Der Strukturwandel bringt Probleme für das Tierwohl

ShortId
17.3060
Id
20173060
Updated
28.07.2023 04:57
Language
de
Title
Der Strukturwandel bringt Probleme für das Tierwohl
AdditionalIndexing
52;55
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1. Die Entwicklung hin zu grösseren Betriebseinheiten ist in der Milchproduktion klar festzustellen. 2010 lebten rund 10 Prozent der Milchkühe in Herden mit mehr als 50 Milchkühen. Dieser Anteil stieg bis 2015 auf 17 Prozent. Insgesamt steigt der Anteil der Milchkühe, die im RAUS-Programm gehalten werden, nach wie vor an. 2015 waren 85 Prozent der Milchkühe, die in einer Herde von über 50 Tieren lebten, im RAUS-Programm. Bei Herden kleiner als 50 Milchkühe waren es 82 Prozent der Tiere. Da Betriebe bei einer Vergrösserung der Herde oftmals auch in besonders tierfreundliche Haltungssysteme investieren, ist die Entwicklung für das Tierwohl nach wie vor positiv zu werten. Der Bundesrat sieht keine spezielle Förderung für grosse Milchviehherden vor. Es ist zu vermeiden, dass über die Tierwohlprogramme ein Anreiz gegeben wird, grosse Herden zu bilden, ohne entsprechende Weideflächen.</p><p>2. Das RAUS-Programm ist ein Programm, das den unterschiedlichen Produktionsrichtungen und Tierkategorien gerecht werden muss. Auf Differenzierungen der Bundesbeiträge innerhalb derselben Tierkategorie soll so weit wie möglich verzichtet werden. Der Bundesrat ist der Meinung, dass der Markt solche Differenzierungen beim Tierwohl abgelten soll. Ferner würden Differenzierungen bei den Beiträgen einen sehr hohen Administrationsaufwand verursachen.</p><p>3./4. Beim Mastvieh und bei den Kälbern ist die Ausgestaltung der Tierwohlprogramme im Zusammenhang mit der ursprünglichen Haltungsform in Ställen ohne Auslauf zu sehen. Da Mastmunis und Kälber nicht ohne zusätzliche Sicherheitseinrichtungen geweidet werden können und eine Weidehaltung eine ganz andere Fütterungsstrategie bedeutet, wurde für diese Tierkategorien eine Auslaufvariante im RAUS in einem Laufhof eingeführt. Damit wird das Tierwohl dieser Tiere gefördert.</p><p>Weil der Anteil der Kälber mit Auslauf ins Freie bis 2012 sehr gering war, wurde mit der Agrarpolitik 2014-2017 der RAUS-Beitrag für Kälber von 180 auf 370 Franken pro Grossvieheinheit erhöht. Die Bewegung an der frischen Luft für Kälber wurde dabei wichtiger eingestuft als das Weiden, weshalb auf eine Differenzierung verzichtet wurde. Die Beteiligung entwickelt sich positiv. Bis 2016 hat sich die Beteiligung auf 39,5 Prozent erhöht.</p><p>Das mit der Agrarpolitik 2014-2017 postulierte Ziel von einer Beteiligung von 80 Prozent bei RAUS (bemessen in Grossvieheinheiten) ist bei Tieren der Rindergattung erreicht. Da aber bei Kälbern und Jungtieren nach wie vor Defizite bestehen, ist in einem nächsten Schritt zu prüfen, wie das Tierwohl dieser Tierkategorien besser gefördert werden könnte. Bei der Überarbeitung des Programms und der Differenzierung von Beiträgen gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass die Nutzungsart (z. B. Nachzucht oder Mast) einen grossen Einfluss auf die Attraktivität eines Tierwohlprogramms hat. Bisher kann man administrativ jedoch nicht unterscheiden, ob ein Tier gemästet wird oder ein Nachzuchttier ist. Diese Unterscheidung würde einen grossen administrativen Aufwand nach sich ziehen.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Der Strukturwandel führt zu immer grösseren Milchviehbetrieben. So hat sich der Anteil von Kühen in Herden von über 50 Tieren innert fünfzehn Jahren versiebenfacht von 17 000 (2000) auf 120 000 Tiere (2015). Für die betroffenen Milchkühe ist diese Situation zwiespältig. Einerseits setzen Grossbetriebe auf Laufställe, in denen sich die Kühe im Unterschied zur Anbindehaltung stets frei bewegen können. Andererseits setzen Grossbetriebe zunehmend auf ganzjährige Stallhaltung und verzichten aufs Weiden. So ist die RAUS-Beteiligung von Milchviehbetrieben mit über hundert Kühen erheblich tiefer als der Durchschnitt und dazu rückläufig von 72,8 Prozent (2010) auf 70,8 Prozent (2015). Tiefe Weideanteile finden sich auch bei der Haltung von Kälbern und Mastvieh. Das ist hinsichtlich des Tierwohles, aber auch mit Blick auf den Umweltschutz (Ammoniak) unbefriedigend.</p><p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:</p><p>1. Was gedenkt er mit Blick auf die im Landwirtschaftsgesetz postulierte Förderung des Tierwohles gegen die unterdurchschnittliche und rückläufige RAUS-Beteiligung von grossen Milchviehbetrieben zu tun, die auf das Weiden verzichten und zunehmend ganzjährige Stallhaltung betreiben?</p><p>2. Wie will er das Weiden von Kälbern und Mastvieh via das RAUS-Programm in Zukunft besser fördern? Ab wann würden diese Massnahmen umgesetzt werden können?</p><p>3. Weshalb richtet der Bund für die Einzelhaltung eines Kalbes auf 3,5 Quadratmeter Fläche, davon ein Quadratmeter ungedeckte Auslauf, gleich hohe RAUS-Beiträge aus wie für das Weiden von Kälbern, welches ein deutlich höheres Tierwohl generiert, aber mehr Fläche und Arbeit benötigt? Ist er zu einer Korrektur bei den Beiträgen bereit?</p><p>4. Weshalb richtet der Bund für die Haltung von Mastvieh in einem Laufstall mit ständig zugänglichem Betonauslauf (Gesamtfläche 6,5 Quadratmeter pro Tier) gleich hohe RAUS-Beiträge aus wie für das Weiden von Mastvieh, welches ein deutlich höheres Tierwohl generiert, aber mehr Fläche und Arbeit benötigt? Ist er bereit, die Beiträge anzupassen?</p>
  • Der Strukturwandel bringt Probleme für das Tierwohl
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1. Die Entwicklung hin zu grösseren Betriebseinheiten ist in der Milchproduktion klar festzustellen. 2010 lebten rund 10 Prozent der Milchkühe in Herden mit mehr als 50 Milchkühen. Dieser Anteil stieg bis 2015 auf 17 Prozent. Insgesamt steigt der Anteil der Milchkühe, die im RAUS-Programm gehalten werden, nach wie vor an. 2015 waren 85 Prozent der Milchkühe, die in einer Herde von über 50 Tieren lebten, im RAUS-Programm. Bei Herden kleiner als 50 Milchkühe waren es 82 Prozent der Tiere. Da Betriebe bei einer Vergrösserung der Herde oftmals auch in besonders tierfreundliche Haltungssysteme investieren, ist die Entwicklung für das Tierwohl nach wie vor positiv zu werten. Der Bundesrat sieht keine spezielle Förderung für grosse Milchviehherden vor. Es ist zu vermeiden, dass über die Tierwohlprogramme ein Anreiz gegeben wird, grosse Herden zu bilden, ohne entsprechende Weideflächen.</p><p>2. Das RAUS-Programm ist ein Programm, das den unterschiedlichen Produktionsrichtungen und Tierkategorien gerecht werden muss. Auf Differenzierungen der Bundesbeiträge innerhalb derselben Tierkategorie soll so weit wie möglich verzichtet werden. Der Bundesrat ist der Meinung, dass der Markt solche Differenzierungen beim Tierwohl abgelten soll. Ferner würden Differenzierungen bei den Beiträgen einen sehr hohen Administrationsaufwand verursachen.</p><p>3./4. Beim Mastvieh und bei den Kälbern ist die Ausgestaltung der Tierwohlprogramme im Zusammenhang mit der ursprünglichen Haltungsform in Ställen ohne Auslauf zu sehen. Da Mastmunis und Kälber nicht ohne zusätzliche Sicherheitseinrichtungen geweidet werden können und eine Weidehaltung eine ganz andere Fütterungsstrategie bedeutet, wurde für diese Tierkategorien eine Auslaufvariante im RAUS in einem Laufhof eingeführt. Damit wird das Tierwohl dieser Tiere gefördert.</p><p>Weil der Anteil der Kälber mit Auslauf ins Freie bis 2012 sehr gering war, wurde mit der Agrarpolitik 2014-2017 der RAUS-Beitrag für Kälber von 180 auf 370 Franken pro Grossvieheinheit erhöht. Die Bewegung an der frischen Luft für Kälber wurde dabei wichtiger eingestuft als das Weiden, weshalb auf eine Differenzierung verzichtet wurde. Die Beteiligung entwickelt sich positiv. Bis 2016 hat sich die Beteiligung auf 39,5 Prozent erhöht.</p><p>Das mit der Agrarpolitik 2014-2017 postulierte Ziel von einer Beteiligung von 80 Prozent bei RAUS (bemessen in Grossvieheinheiten) ist bei Tieren der Rindergattung erreicht. Da aber bei Kälbern und Jungtieren nach wie vor Defizite bestehen, ist in einem nächsten Schritt zu prüfen, wie das Tierwohl dieser Tierkategorien besser gefördert werden könnte. Bei der Überarbeitung des Programms und der Differenzierung von Beiträgen gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass die Nutzungsart (z. B. Nachzucht oder Mast) einen grossen Einfluss auf die Attraktivität eines Tierwohlprogramms hat. Bisher kann man administrativ jedoch nicht unterscheiden, ob ein Tier gemästet wird oder ein Nachzuchttier ist. Diese Unterscheidung würde einen grossen administrativen Aufwand nach sich ziehen.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Der Strukturwandel führt zu immer grösseren Milchviehbetrieben. So hat sich der Anteil von Kühen in Herden von über 50 Tieren innert fünfzehn Jahren versiebenfacht von 17 000 (2000) auf 120 000 Tiere (2015). Für die betroffenen Milchkühe ist diese Situation zwiespältig. Einerseits setzen Grossbetriebe auf Laufställe, in denen sich die Kühe im Unterschied zur Anbindehaltung stets frei bewegen können. Andererseits setzen Grossbetriebe zunehmend auf ganzjährige Stallhaltung und verzichten aufs Weiden. So ist die RAUS-Beteiligung von Milchviehbetrieben mit über hundert Kühen erheblich tiefer als der Durchschnitt und dazu rückläufig von 72,8 Prozent (2010) auf 70,8 Prozent (2015). Tiefe Weideanteile finden sich auch bei der Haltung von Kälbern und Mastvieh. Das ist hinsichtlich des Tierwohles, aber auch mit Blick auf den Umweltschutz (Ammoniak) unbefriedigend.</p><p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:</p><p>1. Was gedenkt er mit Blick auf die im Landwirtschaftsgesetz postulierte Förderung des Tierwohles gegen die unterdurchschnittliche und rückläufige RAUS-Beteiligung von grossen Milchviehbetrieben zu tun, die auf das Weiden verzichten und zunehmend ganzjährige Stallhaltung betreiben?</p><p>2. Wie will er das Weiden von Kälbern und Mastvieh via das RAUS-Programm in Zukunft besser fördern? Ab wann würden diese Massnahmen umgesetzt werden können?</p><p>3. Weshalb richtet der Bund für die Einzelhaltung eines Kalbes auf 3,5 Quadratmeter Fläche, davon ein Quadratmeter ungedeckte Auslauf, gleich hohe RAUS-Beiträge aus wie für das Weiden von Kälbern, welches ein deutlich höheres Tierwohl generiert, aber mehr Fläche und Arbeit benötigt? Ist er zu einer Korrektur bei den Beiträgen bereit?</p><p>4. Weshalb richtet der Bund für die Haltung von Mastvieh in einem Laufstall mit ständig zugänglichem Betonauslauf (Gesamtfläche 6,5 Quadratmeter pro Tier) gleich hohe RAUS-Beiträge aus wie für das Weiden von Mastvieh, welches ein deutlich höheres Tierwohl generiert, aber mehr Fläche und Arbeit benötigt? Ist er bereit, die Beiträge anzupassen?</p>
    • Der Strukturwandel bringt Probleme für das Tierwohl

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