Für eine konkrete Unterstützung bei den wachsenden Herausforderungen der dualen Berufsausbildung. Erlernen einer Zweitsprache soll in der Lehrlingsausbildung obligatorisch werden

ShortId
25.304
Id
20250304
Updated
09.02.2026 11:12
Language
de
Title
Für eine konkrete Unterstützung bei den wachsenden Herausforderungen der dualen Berufsausbildung. Erlernen einer Zweitsprache soll in der Lehrlingsausbildung obligatorisch werden
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>Die Schweizer Berufsbildung verbindet Theorie und Praxis und vermittelt den Jugendlichen die Fähigkeiten, die sie für einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt brauchen. Die Lernenden absolvieren zuerst eine zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) bzw. eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Grundbildung findet in Betrieben und an Berufsfachschulen statt. Die Lernenden können zudem eine Berufsmaturität (BM) erwerben, die den Zugang zu Fachhochschulen (FH) und anderen weiterführenden Schulen eröffnet. Das System bietet mit Diplomen der höheren Fachschulen (HF) sowie mit Berufsprüfungen (BP) und höheren Fachprüfungen (HFP) zudem Spezialisierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Diese flexible Struktur des Systems bietet verschiedenste Entwicklungsperspektiven und gewährleistet einen starken Bezug zur Arbeitswelt.</p><p>Eine der tragenden Säulen des Berufsbildungssystems ist das staatlich anerkannte EFZ, das — wie bereits erwähnt — die Kompetenzen bescheinigt, die während einer in der Regel drei- oder vierjährigen Lehre erworben wurden. Es handelt sich um ein duales Bildungssystem, da praktisches Lernen im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsfachschule verknüpft wird. Während ihrer Ausbildung eignen sich die Lernenden berufsspezifische Kompetenzen an und es wird ihnen Allgemeinwissen in Fächern wie Sprachen, Mathematik oder Allgemeinbildung vermittelt. Das EFZ ermöglicht den direkten Einstieg in die Arbeitswelt oder eröffnet den Zugang zu einer weiteren Spezialisierung oder zur Berufsmaturität, die zu einem Studium an einer FH befähigt.</p><p>Eine einschlägige Verordnung, die vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) auf Ersuchen der betroffenen Berufsverbände erlassen wurde, legt Inhalt und Dauer der Ausbildung fest.Die Regelungskompetenz liegt somit beim Bund und nicht bei den Kantonen.</p><p>Gemäss den «Grundkompetenzen für die Fremdsprachen Nationale Bildungsstandards» der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK; 2011) treten Lernende aus der Sekundarstufe I (obligatorische Schulzeit) mit dem Sprachniveau A2 im Sinne des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) in eine berufliche Grundbildung über (Sekundarstufe II).</p><p>Auf Bundesebene wurden wichtige Schritte zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der Berufsbildung unternommen, da anerkannt wurde, dass sie zentral für den nationalen Zusammenhalt und die Eingliederung in die Arbeitswelt ist. Bereits 2017 legte der Bundesrat in Erfüllung des einschlägigen Postulates von 2014 einen Bericht über die Förderung des Fremdsprachenerwerbs in der Berufsbildung vor. Unlängst — im Oktober 2023 — hat das SBFI einen speziellen Leitfaden, die «Orientierungshilfe Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung» (Notter et al.), veröffentlicht, in welcher noch einmal betont wird, wie wichtig Fremdsprachen für den persönlichen und beruflichen Erfolg der Jugendlichen sind.</p><p>In dieser Orientierungshilfe wird darauf hingewiesen, dass Mehrsprachigkeit in verschiedensten Berufsgruppen förderungswürdig ist: «Die Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung bietet sich bei Berufen an, bei denen u. a. Kunden- oder Patientenkontakt, Arbeiten und Recherchieren im mehrsprachigen Arbeitsumfeld oder technisch bedingte Mehrsprachigkeit und Textkompetenz eine Rolle spielen.»</p><p>In der «Orientierungshilfe Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung» wird aufgezeigt, wie eine Zweitsprache in die Berufsbildung integriert werden kann und welcher Aufwand damit verbunden ist.</p><p>Die Methoden zur Vermittlung der funktionalen Mehrsprachigkeit in der Berufsbildung umfassen Ansätze in der schulischen und in der beruflichen Praxis. In den Berufsfachschulen können Fremdsprachen handlungsorientiert unterrichtet werden. Bei diesem Unterricht werden kooperative Methoden wie Rollenspiele oder projektbasiertes Lernen bevorzugt. Die grammatikalische Korrektheit steht an zweiter Stelle. Ein anderer Ansatz ist der bilinguale Unterricht. Bei diesem wird der Erwerb beruflicher Kompetenzen in der Fremdsprache mit einem handlungsorientierten Ansatz kombiniert, sodass neben einer Fremdsprache gleichzeitig auch fachliche Fertigkeiten erlernt werden. Es ist möglich (und empfehlenswert), diese Methoden in den Unterricht zu integrieren und sie zu kombinieren, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. In der Berufspraxis kann die Integration der Mehrsprachigkeit direkt im Betrieb (durch die Ausführung von Aufgaben mit oder ohne Unterstützung) oder in überbetrieblichen Kursen (üK) (die nach einer ersten Vorbereitung in der Berufsfachschule ein Umfeld bieten, in dem die Sprachkenntnisse durch Simulationen realer Arbeitssituationen, wie Kundengespräche oder das Verfassen von Texten, gefestigt werden) erfolgen.</p><p>Der voraussichtliche Aufwand ist gemäss der Orientierungshilfe wie folgt: «Für alle Szenarien gelten als Empfehlung ca. 60 Lektionen für die berufsspezifische Sprachvertiefung (A2/A2+) und ca. 120 Lektionen für die berufsspezifische Spracherweiterung (B1/B1+) über die gesamte Ausbildungsdauer — sowohl für den bilingualen als auch für den Fremdsprachenunterricht.» Bei der Integration einer Fremdsprache in die Berufsbildung, d. h. für die Massnahmen zur Förderung eines wirksamen und integrativen bilingualen Unterrichts, fallen Mehrkosten an, u. a. für die Konzeption der Unterrichtsmaterialien, für Schulungen und Weiterbildungen für Berufsbildungsverantwortliche, für Stützkurse für Lernende mit Sprachschwierigkeiten oder besonderen Bedürfnissen sowie für organisatorische Massnahmen wie Entlastungsstunden für Lehrpersonen, kleinere Klassen, Zusammenarbeit von Lehrpersonen und Erstellung von Prüfungsaufgaben (siehe Kap. 6 der Orientierungshilfe).&nbsp;</p><p>Das Erlernen einer Zweitsprache ist ein zentraler Bestandteil der Schweizer Berufsbildung und der Zweitsprachenunterricht ist entsprechend den spezifischen Anforderungen des Bildungsgangs geregelt. Im Allgemeinen ist in jedem Bildungsgang das Erlernen einer Zweitsprache vorgesehen, wobei die Kantone zusätzlich Wahl- und Stützkurse anbieten können. Die Hauptunterrichtssprache ist die vor Ort gesprochene Sprache (z. B. Italienisch im Tessin), aber einige Verordnungen sehen zusätzliche Sprachen — insbesondere Englisch — vor. Gestützt auf den Bericht von 2017 in Erfüllung des Postulates Buillard-Marbach wurde im Oktober 2023 ein Leitfaden zur Förderung des Fremdsprachenerwerbs in der dualen Bildung veröffentlicht, der sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert.</p>
  • <p>Die Standesinitiative verlangt, alle Verordnungen über die Berufsbildung dahingehend anzupassen, dass zur Erlangung des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) eine Zweitsprache erlernt werden muss.</p>
  • Für eine konkrete Unterstützung bei den wachsenden Herausforderungen der dualen Berufsausbildung. Erlernen einer Zweitsprache soll in der Lehrlingsausbildung obligatorisch werden
State
Beratung in Kommission des Ständerates abgeschlossen
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Schweizer Berufsbildung verbindet Theorie und Praxis und vermittelt den Jugendlichen die Fähigkeiten, die sie für einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt brauchen. Die Lernenden absolvieren zuerst eine zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) bzw. eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Grundbildung findet in Betrieben und an Berufsfachschulen statt. Die Lernenden können zudem eine Berufsmaturität (BM) erwerben, die den Zugang zu Fachhochschulen (FH) und anderen weiterführenden Schulen eröffnet. Das System bietet mit Diplomen der höheren Fachschulen (HF) sowie mit Berufsprüfungen (BP) und höheren Fachprüfungen (HFP) zudem Spezialisierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Diese flexible Struktur des Systems bietet verschiedenste Entwicklungsperspektiven und gewährleistet einen starken Bezug zur Arbeitswelt.</p><p>Eine der tragenden Säulen des Berufsbildungssystems ist das staatlich anerkannte EFZ, das — wie bereits erwähnt — die Kompetenzen bescheinigt, die während einer in der Regel drei- oder vierjährigen Lehre erworben wurden. Es handelt sich um ein duales Bildungssystem, da praktisches Lernen im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsfachschule verknüpft wird. Während ihrer Ausbildung eignen sich die Lernenden berufsspezifische Kompetenzen an und es wird ihnen Allgemeinwissen in Fächern wie Sprachen, Mathematik oder Allgemeinbildung vermittelt. Das EFZ ermöglicht den direkten Einstieg in die Arbeitswelt oder eröffnet den Zugang zu einer weiteren Spezialisierung oder zur Berufsmaturität, die zu einem Studium an einer FH befähigt.</p><p>Eine einschlägige Verordnung, die vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) auf Ersuchen der betroffenen Berufsverbände erlassen wurde, legt Inhalt und Dauer der Ausbildung fest.Die Regelungskompetenz liegt somit beim Bund und nicht bei den Kantonen.</p><p>Gemäss den «Grundkompetenzen für die Fremdsprachen Nationale Bildungsstandards» der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK; 2011) treten Lernende aus der Sekundarstufe I (obligatorische Schulzeit) mit dem Sprachniveau A2 im Sinne des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) in eine berufliche Grundbildung über (Sekundarstufe II).</p><p>Auf Bundesebene wurden wichtige Schritte zur Förderung der Mehrsprachigkeit in der Berufsbildung unternommen, da anerkannt wurde, dass sie zentral für den nationalen Zusammenhalt und die Eingliederung in die Arbeitswelt ist. Bereits 2017 legte der Bundesrat in Erfüllung des einschlägigen Postulates von 2014 einen Bericht über die Förderung des Fremdsprachenerwerbs in der Berufsbildung vor. Unlängst — im Oktober 2023 — hat das SBFI einen speziellen Leitfaden, die «Orientierungshilfe Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung» (Notter et al.), veröffentlicht, in welcher noch einmal betont wird, wie wichtig Fremdsprachen für den persönlichen und beruflichen Erfolg der Jugendlichen sind.</p><p>In dieser Orientierungshilfe wird darauf hingewiesen, dass Mehrsprachigkeit in verschiedensten Berufsgruppen förderungswürdig ist: «Die Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung bietet sich bei Berufen an, bei denen u. a. Kunden- oder Patientenkontakt, Arbeiten und Recherchieren im mehrsprachigen Arbeitsumfeld oder technisch bedingte Mehrsprachigkeit und Textkompetenz eine Rolle spielen.»</p><p>In der «Orientierungshilfe Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung» wird aufgezeigt, wie eine Zweitsprache in die Berufsbildung integriert werden kann und welcher Aufwand damit verbunden ist.</p><p>Die Methoden zur Vermittlung der funktionalen Mehrsprachigkeit in der Berufsbildung umfassen Ansätze in der schulischen und in der beruflichen Praxis. In den Berufsfachschulen können Fremdsprachen handlungsorientiert unterrichtet werden. Bei diesem Unterricht werden kooperative Methoden wie Rollenspiele oder projektbasiertes Lernen bevorzugt. Die grammatikalische Korrektheit steht an zweiter Stelle. Ein anderer Ansatz ist der bilinguale Unterricht. Bei diesem wird der Erwerb beruflicher Kompetenzen in der Fremdsprache mit einem handlungsorientierten Ansatz kombiniert, sodass neben einer Fremdsprache gleichzeitig auch fachliche Fertigkeiten erlernt werden. Es ist möglich (und empfehlenswert), diese Methoden in den Unterricht zu integrieren und sie zu kombinieren, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. In der Berufspraxis kann die Integration der Mehrsprachigkeit direkt im Betrieb (durch die Ausführung von Aufgaben mit oder ohne Unterstützung) oder in überbetrieblichen Kursen (üK) (die nach einer ersten Vorbereitung in der Berufsfachschule ein Umfeld bieten, in dem die Sprachkenntnisse durch Simulationen realer Arbeitssituationen, wie Kundengespräche oder das Verfassen von Texten, gefestigt werden) erfolgen.</p><p>Der voraussichtliche Aufwand ist gemäss der Orientierungshilfe wie folgt: «Für alle Szenarien gelten als Empfehlung ca. 60 Lektionen für die berufsspezifische Sprachvertiefung (A2/A2+) und ca. 120 Lektionen für die berufsspezifische Spracherweiterung (B1/B1+) über die gesamte Ausbildungsdauer — sowohl für den bilingualen als auch für den Fremdsprachenunterricht.» Bei der Integration einer Fremdsprache in die Berufsbildung, d. h. für die Massnahmen zur Förderung eines wirksamen und integrativen bilingualen Unterrichts, fallen Mehrkosten an, u. a. für die Konzeption der Unterrichtsmaterialien, für Schulungen und Weiterbildungen für Berufsbildungsverantwortliche, für Stützkurse für Lernende mit Sprachschwierigkeiten oder besonderen Bedürfnissen sowie für organisatorische Massnahmen wie Entlastungsstunden für Lehrpersonen, kleinere Klassen, Zusammenarbeit von Lehrpersonen und Erstellung von Prüfungsaufgaben (siehe Kap. 6 der Orientierungshilfe).&nbsp;</p><p>Das Erlernen einer Zweitsprache ist ein zentraler Bestandteil der Schweizer Berufsbildung und der Zweitsprachenunterricht ist entsprechend den spezifischen Anforderungen des Bildungsgangs geregelt. Im Allgemeinen ist in jedem Bildungsgang das Erlernen einer Zweitsprache vorgesehen, wobei die Kantone zusätzlich Wahl- und Stützkurse anbieten können. Die Hauptunterrichtssprache ist die vor Ort gesprochene Sprache (z. B. Italienisch im Tessin), aber einige Verordnungen sehen zusätzliche Sprachen — insbesondere Englisch — vor. Gestützt auf den Bericht von 2017 in Erfüllung des Postulates Buillard-Marbach wurde im Oktober 2023 ein Leitfaden zur Förderung des Fremdsprachenerwerbs in der dualen Bildung veröffentlicht, der sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert.</p>
    • <p>Die Standesinitiative verlangt, alle Verordnungen über die Berufsbildung dahingehend anzupassen, dass zur Erlangung des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) eine Zweitsprache erlernt werden muss.</p>
    • Für eine konkrete Unterstützung bei den wachsenden Herausforderungen der dualen Berufsausbildung. Erlernen einer Zweitsprache soll in der Lehrlingsausbildung obligatorisch werden

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