Neue Preissysteme und steigende Kosten im öffentlichen Verkehr
- ShortId
-
25.3207
- Id
-
20253207
- Updated
-
14.11.2025 03:12
- Language
-
de
- Title
-
Neue Preissysteme und steigende Kosten im öffentlichen Verkehr
- AdditionalIndexing
-
48;15;52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Neue Preissysteme im öffentlichen Verkehr</p><p>Das bestehende Preissystem des Schweizer öV stösst aufgrund zunehmender Komplexität und ungeklärter Zukunftsfragen an seine Grenzen. Seit Mai 2024 testet die ÖV-Branche im Projekt myRIDE ein neues Modell, bei dem die Fahrpreise anhand der tatsächlich zurückgelegten Distanz berechnet werden – und regelmässiges Reisen zunehmend günstiger wird. Diese Bestrebungen sind im Interesse der Kundschaft zu begrüssen und können bei richtiger Ausgestaltung die Attraktivität des ÖV erhöhen. Ziel muss es sein, dass innert nützlicher Frist ein einfaches und flexibles System geschaffen wird, das geeignet ist, dem ÖV bisherige Kundinnen und Kunden zu erhalten sowie Neukundinnen und Neukunden zu gewinnen. In der Vergangenheit sind solche Projekte jedoch gescheitert, weil eine einfachere Tariflandschaft bei bestimmten Nutzergruppen zu "Verlustängsten" führten oder einzelne Tarifverbünde negative finanzielle Auswirkungen befürchteten. </p>
- <span><p><span>1. Basierend auf der einfachen Anwendung, der schweizweiten Einheitlichkeit des neu konzipierten Preissystems myRIDE sowie den positiven Rückmeldungen aus einem ersten Feldtest hat die öV-Branche Mitte November 2024 beschlossen, den bestehenden System-Prototyp im Rahmen einer Reifephase weiterzuentwickeln, offene Fragen im Detail zu klären und mögliche Risiken zu bewerten.</span></p><p><span>Auf dieser Grundlage wird der Strategierat (das oberste strategische Organ der öV-Branche) Ende 2025 über den Zeitplan und den Umfang der Einführung des neuen Preissystems entscheiden.</span></p><p><span>2. Zurzeit wird das Projekt von der derzeitigen Diskussion zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs nicht beeinflusst. Der Projektstand lässt noch keine Aussagen über mögliche finanzielle Auswirkungen zu.</span></p><p><span>An dieser Stelle verweist der Bundesrat auf das Postulat 21.3329 Brenzikofer «Finanzielle Anreize zur Vereinheitlichung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr». Darin wird der Bundesrat aufgefordert zu prüfen und zu berichten, inwiefern die Vereinheitlichung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr mithilfe von Verpflichtungskrediten und anderen finanziellen Anreizen sowie mit Vorgaben gestützt auf Artikel 55a der Verordnung über die Personenbeförderung (SR 745.11) beschleunigt werden könnten. Nebst dem Projekt myRIDE wird zurzeit das Projekt Governance 3.0 gestartet, welches die heutige Tariforganisation verschlanken und kostengünstiger gestalten will. Beim Projekt Governance 3.0 sind nebst der öV-Branche auch die Kantone sowie der Bund gleichberechtigte Auftraggeber.</span></p><p><span>3. Es ist eine Aufgabe der öV-Branche, für den einfachen Zugang zum öffentlichen Verkehr in der Schweiz zu sorgen. Dies gilt auch für Menschen ohne Handy oder Gruppen mit spezifischen Anforderungen. Vor diesem Hintergrund arbeitet die öV-Branche unabhängig von der myRIDE-Einführung an konkreten Lösungen. Bezogen auf myRIDE wird zurzeit geprüft, wie dessen Tarif auch im pre-pricing Sortiment kanalübergreifend angewendet werden kann.</span></p><p><span>4. Die Erhöhung des Modalsplits und die nachhaltige Finanzierung des öV hat in der öV-Branche bei der Preis- und Sortimentsgestaltung eine hohe Priorität.</span></p><p><span>In der Tarifgestaltung der nächsten Jahre ist es für die öV-Branche ein Ziel, dass das Gesamtpreisniveau im nationalen Direkten Verkehr in Abhängigkeit der Kostenentwicklung stabil gehalten werden kann. Die tarifarischen Einstiegshürden in den öV sollen möglichst tief gehalten werden, insbesondere mit attraktiven Sortimenten für die Jugendlichen.</span></p><p><span>In der Sortimentsgestaltung liegt der Schwerpunkt der öV-Branche beim Anbieten von gezielten Rabatten und attraktiven Sortimenten (wie den kürzlich lancierten Sortimenten GA Night, Friends-Tageskarte oder Halbtax PLUS). Bei der Entwicklung neuer Tarife stehen ein einfacher Zugang und die individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Kundschaft im Fokus.</span></p><p><span>5. Die Verschiebungen in den verschiedenen Abo-Kategorien bewegen sich zurzeit im erwarteten Rahmen. Gesamtheitlich betrachtet entwickeln sich die Passagierzahlen im öV positiv. Zum Beispiel haben die SBB 2024 so viele Personen transportiert wie noch nie. Täglich nutzten 1,39 Millionen Reisende das Angebot der Bahn. Auch die Verkäufe der Halbtax-Abo bewegen sich auf einem Allzeithoch.</span></p><p><span>Mit der Einführung von myRIDE müssen sich Nutzerinnen und Nutzer zukünftig nicht im Vorfeld auf einen bestimmten Abonnements-Typ festlegen, sondern können einfach losfahren und haben automatisch den richtigen Fahrausweis. myRIDE reagiert auf das Kundenbedürfnis ein einziges Preissystem für den vermehrten Wechsel zwischen den gewohnten Pendlerfahrten (im Verbundgebiet) und den wechselnden Freizeitwegen (auch ausserhalb der Verbundgrenzen) nutzen zu können.</span></p><p><span>Aktuell nutzen im Rahmen eines nationalen Feldtests rund 3'000 Fahrgäste bereits seit mehr als einem Jahr das neue Preissystem für ihre Fahrten – dabei ist die Zufriedenheit und die Weiterempfehlungsrate erfreulich hoch. Doch auch die Erkenntnisse der in den letzten Monaten getesteten Rabattmodelle wie zum Beispiel «premyo» in der A-Welle oder der «ZVV-Bonus» in Zürich dienen myRIDE in der laufenden Produktentwicklung als wichtige Grundlage.</span></p></span>
- <p>In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: </p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Welche konkreten Meilensteine sind im Entwicklungsprozess des neuen Preissystems vorgesehen, und bis wann sollen offene Fragen und identifizierten Risiken geklärt sein?</li><li>Inwiefern wird die Ausgestaltung des neuen Preissystems, dessen Einführung per Ende 2025 geplant ist, durch die derzeitige Diskussion zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs (z.B. Entlastungspaket 2027) beeinflusst?</li><li>Welche spezifischen Massnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass ältere Menschen – die möglicherweise weniger technikaffin sind – das neue Preissystem ebenso problemlos nutzen können?</li><li>Im Kontext der Ziele und Massnahmen zum Schutz des Klimas erhält die vermehrte Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel eine entscheidende Bedeutung und damit auch der sog. «Modalsplit», der deutlich verbessert werden muss. Wird diese Anforderung bei der künftigen Entwicklung und Finanzierung des öffentlichen Verkehrs – inkl. Gestaltung von Tarifen und Preissystemen – berücksichtigt? </li><li>Seit Covid und der Zunahme von Homeoffice sind Abonnementskategorien wie das Generalabonnement und Abonnemente der verschiedenen Tarifverbünde weniger gefragt, deshalb braucht es flexible Lösungen zwischen Einzeltickets und Abos. Bietet MyRide nur Optionen für Vielfahrer oder auch Modelle für Gelegenheitsfahrer an (Bsp.: innovative Tarifsystemen wie A-Welle premyo, das Bonus- und Capping-Mechanismen nutzt?</li></ul>
- Neue Preissysteme und steigende Kosten im öffentlichen Verkehr
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Neue Preissysteme im öffentlichen Verkehr</p><p>Das bestehende Preissystem des Schweizer öV stösst aufgrund zunehmender Komplexität und ungeklärter Zukunftsfragen an seine Grenzen. Seit Mai 2024 testet die ÖV-Branche im Projekt myRIDE ein neues Modell, bei dem die Fahrpreise anhand der tatsächlich zurückgelegten Distanz berechnet werden – und regelmässiges Reisen zunehmend günstiger wird. Diese Bestrebungen sind im Interesse der Kundschaft zu begrüssen und können bei richtiger Ausgestaltung die Attraktivität des ÖV erhöhen. Ziel muss es sein, dass innert nützlicher Frist ein einfaches und flexibles System geschaffen wird, das geeignet ist, dem ÖV bisherige Kundinnen und Kunden zu erhalten sowie Neukundinnen und Neukunden zu gewinnen. In der Vergangenheit sind solche Projekte jedoch gescheitert, weil eine einfachere Tariflandschaft bei bestimmten Nutzergruppen zu "Verlustängsten" führten oder einzelne Tarifverbünde negative finanzielle Auswirkungen befürchteten. </p>
- <span><p><span>1. Basierend auf der einfachen Anwendung, der schweizweiten Einheitlichkeit des neu konzipierten Preissystems myRIDE sowie den positiven Rückmeldungen aus einem ersten Feldtest hat die öV-Branche Mitte November 2024 beschlossen, den bestehenden System-Prototyp im Rahmen einer Reifephase weiterzuentwickeln, offene Fragen im Detail zu klären und mögliche Risiken zu bewerten.</span></p><p><span>Auf dieser Grundlage wird der Strategierat (das oberste strategische Organ der öV-Branche) Ende 2025 über den Zeitplan und den Umfang der Einführung des neuen Preissystems entscheiden.</span></p><p><span>2. Zurzeit wird das Projekt von der derzeitigen Diskussion zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs nicht beeinflusst. Der Projektstand lässt noch keine Aussagen über mögliche finanzielle Auswirkungen zu.</span></p><p><span>An dieser Stelle verweist der Bundesrat auf das Postulat 21.3329 Brenzikofer «Finanzielle Anreize zur Vereinheitlichung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr». Darin wird der Bundesrat aufgefordert zu prüfen und zu berichten, inwiefern die Vereinheitlichung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr mithilfe von Verpflichtungskrediten und anderen finanziellen Anreizen sowie mit Vorgaben gestützt auf Artikel 55a der Verordnung über die Personenbeförderung (SR 745.11) beschleunigt werden könnten. Nebst dem Projekt myRIDE wird zurzeit das Projekt Governance 3.0 gestartet, welches die heutige Tariforganisation verschlanken und kostengünstiger gestalten will. Beim Projekt Governance 3.0 sind nebst der öV-Branche auch die Kantone sowie der Bund gleichberechtigte Auftraggeber.</span></p><p><span>3. Es ist eine Aufgabe der öV-Branche, für den einfachen Zugang zum öffentlichen Verkehr in der Schweiz zu sorgen. Dies gilt auch für Menschen ohne Handy oder Gruppen mit spezifischen Anforderungen. Vor diesem Hintergrund arbeitet die öV-Branche unabhängig von der myRIDE-Einführung an konkreten Lösungen. Bezogen auf myRIDE wird zurzeit geprüft, wie dessen Tarif auch im pre-pricing Sortiment kanalübergreifend angewendet werden kann.</span></p><p><span>4. Die Erhöhung des Modalsplits und die nachhaltige Finanzierung des öV hat in der öV-Branche bei der Preis- und Sortimentsgestaltung eine hohe Priorität.</span></p><p><span>In der Tarifgestaltung der nächsten Jahre ist es für die öV-Branche ein Ziel, dass das Gesamtpreisniveau im nationalen Direkten Verkehr in Abhängigkeit der Kostenentwicklung stabil gehalten werden kann. Die tarifarischen Einstiegshürden in den öV sollen möglichst tief gehalten werden, insbesondere mit attraktiven Sortimenten für die Jugendlichen.</span></p><p><span>In der Sortimentsgestaltung liegt der Schwerpunkt der öV-Branche beim Anbieten von gezielten Rabatten und attraktiven Sortimenten (wie den kürzlich lancierten Sortimenten GA Night, Friends-Tageskarte oder Halbtax PLUS). Bei der Entwicklung neuer Tarife stehen ein einfacher Zugang und die individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Kundschaft im Fokus.</span></p><p><span>5. Die Verschiebungen in den verschiedenen Abo-Kategorien bewegen sich zurzeit im erwarteten Rahmen. Gesamtheitlich betrachtet entwickeln sich die Passagierzahlen im öV positiv. Zum Beispiel haben die SBB 2024 so viele Personen transportiert wie noch nie. Täglich nutzten 1,39 Millionen Reisende das Angebot der Bahn. Auch die Verkäufe der Halbtax-Abo bewegen sich auf einem Allzeithoch.</span></p><p><span>Mit der Einführung von myRIDE müssen sich Nutzerinnen und Nutzer zukünftig nicht im Vorfeld auf einen bestimmten Abonnements-Typ festlegen, sondern können einfach losfahren und haben automatisch den richtigen Fahrausweis. myRIDE reagiert auf das Kundenbedürfnis ein einziges Preissystem für den vermehrten Wechsel zwischen den gewohnten Pendlerfahrten (im Verbundgebiet) und den wechselnden Freizeitwegen (auch ausserhalb der Verbundgrenzen) nutzen zu können.</span></p><p><span>Aktuell nutzen im Rahmen eines nationalen Feldtests rund 3'000 Fahrgäste bereits seit mehr als einem Jahr das neue Preissystem für ihre Fahrten – dabei ist die Zufriedenheit und die Weiterempfehlungsrate erfreulich hoch. Doch auch die Erkenntnisse der in den letzten Monaten getesteten Rabattmodelle wie zum Beispiel «premyo» in der A-Welle oder der «ZVV-Bonus» in Zürich dienen myRIDE in der laufenden Produktentwicklung als wichtige Grundlage.</span></p></span>
- <p>In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: </p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Welche konkreten Meilensteine sind im Entwicklungsprozess des neuen Preissystems vorgesehen, und bis wann sollen offene Fragen und identifizierten Risiken geklärt sein?</li><li>Inwiefern wird die Ausgestaltung des neuen Preissystems, dessen Einführung per Ende 2025 geplant ist, durch die derzeitige Diskussion zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs (z.B. Entlastungspaket 2027) beeinflusst?</li><li>Welche spezifischen Massnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass ältere Menschen – die möglicherweise weniger technikaffin sind – das neue Preissystem ebenso problemlos nutzen können?</li><li>Im Kontext der Ziele und Massnahmen zum Schutz des Klimas erhält die vermehrte Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel eine entscheidende Bedeutung und damit auch der sog. «Modalsplit», der deutlich verbessert werden muss. Wird diese Anforderung bei der künftigen Entwicklung und Finanzierung des öffentlichen Verkehrs – inkl. Gestaltung von Tarifen und Preissystemen – berücksichtigt? </li><li>Seit Covid und der Zunahme von Homeoffice sind Abonnementskategorien wie das Generalabonnement und Abonnemente der verschiedenen Tarifverbünde weniger gefragt, deshalb braucht es flexible Lösungen zwischen Einzeltickets und Abos. Bietet MyRide nur Optionen für Vielfahrer oder auch Modelle für Gelegenheitsfahrer an (Bsp.: innovative Tarifsystemen wie A-Welle premyo, das Bonus- und Capping-Mechanismen nutzt?</li></ul>
- Neue Preissysteme und steigende Kosten im öffentlichen Verkehr
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