Weitere Massnahmen im Zusammenhang mit irregulären internationalen Adoptionen
- ShortId
-
25.3145
- Id
-
20253145
- Updated
-
14.11.2025 03:14
- Language
-
de
- Title
-
Weitere Massnahmen im Zusammenhang mit irregulären internationalen Adoptionen
- AdditionalIndexing
-
1211;28
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>1. Auf Bundesebene sind keine weiteren Forschungsarbeiten geplant. Der Bundesrat vertritt grundsätzlich die Ansicht, dass die Aufarbeitung historischer Fakten in die Verantwortung der freien wissenschaftlichen Forschung fällt. Wie in seinem Bericht vom 11.</span><span> </span><span>Dezember 2020 zur Beantwortung des Postulats 17.4181 (Illegale Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka: historische Aufarbeitung, Herkunftssuche, Perspektiven) dargelegt, ermutigt der Bundesrat die Wissenschaftsgemeinschaft jedoch, sich verstärkt mit dem Thema der internationalen Adoption zu befassen und entsprechende Projekte, insbesondere im Rahmen des Schweizerischen Nationalfonds, zu lancieren. Dieser Bericht enthält in Ziffer 2.6 zudem eine Analyse aktueller rechtlicher Fragestellungen, insbesondere hinsichtlich strafrechtlicher Konsequenzen und der Gültigkeit von Adoption.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Das Problem der Aufbewahrung und Archivierung von Akten von Organisationen und Privatpersonen wurde im Bericht der Arbeitsgruppe Herkunftssuche zur Unterstützung von adoptierten Personen thematisiert. Dieser Bericht wurde von der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) sowie dem Bundesamt für Justiz (BJ) erstellt. Die Arbeitsgruppe empfiehlt, die entsprechenden Rechtsgrundlagen zu überprüfen und bei Bedarf zu ändern.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3., 4. und 5. Die Unterstützung von Adoptierten bei der Herkunftssuche liegt in der Zuständigkeit der Kantone. Adoptierte haben die Möglichkeit, sich an die kantonale Informationsstelle (Art.</span><span> </span><span>268</span><em><span>d </span></em><span>ZGB) ihres Wohnsitzkantons zu wenden. Kürzlich haben 25 Kantone beschlossen, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die einen regelmässigen Austausch zwischen den Kantonen und ein koordiniertes Vorgehen ermöglicht, insbesondere was die Unterstützung von adoptierten Personen betrifft, die von irregulären Praktiken bei der Herkunftssuche betroffen sind. Die Arbeiten dieser Plattform könnten die Ausarbeitung eines nationalen Konzepts zur Unterstützung der Herkunftssuche umfassen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>6. Die Expertengruppe «Internationale Adoption» hat festgestellt, dass die aktuellen gesetzlichen Grundlagen für die Herkunftssuche, insbesondere im Kontext irregulärer Adoptionen, unzureichend sind. Daher hat der Bundesrat das EJPD beauftragt, zu prüfen, ob eine Reform der Herkunftssuche erforderlich ist. Dabei werden die Empfehlungen der Arbeitsgruppe Herkunftssuche der KKJPD und des BJ berücksichtigt werden.</span></p></span>
- <p>Im letzten Halbjahr gerieten irreguläre internationale Adoptionen immer wieder in die Schlagzeilen. Grund dafür war einerseits die Ankündigung eines Verbots internationaler Adoptionen durch den Bundesrat, andererseits die Veröffentlichung einer Studie und eines Expertenberichtes zu diesem Thema.<a href="#_ftn1">[1]</a> Die Resultate der Untersuchungen sind erschütternd: Seit den 1970er Jahren kamen zahlreiche Kinder irregulär in die Schweiz – mit zum Teil weitreichenden Folgen für sie selbst, aber auch für ihre Herkunfts- und Adoptivfamilien. Die Verfasserinnen der Studie und die Expertengruppe «Internationale Adoption» formulierten umfassende Handlungsempfehlungen. Ein Teil davon griff der Bundesrat auf, eine Gesetzesvorlage wurde für 2026 versprochen. Zu den weiteren, nicht weniger wichtigen Empfehlungen gab es bisher keine Positionierung. Deswegen erlaube ich mir folgende Fragen an den Bundesrat:</p><p> </p><ol><li>Ist eine umfassende Studie zu allen erfolgten internationalen Adoptionen mit Schweizer Beteiligung geplant? Falls nein, sind weitere Untersuchungen zu einzelnen Ländern oder Zeiträumen geplant? Sind eine juristische Prüfung und Einordnung der bisherigen Studienresultate geplant?</li><li>Gibt es seitens der Bundesrates Empfehlungen an die Kantone zur Sicherung weiterer Akten bei Privaten und Organisationen, die Aufschluss über die Adoptionspraktiken seit den 1970er Jahren geben und bei der Herkunftssuche dienlich sein könnten?</li><li>Wo können sich aus dem Ausland adoptierte Personen melden, um die Rechtmässigkeit ihrer Adoption abklären zu lassen?</li><li>Wann und von wem (BJ, KKJPD) bekommen adoptierte Personen, die ihre Herkunft aufklären wollen, einen Leitfaden für das Vorgehen?</li><li>Wie werden Betroffene bis zur Implementierung des vorgesehenen Konzepts bei der Herkunftssuche finanziell, psychologisch, diplomatisch und sozial unterstützt?</li><li>Sieht der Bundesrat im Zusammenhang mit den seit den 1970er Jahren irregulär erfolgten internationalen Adoptionen weiteren Handlungsbedarf? <br> </li></ol><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Andrea Abraham, Sabine Bitter und Rita Kesselring (Hg.): Mutter unbekannt. Adoptionen aus Indien in den Kantonen Zürich und Thurgau, 1973-2002. Expertengruppe «Internationale Adoption»: Schlussbericht, Zürich 2024.</p>
- Weitere Massnahmen im Zusammenhang mit irregulären internationalen Adoptionen
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p><span>1. Auf Bundesebene sind keine weiteren Forschungsarbeiten geplant. Der Bundesrat vertritt grundsätzlich die Ansicht, dass die Aufarbeitung historischer Fakten in die Verantwortung der freien wissenschaftlichen Forschung fällt. Wie in seinem Bericht vom 11.</span><span> </span><span>Dezember 2020 zur Beantwortung des Postulats 17.4181 (Illegale Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka: historische Aufarbeitung, Herkunftssuche, Perspektiven) dargelegt, ermutigt der Bundesrat die Wissenschaftsgemeinschaft jedoch, sich verstärkt mit dem Thema der internationalen Adoption zu befassen und entsprechende Projekte, insbesondere im Rahmen des Schweizerischen Nationalfonds, zu lancieren. Dieser Bericht enthält in Ziffer 2.6 zudem eine Analyse aktueller rechtlicher Fragestellungen, insbesondere hinsichtlich strafrechtlicher Konsequenzen und der Gültigkeit von Adoption.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Das Problem der Aufbewahrung und Archivierung von Akten von Organisationen und Privatpersonen wurde im Bericht der Arbeitsgruppe Herkunftssuche zur Unterstützung von adoptierten Personen thematisiert. Dieser Bericht wurde von der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) sowie dem Bundesamt für Justiz (BJ) erstellt. Die Arbeitsgruppe empfiehlt, die entsprechenden Rechtsgrundlagen zu überprüfen und bei Bedarf zu ändern.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3., 4. und 5. Die Unterstützung von Adoptierten bei der Herkunftssuche liegt in der Zuständigkeit der Kantone. Adoptierte haben die Möglichkeit, sich an die kantonale Informationsstelle (Art.</span><span> </span><span>268</span><em><span>d </span></em><span>ZGB) ihres Wohnsitzkantons zu wenden. Kürzlich haben 25 Kantone beschlossen, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die einen regelmässigen Austausch zwischen den Kantonen und ein koordiniertes Vorgehen ermöglicht, insbesondere was die Unterstützung von adoptierten Personen betrifft, die von irregulären Praktiken bei der Herkunftssuche betroffen sind. Die Arbeiten dieser Plattform könnten die Ausarbeitung eines nationalen Konzepts zur Unterstützung der Herkunftssuche umfassen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>6. Die Expertengruppe «Internationale Adoption» hat festgestellt, dass die aktuellen gesetzlichen Grundlagen für die Herkunftssuche, insbesondere im Kontext irregulärer Adoptionen, unzureichend sind. Daher hat der Bundesrat das EJPD beauftragt, zu prüfen, ob eine Reform der Herkunftssuche erforderlich ist. Dabei werden die Empfehlungen der Arbeitsgruppe Herkunftssuche der KKJPD und des BJ berücksichtigt werden.</span></p></span>
- <p>Im letzten Halbjahr gerieten irreguläre internationale Adoptionen immer wieder in die Schlagzeilen. Grund dafür war einerseits die Ankündigung eines Verbots internationaler Adoptionen durch den Bundesrat, andererseits die Veröffentlichung einer Studie und eines Expertenberichtes zu diesem Thema.<a href="#_ftn1">[1]</a> Die Resultate der Untersuchungen sind erschütternd: Seit den 1970er Jahren kamen zahlreiche Kinder irregulär in die Schweiz – mit zum Teil weitreichenden Folgen für sie selbst, aber auch für ihre Herkunfts- und Adoptivfamilien. Die Verfasserinnen der Studie und die Expertengruppe «Internationale Adoption» formulierten umfassende Handlungsempfehlungen. Ein Teil davon griff der Bundesrat auf, eine Gesetzesvorlage wurde für 2026 versprochen. Zu den weiteren, nicht weniger wichtigen Empfehlungen gab es bisher keine Positionierung. Deswegen erlaube ich mir folgende Fragen an den Bundesrat:</p><p> </p><ol><li>Ist eine umfassende Studie zu allen erfolgten internationalen Adoptionen mit Schweizer Beteiligung geplant? Falls nein, sind weitere Untersuchungen zu einzelnen Ländern oder Zeiträumen geplant? Sind eine juristische Prüfung und Einordnung der bisherigen Studienresultate geplant?</li><li>Gibt es seitens der Bundesrates Empfehlungen an die Kantone zur Sicherung weiterer Akten bei Privaten und Organisationen, die Aufschluss über die Adoptionspraktiken seit den 1970er Jahren geben und bei der Herkunftssuche dienlich sein könnten?</li><li>Wo können sich aus dem Ausland adoptierte Personen melden, um die Rechtmässigkeit ihrer Adoption abklären zu lassen?</li><li>Wann und von wem (BJ, KKJPD) bekommen adoptierte Personen, die ihre Herkunft aufklären wollen, einen Leitfaden für das Vorgehen?</li><li>Wie werden Betroffene bis zur Implementierung des vorgesehenen Konzepts bei der Herkunftssuche finanziell, psychologisch, diplomatisch und sozial unterstützt?</li><li>Sieht der Bundesrat im Zusammenhang mit den seit den 1970er Jahren irregulär erfolgten internationalen Adoptionen weiteren Handlungsbedarf? <br> </li></ol><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Andrea Abraham, Sabine Bitter und Rita Kesselring (Hg.): Mutter unbekannt. Adoptionen aus Indien in den Kantonen Zürich und Thurgau, 1973-2002. Expertengruppe «Internationale Adoption»: Schlussbericht, Zürich 2024.</p>
- Weitere Massnahmen im Zusammenhang mit irregulären internationalen Adoptionen
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