Additive in Kunststoffen. Welche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit?

ShortId
24.3359
Id
20243359
Updated
20.03.2026 08:44
Language
de
Title
Additive in Kunststoffen. Welche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit?
AdditionalIndexing
2841;15;52
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In den letzten fünfzig Jahren hat die Kunststoffindustrie beeindruckende Innovationen hervorgebracht und eine Vielzahl neuer Formulierungen entwickelt, um den vielfältigen Anforderungen verschiedener Industriezweige, insbesondere der Lebensmittelindustrie, gerecht zu werden.</p><p>&nbsp;</p><p>Alle diese Kunststoffe bestehen nicht nur aus Polymeren, sondern enthalten auch eine vielfältige Palette anderer Substanzen. Zusatzstoffe spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Eigenschaften von Kunststoffen; dazu zählen beispielsweise das Aussehen, die Beständigkeit, die Festigkeit und die Flexibilität. Leider sind viele der Moleküle in Kunststoffzusätzen nicht ausreichend erforscht und werden nicht angemessen reguliert.</p><p>&nbsp;</p><p>Ein kürzlich erschienener <a href="https://www.endocrine.org/-/media/endocrine/files/topics/edc_guide_2020_v1_6hqfr.pdf"><span style="color:#44546A;">Bericht</span></a><span style="color:#44546A;"> </span>mit dem Titel: « <i>Plastics, Endocrine Disruptors and Health</i> », der gemeinsam von der Endocrine Society und dem International Pollutants Elimination Network veröffentlicht wurde, beleuchtet die Bedrohung, die chemische Zusatzstoffe in Kunststoffen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellen. Die Sicherheit von Produkten mit diesen Zusatzstoffen konnte nicht systematisch nachgewiesen werden. Die Komplexität der Produkte und die vielen möglichen Wechselwirkungen zwischen diesen Zusatzstoffen machen es schwierig, die Risiken für Gesundheit und Umwelt genau zu bestimmen. Eine 2023 veröffentlichte <a href="https://www.e-a.earth/adding-it-up/"><span style="color:#44546A;">Studie</span></a><span style="color:#44546A;"> </span>stellte zudem fest, dass die in Kunststoffen enthaltenen Zusatzstoffe möglicherweise größere Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben als der Kunststoff selbst.</p><p>&nbsp;</p><p>Um wieder eine beherrschbare und sichere Situation herzustellen, sind weitreichende Massnahmen erforderlich. Um die Massnahmen auf ein effektiveres Management der Risiken für die öffentliche Gesundheit auszurichten, ist in erster Linie eine gründliche Analyse der vorhandenen Daten und die Identifizierung von Wissenslücken vonnöten.</p><p>&nbsp;</p><p>In diesem potenziell gefährlichen Kontext ist es notwendig, die Auswirkungen von Zusatzstoffen in Kunststoffen zu evaluieren. Diese Evaluation sollte eine sorgfältige Analyse der verfügbaren Studien, die Ermittlung von Wissenslücken und die Entwicklung eines Aktionsplans umfassen. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Bundesrat die zum jetzigen Zeitpunkt identifizierten Risiken sowie die geplanten Massnahmen zu ihrer Verringerung transparent kommuniziert.</p>
  • <div><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Der Bundesrat anerkennt den Handlungsbedarf bei der Regulierung von Kunststoff-Additiven. Die Gesundheits- und Umweltrisiken durch Kunststoff-Additive sind relevante Themen. Er begrüsst daher internationale Massnahmen, wie zum Beispiel die </span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">Initiative zu Plastikadditiven</span><span style="font-family:Arial"> der Europäischen Chemikalienagentur ( «</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">echa.europa.eu &gt; plastic-additives-initiative</span><span style="font-family:Arial">») und die detaillierten Berichte «</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">Chemicals in Plastic</span><span style="font-family:Arial">» des Umweltprogramms der Vereinten Nationen («</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">www.unep.org &gt; resources &gt; report &gt; chemicals-plastics-technical-report</span><span style="font-family:Arial">», 2023) und «</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">State of the art review on hazardous substances in plastics</span><span style="font-family:Arial">» («</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">plastchem-project.org</span><span style="font-family:Arial">», 2024). Diese internationalen Berichte geben auch einen guten Überblick über Plastikadditive in Kunststoffen auf dem Schweizer Markt.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Das Schweizer Chemikalienrecht ist weitgehend mit jenem der Europäischen Union (EU) harmonisiert. Die resultierenden Schlüsse und Massnahmen der EU im Rahmen der </span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">Initiative zu Plastikadditiven</span><span style="font-family:Arial"> fliessen in die Umsetzung der EU Chemikalien Regulierung (REACH) ein und werden im autonomen Nachvollzug laufend in das Schweizer Chemikalienrecht über</span><span style="font-family:Arial">&#xad;</span><span style="font-family:Arial">nommen. Ein Beispiel ist die Richtlinie (EU) 2019/904 über die Verringerung der Auswir</span><span style="font-family:Arial">&#xad;</span><span style="font-family:Arial">kungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt, die in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung umgesetzt wurde. Die Beschränkung synthetischer Poly</span><span style="font-family:Arial">&#xad;</span><span style="font-family:Arial">mermikropartikel gemäss Verordnung (EU) 2023/2055 soll im Rahmen der nächsten Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung umgesetzt werden. Dies trifft auch auf Beschränkungen von Blei in PVC nach der Verordnung (EU) 2023/923 zu. Der Bundesrat sichert durch den Nachvollzug ein hohes Schutzniveau für Mensch und Umwelt und vermeidet Handelshemmnisse mit der EU.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Über die in der EU hinausgehende Schweiz-spezifische regulatorische Massnahmen erachtet der Bundesrat jedoch aktuell als nicht zielführend. So ist zu beachten, dass die Chemikalienbranche sehr globalisiert ist und die meisten Kunststoffe samt Additiven in Form von Gegenständen importiert werden. Bei den relevanten Additiven handelt es sich um über 400 Stoffe, deren Beurteilung die Schweiz nicht alleine übernehmen kann, sondern bei denen es internationaler Anstrengungen bedarf. Überdies wären Schweiz-spezifische Regelungen kaum durchsetzbar. </span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Aus den genannten Gründen bringt aus Sicht des Bundesrats ein zusätzlicher Schweizer Bericht zu den Gesundheitsrisiken von Kunststoffadditiven aktuell nicht den gewünschten Mehrwert. </span></p></div><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der sich mit den Auswirkungen von Zusatzstoffen in Kunststoffen auf die öffentliche Gesundheit befasst.</p>
  • Additive in Kunststoffen. Welche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In den letzten fünfzig Jahren hat die Kunststoffindustrie beeindruckende Innovationen hervorgebracht und eine Vielzahl neuer Formulierungen entwickelt, um den vielfältigen Anforderungen verschiedener Industriezweige, insbesondere der Lebensmittelindustrie, gerecht zu werden.</p><p>&nbsp;</p><p>Alle diese Kunststoffe bestehen nicht nur aus Polymeren, sondern enthalten auch eine vielfältige Palette anderer Substanzen. Zusatzstoffe spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Eigenschaften von Kunststoffen; dazu zählen beispielsweise das Aussehen, die Beständigkeit, die Festigkeit und die Flexibilität. Leider sind viele der Moleküle in Kunststoffzusätzen nicht ausreichend erforscht und werden nicht angemessen reguliert.</p><p>&nbsp;</p><p>Ein kürzlich erschienener <a href="https://www.endocrine.org/-/media/endocrine/files/topics/edc_guide_2020_v1_6hqfr.pdf"><span style="color:#44546A;">Bericht</span></a><span style="color:#44546A;"> </span>mit dem Titel: « <i>Plastics, Endocrine Disruptors and Health</i> », der gemeinsam von der Endocrine Society und dem International Pollutants Elimination Network veröffentlicht wurde, beleuchtet die Bedrohung, die chemische Zusatzstoffe in Kunststoffen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellen. Die Sicherheit von Produkten mit diesen Zusatzstoffen konnte nicht systematisch nachgewiesen werden. Die Komplexität der Produkte und die vielen möglichen Wechselwirkungen zwischen diesen Zusatzstoffen machen es schwierig, die Risiken für Gesundheit und Umwelt genau zu bestimmen. Eine 2023 veröffentlichte <a href="https://www.e-a.earth/adding-it-up/"><span style="color:#44546A;">Studie</span></a><span style="color:#44546A;"> </span>stellte zudem fest, dass die in Kunststoffen enthaltenen Zusatzstoffe möglicherweise größere Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben als der Kunststoff selbst.</p><p>&nbsp;</p><p>Um wieder eine beherrschbare und sichere Situation herzustellen, sind weitreichende Massnahmen erforderlich. Um die Massnahmen auf ein effektiveres Management der Risiken für die öffentliche Gesundheit auszurichten, ist in erster Linie eine gründliche Analyse der vorhandenen Daten und die Identifizierung von Wissenslücken vonnöten.</p><p>&nbsp;</p><p>In diesem potenziell gefährlichen Kontext ist es notwendig, die Auswirkungen von Zusatzstoffen in Kunststoffen zu evaluieren. Diese Evaluation sollte eine sorgfältige Analyse der verfügbaren Studien, die Ermittlung von Wissenslücken und die Entwicklung eines Aktionsplans umfassen. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Bundesrat die zum jetzigen Zeitpunkt identifizierten Risiken sowie die geplanten Massnahmen zu ihrer Verringerung transparent kommuniziert.</p>
    • <div><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Der Bundesrat anerkennt den Handlungsbedarf bei der Regulierung von Kunststoff-Additiven. Die Gesundheits- und Umweltrisiken durch Kunststoff-Additive sind relevante Themen. Er begrüsst daher internationale Massnahmen, wie zum Beispiel die </span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">Initiative zu Plastikadditiven</span><span style="font-family:Arial"> der Europäischen Chemikalienagentur ( «</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">echa.europa.eu &gt; plastic-additives-initiative</span><span style="font-family:Arial">») und die detaillierten Berichte «</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">Chemicals in Plastic</span><span style="font-family:Arial">» des Umweltprogramms der Vereinten Nationen («</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">www.unep.org &gt; resources &gt; report &gt; chemicals-plastics-technical-report</span><span style="font-family:Arial">», 2023) und «</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">State of the art review on hazardous substances in plastics</span><span style="font-family:Arial">» («</span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">plastchem-project.org</span><span style="font-family:Arial">», 2024). Diese internationalen Berichte geben auch einen guten Überblick über Plastikadditive in Kunststoffen auf dem Schweizer Markt.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Das Schweizer Chemikalienrecht ist weitgehend mit jenem der Europäischen Union (EU) harmonisiert. Die resultierenden Schlüsse und Massnahmen der EU im Rahmen der </span><span style="font-family:Arial; font-style:italic">Initiative zu Plastikadditiven</span><span style="font-family:Arial"> fliessen in die Umsetzung der EU Chemikalien Regulierung (REACH) ein und werden im autonomen Nachvollzug laufend in das Schweizer Chemikalienrecht über</span><span style="font-family:Arial">&#xad;</span><span style="font-family:Arial">nommen. Ein Beispiel ist die Richtlinie (EU) 2019/904 über die Verringerung der Auswir</span><span style="font-family:Arial">&#xad;</span><span style="font-family:Arial">kungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt, die in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung umgesetzt wurde. Die Beschränkung synthetischer Poly</span><span style="font-family:Arial">&#xad;</span><span style="font-family:Arial">mermikropartikel gemäss Verordnung (EU) 2023/2055 soll im Rahmen der nächsten Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung umgesetzt werden. Dies trifft auch auf Beschränkungen von Blei in PVC nach der Verordnung (EU) 2023/923 zu. Der Bundesrat sichert durch den Nachvollzug ein hohes Schutzniveau für Mensch und Umwelt und vermeidet Handelshemmnisse mit der EU.</span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Über die in der EU hinausgehende Schweiz-spezifische regulatorische Massnahmen erachtet der Bundesrat jedoch aktuell als nicht zielführend. So ist zu beachten, dass die Chemikalienbranche sehr globalisiert ist und die meisten Kunststoffe samt Additiven in Form von Gegenständen importiert werden. Bei den relevanten Additiven handelt es sich um über 400 Stoffe, deren Beurteilung die Schweiz nicht alleine übernehmen kann, sondern bei denen es internationaler Anstrengungen bedarf. Überdies wären Schweiz-spezifische Regelungen kaum durchsetzbar. </span></p><p style="margin-top:0pt; margin-bottom:0pt; line-height:150%; widows:0; orphans:0; font-size:11pt"><span style="font-family:Arial">Aus den genannten Gründen bringt aus Sicht des Bundesrats ein zusätzlicher Schweizer Bericht zu den Gesundheitsrisiken von Kunststoffadditiven aktuell nicht den gewünschten Mehrwert. </span></p></div><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der sich mit den Auswirkungen von Zusatzstoffen in Kunststoffen auf die öffentliche Gesundheit befasst.</p>
    • Additive in Kunststoffen. Welche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit?

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