Auswirkungen des Zinsentscheides der SNB vom 19. Juni 2025

ShortId
25.1028
Id
20251028
Updated
14.11.2025 02:47
Language
de
Title
Auswirkungen des Zinsentscheides der SNB vom 19. Juni 2025
AdditionalIndexing
24;2446
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>Leitzinsentscheide der SNB haben einen Einfluss auf die Hypothekarzinssätze, welche wiederum den Aufkommenseffekt eines Systemwechsels bei der Eigenmietwertbesteuerung beeinflussen. Die ESTV schätzt, gestützt auf Einzeldaten aus vier und Aggregatdaten aus sieben weiteren Kantonen sowie eine Hochrechnung auf die restlichen Kantone, dass der Systemwechsel ab einem Hypothekarzinsniveau von etwa 3% zu Mehreinnahmen führt. Die Schätzungen finden sich auf der Webseite der ESTV unter: </span><a href="http://www.estv.admin.ch"><u><span>www.estv.admin.ch</span></u></a><span> </span><span>&gt; Die ESTV &gt; Steuerpolitik STP &gt; Aktuelle steuerpolitische Dossiers&gt; Wohneigentumsbesteuerung&gt; Aktualisierte Schätzung der ESTV. </span></p><p><span>Die Auswirkungen von Leitzinsänderungen auf die Hypothekarzinssätze unterscheiden sich jedoch in Abhängigkeit der Laufzeit und des Hypothekarmodells. Während die Zinsen bei Festhypotheken fix sind, schwanken sie bei SARON-Hypotheken mit dem jeweiligen Zinsniveau. Die Zinsen von Festhypotheken mit langer Laufzeit reagieren weniger stark auf Zinsänderungen der SNB. Sie sind von weiteren Faktoren abhängig, insbesondere von den mittel- und langfristigen Inflationserwartungen der Marktteilnehmer.</span></p><p><span>Dagegen dürfte der Zusammenhang zwischen variabel verzinsten Hypotheken mit kurzer Laufzeit und der SNB-Zinspolitik stärker sein. Allerdings ist auch bei diesen Hypotheken ein synchroner Verlauf nicht immer gegeben. In der abgelaufenen Negativzinsphase haben kreditgebende Institute die tieferen Zinsen wohl nicht weitergegeben. Obgleich der SNB-Leitzins bei minus 0.75% lag, wurde für eine SARON-Hypothek eine Untergrenze von 0% eingezogen und darauf eine Marge von etwa 80 Basispunkten hinzugefügt. Somit dürfte bei SARON-Hypotheken eine Untergrenze bestehen, die dazu führt, dass selbst bei Negativzinsen ein Kreditnehmer immer noch eine Zinsbelastung von knapp 1% bei diesen Hypotheken hat. </span></p><p><span>Das effektive Hypothekarzinsniveau ist zudem auch davon abhängig, welches Hypothekenmodell die Wohneigentümer wählen. Mehrheitlich werden Abschlüsse getätigt, bei denen ein fixer Zinssatz vereinbart wird. Sind die Zinsunterschiede zwischen variabel verzinslichen Hypotheken und Festhypotheken nicht allzu gross (z.B. SARON-Hypothek: 1%; Festhypothek: 1.5%) und das Zinsniveau tief, wird es Haushalte geben, die lieber bereit sind, einen etwas höheren, aber historisch betrachtet immer noch recht tiefen Zinssatz zu zahlen, damit sie das Zinsänderungsrisiko (wie bei einer SARON-Hypothek) nicht tragen müssen. Dieser Effekt, der in Tiefzinsphasen zu einem verstärkten Wechsel von variablen zu festverzinslichen Hypotheken führt, dürfte einen Abwärtstrend beim hypothekarischen Referenzzinssatz zusätzlich bremsen. Letzterer zeigt das durchschnittliche Zinsniveau bei Bestandshypotheken an und reagiert somit träger auf eine Änderung des Zinsumfelds als die Hypothekarzinsen bei Neuabschlüssen (siehe Tabelle 1). </span><span>&nbsp;</span><span>&nbsp;&nbsp; </span></p><p><span>Falls es zu (moderaten) Negativzinsen käme und sich dasselbe Muster bei der Kreditvergabe wie in der letzten Negativzinsphase zeigen sollte, dürften die Auswirkungen auf den hypothekarischen Referenzzinssatz bescheiden ausfallen. Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass der hypothekarische Referenzzinssatz unter 1% fallen könnte. Das tiefste Niveau während der letzten Negativzinsphase war ein Referenzzinssatz von 1.25% (siehe Tabelle 1). Dieser Wert galt vom Frühjahr 2020 bis zum Frühjahr 2023. Derzeit liegt er bei 1.5%. </span></p><p><span>Die ESTV hat die finanziellen Auswirkungen einer Reform der Eigenmietwertbesteuerung für verschiedenste Zinsszenarien in der Bandbreite zwischen 1.0% und 6% geschätzt. Weitergehende Schätzungen erscheinen dem Bundesrat daher nicht notwendig. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><strong><span>Tabelle 1: Entwicklung verschiedener Zinssätze in den letzten 10 Jahren (in Prozent) </span></strong></p><p><span>&nbsp;</span></p><table><tbody><tr><td><p><span>&nbsp;</span></p></td><td><p><span>Leitzins</span><sup><span>1</span></sup></p><p><span>&nbsp;</span></p></td><td><p><span>Festhypothek (7-10 Jahre)</span></p></td><td><p><span>Variable Hypothek mit Bindung an einen Basiszinssatz (1-2 Jahre)</span></p></td><td><p><span>Hypothekarischer Referenzzinssatz</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2015</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.61</span></p></td><td><p><span>1.07</span></p></td><td><p><span>2</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2016</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.57</span></p></td><td><p><span>1.00</span></p></td><td><p><span>1.75</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2017</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.50</span></p></td><td><p><span>0.91</span></p></td><td><p><span>1.75</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2018</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.51</span></p></td><td><p><span>0.88</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2019</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.35</span></p></td><td><p><span>1.05</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2020</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.12</span></p></td><td><p><span>0.92</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2021</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.19</span></p></td><td><p><span>0.85</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2022</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.40</span></p></td><td><p><span>0.87</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2023</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td><td><p><span>2.29</span></p></td><td><p><span>2.16</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2024</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td><td><p><span>2.11</span></p></td><td><p><span>2.54</span></p></td><td><p><span>1.75</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2025</span></p></td><td><p><span>0.25</span></p></td><td><p><span>1.77</span></p></td><td><p><span>1.18</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td></tr></tbody></table><p><span>Quelle: SNB. 1= Vor 2019 wurde von der SNB ein Zielband für den Dreimonats-Libor genutzt. Von 03/2015 bis einschliesslich 03/2019 wurde der mittlere Wert dieses Zielbands abgebildet. </span></p></span>
  • <p>Nach dem Entscheid der Nationalbank vom 19.6.2025 den Leitzins auf 0% zu senken, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen auf die Bundesfinanzen eine mittel- oder langfristige Phase von Null- oder Negativzinsen hätte, sofern die Besteuerung des Eigenmietwertes aufgehoben würde. &nbsp;Der Bundesrat wird gebeten Szenarien zu berechnen für den Fall eines mittel- und langfristigen Verbleibes des Leitzinses bei 0% oder im negativen Bereich.&nbsp;</p>
  • Auswirkungen des Zinsentscheides der SNB vom 19. Juni 2025
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>Leitzinsentscheide der SNB haben einen Einfluss auf die Hypothekarzinssätze, welche wiederum den Aufkommenseffekt eines Systemwechsels bei der Eigenmietwertbesteuerung beeinflussen. Die ESTV schätzt, gestützt auf Einzeldaten aus vier und Aggregatdaten aus sieben weiteren Kantonen sowie eine Hochrechnung auf die restlichen Kantone, dass der Systemwechsel ab einem Hypothekarzinsniveau von etwa 3% zu Mehreinnahmen führt. Die Schätzungen finden sich auf der Webseite der ESTV unter: </span><a href="http://www.estv.admin.ch"><u><span>www.estv.admin.ch</span></u></a><span> </span><span>&gt; Die ESTV &gt; Steuerpolitik STP &gt; Aktuelle steuerpolitische Dossiers&gt; Wohneigentumsbesteuerung&gt; Aktualisierte Schätzung der ESTV. </span></p><p><span>Die Auswirkungen von Leitzinsänderungen auf die Hypothekarzinssätze unterscheiden sich jedoch in Abhängigkeit der Laufzeit und des Hypothekarmodells. Während die Zinsen bei Festhypotheken fix sind, schwanken sie bei SARON-Hypotheken mit dem jeweiligen Zinsniveau. Die Zinsen von Festhypotheken mit langer Laufzeit reagieren weniger stark auf Zinsänderungen der SNB. Sie sind von weiteren Faktoren abhängig, insbesondere von den mittel- und langfristigen Inflationserwartungen der Marktteilnehmer.</span></p><p><span>Dagegen dürfte der Zusammenhang zwischen variabel verzinsten Hypotheken mit kurzer Laufzeit und der SNB-Zinspolitik stärker sein. Allerdings ist auch bei diesen Hypotheken ein synchroner Verlauf nicht immer gegeben. In der abgelaufenen Negativzinsphase haben kreditgebende Institute die tieferen Zinsen wohl nicht weitergegeben. Obgleich der SNB-Leitzins bei minus 0.75% lag, wurde für eine SARON-Hypothek eine Untergrenze von 0% eingezogen und darauf eine Marge von etwa 80 Basispunkten hinzugefügt. Somit dürfte bei SARON-Hypotheken eine Untergrenze bestehen, die dazu führt, dass selbst bei Negativzinsen ein Kreditnehmer immer noch eine Zinsbelastung von knapp 1% bei diesen Hypotheken hat. </span></p><p><span>Das effektive Hypothekarzinsniveau ist zudem auch davon abhängig, welches Hypothekenmodell die Wohneigentümer wählen. Mehrheitlich werden Abschlüsse getätigt, bei denen ein fixer Zinssatz vereinbart wird. Sind die Zinsunterschiede zwischen variabel verzinslichen Hypotheken und Festhypotheken nicht allzu gross (z.B. SARON-Hypothek: 1%; Festhypothek: 1.5%) und das Zinsniveau tief, wird es Haushalte geben, die lieber bereit sind, einen etwas höheren, aber historisch betrachtet immer noch recht tiefen Zinssatz zu zahlen, damit sie das Zinsänderungsrisiko (wie bei einer SARON-Hypothek) nicht tragen müssen. Dieser Effekt, der in Tiefzinsphasen zu einem verstärkten Wechsel von variablen zu festverzinslichen Hypotheken führt, dürfte einen Abwärtstrend beim hypothekarischen Referenzzinssatz zusätzlich bremsen. Letzterer zeigt das durchschnittliche Zinsniveau bei Bestandshypotheken an und reagiert somit träger auf eine Änderung des Zinsumfelds als die Hypothekarzinsen bei Neuabschlüssen (siehe Tabelle 1). </span><span>&nbsp;</span><span>&nbsp;&nbsp; </span></p><p><span>Falls es zu (moderaten) Negativzinsen käme und sich dasselbe Muster bei der Kreditvergabe wie in der letzten Negativzinsphase zeigen sollte, dürften die Auswirkungen auf den hypothekarischen Referenzzinssatz bescheiden ausfallen. Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass der hypothekarische Referenzzinssatz unter 1% fallen könnte. Das tiefste Niveau während der letzten Negativzinsphase war ein Referenzzinssatz von 1.25% (siehe Tabelle 1). Dieser Wert galt vom Frühjahr 2020 bis zum Frühjahr 2023. Derzeit liegt er bei 1.5%. </span></p><p><span>Die ESTV hat die finanziellen Auswirkungen einer Reform der Eigenmietwertbesteuerung für verschiedenste Zinsszenarien in der Bandbreite zwischen 1.0% und 6% geschätzt. Weitergehende Schätzungen erscheinen dem Bundesrat daher nicht notwendig. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><strong><span>Tabelle 1: Entwicklung verschiedener Zinssätze in den letzten 10 Jahren (in Prozent) </span></strong></p><p><span>&nbsp;</span></p><table><tbody><tr><td><p><span>&nbsp;</span></p></td><td><p><span>Leitzins</span><sup><span>1</span></sup></p><p><span>&nbsp;</span></p></td><td><p><span>Festhypothek (7-10 Jahre)</span></p></td><td><p><span>Variable Hypothek mit Bindung an einen Basiszinssatz (1-2 Jahre)</span></p></td><td><p><span>Hypothekarischer Referenzzinssatz</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2015</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.61</span></p></td><td><p><span>1.07</span></p></td><td><p><span>2</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2016</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.57</span></p></td><td><p><span>1.00</span></p></td><td><p><span>1.75</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2017</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.50</span></p></td><td><p><span>0.91</span></p></td><td><p><span>1.75</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2018</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.51</span></p></td><td><p><span>0.88</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2019</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.35</span></p></td><td><p><span>1.05</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2020</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.12</span></p></td><td><p><span>0.92</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2021</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.19</span></p></td><td><p><span>0.85</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2022</span></p></td><td><p><span>-0.75</span></p></td><td><p><span>1.40</span></p></td><td><p><span>0.87</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2023</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td><td><p><span>2.29</span></p></td><td><p><span>2.16</span></p></td><td><p><span>1.25</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2024</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td><td><p><span>2.11</span></p></td><td><p><span>2.54</span></p></td><td><p><span>1.75</span></p></td></tr><tr><td><p><span>03/2025</span></p></td><td><p><span>0.25</span></p></td><td><p><span>1.77</span></p></td><td><p><span>1.18</span></p></td><td><p><span>1.5</span></p></td></tr></tbody></table><p><span>Quelle: SNB. 1= Vor 2019 wurde von der SNB ein Zielband für den Dreimonats-Libor genutzt. Von 03/2015 bis einschliesslich 03/2019 wurde der mittlere Wert dieses Zielbands abgebildet. </span></p></span>
    • <p>Nach dem Entscheid der Nationalbank vom 19.6.2025 den Leitzins auf 0% zu senken, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen auf die Bundesfinanzen eine mittel- oder langfristige Phase von Null- oder Negativzinsen hätte, sofern die Besteuerung des Eigenmietwertes aufgehoben würde. &nbsp;Der Bundesrat wird gebeten Szenarien zu berechnen für den Fall eines mittel- und langfristigen Verbleibes des Leitzinses bei 0% oder im negativen Bereich.&nbsp;</p>
    • Auswirkungen des Zinsentscheides der SNB vom 19. Juni 2025

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