Baumaterial wiederverwenden statt recyclen
- ShortId
-
16.3583
- Id
-
20163583
- Updated
-
28.07.2023 05:05
- Language
-
de
- Title
-
Baumaterial wiederverwenden statt recyclen
- AdditionalIndexing
-
2846;52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>In der Schweiz werden bei Gebäudesanierungen und Abbrüchen Bauteile vernichtet und rezykliert statt wiederverwendet, und dies, obwohl sie qualitativ hochwertig sind. Aus den Bauteilbörsen und Abfallstatistiken des Bundes lässt sich schätzen, dass jährlich rund 5 Millionen hochwertige Bauteile beim Abbruch in der Schuttmulde landen. Darunter Parkettböden, Lavabos, Einbauküchen, Türen usw. die problemlos und einwandfrei aufbereitet und wiederverwendet werden könnten. Über 90 Prozent des Potenzials - rund 75 000 Tonnen jährlich - werden heute nicht genutzt.</p><p>Dabei wäre die Wiederverwendung von Baumaterialen nicht nur ressourceneffizienter, sondern auch ökonomisch sinnvoller als das relativ aufwendige Recycling. Die Wiederverwendung stärkt zudem die regionale Wertschöpfungskette. Sie trägt dazu bei, niederschwellige Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten, (graue) Energie einzusparen, Abfälle zu vermindern und den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Funktionstüchtige Komponenten müssen nicht entsorgt und aufwendig rezykliert werden, gleichzeitig können Ressourcen für die Neuerstellung eingespart werden.</p><p>Das Recycling ist in der Schweiz vergleichsweise gut geregelt und wird über eine vorgezogene Recycling-Gebühr (vRG) finanziert. Die Gemeinden setzten den Auftrag des Recyclings mit öffentlichen Mitteln erfolgreich um, so werden Anreize für Recycling gesetzt - die sinnvoll sind, wenn die Alternative eine Nichtverwendung, ein Abfallberg ist. Nicht aber, wenn sich das Material wiederverwenden liesse. Für die Wiederverwendung fehlen heute gesetzlich präzise Bestimmungen wie auch finanzielle Anreize. Der Bundesrat wird gebeten, solche Vorschläge zu unterbreiten und eine vorgezogene Wiederverwendungsgebühr zu prüfen.</p>
- <p>Mit jährlich rund 15 Millionen Tonnen stellen die beim Um- und beim Rückbau anfallenden Abfälle - neben Aushub- und Ausbruchmaterial - die mengenmässig grösste Abfallkategorie dar. Rund zwei Drittel dieser Bauabfälle werden heute stofflich verwertet und zu Recyclingbaustoffen aufbereitet.</p><p>Eine Wiederverwendung von ganzen Bauteilen findet in der Praxis nur in untergeordnetem Masse statt. Wenn man von einem Potenzial von 75 000 Tonnen jährlich ausgeht, stellen Bauteile, welche überhaupt zur Wiederverwendung geeignet sind, nur einen sehr geringen Anteil an den gesamten Bauabfällen dar.</p><p>Für den Handel von alten Bauteilen gibt es heute zwar bereits Bauteilbörsen. Diese Börsen haben jedoch nur einen begrenzten Erfolg, da sie mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben. So möchten doch die meisten Wohneigentümer neue Bauprodukte verwenden und sich bei der Auswahl nicht einschränken lassen. Zudem scheint ein Misstrauen gegenüber der Qualität von gebrauchten Bauprodukten zu bestehen. Insbesondere können fehlende Garantieleistungen ein Problem darstellen.</p><p>Auch sind die meisten Bauprodukte in der Grösse nicht genormt (oder die Normen verändern sich im Laufe der Zeit) und ist es sehr schwierig, ein genau passendes Bauteil in der gewünschten Ausführung zu bekommen.</p><p>Aufgrund der komplizierteren Logistik ist die Wiederverwendung nur bei grossen Stückzahlen identischer Bauteile wirtschaftlich interessant. In solchen Fällen kann man davon ausgehen, dass eine Wiederverwendung stattfindet, wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen.</p><p>In der Praxis ist es somit bedeutend einfacher, aus den anfallenden Bauteilen neue Rohstoffe zur Herstellung von Recyclingbaustoffen zu nutzen, als sie so, wie sie anfallen, weiter zu verwenden. Eine dem Stand der Technik entsprechende Verwertung (insbesondere Nutzung als Recyclingbaustoff) geht denn auch der Ablagerung klar vor. Gemäss Abfallgesetzgebung des Bundes muss die Verwertung stattfinden, wenn dadurch die Umwelt weniger belastet wird, als dies bei einer anderen Entsorgung und der Herstellung neuer Produkte der Fall wäre.</p><p>Der Bundesrat erachtet die heutigen gesetzlichen Bestimmungen und Rahmenbedingungen zur Wiederverwendung von Bauteilen als ausreichend. Insbesondere ist er der Meinung, dass der Markt entscheiden soll, bei welchen Bauteilen eine Wiederverwendung sinnvoll ist und wo eine stoffliche Verwertung vorzuziehen wäre. Eine Förderung der Wiederverwendung beurteilt er nicht als zielführend.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt darzulegen, wie die gesetzlichen Bestimmungen und Rahmenbedingungen verbessert und welche Anreize gesetzt werden können, sodass die Wiederverwendung von Baumaterialien gleich oder attraktiver wird als das Recycling.</p>
- Baumaterial wiederverwenden statt recyclen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>In der Schweiz werden bei Gebäudesanierungen und Abbrüchen Bauteile vernichtet und rezykliert statt wiederverwendet, und dies, obwohl sie qualitativ hochwertig sind. Aus den Bauteilbörsen und Abfallstatistiken des Bundes lässt sich schätzen, dass jährlich rund 5 Millionen hochwertige Bauteile beim Abbruch in der Schuttmulde landen. Darunter Parkettböden, Lavabos, Einbauküchen, Türen usw. die problemlos und einwandfrei aufbereitet und wiederverwendet werden könnten. Über 90 Prozent des Potenzials - rund 75 000 Tonnen jährlich - werden heute nicht genutzt.</p><p>Dabei wäre die Wiederverwendung von Baumaterialen nicht nur ressourceneffizienter, sondern auch ökonomisch sinnvoller als das relativ aufwendige Recycling. Die Wiederverwendung stärkt zudem die regionale Wertschöpfungskette. Sie trägt dazu bei, niederschwellige Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten, (graue) Energie einzusparen, Abfälle zu vermindern und den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Funktionstüchtige Komponenten müssen nicht entsorgt und aufwendig rezykliert werden, gleichzeitig können Ressourcen für die Neuerstellung eingespart werden.</p><p>Das Recycling ist in der Schweiz vergleichsweise gut geregelt und wird über eine vorgezogene Recycling-Gebühr (vRG) finanziert. Die Gemeinden setzten den Auftrag des Recyclings mit öffentlichen Mitteln erfolgreich um, so werden Anreize für Recycling gesetzt - die sinnvoll sind, wenn die Alternative eine Nichtverwendung, ein Abfallberg ist. Nicht aber, wenn sich das Material wiederverwenden liesse. Für die Wiederverwendung fehlen heute gesetzlich präzise Bestimmungen wie auch finanzielle Anreize. Der Bundesrat wird gebeten, solche Vorschläge zu unterbreiten und eine vorgezogene Wiederverwendungsgebühr zu prüfen.</p>
- <p>Mit jährlich rund 15 Millionen Tonnen stellen die beim Um- und beim Rückbau anfallenden Abfälle - neben Aushub- und Ausbruchmaterial - die mengenmässig grösste Abfallkategorie dar. Rund zwei Drittel dieser Bauabfälle werden heute stofflich verwertet und zu Recyclingbaustoffen aufbereitet.</p><p>Eine Wiederverwendung von ganzen Bauteilen findet in der Praxis nur in untergeordnetem Masse statt. Wenn man von einem Potenzial von 75 000 Tonnen jährlich ausgeht, stellen Bauteile, welche überhaupt zur Wiederverwendung geeignet sind, nur einen sehr geringen Anteil an den gesamten Bauabfällen dar.</p><p>Für den Handel von alten Bauteilen gibt es heute zwar bereits Bauteilbörsen. Diese Börsen haben jedoch nur einen begrenzten Erfolg, da sie mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben. So möchten doch die meisten Wohneigentümer neue Bauprodukte verwenden und sich bei der Auswahl nicht einschränken lassen. Zudem scheint ein Misstrauen gegenüber der Qualität von gebrauchten Bauprodukten zu bestehen. Insbesondere können fehlende Garantieleistungen ein Problem darstellen.</p><p>Auch sind die meisten Bauprodukte in der Grösse nicht genormt (oder die Normen verändern sich im Laufe der Zeit) und ist es sehr schwierig, ein genau passendes Bauteil in der gewünschten Ausführung zu bekommen.</p><p>Aufgrund der komplizierteren Logistik ist die Wiederverwendung nur bei grossen Stückzahlen identischer Bauteile wirtschaftlich interessant. In solchen Fällen kann man davon ausgehen, dass eine Wiederverwendung stattfindet, wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen.</p><p>In der Praxis ist es somit bedeutend einfacher, aus den anfallenden Bauteilen neue Rohstoffe zur Herstellung von Recyclingbaustoffen zu nutzen, als sie so, wie sie anfallen, weiter zu verwenden. Eine dem Stand der Technik entsprechende Verwertung (insbesondere Nutzung als Recyclingbaustoff) geht denn auch der Ablagerung klar vor. Gemäss Abfallgesetzgebung des Bundes muss die Verwertung stattfinden, wenn dadurch die Umwelt weniger belastet wird, als dies bei einer anderen Entsorgung und der Herstellung neuer Produkte der Fall wäre.</p><p>Der Bundesrat erachtet die heutigen gesetzlichen Bestimmungen und Rahmenbedingungen zur Wiederverwendung von Bauteilen als ausreichend. Insbesondere ist er der Meinung, dass der Markt entscheiden soll, bei welchen Bauteilen eine Wiederverwendung sinnvoll ist und wo eine stoffliche Verwertung vorzuziehen wäre. Eine Förderung der Wiederverwendung beurteilt er nicht als zielführend.</p> Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt darzulegen, wie die gesetzlichen Bestimmungen und Rahmenbedingungen verbessert und welche Anreize gesetzt werden können, sodass die Wiederverwendung von Baumaterialien gleich oder attraktiver wird als das Recycling.</p>
- Baumaterial wiederverwenden statt recyclen
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