Reorganisation von Agroscope. Folgen für den Weinbau in der Schweiz?

ShortId
16.3536
Id
20163536
Updated
28.07.2023 05:19
Language
de
Title
Reorganisation von Agroscope. Folgen für den Weinbau in der Schweiz?
AdditionalIndexing
55;04
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Neuaufstellung von Agroscope per 1. Januar 2017 setzt einerseits die Sparvorgaben des Bundesrates um, welche vor dem Hintergrund der drohenden Budgetdefizite beschlossen wurden, andererseits ist sie eine Antwort auf Defizite und Kritiken, welche auch nach der Reorganisation per 1. Januar 2014 festgestellt und immer wieder geäussert wurden. Gleichzeitig ermöglicht die neue Organisation, effektiver und effizienter auf die absehbaren Herausforderungen der Agrarforschung Schweiz, inklusive des Schweizer Weinanbaus und der Weinproduktion, zu reagieren.</p><p>Die Fragen werden wie folgt beantwortet:</p><p>1./5./7. Ziel von Agroscope ist es, die Leistungen der Schweizer Weinforschung aufrechtzuerhalten und den Bedürfnissen der Regionen mittels des nationalen Forums, das zu Beginn jedes vierjährigen Tätigkeitsprogramms Gesuche an Agroscope richten kann, zu entsprechen. Das Verfahren für das Tätigkeitsprogramm 2018-2021 läuft. Die neue Führungsstruktur von Agroscope betrifft weder das Forschungszentrum Caudoz in Pully noch den Versuchskeller in Changins, wo Versuche in der Weinbereitung gemacht werden und die Forschungsgruppe Weinbau angesiedelt sein wird. In der Deutschschweiz läuft die Errichtung des Weinbauzentrums Wädenswil (WBZW) in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), dem Kanton Zürich und dem Branchenverband Deutschschweizer Wein (BDW). Im Tessin wird das Zentrum von Cadenazzo, dessen Infrastrukturanlagen einer Gesamtrenovierung unterzogen wurden, seine Tätigkeiten im Bereich Pflanzenschutz südlich der Alpen fortführen. Der Rebberg von Cugnasco wird hingegen aufgehoben, zugunsten von privaten Parzellen in Gudo, die der Bund kaufen könnte. Die Weinforschung in der lateinischen Schweiz wird weiterhin von den Forschungsgruppen von Pully und Changins koordiniert, und die Zusammenarbeit mit dem WBZW wird gemäss den Bedürfnissen gestaltet.</p><p>2./5. Agroscope bearbeitet an mehreren Standorten in der Schweiz Fragen zum Weinbau (siehe Antwort unter 1./5./7.). Um Doppelspurigkeiten auszuräumen und die Effizienz und Effektivität zu steigern, wird der Standort Changins als zentrale Anlaufstelle und Kompetenzzentrum Agroscope für Weinbau gestärkt. In der Konsequenz werden an den Standorten Wädenswil (Bildung WBZW) und Cugnasco die Ressourcen leicht reduziert.</p><p>3. Das WBZW stellt ein neues Funktionsmodell für Forschung und Bildung dar. Es folgt dem Public-Private-Partnership-Gedanken, welcher die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung zwischen Einheiten der öffentlichen Hand und Forschungsinstitutionen, Privatunternehmen sowie Nonprofitorganisationen neu gestaltet. Solche Modelle wurden in den letzten Jahren national und international in verschiedenen Bereichen gewinnbringend umgesetzt und entsprechen der bundesrätlichen Politik im Bereich der Forschungs- und Innovationsförderung.</p><p>Auch bei Agroscope und im Weinbau kann man sich auf positive Erfahrungen stützen, z. B. aus den laufenden Projekten "Chasselas Baronnie du Dézaley" und Klonzüchtung von Petite Arvine im Wallis sowie dem abgeschlossenen KTI-Projekt "Terroir vaudois", die teilweise durch kantonale Partnerschaften oder Berufskreise unterstützt werden bzw. wurden.</p><p>4./7. Mit der Neugestaltung der Führungsstruktur von Agroscope soll keine Reduzierung der Forschungsleistungen, einschliesslich im Weinbau, erzielt werden. Die Weinforschung verfolgt eine langfristige Optik, und die laufenden Versuche werden zu Ende gebracht, damit keine wichtigen Ergebnisse verlorengehen.</p><p>6. Heute umfasst die Weinforschung von Agroscope, die von den Forschungsgruppen Weinbau (Pully), Weinbereitung (Changins) und chemische Analytik (akkreditiertes Labor Changins) wahrgenommen wird, die gesamte Wertschöpfungskette von der Traube bis zum Wein. Sie wird gesamtschweizerisch mit der gleichen Methodologie, einschliesslich der sensorischen Analysen, im Versuchskeller von Changins und einem Keller für Mikro-Weinbereitung in Pully vollzogen und steht in der Zuständigkeit des Bereichsleiters. In Zukunft wird für die lateinische Schweiz (Westschweiz und Tessin) und für die Deutschschweiz an diesem Prinzip festgehalten. So können anhand der getroffenen Massnahmen die aktuellen Leistungen zugunsten der Schweizer Winzerinnen und Winzer, mit denen Agroscope seit jeher eine gute Beziehung pflegt, sichergestellt werden. Das Ziel ist eine langfristige Vision für den nachhaltigen Weinbau, der Produkte mit hohem Mehrwert generiert. Die Forschungsachsen im Bereich der Züchtung pilzresistenter Sorten, der Klonzüchtung traditioneller und einheimischer Sorten, die Bodenpflege, die Wasser- und Mineralstoffversorgung der Rebe, der Pflanzenschutz mit geringeren Rückständen im Wein, die Vorhersage von Pflanzenschutzrisiken, das Potenzial neuer Sorten und die Optimierung der Techniken der Weinbereitung sind einige der wichtigsten Themen von Agroscope von heute und morgen.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Kürzlich war zu erfahren, dass Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung, reorganisiert wird oder, besser gesagt, dass es dort zu einem Abbau kommt. Nun gilt es, die direkten Folgen dieses Entscheids auf den Weinbau in der Schweiz zu beurteilen. Für diese Branche ist Agroscope im Bereich Forschung und Entwicklung von grundlegender Bedeutung. Konkret konnten dank den Aktivitäten von Agroscope in allen Weinbauregionen der Schweiz die Produktionssysteme weiterentwickelt und die Planung und die Bewirtschaftung der Weinberge verbessert werden. Mit der Einführung neuer Rebsorten und der kontinuierlichen Forschung und Auswahl konnte die Produktion erheblich verbessert werden. In den letzten Jahren hat Agroscope den Schweizer Weinbau auch bei der Bekämpfung neuer Krankheiten unterstützt. Besorgt über die jüngste Entwicklung stelle ich dem Bundesrat deshalb folgende Fragen:</p><p>1. Wird die Restrukturierung von Agroscope zu einem Abbau der Leistungen führen im Bereich Forschung, Entwicklung und Beratung zugunsten der Weinbaubranche? Wenn nein, wie werden die bisherigen Leistungen nach der Restrukturierung organisiert und erweitert?</p><p>2. Welche Tätigkeiten oder Leistungen im Bereich des Weinbaus in der Schweiz wurden oder werden konkret redimensioniert?</p><p>3. Gibt es Tätigkeiten oder Leistungen zugunsten des Weinbaus in der Schweiz, die an Dritte übertragen werden sollen? An wen? An die Kantone? An einzelne Regionen?</p><p>4. Agroscope war zugunsten des "Schweizer Weins" auf gesamtschweizerischer Ebene tätig, ohne regionale Unterschiede zu machen. Dieser gesamtschweizerische Zugang war ganz bestimmt ein Trumpf. Wird mit der Reorganisation nicht alles, was in den letzten Jahren erarbeitet wurde, infrage gestellt, wenn wichtiges Know-how und der gesamtschweizerische Ansatz verlorengehen?</p><p>5. Agroscope führt Versuche vom Jura über das Mittelland und die Alpen bis ins Tessin durch. Welche Folgen wird die Restrukturierung auf die verschiedenen Standorte haben? Welche Standorte wurden geschlossen? Welche redimensioniert?</p><p>6. Wie kann sichergestellt werden, dass der Zugang regionenübergreifend ist und die Forschung alle Realitäten unseres Landes berücksichtigt, wenn mit der Reorganisation eine Zentralisierung einhergeht, die zum Verlust von Kontakten und den Kenntnissen der örtlichen Besonderheiten führen wird (z. B. Wallis und Tessin)?</p><p>7. Ist die laufende Reorganisation von Agroscope Grund zur Besorgnis für die Weinbaubranche in der Schweiz? Wenn nein, warum nicht?</p>
  • Reorganisation von Agroscope. Folgen für den Weinbau in der Schweiz?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Neuaufstellung von Agroscope per 1. Januar 2017 setzt einerseits die Sparvorgaben des Bundesrates um, welche vor dem Hintergrund der drohenden Budgetdefizite beschlossen wurden, andererseits ist sie eine Antwort auf Defizite und Kritiken, welche auch nach der Reorganisation per 1. Januar 2014 festgestellt und immer wieder geäussert wurden. Gleichzeitig ermöglicht die neue Organisation, effektiver und effizienter auf die absehbaren Herausforderungen der Agrarforschung Schweiz, inklusive des Schweizer Weinanbaus und der Weinproduktion, zu reagieren.</p><p>Die Fragen werden wie folgt beantwortet:</p><p>1./5./7. Ziel von Agroscope ist es, die Leistungen der Schweizer Weinforschung aufrechtzuerhalten und den Bedürfnissen der Regionen mittels des nationalen Forums, das zu Beginn jedes vierjährigen Tätigkeitsprogramms Gesuche an Agroscope richten kann, zu entsprechen. Das Verfahren für das Tätigkeitsprogramm 2018-2021 läuft. Die neue Führungsstruktur von Agroscope betrifft weder das Forschungszentrum Caudoz in Pully noch den Versuchskeller in Changins, wo Versuche in der Weinbereitung gemacht werden und die Forschungsgruppe Weinbau angesiedelt sein wird. In der Deutschschweiz läuft die Errichtung des Weinbauzentrums Wädenswil (WBZW) in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), dem Kanton Zürich und dem Branchenverband Deutschschweizer Wein (BDW). Im Tessin wird das Zentrum von Cadenazzo, dessen Infrastrukturanlagen einer Gesamtrenovierung unterzogen wurden, seine Tätigkeiten im Bereich Pflanzenschutz südlich der Alpen fortführen. Der Rebberg von Cugnasco wird hingegen aufgehoben, zugunsten von privaten Parzellen in Gudo, die der Bund kaufen könnte. Die Weinforschung in der lateinischen Schweiz wird weiterhin von den Forschungsgruppen von Pully und Changins koordiniert, und die Zusammenarbeit mit dem WBZW wird gemäss den Bedürfnissen gestaltet.</p><p>2./5. Agroscope bearbeitet an mehreren Standorten in der Schweiz Fragen zum Weinbau (siehe Antwort unter 1./5./7.). Um Doppelspurigkeiten auszuräumen und die Effizienz und Effektivität zu steigern, wird der Standort Changins als zentrale Anlaufstelle und Kompetenzzentrum Agroscope für Weinbau gestärkt. In der Konsequenz werden an den Standorten Wädenswil (Bildung WBZW) und Cugnasco die Ressourcen leicht reduziert.</p><p>3. Das WBZW stellt ein neues Funktionsmodell für Forschung und Bildung dar. Es folgt dem Public-Private-Partnership-Gedanken, welcher die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung zwischen Einheiten der öffentlichen Hand und Forschungsinstitutionen, Privatunternehmen sowie Nonprofitorganisationen neu gestaltet. Solche Modelle wurden in den letzten Jahren national und international in verschiedenen Bereichen gewinnbringend umgesetzt und entsprechen der bundesrätlichen Politik im Bereich der Forschungs- und Innovationsförderung.</p><p>Auch bei Agroscope und im Weinbau kann man sich auf positive Erfahrungen stützen, z. B. aus den laufenden Projekten "Chasselas Baronnie du Dézaley" und Klonzüchtung von Petite Arvine im Wallis sowie dem abgeschlossenen KTI-Projekt "Terroir vaudois", die teilweise durch kantonale Partnerschaften oder Berufskreise unterstützt werden bzw. wurden.</p><p>4./7. Mit der Neugestaltung der Führungsstruktur von Agroscope soll keine Reduzierung der Forschungsleistungen, einschliesslich im Weinbau, erzielt werden. Die Weinforschung verfolgt eine langfristige Optik, und die laufenden Versuche werden zu Ende gebracht, damit keine wichtigen Ergebnisse verlorengehen.</p><p>6. Heute umfasst die Weinforschung von Agroscope, die von den Forschungsgruppen Weinbau (Pully), Weinbereitung (Changins) und chemische Analytik (akkreditiertes Labor Changins) wahrgenommen wird, die gesamte Wertschöpfungskette von der Traube bis zum Wein. Sie wird gesamtschweizerisch mit der gleichen Methodologie, einschliesslich der sensorischen Analysen, im Versuchskeller von Changins und einem Keller für Mikro-Weinbereitung in Pully vollzogen und steht in der Zuständigkeit des Bereichsleiters. In Zukunft wird für die lateinische Schweiz (Westschweiz und Tessin) und für die Deutschschweiz an diesem Prinzip festgehalten. So können anhand der getroffenen Massnahmen die aktuellen Leistungen zugunsten der Schweizer Winzerinnen und Winzer, mit denen Agroscope seit jeher eine gute Beziehung pflegt, sichergestellt werden. Das Ziel ist eine langfristige Vision für den nachhaltigen Weinbau, der Produkte mit hohem Mehrwert generiert. Die Forschungsachsen im Bereich der Züchtung pilzresistenter Sorten, der Klonzüchtung traditioneller und einheimischer Sorten, die Bodenpflege, die Wasser- und Mineralstoffversorgung der Rebe, der Pflanzenschutz mit geringeren Rückständen im Wein, die Vorhersage von Pflanzenschutzrisiken, das Potenzial neuer Sorten und die Optimierung der Techniken der Weinbereitung sind einige der wichtigsten Themen von Agroscope von heute und morgen.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Kürzlich war zu erfahren, dass Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung, reorganisiert wird oder, besser gesagt, dass es dort zu einem Abbau kommt. Nun gilt es, die direkten Folgen dieses Entscheids auf den Weinbau in der Schweiz zu beurteilen. Für diese Branche ist Agroscope im Bereich Forschung und Entwicklung von grundlegender Bedeutung. Konkret konnten dank den Aktivitäten von Agroscope in allen Weinbauregionen der Schweiz die Produktionssysteme weiterentwickelt und die Planung und die Bewirtschaftung der Weinberge verbessert werden. Mit der Einführung neuer Rebsorten und der kontinuierlichen Forschung und Auswahl konnte die Produktion erheblich verbessert werden. In den letzten Jahren hat Agroscope den Schweizer Weinbau auch bei der Bekämpfung neuer Krankheiten unterstützt. Besorgt über die jüngste Entwicklung stelle ich dem Bundesrat deshalb folgende Fragen:</p><p>1. Wird die Restrukturierung von Agroscope zu einem Abbau der Leistungen führen im Bereich Forschung, Entwicklung und Beratung zugunsten der Weinbaubranche? Wenn nein, wie werden die bisherigen Leistungen nach der Restrukturierung organisiert und erweitert?</p><p>2. Welche Tätigkeiten oder Leistungen im Bereich des Weinbaus in der Schweiz wurden oder werden konkret redimensioniert?</p><p>3. Gibt es Tätigkeiten oder Leistungen zugunsten des Weinbaus in der Schweiz, die an Dritte übertragen werden sollen? An wen? An die Kantone? An einzelne Regionen?</p><p>4. Agroscope war zugunsten des "Schweizer Weins" auf gesamtschweizerischer Ebene tätig, ohne regionale Unterschiede zu machen. Dieser gesamtschweizerische Zugang war ganz bestimmt ein Trumpf. Wird mit der Reorganisation nicht alles, was in den letzten Jahren erarbeitet wurde, infrage gestellt, wenn wichtiges Know-how und der gesamtschweizerische Ansatz verlorengehen?</p><p>5. Agroscope führt Versuche vom Jura über das Mittelland und die Alpen bis ins Tessin durch. Welche Folgen wird die Restrukturierung auf die verschiedenen Standorte haben? Welche Standorte wurden geschlossen? Welche redimensioniert?</p><p>6. Wie kann sichergestellt werden, dass der Zugang regionenübergreifend ist und die Forschung alle Realitäten unseres Landes berücksichtigt, wenn mit der Reorganisation eine Zentralisierung einhergeht, die zum Verlust von Kontakten und den Kenntnissen der örtlichen Besonderheiten führen wird (z. B. Wallis und Tessin)?</p><p>7. Ist die laufende Reorganisation von Agroscope Grund zur Besorgnis für die Weinbaubranche in der Schweiz? Wenn nein, warum nicht?</p>
    • Reorganisation von Agroscope. Folgen für den Weinbau in der Schweiz?

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