Wird die Schweiz ihre Treibhausgasreduktionsziele für 2030 erreichen?

ShortId
25.1044
Id
20251044
Updated
06.01.2026 13:43
Language
de
Title
Wird die Schweiz ihre Treibhausgasreduktionsziele für 2030 erreichen?
AdditionalIndexing
52;66
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1) Bis heute wurden 13&nbsp;649&nbsp;Emissionsminderungszertifikate (1&nbsp;Zertifikat entspricht einer Emissionsminderung von 1&nbsp;t&nbsp;CO₂eq) aus dem Ausland in die Schweiz transferiert. Der in der Anfrage genannte Anteil von 0,04&nbsp;Prozent ist somit rechnerisch korrekt. Ein Vergleich zwischen den bisher transferierten Zertifikaten und dem erwarteten Gesamtvolumen ist jedoch nicht aussagekräftig: Beim erwarteten Volumen handelt es sich um eine Schätzung gestützt auf Annahmen, die sich ändern können, namentlich in Bezug auf die Wirkung anderer klimapolitischer Instrumente und die Entwicklung der Einfuhren fossiler Treibstoffe. Das derzeitige Volumen ist primär Ausdruck einer Anfangsphase, die von einer steilen Lernkurve geprägt ist. Seit der Lancierung der Projekte wurden die Umsetzungs- und Verifizierungskapazitäten ausgebaut. In den kommenden Jahren wird die Entwicklung verlässlicher beurteilt werden können.</p><p>&nbsp;</p><p>2) Gemäss dem am 15. April 2025 veröffentlichten Treibhausgasinventar beliefen sich die Treibhausgasemissionen der Schweiz ohne die erstmals direkt mitberücksichtigte Treibhausgasbilanz der Landnutzung im Jahr 2023 auf 40,8 Millionen Tonnen CO<sub>2</sub>-Äquivalente. Damit lagen sie rund 1 Million Tonnen unter dem Wert von 2022. Wird die Treibhausgasbilanz der Landnutzung gemäss Zielsetzung unter dem Übereinkommen von Paris und Artikel 131 Absatz 5 der CO<sub>2</sub>-Verordnung (SR&nbsp;641.711) auch berücksichtigt, haben die Treibhausgasemissionen im Jahr 2023 gegenüber 2022 leicht zugenommen. Die Emissionsbilanz der Landnutzung unterliegt grossen jährlichen Schwankungen. Während in den letzten Jahren die Vegetation und die Böden in der Summe mehr CO<sub>2</sub> aufgenommen als abgegeben haben, war im Jahr 2023 die Bilanz gerade umgekehrt: Es wurde mehr CO<sub>2</sub> abgegeben als aufgenommen. Dies ist in erster Linie auf Witterungseinflüsse (Temperatur und Niederschlag) zurückzuführen. Solche Schwankungen in der Treibhausgasbilanz der Landnutzung werden auch künftig auftreten. Die Betrachtung von einzelnen Jahren ist daher nur bedingt aussagekräftig und die zukünftige Entwicklung schwer vorherzusagen.</p><p>&nbsp;</p><p>3) Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung der Treibhausgasemissionen laufend. Sollten die festgelegten Massnahmen nicht ausreichen, könnte der Bund gestützt auf Artikel 4 Absatz 5 des CO<sub>2</sub>-Gesetzes (SR 641.71) die zur Zielerreichung notwendigen internationalen Bescheinigungen erwerben. Der Bundesrat wird voraussichtlich 2027 eine Aussprache über die Zielerreichung im Jahr 2030 führen. Bei dieser Gelegenheit wird er die Kosten für einen allfälligen Erwerb von Bescheinigungen genauer beziffern und gestützt darauf über das weitere Vorgehen entscheiden.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>4) Die CO<sub>2</sub>-Verordnung legt in Artikel 3 die folgenden sektoriellen Verminderungsziele fest, jeweils ausgedrückt als Reduktion gegenüber dem Jahr 1990: Gebäude minus 50 Prozent, Verkehr minus 25 Prozent, Industrie minus 35 Prozent, Übrige (Landwirtschaft, Abfall, synthetische Treibhausgase) minus 25 Prozent. Die Massnahmen zur Erreichung dieser Ziele sind im CO<sub>2</sub>-Gesetz verankert. Die Massnahmen zur Senkung der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen sind im Rahmen der Agrarpolitik festzulegen.</p><p>&nbsp;</p><p>5) Artikel 2<i>a</i> der CO<sub>2</sub>-Verordnung legt fest, dass sowohl das Reduktionsziel für das Jahr 2030 (minus 50 Prozent gegenüber dem Jahr 1990) als auch das Durchschnittsziel für die Jahre 2021-2030 (minus 35 Prozent gegenüber dem Jahr 1990) zu mindestens zwei Dritteln mit Massnahmen im Inland erreicht werden müssen. Massgebend für das Inlandziel sind die Emissionen ohne die Emissionsbilanz der Landnutzung.</p>
  • <p>Der im April 2025 aktualisierte Bericht über die Emissionen von Treibhausgasen (THG), die unter das CO2-Gesetz und das Pariser Abkommen fallen, zeigt, dass die gesamten THG-Emissionen der Schweiz stagnieren. Im Jahr 2023 wurden in der Schweiz 42 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert (ohne internationalen Luft- und Seeverkehr). Das sind mehr Emissionen als 2022, entsprechen im&nbsp;Vergleich&nbsp;zu&nbsp;1990 aber einem Rückgang von 19,8 Prozent. Das Reduktionsziel für 2020 lag bei 20 Prozent. Die 42 Tonnen liegen weit über dem für den&nbsp;Zeitraum&nbsp;2021-2030 festgelegten durchschnittlichen Ziel von 34 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Der Zielwert für 2030 (minus 50&nbsp;% im Vergleich zu 1990) liegt bei etwa 26 Millionen Tonnen CO2, also fast 40 Prozent weniger, als 2023 ausgestossen wurde. Während die Treibhausgasemissionen&nbsp;der Haushalte und der Industrie gesunken sind, gilt dies nicht für den Verkehrssektor. Dessen Anteil an den Gesamtemissionen der Schweiz ist von 27 Prozent im Jahr 1990 auf 33,6 Prozent im Jahr 2024 angewachsen.&nbsp;</p><p>Was die CO2-Kompensationen im Ausland betrifft, so wurden laut einer&nbsp;aktuellen&nbsp;Umfrage&nbsp;des&nbsp;<i>Beobachters</i>​bisher nur 0,04 Prozent der bis 2030 geplanten Kompensationen durchgeführt.</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol><li>Stimmt es, dass nur 0,04 Prozent der bis 2030 im Ausland geplanten Kompensationen durchgeführt wurden? Wenn nein, wie hoch ist der Prozentsatz? Können die Reduktionsziele im Ausland für 2030 (34 Millionen Tonnen CO2 gemäss der Antwort auf die Interpellation 24.4379) erreicht werden?</li><li>Wie ist es zu erklären, dass die CO2-Emissionen in der Schweiz zwischen 2022 und 2023 gestiegen sind, obwohl sie jedes Jahr sinken müssten, um das für 2030 festgelegte Reduktionsziel zu erreichen?</li><li>Kann der Bundesrat mit Sicherheit sagen, dass die derzeitigen Massnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen ausreichen, um das Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent bis 2030 zu erreichen?&nbsp;</li><li>Welche prozentualen Reduktionsziele werden für den Zeitraum 2025-2030 in den einzelnen Sektoren (Verkehr, Industrie, Haushalte, Landwirtschaft, Dienstleistungen, synthetische Gase, Abfall) angestrebt, und mit welchen Massnahmen werden diese Ziele verfolgt?</li><li>Wie viel Prozent des durchschnittlichen Reduktionsziels für den Zeitraum 2021-2030, das bei 34 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr liegt, werden aus Kompensationen im Ausland stammen?</li></ol>
  • Wird die Schweiz ihre Treibhausgasreduktionsziele für 2030 erreichen?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1) Bis heute wurden 13&nbsp;649&nbsp;Emissionsminderungszertifikate (1&nbsp;Zertifikat entspricht einer Emissionsminderung von 1&nbsp;t&nbsp;CO₂eq) aus dem Ausland in die Schweiz transferiert. Der in der Anfrage genannte Anteil von 0,04&nbsp;Prozent ist somit rechnerisch korrekt. Ein Vergleich zwischen den bisher transferierten Zertifikaten und dem erwarteten Gesamtvolumen ist jedoch nicht aussagekräftig: Beim erwarteten Volumen handelt es sich um eine Schätzung gestützt auf Annahmen, die sich ändern können, namentlich in Bezug auf die Wirkung anderer klimapolitischer Instrumente und die Entwicklung der Einfuhren fossiler Treibstoffe. Das derzeitige Volumen ist primär Ausdruck einer Anfangsphase, die von einer steilen Lernkurve geprägt ist. Seit der Lancierung der Projekte wurden die Umsetzungs- und Verifizierungskapazitäten ausgebaut. In den kommenden Jahren wird die Entwicklung verlässlicher beurteilt werden können.</p><p>&nbsp;</p><p>2) Gemäss dem am 15. April 2025 veröffentlichten Treibhausgasinventar beliefen sich die Treibhausgasemissionen der Schweiz ohne die erstmals direkt mitberücksichtigte Treibhausgasbilanz der Landnutzung im Jahr 2023 auf 40,8 Millionen Tonnen CO<sub>2</sub>-Äquivalente. Damit lagen sie rund 1 Million Tonnen unter dem Wert von 2022. Wird die Treibhausgasbilanz der Landnutzung gemäss Zielsetzung unter dem Übereinkommen von Paris und Artikel 131 Absatz 5 der CO<sub>2</sub>-Verordnung (SR&nbsp;641.711) auch berücksichtigt, haben die Treibhausgasemissionen im Jahr 2023 gegenüber 2022 leicht zugenommen. Die Emissionsbilanz der Landnutzung unterliegt grossen jährlichen Schwankungen. Während in den letzten Jahren die Vegetation und die Böden in der Summe mehr CO<sub>2</sub> aufgenommen als abgegeben haben, war im Jahr 2023 die Bilanz gerade umgekehrt: Es wurde mehr CO<sub>2</sub> abgegeben als aufgenommen. Dies ist in erster Linie auf Witterungseinflüsse (Temperatur und Niederschlag) zurückzuführen. Solche Schwankungen in der Treibhausgasbilanz der Landnutzung werden auch künftig auftreten. Die Betrachtung von einzelnen Jahren ist daher nur bedingt aussagekräftig und die zukünftige Entwicklung schwer vorherzusagen.</p><p>&nbsp;</p><p>3) Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung der Treibhausgasemissionen laufend. Sollten die festgelegten Massnahmen nicht ausreichen, könnte der Bund gestützt auf Artikel 4 Absatz 5 des CO<sub>2</sub>-Gesetzes (SR 641.71) die zur Zielerreichung notwendigen internationalen Bescheinigungen erwerben. Der Bundesrat wird voraussichtlich 2027 eine Aussprache über die Zielerreichung im Jahr 2030 führen. Bei dieser Gelegenheit wird er die Kosten für einen allfälligen Erwerb von Bescheinigungen genauer beziffern und gestützt darauf über das weitere Vorgehen entscheiden.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>4) Die CO<sub>2</sub>-Verordnung legt in Artikel 3 die folgenden sektoriellen Verminderungsziele fest, jeweils ausgedrückt als Reduktion gegenüber dem Jahr 1990: Gebäude minus 50 Prozent, Verkehr minus 25 Prozent, Industrie minus 35 Prozent, Übrige (Landwirtschaft, Abfall, synthetische Treibhausgase) minus 25 Prozent. Die Massnahmen zur Erreichung dieser Ziele sind im CO<sub>2</sub>-Gesetz verankert. Die Massnahmen zur Senkung der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen sind im Rahmen der Agrarpolitik festzulegen.</p><p>&nbsp;</p><p>5) Artikel 2<i>a</i> der CO<sub>2</sub>-Verordnung legt fest, dass sowohl das Reduktionsziel für das Jahr 2030 (minus 50 Prozent gegenüber dem Jahr 1990) als auch das Durchschnittsziel für die Jahre 2021-2030 (minus 35 Prozent gegenüber dem Jahr 1990) zu mindestens zwei Dritteln mit Massnahmen im Inland erreicht werden müssen. Massgebend für das Inlandziel sind die Emissionen ohne die Emissionsbilanz der Landnutzung.</p>
    • <p>Der im April 2025 aktualisierte Bericht über die Emissionen von Treibhausgasen (THG), die unter das CO2-Gesetz und das Pariser Abkommen fallen, zeigt, dass die gesamten THG-Emissionen der Schweiz stagnieren. Im Jahr 2023 wurden in der Schweiz 42 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert (ohne internationalen Luft- und Seeverkehr). Das sind mehr Emissionen als 2022, entsprechen im&nbsp;Vergleich&nbsp;zu&nbsp;1990 aber einem Rückgang von 19,8 Prozent. Das Reduktionsziel für 2020 lag bei 20 Prozent. Die 42 Tonnen liegen weit über dem für den&nbsp;Zeitraum&nbsp;2021-2030 festgelegten durchschnittlichen Ziel von 34 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Der Zielwert für 2030 (minus 50&nbsp;% im Vergleich zu 1990) liegt bei etwa 26 Millionen Tonnen CO2, also fast 40 Prozent weniger, als 2023 ausgestossen wurde. Während die Treibhausgasemissionen&nbsp;der Haushalte und der Industrie gesunken sind, gilt dies nicht für den Verkehrssektor. Dessen Anteil an den Gesamtemissionen der Schweiz ist von 27 Prozent im Jahr 1990 auf 33,6 Prozent im Jahr 2024 angewachsen.&nbsp;</p><p>Was die CO2-Kompensationen im Ausland betrifft, so wurden laut einer&nbsp;aktuellen&nbsp;Umfrage&nbsp;des&nbsp;<i>Beobachters</i>​bisher nur 0,04 Prozent der bis 2030 geplanten Kompensationen durchgeführt.</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol><li>Stimmt es, dass nur 0,04 Prozent der bis 2030 im Ausland geplanten Kompensationen durchgeführt wurden? Wenn nein, wie hoch ist der Prozentsatz? Können die Reduktionsziele im Ausland für 2030 (34 Millionen Tonnen CO2 gemäss der Antwort auf die Interpellation 24.4379) erreicht werden?</li><li>Wie ist es zu erklären, dass die CO2-Emissionen in der Schweiz zwischen 2022 und 2023 gestiegen sind, obwohl sie jedes Jahr sinken müssten, um das für 2030 festgelegte Reduktionsziel zu erreichen?</li><li>Kann der Bundesrat mit Sicherheit sagen, dass die derzeitigen Massnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen ausreichen, um das Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent bis 2030 zu erreichen?&nbsp;</li><li>Welche prozentualen Reduktionsziele werden für den Zeitraum 2025-2030 in den einzelnen Sektoren (Verkehr, Industrie, Haushalte, Landwirtschaft, Dienstleistungen, synthetische Gase, Abfall) angestrebt, und mit welchen Massnahmen werden diese Ziele verfolgt?</li><li>Wie viel Prozent des durchschnittlichen Reduktionsziels für den Zeitraum 2021-2030, das bei 34 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr liegt, werden aus Kompensationen im Ausland stammen?</li></ol>
    • Wird die Schweiz ihre Treibhausgasreduktionsziele für 2030 erreichen?

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