Was ist mit den unerklärten Einkommensungleichheiten zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern?
- ShortId
-
25.3106
- Id
-
20253106
- Updated
-
14.11.2025 03:14
- Language
-
de
- Title
-
Was ist mit den unerklärten Einkommensungleichheiten zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern?
- AdditionalIndexing
-
44;28
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Im Bericht des Bundesrates von 2022 zum Postulat 19.4132 verdienen selbstständig erwerbstätige Frauen in der Schweiz durchschnittlich 20 % weniger pro Stunde als ihre männlichen Pendants. Diese Differenz lässt sich nicht durch die üblicherweise angeführten Faktoren wie Berufserfahrung, geschlechtsspezifische Berufswahl oder wirtschaftliche Branchenzugehörigkeit erklären.</p><p>Das Bundesamt für Statistik bestätigt beispielsweise, dass das Geschlecht das Einkommen von selbstständigen Ärztinnen und Ärzten beeinflusst – unabhängig vom Arbeitsvolumen, Fachgebiet oder Beschäftigungsmodell. Im Jahr 2019 verdiente eine Ärztin unter gleichen Bedingungen durchschnittlich 25 % weniger als ein Arzt.</p><p>Eine Analyse der Einkommensunterschiede im selbstständigen Erwerb zeigt, dass diese Unterschiede auch nicht darauf zurückzuführen sind, dass Frauen bewusst eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben anstreben. Vielmehr spielen systemische Faktoren eine Rolle (Lechmann & Schnabel, 2012). Mehrere Studien belegen, dass Frauen ihre Dienstleistungen häufig unterschätzen und niedrigere Honorare verlangen. Zudem gibt es weitere Hindernisse, die ihre Einkommensmöglichkeiten einschränken: Investoren schenken ihnen weniger Vertrauen als ihren männlichen Kollegen – unabhängig von deren Erfahrung oder Bildungsniveau (Bosse und Taylor, 2012; Gender and the Economy, 2018). Darüber hinaus verfügen Frauen in der Regel über weniger soziales Kapital und kleinere berufliche Netzwerke, was ihren Zugang zu Geschäftsmöglichkeiten und Finanzierungen einschränkt (New England Journal of Entrepreneurship, 2016).</p><p>Angesichts dieser Erkenntnisse ist eine sektorale Bestandsaufnahme erforderlich, um gezielte Lösungen zu erarbeiten. Die Reduzierung der unerklärten Einkommensungleichheiten zwischen selbstständig erwerbstätigen Frauen und Männern käme nicht nur den rund 150.000 betroffenen Unternehmerinnen zugute, sondern auch der Gesellschaft insgesamt (Bekämpfung von Prekarität, Verringerung wirtschaftlicher Abhängigkeit, bessere Ausschöpfung des wirtschaftlichen Potenzials von Frauen, Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts usw.).</p>
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über Einkommensunterschiede zwischen selbstständig erwerbstätigen Frauen und Männern zu erstellen, der:</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>die Situation nach Sektoren darstellt,</li><li>gezielte Erklärungsansätze je Sektor aufzeigt,</li><li>Verbesserungsvorschläge je Sektor.</li></ul>
- Was ist mit den unerklärten Einkommensungleichheiten zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Im Bericht des Bundesrates von 2022 zum Postulat 19.4132 verdienen selbstständig erwerbstätige Frauen in der Schweiz durchschnittlich 20 % weniger pro Stunde als ihre männlichen Pendants. Diese Differenz lässt sich nicht durch die üblicherweise angeführten Faktoren wie Berufserfahrung, geschlechtsspezifische Berufswahl oder wirtschaftliche Branchenzugehörigkeit erklären.</p><p>Das Bundesamt für Statistik bestätigt beispielsweise, dass das Geschlecht das Einkommen von selbstständigen Ärztinnen und Ärzten beeinflusst – unabhängig vom Arbeitsvolumen, Fachgebiet oder Beschäftigungsmodell. Im Jahr 2019 verdiente eine Ärztin unter gleichen Bedingungen durchschnittlich 25 % weniger als ein Arzt.</p><p>Eine Analyse der Einkommensunterschiede im selbstständigen Erwerb zeigt, dass diese Unterschiede auch nicht darauf zurückzuführen sind, dass Frauen bewusst eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben anstreben. Vielmehr spielen systemische Faktoren eine Rolle (Lechmann & Schnabel, 2012). Mehrere Studien belegen, dass Frauen ihre Dienstleistungen häufig unterschätzen und niedrigere Honorare verlangen. Zudem gibt es weitere Hindernisse, die ihre Einkommensmöglichkeiten einschränken: Investoren schenken ihnen weniger Vertrauen als ihren männlichen Kollegen – unabhängig von deren Erfahrung oder Bildungsniveau (Bosse und Taylor, 2012; Gender and the Economy, 2018). Darüber hinaus verfügen Frauen in der Regel über weniger soziales Kapital und kleinere berufliche Netzwerke, was ihren Zugang zu Geschäftsmöglichkeiten und Finanzierungen einschränkt (New England Journal of Entrepreneurship, 2016).</p><p>Angesichts dieser Erkenntnisse ist eine sektorale Bestandsaufnahme erforderlich, um gezielte Lösungen zu erarbeiten. Die Reduzierung der unerklärten Einkommensungleichheiten zwischen selbstständig erwerbstätigen Frauen und Männern käme nicht nur den rund 150.000 betroffenen Unternehmerinnen zugute, sondern auch der Gesellschaft insgesamt (Bekämpfung von Prekarität, Verringerung wirtschaftlicher Abhängigkeit, bessere Ausschöpfung des wirtschaftlichen Potenzials von Frauen, Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts usw.).</p>
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über Einkommensunterschiede zwischen selbstständig erwerbstätigen Frauen und Männern zu erstellen, der:</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>die Situation nach Sektoren darstellt,</li><li>gezielte Erklärungsansätze je Sektor aufzeigt,</li><li>Verbesserungsvorschläge je Sektor.</li></ul>
- Was ist mit den unerklärten Einkommensungleichheiten zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern?
Back to List