Digitalisierung in der Bildung und Auswirkungen auf das Lernen

ShortId
25.3086
Id
20253086
Updated
14.11.2025 03:09
Language
de
Title
Digitalisierung in der Bildung und Auswirkungen auf das Lernen
AdditionalIndexing
34;32
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Gemäss Artikel</span><span>&nbsp;</span><span>61</span><em><span>a</span></em><span> der Bundesverfassung (BV) sorgen Bund und Kantone gemeinsam im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz. Ein Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist das Bildungsmonitoring, das dazu dient, den Behörden aktuelle Daten und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen. In diesem Rahmen haben das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und </span><span>‑</span><span>direktoren (EDK) die Fachagentur Educa beauftragt, eine Bestandesaufnahme der nationalen und internationalen wissenschaftlichen Literatur zur Digitalisierung im Bildungswesen vorzunehmen. Der Bericht «Digitalisierung in der Bildung» (2021) (</span><a href="http://www.educa.ch"><u><span>www.educa.ch</span></u></a><span> &gt; Themen &gt; Datennutzung &gt; Berichte) untersucht die Auswirkungen des digitalen Wandels auf das Bildungssystem und zeigt auf, welche wichtigen Daten für die Forschung und die Statistik fehlen. Seit 2020 finanzieren das SBFI und die EDK zudem die Studie «Monitoring der Digitalisierung der Bildung aus Sicht der Schülerinnen und Schüler» (</span><a href="http://www.skbf-csre.ch"><u><span>www.skbf-csre.ch</span></u></a><span> &gt; Bildungsforschung &gt; Staff Papers) der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) mit. Diese Studie analysiert Trends durch regelmässige Befragungen einer Stichprobe von 10</span><span>&nbsp;</span><span>000</span><span>&nbsp;</span><span>Schülerinnen und Schülern im Alter von 8</span><span>&nbsp;</span><span>bis 18</span><span>&nbsp;</span><span>Jahren. Kinder in den ersten vier Jahren der Primarstufe werden nicht berücksichtigt, da die Studie davon ausgeht, dass digitale Lehr- und Lernformen in den ersten vier Jahren der Schullaufbahn eine untergeordnete Rolle spielen. Die Ergebnisse der SKBF-Studie sowie der PISA-Studie 2022 zu den Lese-, mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich weisen darauf hin, dass die tägliche Nutzung digitaler Instrumente im Unterricht nach wie vor bescheiden ist. Was die Häufigkeit der Nutzung von Computern (Desktop, Laptop, Tablet) in der Schule anbelangt, so gaben im Jahr 2024 rund 50</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe an, diese täglich zu verwenden. Die Nutzungshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter und liegt in der Sekundarstufe</span><span>&nbsp;</span><span>I bei ca.</span><span>&nbsp;</span><span>70</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent bzw. in der Sekundarstufe</span><span>&nbsp;</span><span>II bei 85</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent. Alle vier Befragungen der SKBF zeigen zudem, dass die tägliche Computernutzung nach Schulstufe über die Jahre hinweg stabil geblieben ist. Was das Lernen mit digitalen Instrumenten betrifft, verdeutlichen die Ergebnisse der SKBF-Studie, dass die positiven Aspekte wie Motivation und Lernfreude die negativen Aspekte wie schnellere Ermüdung und andere Probleme bei Weitem überwiegen. Eine systematischere Beobachtung (Monitoring) der Einflüsse der Digitalisierung auf den Lernerfolg wäre mit erheblichem Aufwand verbunden, da die Effekte im heterogenen Bildungsraum Schweiz von den spezifischen Bedingungen im lokalen Kontext abhängen und die relevanten Faktoren sehr kleinräumig zu erfassen wären. Das SBFI und die EDK geben Impulse für Einzelstudien und Projekte sowie die Integration von Modulen zur Digitalisierung in bestehende Instrumente (PISA, Überprüfung der Grundkompetenzen ÜGK, Monitoring der Grundkompetenzen).</span></p><p><span>2. Aktuelle Studien unterstreichen die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen analogem und digitalem Lernen. Nach den Ergebnissen der PISA-Studie 2022 (</span><a href="http://www.oecd.org"><u><span>www.oecd.org</span></u></a><span> &gt; Publications &gt; Reports and research papers &gt; PISA 2022 Results Volume</span><span>&nbsp;</span><span>II) werden in Schweden in 3 von 4,5</span><span>&nbsp;</span><span>Unterrichtsstunden pro Tag digitale Lernmittel eingesetzt. In der Schweiz ist das Verhältnis mit etwas mehr als 1,5 von 4,5</span><span>&nbsp;</span><span>Unterrichtsstunden pro Tag ausgeglichener. Im Rahmen des Koordinationsausschusses «Digitalisierung in der Bildung» verfolgen das SBFI und das Generalsekretariat der EDK auch die Entwicklungen auf internationaler Ebene. Zudem beteiligt sich die Schweiz an der Expertengruppe der OECD, die 2023 das Projekt «Resourcing School Education: Policies for the digital transformation of education and future-readiness of teachers» (</span><a href="http://www.oecd.org"><u><span>www.oecd.org</span></u></a><span> &gt; Topics &gt; Education and skills &gt; Education Financing &gt; Programmes and projects &gt; Resourcing school education) lanciert hat. Ziel dieses Projekts ist es, die Länder bei der Bewältigung der sich abzeichnenden Herausforderungen zu unterstützen und Strategien für eine erfolgreiche Anpassung der Schulsysteme an das digitale Zeitalter zu entwickeln.</span></p><p><span>3. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Instrumenten verfolgen die Kantone und die pädagogischen Hochschulen dieses Anliegen im Rahmen von strategischen Initiativen, insbesondere mit Fokus auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen.</span></p><p><span>4. Für die obligatorische Schule sind die Kantone zuständig. Es ist daher Aufgabe der Kantone, auf der Grundlage der vorliegenden Studien zu beurteilen, ob eine Anpassung der Bildungsstrategie notwendig ist.</span></p></span>
  • <p>Die Digitalisierung in der Bildung hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass bereits im Kindergarten zunehmend digitale Instrumente wie Tablets und Computer eingesetzt werden. Jüngste Studien lassen jedoch Zweifel an der Wirksamkeit digitaler Instrumente beim Lernen aufkommen, insbesondere bei den Lese- und Schreibkompetenzen.</p><p>&nbsp;</p><p>Nachdem die PIRLS-Studie in Schweden eine abnehmende Lesekompetenz aufgezeigt hatte, kündigte Schwedens Bildungsministerin Lotta Edholm an, in den Kindergärten anstelle von Tablets wieder Bücher und Hefte zu verwenden. Auch das Karolinska Institutet hat darauf hingewiesen, dass der willkürliche Einsatz digitaler Instrumente das Lernen der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigen kann.</p><p>&nbsp;</p><p>Angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, wie die Schweiz die Auswirkungen der Digitalisierung in den Schulen überwacht, und ob es eine Strategie gibt, um die Effizienz der digitalen Instrumente zu evaluieren.</p><p>&nbsp;</p><ol><li><p>Wurden in der Schweiz Studien durchgeführt, um die Auswirkungen von digitalen Instrumenten auf das Lernen zu evaluieren, insbesondere in den ersten Klassen?</p><p>&nbsp;</p></li><li><p>Verfolgt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation die Entscheide anderer Länder, wie z.&nbsp;B. Schweden, zur Drosselung der Digitalisierung an den Schulen?</p><p>&nbsp;</p></li><li><p>Welche Massnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass die Digitalisierung in der Bildung das Lernen tatsächlich verbessert und nicht beeinträchtigt?</p><p>&nbsp;</p></li><li>Hält es der Bundesrat für angebracht, den Technologieeinsatz in den Schulen unabhängig evaluieren zu lassen und gegebenenfalls eine Anpassung der Bildungsstrategie vorzuschlagen?</li></ol>
  • Digitalisierung in der Bildung und Auswirkungen auf das Lernen
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Gemäss Artikel</span><span>&nbsp;</span><span>61</span><em><span>a</span></em><span> der Bundesverfassung (BV) sorgen Bund und Kantone gemeinsam im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz. Ein Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist das Bildungsmonitoring, das dazu dient, den Behörden aktuelle Daten und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen. In diesem Rahmen haben das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und </span><span>‑</span><span>direktoren (EDK) die Fachagentur Educa beauftragt, eine Bestandesaufnahme der nationalen und internationalen wissenschaftlichen Literatur zur Digitalisierung im Bildungswesen vorzunehmen. Der Bericht «Digitalisierung in der Bildung» (2021) (</span><a href="http://www.educa.ch"><u><span>www.educa.ch</span></u></a><span> &gt; Themen &gt; Datennutzung &gt; Berichte) untersucht die Auswirkungen des digitalen Wandels auf das Bildungssystem und zeigt auf, welche wichtigen Daten für die Forschung und die Statistik fehlen. Seit 2020 finanzieren das SBFI und die EDK zudem die Studie «Monitoring der Digitalisierung der Bildung aus Sicht der Schülerinnen und Schüler» (</span><a href="http://www.skbf-csre.ch"><u><span>www.skbf-csre.ch</span></u></a><span> &gt; Bildungsforschung &gt; Staff Papers) der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) mit. Diese Studie analysiert Trends durch regelmässige Befragungen einer Stichprobe von 10</span><span>&nbsp;</span><span>000</span><span>&nbsp;</span><span>Schülerinnen und Schülern im Alter von 8</span><span>&nbsp;</span><span>bis 18</span><span>&nbsp;</span><span>Jahren. Kinder in den ersten vier Jahren der Primarstufe werden nicht berücksichtigt, da die Studie davon ausgeht, dass digitale Lehr- und Lernformen in den ersten vier Jahren der Schullaufbahn eine untergeordnete Rolle spielen. Die Ergebnisse der SKBF-Studie sowie der PISA-Studie 2022 zu den Lese-, mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich weisen darauf hin, dass die tägliche Nutzung digitaler Instrumente im Unterricht nach wie vor bescheiden ist. Was die Häufigkeit der Nutzung von Computern (Desktop, Laptop, Tablet) in der Schule anbelangt, so gaben im Jahr 2024 rund 50</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe an, diese täglich zu verwenden. Die Nutzungshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter und liegt in der Sekundarstufe</span><span>&nbsp;</span><span>I bei ca.</span><span>&nbsp;</span><span>70</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent bzw. in der Sekundarstufe</span><span>&nbsp;</span><span>II bei 85</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent. Alle vier Befragungen der SKBF zeigen zudem, dass die tägliche Computernutzung nach Schulstufe über die Jahre hinweg stabil geblieben ist. Was das Lernen mit digitalen Instrumenten betrifft, verdeutlichen die Ergebnisse der SKBF-Studie, dass die positiven Aspekte wie Motivation und Lernfreude die negativen Aspekte wie schnellere Ermüdung und andere Probleme bei Weitem überwiegen. Eine systematischere Beobachtung (Monitoring) der Einflüsse der Digitalisierung auf den Lernerfolg wäre mit erheblichem Aufwand verbunden, da die Effekte im heterogenen Bildungsraum Schweiz von den spezifischen Bedingungen im lokalen Kontext abhängen und die relevanten Faktoren sehr kleinräumig zu erfassen wären. Das SBFI und die EDK geben Impulse für Einzelstudien und Projekte sowie die Integration von Modulen zur Digitalisierung in bestehende Instrumente (PISA, Überprüfung der Grundkompetenzen ÜGK, Monitoring der Grundkompetenzen).</span></p><p><span>2. Aktuelle Studien unterstreichen die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen analogem und digitalem Lernen. Nach den Ergebnissen der PISA-Studie 2022 (</span><a href="http://www.oecd.org"><u><span>www.oecd.org</span></u></a><span> &gt; Publications &gt; Reports and research papers &gt; PISA 2022 Results Volume</span><span>&nbsp;</span><span>II) werden in Schweden in 3 von 4,5</span><span>&nbsp;</span><span>Unterrichtsstunden pro Tag digitale Lernmittel eingesetzt. In der Schweiz ist das Verhältnis mit etwas mehr als 1,5 von 4,5</span><span>&nbsp;</span><span>Unterrichtsstunden pro Tag ausgeglichener. Im Rahmen des Koordinationsausschusses «Digitalisierung in der Bildung» verfolgen das SBFI und das Generalsekretariat der EDK auch die Entwicklungen auf internationaler Ebene. Zudem beteiligt sich die Schweiz an der Expertengruppe der OECD, die 2023 das Projekt «Resourcing School Education: Policies for the digital transformation of education and future-readiness of teachers» (</span><a href="http://www.oecd.org"><u><span>www.oecd.org</span></u></a><span> &gt; Topics &gt; Education and skills &gt; Education Financing &gt; Programmes and projects &gt; Resourcing school education) lanciert hat. Ziel dieses Projekts ist es, die Länder bei der Bewältigung der sich abzeichnenden Herausforderungen zu unterstützen und Strategien für eine erfolgreiche Anpassung der Schulsysteme an das digitale Zeitalter zu entwickeln.</span></p><p><span>3. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Instrumenten verfolgen die Kantone und die pädagogischen Hochschulen dieses Anliegen im Rahmen von strategischen Initiativen, insbesondere mit Fokus auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen.</span></p><p><span>4. Für die obligatorische Schule sind die Kantone zuständig. Es ist daher Aufgabe der Kantone, auf der Grundlage der vorliegenden Studien zu beurteilen, ob eine Anpassung der Bildungsstrategie notwendig ist.</span></p></span>
    • <p>Die Digitalisierung in der Bildung hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass bereits im Kindergarten zunehmend digitale Instrumente wie Tablets und Computer eingesetzt werden. Jüngste Studien lassen jedoch Zweifel an der Wirksamkeit digitaler Instrumente beim Lernen aufkommen, insbesondere bei den Lese- und Schreibkompetenzen.</p><p>&nbsp;</p><p>Nachdem die PIRLS-Studie in Schweden eine abnehmende Lesekompetenz aufgezeigt hatte, kündigte Schwedens Bildungsministerin Lotta Edholm an, in den Kindergärten anstelle von Tablets wieder Bücher und Hefte zu verwenden. Auch das Karolinska Institutet hat darauf hingewiesen, dass der willkürliche Einsatz digitaler Instrumente das Lernen der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigen kann.</p><p>&nbsp;</p><p>Angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, wie die Schweiz die Auswirkungen der Digitalisierung in den Schulen überwacht, und ob es eine Strategie gibt, um die Effizienz der digitalen Instrumente zu evaluieren.</p><p>&nbsp;</p><ol><li><p>Wurden in der Schweiz Studien durchgeführt, um die Auswirkungen von digitalen Instrumenten auf das Lernen zu evaluieren, insbesondere in den ersten Klassen?</p><p>&nbsp;</p></li><li><p>Verfolgt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation die Entscheide anderer Länder, wie z.&nbsp;B. Schweden, zur Drosselung der Digitalisierung an den Schulen?</p><p>&nbsp;</p></li><li><p>Welche Massnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass die Digitalisierung in der Bildung das Lernen tatsächlich verbessert und nicht beeinträchtigt?</p><p>&nbsp;</p></li><li>Hält es der Bundesrat für angebracht, den Technologieeinsatz in den Schulen unabhängig evaluieren zu lassen und gegebenenfalls eine Anpassung der Bildungsstrategie vorzuschlagen?</li></ol>
    • Digitalisierung in der Bildung und Auswirkungen auf das Lernen

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