Organtransplantation. Effizienz, Transparenz und die Rolle der Schweiz im europäischen Netzwerk FOEDUS
- ShortId
-
25.1029
- Id
-
20251029
- Updated
-
14.11.2025 02:36
- Language
-
de
- Title
-
Organtransplantation. Effizienz, Transparenz und die Rolle der Schweiz im europäischen Netzwerk FOEDUS
- AdditionalIndexing
-
2841
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>1.- 3. Viele gespendete Organe, für die eine Einwilligung vorliegt, werden bereits bei einer ersten medizinischen Beurteilung aufgrund von Alter, Vorerkrankungen oder Schädigungen für eine Transplantation ausgeschlossen. Der Entscheid, ob ein Organ akzeptiert oder abgelehnt wird, liegt bei den Transplantationszentren. Fachexpertinnen und -experten entscheiden anhand von Nutzen-Risikoüberlegungen, medizinischen Abwägungen und der gesundheitlichen Ausgangssituation ihrer Patientinnen und Patienten über ein Organangebot. Dabei wird auch der mögliche Transplantationserfolg beurteilt. Da es sich immer um Individualentscheide handelt, gibt es keine gemeinsamen Richtlinien. Organe, für welche in der Schweiz keine passende Empfängerin oder kein passender Empfänger gefunden werden kann, werden ausländischen Zuteilungsorganisationen angeboten. Durch den internationalen Austausch können die Organe an ideal passende Patientinnen und Patienten weitergegeben werden. Vom internationalen Austausch profitieren auch die Patientinnen und Patienten in der Schweiz.</span></p><p><span>Im Jahr 2024 wurden 24 Organe exportiert und 52 importiert. Die Zahlen der letzten fünf Jahre aufgeschlüsselt nach Organen finden sich im Jahresbericht 2024 von Swisstransplant (www.swisstransplant.org >Swisstransplant > Jahresbericht > Jahresbericht 2024). </span></p><p><span> </span></p><p><span>4. Die Schweiz beteiligt sich in Form eines Mitgliederbeitrages mit jährlich 4000 Euro an FOEDUS (Facilitating Exchange of Organs Donated in EU Member States). Die Onlineplattform spielt eine wichtige Rolle im Bereich des Organaustausches in Europa: Wenn keine passende empfangende Person im Land der Spende auf der Warteliste steht</span><span> </span><span>– sei es aufgrund von Inkompatibilitäten wie beispielsweise Grösse, Gewicht, Immunologie oder Blutgruppe – werden die Organe über FOEDUS in anderen Ländern angeboten. Besonders Kinder profitieren davon. </span><span>Mit dem Austausch </span><span>kann verhindert werden, dass gespendete Organe «verloren» gehen, weil sich in der Schweiz keine passende Empfängerin oder kein passender Empfänger findet. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Beitritt der Schweiz zu FOEDUS und der Einführung der Widerspruchsregelung.</span></p><p><span> </span></p><p><span>5. Aktuell gilt in der Schweiz weiterhin die Zustimmungsregelung, die Einführung der Widerspruchsregelung erfolgt frühestens auf Anfang 2027. Bevor weitere, kostspielige Massnahmen eingeführt werden, gilt es, den Effekt der Widerspruchsregelung abzuwarten</span><span>. </span></p></span>
- <p>In der Schweiz stehen jedes Jahr Hunderte von Personen auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Viele sterben jedoch, bevor sie ein neues Organ erhalten. Die Zahl der Organspenden hat zwar zugenommen, doch einige Organe werden von den Schweizer Transplantationszentren abgelehnt und manchmal ins Ausland weitergegeben, während passende Empfängerinnen und Empfänger in der Schweiz weiterhin auf ein Spendeorgan warten müssen.</p><p> </p><p>2022 hat das Volk die Widerspruchsregelung angenommen und damit den Willen ausgedrückt, die Solidarität zu stärken. Damit diese neue Regelung einen konkreten Nutzen bringt, muss jedes Spendeorgan bewertet und, wenn es geeignet ist, in der Schweiz transplantiert werden. Lebern und Nieren werden in der Schweiz manchmal abgelehnt und dann im Ausland transplantiert, was Zweifel an den angewandten Kriterien aufkommen lässt. Für die Transplantation von Herz und Lunge braucht es eine schnelle Logistik. Auch hier kommt es vor, dass Spendeorgane nicht verwendet werden. Die Transplantation der Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms erfordert Fachwissen, das nicht immer vorhanden ist. Swisstransplant gibt zudem an, dass Vorgaben der Krankenkassen mit ein Grund sein können, dass nicht optimale Organe nicht transplantiert werden.</p><p> </p><p>Die Schweiz beteiligt sich an der europäischen Plattform FOEDUS (Facilitating Exchange of Organs Donated in EU Member States), die den länderübergreifenden Organaustausch fördert. Dass in der Schweiz abgelehnte Organe anderswo transplantiert werden, wirft unter anderem die Frage auf, ob die Zunahme an Organspenden mit der neuen Widerspruchsregelung einen länderübergreifenden Austausch begünstigt, bei dem die prioritäre Behandlung der einheimischen Bevölkerung nicht sichergestellt ist.</p><p> </p><p>Ich bitte daher den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Ist der Bundesrat der Ansicht, dass das Schweizer Transplantationssystem heute gewährleistet, dass die verfügbaren Organe bestmöglich verwendet werden? Wenn nicht, welche Verbesserungen werden umgesetzt oder sind geplant?</li><li>Wie viele Organe, aufgeschlüsselt nach der Art des Organs, wurden in den letzten fünf Jahren gespendet, transplantiert, abgelehnt und ins Ausland weitergegeben? In wie vielen Fällen wurden weitergegebene Organe im Ausland transplantiert? Wieso wurden sie nicht in der Schweiz transplantiert?</li><li>In welchen Fällen werden Spendeorgane von Schweizer Transplantationszentren abgelehnt und anschliessend ins Ausland weitergegeben? Gibt es spitalübergreifende Leitlinien?</li><li>Welche Kriterien, Bedingungen und Kosten sind mit der Schweizer Beteiligung an FOEDUS verbunden? Kann ausgeschlossen werden, dass der Beitritt zu FOEDUS indirekt ein Grund für die Einführung der Widerspruchslösung war und dass dadurch nun das Weitergeben von Spendeorganen ins Ausland gefördert wird?</li><li>Hält es der Bundesrat für angemessen, die Regelungen betreffend die Vergütung von Kosten für die Bewertung und den Transport von Organen zu überprüfen, sodass auch nicht optimale Organe vermehrt verwendet werden?</li></ol><p>Diese Anfrage wurde gemeinsam mit Lara Filippini, Grossrätin im Kanton Tessin, ausgearbeitet.</p>
- Organtransplantation. Effizienz, Transparenz und die Rolle der Schweiz im europäischen Netzwerk FOEDUS
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p><span>1.- 3. Viele gespendete Organe, für die eine Einwilligung vorliegt, werden bereits bei einer ersten medizinischen Beurteilung aufgrund von Alter, Vorerkrankungen oder Schädigungen für eine Transplantation ausgeschlossen. Der Entscheid, ob ein Organ akzeptiert oder abgelehnt wird, liegt bei den Transplantationszentren. Fachexpertinnen und -experten entscheiden anhand von Nutzen-Risikoüberlegungen, medizinischen Abwägungen und der gesundheitlichen Ausgangssituation ihrer Patientinnen und Patienten über ein Organangebot. Dabei wird auch der mögliche Transplantationserfolg beurteilt. Da es sich immer um Individualentscheide handelt, gibt es keine gemeinsamen Richtlinien. Organe, für welche in der Schweiz keine passende Empfängerin oder kein passender Empfänger gefunden werden kann, werden ausländischen Zuteilungsorganisationen angeboten. Durch den internationalen Austausch können die Organe an ideal passende Patientinnen und Patienten weitergegeben werden. Vom internationalen Austausch profitieren auch die Patientinnen und Patienten in der Schweiz.</span></p><p><span>Im Jahr 2024 wurden 24 Organe exportiert und 52 importiert. Die Zahlen der letzten fünf Jahre aufgeschlüsselt nach Organen finden sich im Jahresbericht 2024 von Swisstransplant (www.swisstransplant.org >Swisstransplant > Jahresbericht > Jahresbericht 2024). </span></p><p><span> </span></p><p><span>4. Die Schweiz beteiligt sich in Form eines Mitgliederbeitrages mit jährlich 4000 Euro an FOEDUS (Facilitating Exchange of Organs Donated in EU Member States). Die Onlineplattform spielt eine wichtige Rolle im Bereich des Organaustausches in Europa: Wenn keine passende empfangende Person im Land der Spende auf der Warteliste steht</span><span> </span><span>– sei es aufgrund von Inkompatibilitäten wie beispielsweise Grösse, Gewicht, Immunologie oder Blutgruppe – werden die Organe über FOEDUS in anderen Ländern angeboten. Besonders Kinder profitieren davon. </span><span>Mit dem Austausch </span><span>kann verhindert werden, dass gespendete Organe «verloren» gehen, weil sich in der Schweiz keine passende Empfängerin oder kein passender Empfänger findet. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Beitritt der Schweiz zu FOEDUS und der Einführung der Widerspruchsregelung.</span></p><p><span> </span></p><p><span>5. Aktuell gilt in der Schweiz weiterhin die Zustimmungsregelung, die Einführung der Widerspruchsregelung erfolgt frühestens auf Anfang 2027. Bevor weitere, kostspielige Massnahmen eingeführt werden, gilt es, den Effekt der Widerspruchsregelung abzuwarten</span><span>. </span></p></span>
- <p>In der Schweiz stehen jedes Jahr Hunderte von Personen auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Viele sterben jedoch, bevor sie ein neues Organ erhalten. Die Zahl der Organspenden hat zwar zugenommen, doch einige Organe werden von den Schweizer Transplantationszentren abgelehnt und manchmal ins Ausland weitergegeben, während passende Empfängerinnen und Empfänger in der Schweiz weiterhin auf ein Spendeorgan warten müssen.</p><p> </p><p>2022 hat das Volk die Widerspruchsregelung angenommen und damit den Willen ausgedrückt, die Solidarität zu stärken. Damit diese neue Regelung einen konkreten Nutzen bringt, muss jedes Spendeorgan bewertet und, wenn es geeignet ist, in der Schweiz transplantiert werden. Lebern und Nieren werden in der Schweiz manchmal abgelehnt und dann im Ausland transplantiert, was Zweifel an den angewandten Kriterien aufkommen lässt. Für die Transplantation von Herz und Lunge braucht es eine schnelle Logistik. Auch hier kommt es vor, dass Spendeorgane nicht verwendet werden. Die Transplantation der Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms erfordert Fachwissen, das nicht immer vorhanden ist. Swisstransplant gibt zudem an, dass Vorgaben der Krankenkassen mit ein Grund sein können, dass nicht optimale Organe nicht transplantiert werden.</p><p> </p><p>Die Schweiz beteiligt sich an der europäischen Plattform FOEDUS (Facilitating Exchange of Organs Donated in EU Member States), die den länderübergreifenden Organaustausch fördert. Dass in der Schweiz abgelehnte Organe anderswo transplantiert werden, wirft unter anderem die Frage auf, ob die Zunahme an Organspenden mit der neuen Widerspruchsregelung einen länderübergreifenden Austausch begünstigt, bei dem die prioritäre Behandlung der einheimischen Bevölkerung nicht sichergestellt ist.</p><p> </p><p>Ich bitte daher den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Ist der Bundesrat der Ansicht, dass das Schweizer Transplantationssystem heute gewährleistet, dass die verfügbaren Organe bestmöglich verwendet werden? Wenn nicht, welche Verbesserungen werden umgesetzt oder sind geplant?</li><li>Wie viele Organe, aufgeschlüsselt nach der Art des Organs, wurden in den letzten fünf Jahren gespendet, transplantiert, abgelehnt und ins Ausland weitergegeben? In wie vielen Fällen wurden weitergegebene Organe im Ausland transplantiert? Wieso wurden sie nicht in der Schweiz transplantiert?</li><li>In welchen Fällen werden Spendeorgane von Schweizer Transplantationszentren abgelehnt und anschliessend ins Ausland weitergegeben? Gibt es spitalübergreifende Leitlinien?</li><li>Welche Kriterien, Bedingungen und Kosten sind mit der Schweizer Beteiligung an FOEDUS verbunden? Kann ausgeschlossen werden, dass der Beitritt zu FOEDUS indirekt ein Grund für die Einführung der Widerspruchslösung war und dass dadurch nun das Weitergeben von Spendeorganen ins Ausland gefördert wird?</li><li>Hält es der Bundesrat für angemessen, die Regelungen betreffend die Vergütung von Kosten für die Bewertung und den Transport von Organen zu überprüfen, sodass auch nicht optimale Organe vermehrt verwendet werden?</li></ol><p>Diese Anfrage wurde gemeinsam mit Lara Filippini, Grossrätin im Kanton Tessin, ausgearbeitet.</p>
- Organtransplantation. Effizienz, Transparenz und die Rolle der Schweiz im europäischen Netzwerk FOEDUS
Back to List