Eine weltweite Knappheit auf dem Halbleitermarkt mit Umsicht antizipieren
- ShortId
-
25.3103
- Id
-
20253103
- Updated
-
14.11.2025 03:08
- Language
-
de
- Title
-
Eine weltweite Knappheit auf dem Halbleitermarkt mit Umsicht antizipieren
- AdditionalIndexing
-
10;24;15;34
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Gegenwärtig hat das taiwanesische Unternehmen TSMC mit einem Marktanteil von 50 Prozent eine beherrschende Stellung auf dem Halbleitermarkt inne. Die Absichten Chinas in Bezug auf Taiwan sind kein Geheimnis, und eine Abriegelung der Insel würde ausreichen, um den Weltmarkt in eine beispiellose Krise zu stürzen – mit wirtschaftlichen Folgen ungeahnten Ausmasses. Dies hat die USA dazu bewogen, 52 Milliarden Dollar in die Stärkung ihrer Autonomie zu investieren, und auch die EU hat Investitionen im Umfang von 43 Milliarden Euro angekündigt.<br>China selbst will umgerechnet mehr als 40 Milliarden US-Dollar in diesen strategischen Sektor investieren.<br>Auch die Schweiz – die sich natürlich nicht mit den oben genannten Wirtschaftsgrossmächten vergleichen lässt – ist vom Halbleitermarkt abhängig. Dessen Belieferung trägt entscheidend zum Funktionieren und zum Wachstum der Schweizer Wirtschaft bei. Selbstverständlich kann die Schweiz ihren Bedarf auf diesem Gebiet nicht aus eigener Kraft decken. Allerdings könnte sie im Falle einer Krise auch nicht auf die Solidarität ihrer europäischen Nachbarn zählen, denn die EU hat diesen strategisch wichtigen Bereich aus den Horizon-Abkommen ausgeklammert (https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/quantum).<br>Die Schweiz wäre also weitgehend auf sich selbst gestellt. In seiner Stellungnahme zur Motion 24.3526 führte der Bundesrat indessen aus, die Idee einer ausreichenden Bevorratung sei unrealistisch, und diese Aufgabe sei dem Privatsektor zu überlassen.<br>Ist unter diesen Umständen die Summe von 26 Millionen Franken, mit der sich der Bund via das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) an der Finanzierung der Initiative SwissChips beteiligt und die vom Centre Suisse d’électronique et de microtechnique (CSEM) und den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Lausanne (EPFL) und Zürich (ETH) um je 7,8 Millionen Franken ergänzt wurde, nicht Ausdruck eines ungenügenden Bewusstseins für die drohenden Risiken und anstehenden Herausforderungen für unser Land? </p>
- <span><p><span>Der Halbleitersektor umfasst eine Vielzahl von Halbleitertypen, die in den unterschiedlichsten Endprodukten zum Einsatz kommen. Wie in der Interpellation ausgeführt, ist die Umsetzung der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette in einem einzigen Land aufgrund der starken internationalen Verflechtungen unrealistisch. Die Wertschöpfungskette ist international stark fragmentiert, die verschiedenen Produktionsschritte sind auf einzelne Regionen konzentriert.</span><span> Die Schweizer Halbleiterindustrie ist in verschiedensten Teilen der Wertschöpfungskette aktiv und behauptet sich in Nischen auf dem Weltmarkt. </span></p><p><span>Wie in der Stellungnahme zum Postulat </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243526"><u><span>23.3866</span></u></a><span> Cottier ausgeführt, beobachtet der Bundesrat die Entwicklung der industriepolitischen Initiativen zu Halbleitern in den grossen Wirtschaftsblöcken EU, China und USA laufend. Für den Postulatsbericht wird eine Analyse zu den Chancen einer stärkeren geografischen Diversifizierung der Schweizer Bezugsquellen sowie den Risiken der Wettbewerbsverzerrungen durch industriepolitische Initiativen anderer Länder vorgenommen. </span></p><p><span>Im Lagebericht zur Schweizer Volkswirtschaft vom 22. Mai 2024 (</span><a href="https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikationen_und_Formulare/Strukturwandel_Wachstum/Wachstum/lagebericht_schweizer_volkswirtschaft_2024.html"><u><span>https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikationen_und_Formulare/Strukturwandel_Wachstum/Wachstum/lagebericht_schweizer_volkswirtschaft_2024.html</span></u></a><span>) hat der Bundesrat die Auswirkungen der industriepolitischen Initiativen im Ausland auf die Schweizer Gesamtwirtschaft ebenfalls analysiert. Er ist der Meinung, die Schweiz sollte als offene Volkswirtschaft auf protektionistische Massnahmen verzichten. Ebenso lehnt er aus Effizienz- und Fairnessgründen staatliche Stützungsmassnahmen ab, die auf spezifische Industrien oder Branchen zielen. Solche industriepolitischen Massnahmen schaffen langfristige Abhängigkeiten, behindern den Strukturwandel, bergen ein grosses Risiko von Fehlallokationen auf Kosten der Steuerzahlenden und führen zu einer Ungleichbehandlung unterschiedlicher Branchen in der Schweiz.</span></p><p><span>Dagegen werden staatliche Fördermittel zur Stärkung der Forschung und Innovation eingesetzt, so zählt die Schweiz mit staatlichen Ausgaben von 1% des BIP für diese Bereiche zu den Spitzenreitern, dazu kommen 2,2% von der Privatwirtschaft. Die Schweiz bietet zudem Standortvorteile, wie eine tiefe Steuerbelastung für Unternehmen, einen flexiblen Arbeitsmarkt mit qualifizierten Fachkräften sowie dank dem umfassenden Netz an Freihandelsabkommen einen breiten Marktzugang und eine hohe politische Stabilität und Rechtssicherheit. Der Bundesrat hat am 22. Mai 2024 eine wirtschaftspolitische Agenda zur weiteren Stärkung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verabschiedet. Dies wirkt sich positiv auf die gesamte Schweizer Wirtschaft und damit auch auf den Halbleitersektor aus.</span></p><p><span>Die in der Interpellation genannte SwissChips Initiative ist somit einer von vielen Standortfaktoren für die Schweizer Halbleiterindustrie. Sie wurde 2023 als Übergangsmassnahme lanciert, um die Nichtassoziierung am Horizon Europe Paket im Zeitraum 2021-2024 abzufedern. Die SwissChips Initiative ist mit den europäischen Aktivitäten von Horizon Europe und dem «Digital Europe Programme» abgestimmt und baut gleichzeitig auf den Stärken der Schweiz in der Halbleiterforschung auf. Sie richtet sich primär an die Schweizer Hochschulforschungsstätten. Der Schwerpunkt der SwissChips Initiative liegt auf dem Chip-Design und nicht auf der Herstellung von Halbleitern.</span></p><p><span>Der materielle Abschluss der Verhandlungen zum Gesamtpaket Schweiz – EU im Dezember 2024 hat die vollständige Aktivierung einer Übergangsregelung in den Bereichen Forschung und Innovation per 1. Januar 2025 ermöglicht. Damit erhalten Forschende und Innovatoren in der Schweiz wieder Zugang zu fast allen Ausschreibungen dieser Programme. Besonders relevant im Halbleiterbereich sind die Aktivitäten des Chips Joint Undertaking im Rahmen von Horizon Europe. </span></p><p><span>Mittlerweile ist auch der Validierungsprozess der Europäischen Kommission bezüglich Zugang zu den strategischen Bereichen von Horizon Europe und «Digital Europe Programme» abgeschlossen: Forschende aus der Schweiz können an allen restriktiven Ausschreibungen in den Bereichen Quantenforschung und künstliche Intelligenz teilnehmen. Die DEP Ausschreibungen im Bereich der Halbleiter sind nicht von Restriktionen der strategischen Bereiche betroffen, bleiben aber weiterhin den EU- und den EWR-Mitgliedstaaten vorbehalten.</span></p></span>
- <p>Ist die Investition des Bundes in die Initiative SwissChips realistisch, wenn man sie mit den Investitionen vergleicht, die die Europäische Union, die USA und China namentlich im Halbleitersektor tätigen, und wenn man bedenkt, dass die Schweiz aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Quantenforschung des Programms Horizon Europe ausgeschlossen ist?</p>
- Eine weltweite Knappheit auf dem Halbleitermarkt mit Umsicht antizipieren
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Gegenwärtig hat das taiwanesische Unternehmen TSMC mit einem Marktanteil von 50 Prozent eine beherrschende Stellung auf dem Halbleitermarkt inne. Die Absichten Chinas in Bezug auf Taiwan sind kein Geheimnis, und eine Abriegelung der Insel würde ausreichen, um den Weltmarkt in eine beispiellose Krise zu stürzen – mit wirtschaftlichen Folgen ungeahnten Ausmasses. Dies hat die USA dazu bewogen, 52 Milliarden Dollar in die Stärkung ihrer Autonomie zu investieren, und auch die EU hat Investitionen im Umfang von 43 Milliarden Euro angekündigt.<br>China selbst will umgerechnet mehr als 40 Milliarden US-Dollar in diesen strategischen Sektor investieren.<br>Auch die Schweiz – die sich natürlich nicht mit den oben genannten Wirtschaftsgrossmächten vergleichen lässt – ist vom Halbleitermarkt abhängig. Dessen Belieferung trägt entscheidend zum Funktionieren und zum Wachstum der Schweizer Wirtschaft bei. Selbstverständlich kann die Schweiz ihren Bedarf auf diesem Gebiet nicht aus eigener Kraft decken. Allerdings könnte sie im Falle einer Krise auch nicht auf die Solidarität ihrer europäischen Nachbarn zählen, denn die EU hat diesen strategisch wichtigen Bereich aus den Horizon-Abkommen ausgeklammert (https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/quantum).<br>Die Schweiz wäre also weitgehend auf sich selbst gestellt. In seiner Stellungnahme zur Motion 24.3526 führte der Bundesrat indessen aus, die Idee einer ausreichenden Bevorratung sei unrealistisch, und diese Aufgabe sei dem Privatsektor zu überlassen.<br>Ist unter diesen Umständen die Summe von 26 Millionen Franken, mit der sich der Bund via das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) an der Finanzierung der Initiative SwissChips beteiligt und die vom Centre Suisse d’électronique et de microtechnique (CSEM) und den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Lausanne (EPFL) und Zürich (ETH) um je 7,8 Millionen Franken ergänzt wurde, nicht Ausdruck eines ungenügenden Bewusstseins für die drohenden Risiken und anstehenden Herausforderungen für unser Land? </p>
- <span><p><span>Der Halbleitersektor umfasst eine Vielzahl von Halbleitertypen, die in den unterschiedlichsten Endprodukten zum Einsatz kommen. Wie in der Interpellation ausgeführt, ist die Umsetzung der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette in einem einzigen Land aufgrund der starken internationalen Verflechtungen unrealistisch. Die Wertschöpfungskette ist international stark fragmentiert, die verschiedenen Produktionsschritte sind auf einzelne Regionen konzentriert.</span><span> Die Schweizer Halbleiterindustrie ist in verschiedensten Teilen der Wertschöpfungskette aktiv und behauptet sich in Nischen auf dem Weltmarkt. </span></p><p><span>Wie in der Stellungnahme zum Postulat </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243526"><u><span>23.3866</span></u></a><span> Cottier ausgeführt, beobachtet der Bundesrat die Entwicklung der industriepolitischen Initiativen zu Halbleitern in den grossen Wirtschaftsblöcken EU, China und USA laufend. Für den Postulatsbericht wird eine Analyse zu den Chancen einer stärkeren geografischen Diversifizierung der Schweizer Bezugsquellen sowie den Risiken der Wettbewerbsverzerrungen durch industriepolitische Initiativen anderer Länder vorgenommen. </span></p><p><span>Im Lagebericht zur Schweizer Volkswirtschaft vom 22. Mai 2024 (</span><a href="https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikationen_und_Formulare/Strukturwandel_Wachstum/Wachstum/lagebericht_schweizer_volkswirtschaft_2024.html"><u><span>https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikationen_und_Formulare/Strukturwandel_Wachstum/Wachstum/lagebericht_schweizer_volkswirtschaft_2024.html</span></u></a><span>) hat der Bundesrat die Auswirkungen der industriepolitischen Initiativen im Ausland auf die Schweizer Gesamtwirtschaft ebenfalls analysiert. Er ist der Meinung, die Schweiz sollte als offene Volkswirtschaft auf protektionistische Massnahmen verzichten. Ebenso lehnt er aus Effizienz- und Fairnessgründen staatliche Stützungsmassnahmen ab, die auf spezifische Industrien oder Branchen zielen. Solche industriepolitischen Massnahmen schaffen langfristige Abhängigkeiten, behindern den Strukturwandel, bergen ein grosses Risiko von Fehlallokationen auf Kosten der Steuerzahlenden und führen zu einer Ungleichbehandlung unterschiedlicher Branchen in der Schweiz.</span></p><p><span>Dagegen werden staatliche Fördermittel zur Stärkung der Forschung und Innovation eingesetzt, so zählt die Schweiz mit staatlichen Ausgaben von 1% des BIP für diese Bereiche zu den Spitzenreitern, dazu kommen 2,2% von der Privatwirtschaft. Die Schweiz bietet zudem Standortvorteile, wie eine tiefe Steuerbelastung für Unternehmen, einen flexiblen Arbeitsmarkt mit qualifizierten Fachkräften sowie dank dem umfassenden Netz an Freihandelsabkommen einen breiten Marktzugang und eine hohe politische Stabilität und Rechtssicherheit. Der Bundesrat hat am 22. Mai 2024 eine wirtschaftspolitische Agenda zur weiteren Stärkung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verabschiedet. Dies wirkt sich positiv auf die gesamte Schweizer Wirtschaft und damit auch auf den Halbleitersektor aus.</span></p><p><span>Die in der Interpellation genannte SwissChips Initiative ist somit einer von vielen Standortfaktoren für die Schweizer Halbleiterindustrie. Sie wurde 2023 als Übergangsmassnahme lanciert, um die Nichtassoziierung am Horizon Europe Paket im Zeitraum 2021-2024 abzufedern. Die SwissChips Initiative ist mit den europäischen Aktivitäten von Horizon Europe und dem «Digital Europe Programme» abgestimmt und baut gleichzeitig auf den Stärken der Schweiz in der Halbleiterforschung auf. Sie richtet sich primär an die Schweizer Hochschulforschungsstätten. Der Schwerpunkt der SwissChips Initiative liegt auf dem Chip-Design und nicht auf der Herstellung von Halbleitern.</span></p><p><span>Der materielle Abschluss der Verhandlungen zum Gesamtpaket Schweiz – EU im Dezember 2024 hat die vollständige Aktivierung einer Übergangsregelung in den Bereichen Forschung und Innovation per 1. Januar 2025 ermöglicht. Damit erhalten Forschende und Innovatoren in der Schweiz wieder Zugang zu fast allen Ausschreibungen dieser Programme. Besonders relevant im Halbleiterbereich sind die Aktivitäten des Chips Joint Undertaking im Rahmen von Horizon Europe. </span></p><p><span>Mittlerweile ist auch der Validierungsprozess der Europäischen Kommission bezüglich Zugang zu den strategischen Bereichen von Horizon Europe und «Digital Europe Programme» abgeschlossen: Forschende aus der Schweiz können an allen restriktiven Ausschreibungen in den Bereichen Quantenforschung und künstliche Intelligenz teilnehmen. Die DEP Ausschreibungen im Bereich der Halbleiter sind nicht von Restriktionen der strategischen Bereiche betroffen, bleiben aber weiterhin den EU- und den EWR-Mitgliedstaaten vorbehalten.</span></p></span>
- <p>Ist die Investition des Bundes in die Initiative SwissChips realistisch, wenn man sie mit den Investitionen vergleicht, die die Europäische Union, die USA und China namentlich im Halbleitersektor tätigen, und wenn man bedenkt, dass die Schweiz aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Quantenforschung des Programms Horizon Europe ausgeschlossen ist?</p>
- Eine weltweite Knappheit auf dem Halbleitermarkt mit Umsicht antizipieren
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