsumentenfreundliche bäuerliche Kälbermast unterstützende Massnahmen einzuleiten, und wenn ja, welche?</p>
- Perspektiven für die bäuerliche Kälbermast
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