Ohne Hefe kein Brot. Ist die Schweizer Hefeproduktion in Gefahr?
- ShortId
-
25.3200
- Id
-
20253200
- Updated
-
14.11.2025 03:08
- Language
-
de
- Title
-
Ohne Hefe kein Brot. Ist die Schweizer Hefeproduktion in Gefahr?
- AdditionalIndexing
-
15;2841
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>Hefen werden für die Vergärung von Fruchtsäften und insbesondere für die Zubereitung von Hefeteigen für die Herstellung von Brot und Backwaren eingesetzt. Die Versorgung der Schweiz mit Hefe wird in der normalen Lage durch die inländische Produktion und Ergänzungsimporte sichergestellt. Die Gewährleistung der Versorgungssicherheit hat für den Bundesrat hohe Priorität. Der Bundesrat setzt sich deshalb für gute Rahmenbedingungen in der Nahrungsmittelindustrie, für die im Milizsystem organisierte Pflichtlagerhaltung sowie vielfältige und gute Handelsbeziehungen ein. Für Krisenzeiten oder Lieferengpässe (ausserhalb des betrieblichen Kontinuitätsmanagements der Wirtschaft) hält die Schweiz ergänzende Pflichtlager mit Rohstoffen für die Hefeproduktion. Melasse, Rübendicksaft, Monoammoniumphosphat, Phosphorsäure, Ammoniumsulfat und Salmiakgeist werden für eine Bedarfsdeckung von einem Monat gelagert. In Abhängigkeit zu den Getreide-Pflichtlagern kann so eine kurz- und mittelfristige Störung überbrückt werden.</span></p><p><span>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die gestiegenen</span><span> </span><span>Importe von</span><span> </span><span>lebenden Hefen (ausgenommen Backhefen und ausgenommen lebende Hefen für Futterzwecke) zu einem stärkeren Wettbewerb führen.</span><span> </span><span> Die Nahrungsmittelimporte in die Schweiz sind unter anderem vom Grenzschutz, dem Bevölkerungswachstum, den Preisentwicklungen auf den in- und ausländischen Märkten und der Nachfrage der Nahrungsmittelherstellern sowie der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz abhängig. Im Jahr</span><span> </span><span>2023 stammten 99,5%</span><span> </span><span>Prozent (mengenmässig) der Importe von</span><span> </span><span>lebenden Hefen (ausgenommen Backhefen und ausgenommen lebende Hefen für Futterzwecke) aus den EU-Mitgliedsländern. Die gegenüber der EU gewährten Zollkonzessionen zu bestimmten Hefen erfolgen gemäss den Bestimmungen des Protokolls Nr. 2 (SR 0.632.401.2) des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU von 1972 zu landwirtschaftlichen Verarbeitungserzeugnissen. Eine Anpassung des Protokolls Nr. 2 ist, wie in der Stellungnahme des Bundesrates zur Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243127"><u><span>24.3127</span></u></a><span> dargelegt, nicht vorgesehen.</span></p></span>
- <p>Die Schweizer Hefeproduktion sichert die unabhängige, krisensichere Versorgung der Bäckereien und Lebensmittelindustrie mit einem essenziellen Grundstoff – der Backhefe. Weiter stärkt sie die Wertschöpfung in der Schweiz, indem sie Arbeitsplätze und eine Nachfrage nach Nebenprodukten der Schweizer Lebensmittelindustrie schafft, insbesondere Dicksaft und Melasse aus der Zuckerproduktion. </p><p>Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen führen nun dazu, dass die mittelfristige Versorgungssicherheit mit Schweizer Hefe gefährdet ist. Der Grund liegt bei den erheblichen Ungleichheiten der Importzölle: Während die Einfuhr von Presshefe aus der EU mit einem Zoll von Fr. 52.50 je 100kg brutto belegt ist, kann Flüssighefe (die Vorstufe von Presshefe) zollfrei importiert werden! Die Regelung entstand zu einer Zeit, als Flüssighefe in der Verarbeitungsindustrie kaum eine Rolle spielte. Heute jedoch zeigt sich ein klarer Trend hin zur Nutzung von Flüssighefe, insbesondere durch Grossabnehmer. Die Regelung führt heute zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung. </p><p>Die Importe von Flüssighefe sind zwischen 1993 und 2023 um 470 % gestiegen. Diese Entwicklung gefährdet die Zukunft der einzigen Herstellerin von Schweizer Hefe. Letztlich stellt sich die Frage, ob die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz mit Hefe und damit auch mit Brot noch gewährleistet ist. Da die EU gleichzeitig auf alle Backhefen (Press- wie auch Flüssighefe) aus der Schweiz einen Importzoll von 12 % erhebt, verstärkt diese asymmetrische Zollbelastung die Wettbewerbsnachteile zusätzlich.</p><p>Vor diesem Hintergrund ersuche ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Welche Bedeutung hat die inländische Produktion von Hefe?</li><li>Welche Massnahmen werden aktuell getroffen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu halten bzw. zu stärken?</li><li>Wie schätzt der Bundesrat die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit mit Schweizer Hefe, insbesondre in Krisenzeiten, ein?</li><li>Inwiefern sieht der Bundesrat eine Ungleichbehandlung im internationalen Wettbewerb für Hefeproduzenten in der Schweiz, insbesondere im Vergleich zur EU?</li><li>Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, um die ungleichen Wettbewerbsbedingungen auszugleichen und die inländische Hefeproduktion zu unterstützen?</li><li>Welche konkreten Lösungsansätze schlägt der Bundesrat vor, um eine langfristige Versorgungssicherheit mit Hefe in der Schweiz zu gewährleisten?</li></ol>
- Ohne Hefe kein Brot. Ist die Schweizer Hefeproduktion in Gefahr?
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p><span>Hefen werden für die Vergärung von Fruchtsäften und insbesondere für die Zubereitung von Hefeteigen für die Herstellung von Brot und Backwaren eingesetzt. Die Versorgung der Schweiz mit Hefe wird in der normalen Lage durch die inländische Produktion und Ergänzungsimporte sichergestellt. Die Gewährleistung der Versorgungssicherheit hat für den Bundesrat hohe Priorität. Der Bundesrat setzt sich deshalb für gute Rahmenbedingungen in der Nahrungsmittelindustrie, für die im Milizsystem organisierte Pflichtlagerhaltung sowie vielfältige und gute Handelsbeziehungen ein. Für Krisenzeiten oder Lieferengpässe (ausserhalb des betrieblichen Kontinuitätsmanagements der Wirtschaft) hält die Schweiz ergänzende Pflichtlager mit Rohstoffen für die Hefeproduktion. Melasse, Rübendicksaft, Monoammoniumphosphat, Phosphorsäure, Ammoniumsulfat und Salmiakgeist werden für eine Bedarfsdeckung von einem Monat gelagert. In Abhängigkeit zu den Getreide-Pflichtlagern kann so eine kurz- und mittelfristige Störung überbrückt werden.</span></p><p><span>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die gestiegenen</span><span> </span><span>Importe von</span><span> </span><span>lebenden Hefen (ausgenommen Backhefen und ausgenommen lebende Hefen für Futterzwecke) zu einem stärkeren Wettbewerb führen.</span><span> </span><span> Die Nahrungsmittelimporte in die Schweiz sind unter anderem vom Grenzschutz, dem Bevölkerungswachstum, den Preisentwicklungen auf den in- und ausländischen Märkten und der Nachfrage der Nahrungsmittelherstellern sowie der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz abhängig. Im Jahr</span><span> </span><span>2023 stammten 99,5%</span><span> </span><span>Prozent (mengenmässig) der Importe von</span><span> </span><span>lebenden Hefen (ausgenommen Backhefen und ausgenommen lebende Hefen für Futterzwecke) aus den EU-Mitgliedsländern. Die gegenüber der EU gewährten Zollkonzessionen zu bestimmten Hefen erfolgen gemäss den Bestimmungen des Protokolls Nr. 2 (SR 0.632.401.2) des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU von 1972 zu landwirtschaftlichen Verarbeitungserzeugnissen. Eine Anpassung des Protokolls Nr. 2 ist, wie in der Stellungnahme des Bundesrates zur Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243127"><u><span>24.3127</span></u></a><span> dargelegt, nicht vorgesehen.</span></p></span>
- <p>Die Schweizer Hefeproduktion sichert die unabhängige, krisensichere Versorgung der Bäckereien und Lebensmittelindustrie mit einem essenziellen Grundstoff – der Backhefe. Weiter stärkt sie die Wertschöpfung in der Schweiz, indem sie Arbeitsplätze und eine Nachfrage nach Nebenprodukten der Schweizer Lebensmittelindustrie schafft, insbesondere Dicksaft und Melasse aus der Zuckerproduktion. </p><p>Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen führen nun dazu, dass die mittelfristige Versorgungssicherheit mit Schweizer Hefe gefährdet ist. Der Grund liegt bei den erheblichen Ungleichheiten der Importzölle: Während die Einfuhr von Presshefe aus der EU mit einem Zoll von Fr. 52.50 je 100kg brutto belegt ist, kann Flüssighefe (die Vorstufe von Presshefe) zollfrei importiert werden! Die Regelung entstand zu einer Zeit, als Flüssighefe in der Verarbeitungsindustrie kaum eine Rolle spielte. Heute jedoch zeigt sich ein klarer Trend hin zur Nutzung von Flüssighefe, insbesondere durch Grossabnehmer. Die Regelung führt heute zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung. </p><p>Die Importe von Flüssighefe sind zwischen 1993 und 2023 um 470 % gestiegen. Diese Entwicklung gefährdet die Zukunft der einzigen Herstellerin von Schweizer Hefe. Letztlich stellt sich die Frage, ob die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz mit Hefe und damit auch mit Brot noch gewährleistet ist. Da die EU gleichzeitig auf alle Backhefen (Press- wie auch Flüssighefe) aus der Schweiz einen Importzoll von 12 % erhebt, verstärkt diese asymmetrische Zollbelastung die Wettbewerbsnachteile zusätzlich.</p><p>Vor diesem Hintergrund ersuche ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Welche Bedeutung hat die inländische Produktion von Hefe?</li><li>Welche Massnahmen werden aktuell getroffen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu halten bzw. zu stärken?</li><li>Wie schätzt der Bundesrat die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit mit Schweizer Hefe, insbesondre in Krisenzeiten, ein?</li><li>Inwiefern sieht der Bundesrat eine Ungleichbehandlung im internationalen Wettbewerb für Hefeproduzenten in der Schweiz, insbesondere im Vergleich zur EU?</li><li>Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, um die ungleichen Wettbewerbsbedingungen auszugleichen und die inländische Hefeproduktion zu unterstützen?</li><li>Welche konkreten Lösungsansätze schlägt der Bundesrat vor, um eine langfristige Versorgungssicherheit mit Hefe in der Schweiz zu gewährleisten?</li></ol>
- Ohne Hefe kein Brot. Ist die Schweizer Hefeproduktion in Gefahr?
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