Folgen der vom Bundesrat geforderten substanziellen Erhöhung von Studiengebühren in der Schweiz
- ShortId
-
25.3157
- Id
-
20253157
- Updated
-
14.11.2025 03:08
- Language
-
de
- Title
-
Folgen der vom Bundesrat geforderten substanziellen Erhöhung von Studiengebühren in der Schweiz
- AdditionalIndexing
-
32;24;04
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Am 29.01.25 hat der Bundesrat (BR) die Vernehmlassung zum Entlastungspaket 27 eröffnet. Darin enthalten sind Massnahmen zur "Stärkung der Nutzerfinanzierung der kant. Hochschulen und im ETH-Bereich". Der BR schlägt den Hochschulen dabei vor, die geplanten Kürzungen von jährlich 198 Mio. CHF durch eine Erhöhung der Studiengebühren zu kompensieren (Verdoppelung für Inländer:innen, Vervierfachung für Ausländer:innen). Der BR hat sich aber im Rahmen der Verhandlungen mit der EU verpflichtet, Studierende aus der EU bei den Studiengebühren gleich zu behandeln wie Studierende aus der Schweiz. Die tatsächliche Erhöhung der Gebühren für Studierende aus der Schweiz könnte daher stärker ausfallen als die vom BR vorgeschlagene Verdoppelung.</p>
- <span><p><span>1. Dem Bund liegen keine spezifischen Statistiken zur Erhöhung der Studiengebühren in anderen Ländern vor. Die Bildungssysteme und die Mechanismen der Stipendienvergabe sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Auch das Lohnniveau, die Qualität der Ausbildung, die Nähe zu den Hochschulen und der Return on Investment sind in jedem Land anders. Die Schweiz hingegen verfügt über ein exzellentes Hochschulsystem, dessen Zugang im internationalen Vergleich relativ günstig ist: Die aktuellen Studiengebühren belaufen sich für Schweizer Studierende auf etwa 500 bis 1200</span><span> </span><span>Franken pro Semester. Ein direkter Vergleich der Folgen einer Verdoppelung dieser Gebühren mit denen einer Verdoppelung in einem anderen Land, die mehrere tausend Franken betragen könnten, wäre kaum aussagekräftig. Kaum bestritten scheint jedoch, dass bei einer Erhöhung von Studiengebühren ein entsprechendes Stipendien- und Darlehenssystem dazu beiträgt, die Auswirkungen insbesondere auf sozioökonomisch benachteiligte Studierende zu kompensieren (vgl.</span><span> </span><a href="https://e4s.center/resources/reports/university-tuition-fees-and-student-outcomes-literature-review-from-a-swiss-perspective/"><u><span>Brülhart et al., 2025</span></u></a><span>).</span></p><p><span>2. Die geplanten Kürzungen von 198</span><span> </span><span>Millionen Franken verteilen sich auf die ETH (78</span><span> </span><span>Millionen) sowie die UH und die FH (je 60</span><span> </span><span>Millionen). Die Festlegung der Studiengebühren für die kantonalen Hochschulen und die Vergabe von Stipendien oder Darlehen liegt in der Kompetenz der Kantone. Es steht den Kantonen somit frei, zu entscheiden, inwieweit sie Massnahmen in diesen Bereichen ergreifen wollen. Aussagen zu möglichen finanziellen Auswirkungen (insbesondere zu Mehreinnahmen durch Studiengebühren, Mehrausgaben durch Stipendien und Auswirkungen auf die interkantonalen Ausgleichszahlungen; vgl.</span><span> </span><span>auch </span><a href="https://edudoc.ch/record/92780/files/StuB32A.pdf"><u><span>Heuberger, EDK 2011</span></u></a><span>) können daher nicht gemacht werden.</span></p><p><span>3./4./5./6. Die finanzielle Unterstützung durch die Familie ist die wichtigste Einkommensquelle der Studierenden (50</span><span> </span><span>Prozent im Jahr 2024, </span><a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/personen-ausbildung/tertiaerstufe-hochschulen/soziale-wirtschaftliche-lage-studierenden.html"><u><span>BFS</span></u></a><span>) und auch die Erwerbstätigkeit macht einen grossen Teil ihrer finanziellen Ressourcen aus (42</span><span> </span><span>Prozent). Stipendien und Darlehen stellen dagegen im Durchschnitt nur 4</span><span> </span><span>Prozent der verfügbaren Mittel der Studierenden dar. Gemäss dem </span><a href="https://www.skbf-csre.ch/bildungsbericht/bildungsbericht/"><u><span>Bildungsbericht Schweiz 2023 der SKBF</span></u></a><span> geben 4</span><span> </span><span>Prozent der Befragten die Ablehnung ihres Stipendiengesuchs als Grund für den Abbruch des Studiums an. Wie sich vor diesem Hintergrund eine Erhöhung der Studiengebühren auf das Verhalten der Studierenden auswirken würde, lässt sich nicht vorhersagen. Brülhart </span><em><span>et al. </span></em><span>2025 verweisen auf Studien, die die Auswirkungen von Erhöhungen der Studiengebühren auf das Studierverhalten und die Studiendauer untersuchen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass höhere Studiengebühren dazu führen, dass Studierende mehr Zeit in ihr Studium investieren und es schneller abschliessen. Obwohl diese Ergebnisse beobachtet werden konnten, wurden sie nicht als quantitativ signifikant eingestuft und sind daher mit Vorsicht zu interpretieren. Denkbar wäre auch, dass der Anteil der Erwerbstätigkeit der Studierenden zunimmt und sich dadurch die Studiendauer verlängert. Dem Bund liegen keine spezifischen Berichte vor, die die direkten Auswirkungen einer durchschnittlichen Verlängerung der Studiendauer um ein Semester auf die Steuereinnahmen von Bund und Kantonen evaluieren.</span></p><p><span>Die Chancengleichheit beim Zugang zur Bildung ist dem Bundesrat ein zentrales Anliegen. Über die projektgebundenen Beiträge (Art.</span><span> </span><span>47 HFKG) unterstützte er das </span><a href="https://www.swissuniversities.ch/themen/chancengleichheit-diversity/p-7-diversitaet-inklusion-und-chancengerechtigkeit-2021-2024"><u><span>Projekt P-7 Diversität, Inklusion und Chancengleichheit in der Hochschulentwicklung (2021-2024)</span></u></a><span> unter der Leitung von swissuniversities, das die soziale Herkunft der Studierenden als wichtigen Einflussfaktor auf den Zugang zur Hochschulbildung (First-Generation-Students) untersuchte, um Empfehlungen und Lösungsansätze zu entwickeln.</span></p></span>
- <ol><li>Gibt es Staaten, welche die Studiengebühren für inländische Studierende ebenfalls mindestens verdoppelt haben und was waren die Auswirkungen in allgemeiner Hinsicht und insbesondere auf die Zusammensetzung der Studierendenschaft und deren sozialem Hintergrund? Wurde zudem die Erhöhung der Gebühren durch eine Ausweitung der Stipendien begleitet?</li><li>Ist zu erwarten, dass die Kantone durch die geplanten Kürzungen von 198 Mio. CHF zusätzlich belastet werden, da voraussichtlich mehr Studierende Stipendien beantragen werden oder ist sogar zu erwarten, dass die Beantragung eines Stipendiums für viele eine zu hohe Hürde darstellt und folglich ein alternativer Bildungsweg beschritten wird?</li><li>Ist zu erwarten, dass es Studienanwärter:innen geben wird, die sich das Studium nicht mehr leisten können/werden aber auch keinen Anspruch auf ein Stipendium haben?</li><li>Wird sich die soziale Zusammensetzung aufgrund der substanziellen Erhöhung der Studiengebühren ändern (Chancengerechtigkeit)?</li><li>Gemäss der Studie des Bundesamts für Statistik zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden vom 27.02.25 gehen 72% der Studierenden einer Erwerbstätigkeit nach. Die durchschnittlich aufgewendete Zeit pro Semesterwoche für die Erwerbstätigkeit liegt dabei bei 10,4 Std., diejenige für das Studium bei 33,3 Std. Ist damit zu rechnen, dass sich durch die Erhöhung der Studiengebühren die Dauer des Studiums verlängert, da die Studierenden mehr arbeiten müssen, um dieses zu finanzieren und falls ja ist das volkswirtschaftlich tragbar? </li><li>Was hätte eine Verlängerung des Studiums um durchschnittlich ½ Jahr für Konsequenzen, insbesondere auf die Steuereinnahmen von Bund/Kantonen?</li></ol>
- Folgen der vom Bundesrat geforderten substanziellen Erhöhung von Studiengebühren in der Schweiz
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Am 29.01.25 hat der Bundesrat (BR) die Vernehmlassung zum Entlastungspaket 27 eröffnet. Darin enthalten sind Massnahmen zur "Stärkung der Nutzerfinanzierung der kant. Hochschulen und im ETH-Bereich". Der BR schlägt den Hochschulen dabei vor, die geplanten Kürzungen von jährlich 198 Mio. CHF durch eine Erhöhung der Studiengebühren zu kompensieren (Verdoppelung für Inländer:innen, Vervierfachung für Ausländer:innen). Der BR hat sich aber im Rahmen der Verhandlungen mit der EU verpflichtet, Studierende aus der EU bei den Studiengebühren gleich zu behandeln wie Studierende aus der Schweiz. Die tatsächliche Erhöhung der Gebühren für Studierende aus der Schweiz könnte daher stärker ausfallen als die vom BR vorgeschlagene Verdoppelung.</p>
- <span><p><span>1. Dem Bund liegen keine spezifischen Statistiken zur Erhöhung der Studiengebühren in anderen Ländern vor. Die Bildungssysteme und die Mechanismen der Stipendienvergabe sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Auch das Lohnniveau, die Qualität der Ausbildung, die Nähe zu den Hochschulen und der Return on Investment sind in jedem Land anders. Die Schweiz hingegen verfügt über ein exzellentes Hochschulsystem, dessen Zugang im internationalen Vergleich relativ günstig ist: Die aktuellen Studiengebühren belaufen sich für Schweizer Studierende auf etwa 500 bis 1200</span><span> </span><span>Franken pro Semester. Ein direkter Vergleich der Folgen einer Verdoppelung dieser Gebühren mit denen einer Verdoppelung in einem anderen Land, die mehrere tausend Franken betragen könnten, wäre kaum aussagekräftig. Kaum bestritten scheint jedoch, dass bei einer Erhöhung von Studiengebühren ein entsprechendes Stipendien- und Darlehenssystem dazu beiträgt, die Auswirkungen insbesondere auf sozioökonomisch benachteiligte Studierende zu kompensieren (vgl.</span><span> </span><a href="https://e4s.center/resources/reports/university-tuition-fees-and-student-outcomes-literature-review-from-a-swiss-perspective/"><u><span>Brülhart et al., 2025</span></u></a><span>).</span></p><p><span>2. Die geplanten Kürzungen von 198</span><span> </span><span>Millionen Franken verteilen sich auf die ETH (78</span><span> </span><span>Millionen) sowie die UH und die FH (je 60</span><span> </span><span>Millionen). Die Festlegung der Studiengebühren für die kantonalen Hochschulen und die Vergabe von Stipendien oder Darlehen liegt in der Kompetenz der Kantone. Es steht den Kantonen somit frei, zu entscheiden, inwieweit sie Massnahmen in diesen Bereichen ergreifen wollen. Aussagen zu möglichen finanziellen Auswirkungen (insbesondere zu Mehreinnahmen durch Studiengebühren, Mehrausgaben durch Stipendien und Auswirkungen auf die interkantonalen Ausgleichszahlungen; vgl.</span><span> </span><span>auch </span><a href="https://edudoc.ch/record/92780/files/StuB32A.pdf"><u><span>Heuberger, EDK 2011</span></u></a><span>) können daher nicht gemacht werden.</span></p><p><span>3./4./5./6. Die finanzielle Unterstützung durch die Familie ist die wichtigste Einkommensquelle der Studierenden (50</span><span> </span><span>Prozent im Jahr 2024, </span><a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/personen-ausbildung/tertiaerstufe-hochschulen/soziale-wirtschaftliche-lage-studierenden.html"><u><span>BFS</span></u></a><span>) und auch die Erwerbstätigkeit macht einen grossen Teil ihrer finanziellen Ressourcen aus (42</span><span> </span><span>Prozent). Stipendien und Darlehen stellen dagegen im Durchschnitt nur 4</span><span> </span><span>Prozent der verfügbaren Mittel der Studierenden dar. Gemäss dem </span><a href="https://www.skbf-csre.ch/bildungsbericht/bildungsbericht/"><u><span>Bildungsbericht Schweiz 2023 der SKBF</span></u></a><span> geben 4</span><span> </span><span>Prozent der Befragten die Ablehnung ihres Stipendiengesuchs als Grund für den Abbruch des Studiums an. Wie sich vor diesem Hintergrund eine Erhöhung der Studiengebühren auf das Verhalten der Studierenden auswirken würde, lässt sich nicht vorhersagen. Brülhart </span><em><span>et al. </span></em><span>2025 verweisen auf Studien, die die Auswirkungen von Erhöhungen der Studiengebühren auf das Studierverhalten und die Studiendauer untersuchen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass höhere Studiengebühren dazu führen, dass Studierende mehr Zeit in ihr Studium investieren und es schneller abschliessen. Obwohl diese Ergebnisse beobachtet werden konnten, wurden sie nicht als quantitativ signifikant eingestuft und sind daher mit Vorsicht zu interpretieren. Denkbar wäre auch, dass der Anteil der Erwerbstätigkeit der Studierenden zunimmt und sich dadurch die Studiendauer verlängert. Dem Bund liegen keine spezifischen Berichte vor, die die direkten Auswirkungen einer durchschnittlichen Verlängerung der Studiendauer um ein Semester auf die Steuereinnahmen von Bund und Kantonen evaluieren.</span></p><p><span>Die Chancengleichheit beim Zugang zur Bildung ist dem Bundesrat ein zentrales Anliegen. Über die projektgebundenen Beiträge (Art.</span><span> </span><span>47 HFKG) unterstützte er das </span><a href="https://www.swissuniversities.ch/themen/chancengleichheit-diversity/p-7-diversitaet-inklusion-und-chancengerechtigkeit-2021-2024"><u><span>Projekt P-7 Diversität, Inklusion und Chancengleichheit in der Hochschulentwicklung (2021-2024)</span></u></a><span> unter der Leitung von swissuniversities, das die soziale Herkunft der Studierenden als wichtigen Einflussfaktor auf den Zugang zur Hochschulbildung (First-Generation-Students) untersuchte, um Empfehlungen und Lösungsansätze zu entwickeln.</span></p></span>
- <ol><li>Gibt es Staaten, welche die Studiengebühren für inländische Studierende ebenfalls mindestens verdoppelt haben und was waren die Auswirkungen in allgemeiner Hinsicht und insbesondere auf die Zusammensetzung der Studierendenschaft und deren sozialem Hintergrund? Wurde zudem die Erhöhung der Gebühren durch eine Ausweitung der Stipendien begleitet?</li><li>Ist zu erwarten, dass die Kantone durch die geplanten Kürzungen von 198 Mio. CHF zusätzlich belastet werden, da voraussichtlich mehr Studierende Stipendien beantragen werden oder ist sogar zu erwarten, dass die Beantragung eines Stipendiums für viele eine zu hohe Hürde darstellt und folglich ein alternativer Bildungsweg beschritten wird?</li><li>Ist zu erwarten, dass es Studienanwärter:innen geben wird, die sich das Studium nicht mehr leisten können/werden aber auch keinen Anspruch auf ein Stipendium haben?</li><li>Wird sich die soziale Zusammensetzung aufgrund der substanziellen Erhöhung der Studiengebühren ändern (Chancengerechtigkeit)?</li><li>Gemäss der Studie des Bundesamts für Statistik zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden vom 27.02.25 gehen 72% der Studierenden einer Erwerbstätigkeit nach. Die durchschnittlich aufgewendete Zeit pro Semesterwoche für die Erwerbstätigkeit liegt dabei bei 10,4 Std., diejenige für das Studium bei 33,3 Std. Ist damit zu rechnen, dass sich durch die Erhöhung der Studiengebühren die Dauer des Studiums verlängert, da die Studierenden mehr arbeiten müssen, um dieses zu finanzieren und falls ja ist das volkswirtschaftlich tragbar? </li><li>Was hätte eine Verlängerung des Studiums um durchschnittlich ½ Jahr für Konsequenzen, insbesondere auf die Steuereinnahmen von Bund/Kantonen?</li></ol>
- Folgen der vom Bundesrat geforderten substanziellen Erhöhung von Studiengebühren in der Schweiz
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