Potenzial von Carbon Capture and Storage (CCS) ist kleiner als gedacht. Kein Joker für die Schweizer Klimapolitik
- ShortId
-
25.1041
- Id
-
20251041
- Updated
-
06.01.2026 13:45
- Language
-
de
- Title
-
Potenzial von Carbon Capture and Storage (CCS) ist kleiner als gedacht. Kein Joker für die Schweizer Klimapolitik
- AdditionalIndexing
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52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>1) Der Bundesrat hat in seiner Langfristigen Klimastrategie (<a href="http://www.bafu.admin.ch"><u>www.bafu.admin.ch</u></a> > Themen > Thema Klima > Klimapolitik der Schweiz > Ziele und Strategien der Klimapolitik > Langfristige Klimastrategie) aufgezeigt, wie das Netto-Null-Ziel der Schweiz erreicht werden soll. Dabei trägt die Strategie dem Umstand Rechnung, dass geeignete CO<sub>2</sub>-Lagerstätten beschränkt vorhanden sind. Die Erreichung des Netto-Null-Ziels muss deshalb in erster Linie durch die Verminderung von Emissionen erfolgen, insbesondere durch den Ersatz fossiler Energieträger. Nur schwer vermeidbare Emissionen, namentlich aus der Zementindustrie, der Abfallverwertung, der Landwirtschaft und der Luftfahrt, müssen mit CO<sub>2</sub>-Entnahme und Speicherung vermieden oder ausgeglichen werden. Das Bundesgesetz über die Ziele im Klimaschutz, die Innovation und die Stärkung der Energiesicherheit (KIG; SR 814.310) hat diese Hierarchie auf Gesetzesstufe übernommen. Die erwähnte Studie des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) bestärkt den Bundesrat in seiner Strategie, Schweizer Unternehmen rechtzeitig Zugang zu Speicherstätten zu ermöglichen und Investitionssicherheit zu schaffen. So hat der Bundesrat im Sommer 2025 zwei Abkommen unterzeichnet, die den Export und die dauerhafte Speicherung von Schweizer CO<sub>2 </sub>in Norwegen und Dänemark ermöglichen.</p><p> </p><p>2) Bisherige Kostenschätzungen des Bundes umfassen den Zeitraum bis ins Jahr 2060 und gehen grundsätzlich davon aus, dass die Kosten durch Skaleneffekte bei der Transport- und Speicherinfrastruktur sowie durch einen etablierten Markt mittel- bis längerfristig sinken werden. Eine Kostensteigerung aufgrund einer Verknappung des Speicherplatzes würde sich vermutlich erst deutlich nach 2100 ergeben. Eine Abschätzung der Kostenentwicklung über diesen langen Zeitraum wäre wenig aussagekräftig, insbesondere weil laufend alternative Speichermöglichkeiten entwickelt werden (z. B. die Mineralisierung in basaltischen Gesteinen wie beispielsweise in Island, oder in Recyclingbeton).</p><p> </p><p>3) Der Grundsatz der prioritären Verminderung von Emissionen ist in der Langfristigen Klimastrategie festgehalten und im KlG gesetzlich verankert. Die derzeitigen Massnahmen zur Emissionsreduktion sind in erster Linie im CO<sub>2</sub>-Gesetz (SR 641.71) enthalten. Am 12. September 2025 hat der Bundesrat zwei Aussprachen zur Ausgestaltung der Klimapolitik nach 2030 geführt. Das UVEK wurde beauftragt, bis Ende Juni 2026 eine Vernehmlassungsvorlage für eine Revision des CO<sub>2</sub>-Gesetzes ab 2030 sowie für ein neues Rahmengesetz zum Ausbau von CO<sub>2</sub>-Entnahme und -Speicherung auszuarbeiten.</p>
- <p>Eine neue, im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) warnt, dass das weltweite Potenzial zur sicheren geologischen Speicherung von CO₂ deutlich überschätzt wird. Viele der als geeignet geltenden Lagerstätten liegen in Hochrisikogebieten oder sind politisch und geographisch kaum nutzbar. Anstatt der bisher oft angenommenen rund 14’000 Gigatonnen Speicher könnten nur etwa 1’460 Gigatonnen tatsächlich praktikabel sein.</p><p>Für die Schweiz, die selbst über kaum geologische Speichermöglichkeiten verfügt und deshalb auf Lösungen im Ausland angewiesen wäre, ergeben sich damit grundlegende Fragen für die nationale Klimastrategie:</p><p> </p><p>1. Verändert sich vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse die Rolle, die der Bundesrat CCS im Rahmen der Schweizer Klimapolitik beimisst, bzw. wie beurteilt der Bundesrat die Abhängigkeit von CCS in der Schweizer Netto-Null-Strategie?</p><p>2. Welche Kostenrisiken sieht der Bundesrat für die Schweiz, wenn Speicherplätze teuer und knapp werden?</p><p>3. Die Ergebnisse der Studie sprechen für eine klare Priorität für direkte Emissionsredutionen, anstatt unsichere Speichertechnologien. Welche zusätzlichen Massnahmen ergreift der Bundesrat, um sicherzustellen, dass Netto-Null prioritär durch direkte Emissionsreduktionen erreicht wird?</p>
- Potenzial von Carbon Capture and Storage (CCS) ist kleiner als gedacht. Kein Joker für die Schweizer Klimapolitik
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>1) Der Bundesrat hat in seiner Langfristigen Klimastrategie (<a href="http://www.bafu.admin.ch"><u>www.bafu.admin.ch</u></a> > Themen > Thema Klima > Klimapolitik der Schweiz > Ziele und Strategien der Klimapolitik > Langfristige Klimastrategie) aufgezeigt, wie das Netto-Null-Ziel der Schweiz erreicht werden soll. Dabei trägt die Strategie dem Umstand Rechnung, dass geeignete CO<sub>2</sub>-Lagerstätten beschränkt vorhanden sind. Die Erreichung des Netto-Null-Ziels muss deshalb in erster Linie durch die Verminderung von Emissionen erfolgen, insbesondere durch den Ersatz fossiler Energieträger. Nur schwer vermeidbare Emissionen, namentlich aus der Zementindustrie, der Abfallverwertung, der Landwirtschaft und der Luftfahrt, müssen mit CO<sub>2</sub>-Entnahme und Speicherung vermieden oder ausgeglichen werden. Das Bundesgesetz über die Ziele im Klimaschutz, die Innovation und die Stärkung der Energiesicherheit (KIG; SR 814.310) hat diese Hierarchie auf Gesetzesstufe übernommen. Die erwähnte Studie des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) bestärkt den Bundesrat in seiner Strategie, Schweizer Unternehmen rechtzeitig Zugang zu Speicherstätten zu ermöglichen und Investitionssicherheit zu schaffen. So hat der Bundesrat im Sommer 2025 zwei Abkommen unterzeichnet, die den Export und die dauerhafte Speicherung von Schweizer CO<sub>2 </sub>in Norwegen und Dänemark ermöglichen.</p><p> </p><p>2) Bisherige Kostenschätzungen des Bundes umfassen den Zeitraum bis ins Jahr 2060 und gehen grundsätzlich davon aus, dass die Kosten durch Skaleneffekte bei der Transport- und Speicherinfrastruktur sowie durch einen etablierten Markt mittel- bis längerfristig sinken werden. Eine Kostensteigerung aufgrund einer Verknappung des Speicherplatzes würde sich vermutlich erst deutlich nach 2100 ergeben. Eine Abschätzung der Kostenentwicklung über diesen langen Zeitraum wäre wenig aussagekräftig, insbesondere weil laufend alternative Speichermöglichkeiten entwickelt werden (z. B. die Mineralisierung in basaltischen Gesteinen wie beispielsweise in Island, oder in Recyclingbeton).</p><p> </p><p>3) Der Grundsatz der prioritären Verminderung von Emissionen ist in der Langfristigen Klimastrategie festgehalten und im KlG gesetzlich verankert. Die derzeitigen Massnahmen zur Emissionsreduktion sind in erster Linie im CO<sub>2</sub>-Gesetz (SR 641.71) enthalten. Am 12. September 2025 hat der Bundesrat zwei Aussprachen zur Ausgestaltung der Klimapolitik nach 2030 geführt. Das UVEK wurde beauftragt, bis Ende Juni 2026 eine Vernehmlassungsvorlage für eine Revision des CO<sub>2</sub>-Gesetzes ab 2030 sowie für ein neues Rahmengesetz zum Ausbau von CO<sub>2</sub>-Entnahme und -Speicherung auszuarbeiten.</p>
- <p>Eine neue, im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) warnt, dass das weltweite Potenzial zur sicheren geologischen Speicherung von CO₂ deutlich überschätzt wird. Viele der als geeignet geltenden Lagerstätten liegen in Hochrisikogebieten oder sind politisch und geographisch kaum nutzbar. Anstatt der bisher oft angenommenen rund 14’000 Gigatonnen Speicher könnten nur etwa 1’460 Gigatonnen tatsächlich praktikabel sein.</p><p>Für die Schweiz, die selbst über kaum geologische Speichermöglichkeiten verfügt und deshalb auf Lösungen im Ausland angewiesen wäre, ergeben sich damit grundlegende Fragen für die nationale Klimastrategie:</p><p> </p><p>1. Verändert sich vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse die Rolle, die der Bundesrat CCS im Rahmen der Schweizer Klimapolitik beimisst, bzw. wie beurteilt der Bundesrat die Abhängigkeit von CCS in der Schweizer Netto-Null-Strategie?</p><p>2. Welche Kostenrisiken sieht der Bundesrat für die Schweiz, wenn Speicherplätze teuer und knapp werden?</p><p>3. Die Ergebnisse der Studie sprechen für eine klare Priorität für direkte Emissionsredutionen, anstatt unsichere Speichertechnologien. Welche zusätzlichen Massnahmen ergreift der Bundesrat, um sicherzustellen, dass Netto-Null prioritär durch direkte Emissionsreduktionen erreicht wird?</p>
- Potenzial von Carbon Capture and Storage (CCS) ist kleiner als gedacht. Kein Joker für die Schweizer Klimapolitik
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