Medizinische und pflegerische Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen dringend verbessern
- ShortId
-
25.3209
- Id
-
20253209
- Updated
-
14.11.2025 03:13
- Language
-
de
- Title
-
Medizinische und pflegerische Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen dringend verbessern
- AdditionalIndexing
-
2841;28
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Die medizinische Versorgung in Alters- und Pflegeheimen steht vor grossen Herausforderungen. Die Anzahl der über 80-Jährigen wird sich bis 2040 voraussichtlich verdoppeln, was einen erheblichen zusätzlichen Bedarf an Pflegeplätzen und medizinischer Betreuung mit sich bringt. Gemäss Schätzungen werden bis dahin rund 900 neue APH mit insgesamt 50'000 zusätzlichen Betten benötigt. Dem steigenden Versorgungsbedarf steht der ausgeprägte Fachkräftemangel in der Langzeitpflege gegenüber. </p><p> </p><p>Die Bewohnenden von Alters- und Pflegeheimen gehören zu den verletzlichsten Menschen unserer Gesellschaft. Sie sind häufig von mehreren chronischen Erkrankungen betroffen und in hohem Masse auf professionelle Pflege und ärztliche Betreuung angewiesen. Gleichzeitig nimmt der Mangel an Hausärztinnen und -ärzten, insbesondere in ländlichen Regionen, weiter zu. Bereits heute ist es vielerorts schwierig, genügend medizinisches Fachpersonal für die Betreuung in Heimen zu finden. Zudem sind Haus- und Heimbesuche finanziell unattraktiv, da sie über die derzeitige wie auch künftige Tarifstruktur nur unzureichend vergütet werden. Auch übergeordnete ärztliche Leistungen, die nicht direkt einzelne Bewohnende betreffen, können kaum abgerechnet werden.</p><p> </p><p>Die Ethikkommission der Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat in einer Stellungnahme, die vom FMH sowie vom SBK unterstützt wird, auf diese Problematik hingewiesen und Lösungsvorschläge präsentiert. Diese betreffen insbesondere die Zuständigkeiten der Kantone, Gemeinden und Tarifpartner. Aber auch dem Bund kommt eine Rolle zu. </p>
- <span><p><span>Der Bundesrat unterstützt das Ziel des Vorstosses, die medizinische und pflegerische Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen zu verbessern, vollumfänglich. Er hat bereits in seinem Bericht vom 4. September 2024 «Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die ältere Bevölkerung und auf Bewohnerinnen und Bewohner in Heimen» (www.bag.admin.ch > Das BAG > Aktuell > Medienmitteilungen > Lehren aus der Pandemie für Alters- und Pflegeheime und für die Stärkung der psychischen Gesundheit) in Erfüllung der Postulate 20.3721 Gysi Barbara «Alters- und Pflegeheime und Wohnheime für Menschen mit Beeinträchtigungen. Aufarbeitung der Corona-Krise», 20.3724 Wehrli «Covid-19. Situation für ältere Menschen» und 20.4253 Graf Maya «Stärkerer Einbezug der Leistungserbringer und der Behindertenorganisationen im Bereich der sozialen Betreuung und der Langzeitpflege bei der Vorbereitung auf und Bewältigung von Pandemien» in seinen Schlüsselerkenntnissen darauf hingewiesen, dass Pflegeheime als Institutionen der medizinischen Versorgung gestärkt werden müssen (vgl. Kap. 6.1.4).</span></p><p><span>Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt das Anliegen bereits im Rahmen verschiedener laufender Aktivitäten um, wie etwa mit der Umsetzung der Pflegeinitiative und dem nationalen Förderprogramm «Effizienz in der medizinischen Grundversorgung» (EmGv) (vgl. www.bag.admin.ch > Berufe im Gesundheitswesen > Gesundheitsberufe der Tertiärstufe > Umsetzung Pflegeinitiative). </span><span>Mit dem Förderprogramm EmGv werden explizit Projekte gefördert, die dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung von Langzeitpatientinnen und -patienten zu verbessern.</span><span> </span><span>Projekte mit einem Fokus auf die medizinische und pflegerische Grundversorgung in Alters- und Pflegeheimen können ebenfalls eingereicht werden, sofern sie den Kriterien entsprechen. Die erste Förderrunde wurde am 5. Januar 2025 abgeschlossen. Weitere Förderrunden werden auf der Webseite des EmGv kommuniziert (www.bag.admin.ch/emgv). </span></p><p><span>Zudem hat die Eidgenössische Qualitätskommission (EQK) den Verbänden Artiset mit dem Branchenverband Curaviva und senesuisse die Umsetzung eines Nationalen Implementierungsprogramms «Qualität der Langzeitpflege in Alters- und Pflegeheimen» übertragen. Ziel dieses Programms ist die datenbasierte Verbesserung der Qualität von medizinischen Leistungen in stationären Einrichtungen der Langzeitpflege. Das Programm läuft von 2022 bis Ende 2027 mit einem Budget von über 6 Mio. CHF.</span></p><p><span>Das BAG wird die Thematik der medizinischen Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen zudem auch im Rahmen der im November 2024 lancierten Agenda Grundversorgung mitberücksichtigen. Bis Ende 2025 wird unter Einbezug zahlreicher Akteure ein Fachbericht mit Massnahmenvorschlägen erarbeitet.</span></p><p><span>Der Bundesrat ist daher der Ansicht, dass ein zusätzlicher Bericht aktuell nicht den gewünschten Mehrwert bietet und zudem seitens Verwaltung Ressourcen bindet, welche bevorzugt für die Umsetzung der genannten Massnahmen eingesetzt werden.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die aktuelle Situation der medizinischen und pflegerischen Versorgung in Alters- und Pflegeheimen zu analysieren und darzulegen. Dabei soll er insbesondere prüfen, wie das nationale Förderprogramm</p><p>"Effizienz in der medizinischen Grundversorgung (EmGv)" gezielt genutzt werden kann, um die Versorgung in diesen Einrichtungen zu stärken. Zudem soll untersucht werden, inwiefern innovative Versorgungsmodelle, nutzenbringende digitale Lösungen und eine verbesserte interprofessionelle Zusammenarbeit zur Optimierung der Grundversorgung für Langzeitpatientinnen und -patienten beitragen können.</p>
- Medizinische und pflegerische Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen dringend verbessern
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die medizinische Versorgung in Alters- und Pflegeheimen steht vor grossen Herausforderungen. Die Anzahl der über 80-Jährigen wird sich bis 2040 voraussichtlich verdoppeln, was einen erheblichen zusätzlichen Bedarf an Pflegeplätzen und medizinischer Betreuung mit sich bringt. Gemäss Schätzungen werden bis dahin rund 900 neue APH mit insgesamt 50'000 zusätzlichen Betten benötigt. Dem steigenden Versorgungsbedarf steht der ausgeprägte Fachkräftemangel in der Langzeitpflege gegenüber. </p><p> </p><p>Die Bewohnenden von Alters- und Pflegeheimen gehören zu den verletzlichsten Menschen unserer Gesellschaft. Sie sind häufig von mehreren chronischen Erkrankungen betroffen und in hohem Masse auf professionelle Pflege und ärztliche Betreuung angewiesen. Gleichzeitig nimmt der Mangel an Hausärztinnen und -ärzten, insbesondere in ländlichen Regionen, weiter zu. Bereits heute ist es vielerorts schwierig, genügend medizinisches Fachpersonal für die Betreuung in Heimen zu finden. Zudem sind Haus- und Heimbesuche finanziell unattraktiv, da sie über die derzeitige wie auch künftige Tarifstruktur nur unzureichend vergütet werden. Auch übergeordnete ärztliche Leistungen, die nicht direkt einzelne Bewohnende betreffen, können kaum abgerechnet werden.</p><p> </p><p>Die Ethikkommission der Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat in einer Stellungnahme, die vom FMH sowie vom SBK unterstützt wird, auf diese Problematik hingewiesen und Lösungsvorschläge präsentiert. Diese betreffen insbesondere die Zuständigkeiten der Kantone, Gemeinden und Tarifpartner. Aber auch dem Bund kommt eine Rolle zu. </p>
- <span><p><span>Der Bundesrat unterstützt das Ziel des Vorstosses, die medizinische und pflegerische Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen zu verbessern, vollumfänglich. Er hat bereits in seinem Bericht vom 4. September 2024 «Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die ältere Bevölkerung und auf Bewohnerinnen und Bewohner in Heimen» (www.bag.admin.ch > Das BAG > Aktuell > Medienmitteilungen > Lehren aus der Pandemie für Alters- und Pflegeheime und für die Stärkung der psychischen Gesundheit) in Erfüllung der Postulate 20.3721 Gysi Barbara «Alters- und Pflegeheime und Wohnheime für Menschen mit Beeinträchtigungen. Aufarbeitung der Corona-Krise», 20.3724 Wehrli «Covid-19. Situation für ältere Menschen» und 20.4253 Graf Maya «Stärkerer Einbezug der Leistungserbringer und der Behindertenorganisationen im Bereich der sozialen Betreuung und der Langzeitpflege bei der Vorbereitung auf und Bewältigung von Pandemien» in seinen Schlüsselerkenntnissen darauf hingewiesen, dass Pflegeheime als Institutionen der medizinischen Versorgung gestärkt werden müssen (vgl. Kap. 6.1.4).</span></p><p><span>Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt das Anliegen bereits im Rahmen verschiedener laufender Aktivitäten um, wie etwa mit der Umsetzung der Pflegeinitiative und dem nationalen Förderprogramm «Effizienz in der medizinischen Grundversorgung» (EmGv) (vgl. www.bag.admin.ch > Berufe im Gesundheitswesen > Gesundheitsberufe der Tertiärstufe > Umsetzung Pflegeinitiative). </span><span>Mit dem Förderprogramm EmGv werden explizit Projekte gefördert, die dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung von Langzeitpatientinnen und -patienten zu verbessern.</span><span> </span><span>Projekte mit einem Fokus auf die medizinische und pflegerische Grundversorgung in Alters- und Pflegeheimen können ebenfalls eingereicht werden, sofern sie den Kriterien entsprechen. Die erste Förderrunde wurde am 5. Januar 2025 abgeschlossen. Weitere Förderrunden werden auf der Webseite des EmGv kommuniziert (www.bag.admin.ch/emgv). </span></p><p><span>Zudem hat die Eidgenössische Qualitätskommission (EQK) den Verbänden Artiset mit dem Branchenverband Curaviva und senesuisse die Umsetzung eines Nationalen Implementierungsprogramms «Qualität der Langzeitpflege in Alters- und Pflegeheimen» übertragen. Ziel dieses Programms ist die datenbasierte Verbesserung der Qualität von medizinischen Leistungen in stationären Einrichtungen der Langzeitpflege. Das Programm läuft von 2022 bis Ende 2027 mit einem Budget von über 6 Mio. CHF.</span></p><p><span>Das BAG wird die Thematik der medizinischen Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen zudem auch im Rahmen der im November 2024 lancierten Agenda Grundversorgung mitberücksichtigen. Bis Ende 2025 wird unter Einbezug zahlreicher Akteure ein Fachbericht mit Massnahmenvorschlägen erarbeitet.</span></p><p><span>Der Bundesrat ist daher der Ansicht, dass ein zusätzlicher Bericht aktuell nicht den gewünschten Mehrwert bietet und zudem seitens Verwaltung Ressourcen bindet, welche bevorzugt für die Umsetzung der genannten Massnahmen eingesetzt werden.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die aktuelle Situation der medizinischen und pflegerischen Versorgung in Alters- und Pflegeheimen zu analysieren und darzulegen. Dabei soll er insbesondere prüfen, wie das nationale Förderprogramm</p><p>"Effizienz in der medizinischen Grundversorgung (EmGv)" gezielt genutzt werden kann, um die Versorgung in diesen Einrichtungen zu stärken. Zudem soll untersucht werden, inwiefern innovative Versorgungsmodelle, nutzenbringende digitale Lösungen und eine verbesserte interprofessionelle Zusammenarbeit zur Optimierung der Grundversorgung für Langzeitpatientinnen und -patienten beitragen können.</p>
- Medizinische und pflegerische Grundversorgung in den Alters- und Pflegeheimen dringend verbessern
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