Handel und Konsum von Kokain und Crack in der Schweiz. Ein Phänomen, das zunehmend Sorge bereitet und das es zu bekämpfen gilt

ShortId
25.3213
Id
20253213
Updated
14.11.2025 03:10
Language
de
Title
Handel und Konsum von Kokain und Crack in der Schweiz. Ein Phänomen, das zunehmend Sorge bereitet und das es zu bekämpfen gilt
AdditionalIndexing
2841;1216;04
1
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>In zwei kürzlich ausgestrahlten Beiträgen der RSI-Fernsehsendung Falò wurden Untersuchungen über den Handel und den Konsum von Kokain im Tessin und von Crack, einem Derivat von Kokain, vorgestellt. Daraus ergab sich ein beunruhigendes Bild, das die zunehmende Verbreitung dieser Drogen in unserem Land zeigt. Der Markt für Kokain und Crack ist zunehmend liquide und bedarfsorientiert geworden, sodass Kokain heute überall gekauft werden kann: in Diskotheken, Bars, Wohnungen oder sogar direkt von einem Dealer, der per Smartphone kontaktiert wird. Die Berichte von Falò haben gezeigt, dass die Leichtigkeit, mit der Kokain auf den Markt gebracht wird (zu Fuss, mit dem Auto oder sogar mit kleinen Drohnen) und beschafft werden kann, wirklich entwaffnend ist; dies wird durch die Tatsache begünstigt, dass Kokain heutzutage fast als Modeerscheinung und nicht mehr als etwas Negatives und Gefährliches wahrgenommen wird; ausserdem sind die Preise für jeden Geldbeutel erschwinglich geworden (wir sprechen von 100 Fr. pro Gramm oder 20 Fr. für einen Crystal Crack). Allein im Tessin wurden in den Jahren 2022 und 2023 pro Jahr durchschnittlich 30 kg Kokain beschlagnahmt, in der Schweiz stieg die Menge von 110 kg im Jahr 2023 auf fast 300 kg im Jahr 2024; dies ist jedoch nur ein Bruchteil des in unserem Land zirkulierenden Kokains. Hinter diesem lukrativen Markt stehen skrupellose kriminelle Organisationen aus verschiedenen Ländern (die Banden, die im Tessin operieren, haben ihre Basis hauptsächlich auf dem Balkan, insbesondere in Albanien, wo viele Drogenhändlerinnen und -händler rekrutiert werden).</p>
  • <span><p><span>1./2. Im vergangenen Jahrzehnt hat der globale Kokainmarkt eine Expansion erfahren. Dies zeigt sich einerseits im Volumen von Angebot und Nachfrage und andererseits in der Konsolidierung von bestehenden Kokainmärkten sowie der Erschliessung neuer Schmuggelrouten und Drehscheiben. Alle Indikatoren deuten zudem auf eine Zunahme der Verfügbarkeit mit hohem Reinheitsgrad und tiefen Preisen und des Konsums von Kokain in seinen verschiedenen Formen hin: Abwassermessungen, Krankenhausaufenthalte, Therapieeinweisungen mit Kokain als Hauptgrund sowie Bevölkerungsumfragen. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Schweiz, sondern den gesamten europäischen Kontinent, wie die Zahlen der European Union Drugs Agency (EUDA) zeigen. Hinter dem illegalen Betäubungsmittelhandel bzw. -schmuggel in der Schweiz stehen oft professionell organisierte, international vernetze kriminelle Organisationen aus Südosteuropa und Italien. Die Schweiz ist sowohl Absatzmarkt wie auch Transitland für illegale Drogen. Zudem kommt ihr auch für die Logistik des internationalen Kokainhandels eine Bedeutung zu. Die kriminellen Gruppierungen in der Schweiz haben teilweise weitreichende Kontaktnetzwerke bis in die Hauptherkunftsländer der Drogen (bspw. Südamerika), von wo aus das Kokain dann auf dem Luft- und Seeweg nach Europa transportiert wird. Die Umwandlung von Kokain in Crack erfolgt meist in der Schweiz.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3./4. Für die Strafverfolgung im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität sind in der Schweiz primär die kantonalen Behörden zuständig. Die Strafverfolgungsbehörden des Bundes sind auf Stufe Bund zuständig für die Bekämpfung von organisierter Kriminalität. Zudem nimmt fedpol operative kriminalpolizeiliche nationale und internationale Koordinationsaufgaben wahr und stellt den internationalen Informationsaustausch sicher. Zusammen mit weiteren Bundes- und Kantonsbehörden beteiligt sich fedpol an verschiedenen Plattformen und Analyseprojekten von Europol im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Nebst der Strafverfolgung werden auf Stufe Bund zur Bekämpfung des illegalen Handels von Betäubungsmitteln verschiedene Massnahmen umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Bekämpfung des illegalen Betäubungsmittelhandels erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit und einen intensiven Austausch zwischen den kantonalen Strafverfolgungsbehörden und den Bundesbehörden, da dieser illegale Handel über die Kantons- und Landesgrenzen hinweg agiert. Eine enge Kooperation zwischen den Kantonen, dem Bund und internationalen Partnern ist von entscheidender Bedeutung, um effektive Massnahmen zu entwickeln und den Erfolg in der Bekämpfung des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln zu fördern. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) kontrolliert den grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehr auf Grundlage einer umfassenden Risikobeurteilung. Es tauscht sich dazu regelmässig mit den in- und ausländischen Partnerbehörden aus, um gezielte Kontrollaktivitäten durchzuführen. Für die Kontrollen werden neben Spezialisten zur Aufdeckung von Verstecken in Fahrzeugen unter anderem auch Drogenspürhunde, Röntgengeräte und Drogentestgeräte eingesetzt. Nebst der Repression gehört die Prävention wie auch die Suchthilfe gemäss Betäubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121) in die Zuständigkeit der Kantone mit Unterstützung des Bundes. Der Bund unterstützt die Kantone in den Bereichen Prävention, Therapie und Schadensminderung bei der Koordination, Umsetzung von bewährten Interventionsmodellen und Qualitätsmassnahmen und informiert über neue wissenschaftliche Erkenntnisse. In den letzten Jahren hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) runde Tische mit Kantonen, Städten, Experten und wichtigen Interessengruppen zu den Entwicklungen im Zusammenhang mit Kokain und Opioiden organisiert. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) hat den Inspektionsbericht im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit über die BA erstellt. Er betrifft also die BA. Der Bundesrat ist nicht Adressat des Inspektionsberichts. Zurzeit überprüft die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im Rahmen des Postulates 23.4349 FK-N «Ressourcenüberprüfung beim Fedpol» die Ressourcensituation und den Ressourceneinsatz von fedpol. Der Postulatsbericht wird auch die im Bericht der AB-BA erwähnten Themen und Empfehlungen aufgreifen. </span></p></span>
  • <p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1) Wie beurteilt er die Entwicklung des Handels und des Konsums von Kokain und Crack in der Schweiz? Kann er insbesondere bestätigen, dass es sich um ein wachsendes Phänomen handelt?</p><p>2) Gibt es eine Kartierung der kriminellen Organisationen in der Schweiz, die im Handel dieser Substanzen tätig sind?</p><p>3) Hat der Bund, um diesem beunruhigenden Phänomen zu begegnen, Massnahmen ergriffen oder beabsichtigt er, Massnahmen zu ergreifen, die über die übliche Arbeit der Fahndungsbehörden auf kantonaler Ebene hinausgehen? Wenn ja, welche?</p><p>4) Wie arbeiten die Kantone zur Bekämpfung dieses Phänomens zusammen? Gibt es Möglichkeiten für die Bundesbehörden, die Arbeit der Kantone besser zu unterstützen und zu koordinieren, auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Drogenhandel keinen Halt vor den Landesgrenzen macht?</p><p>5) Ist es denkbar, das Fedpol personell und finanziell aufzustocken, um die Wirksamkeit des Kampfes gegen den Drogenhandel zu verstärken, wie dies in einem kürzlich erschienenen Bericht der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) gefordert wird?</p>
  • Handel und Konsum von Kokain und Crack in der Schweiz. Ein Phänomen, das zunehmend Sorge bereitet und das es zu bekämpfen gilt
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In zwei kürzlich ausgestrahlten Beiträgen der RSI-Fernsehsendung Falò wurden Untersuchungen über den Handel und den Konsum von Kokain im Tessin und von Crack, einem Derivat von Kokain, vorgestellt. Daraus ergab sich ein beunruhigendes Bild, das die zunehmende Verbreitung dieser Drogen in unserem Land zeigt. Der Markt für Kokain und Crack ist zunehmend liquide und bedarfsorientiert geworden, sodass Kokain heute überall gekauft werden kann: in Diskotheken, Bars, Wohnungen oder sogar direkt von einem Dealer, der per Smartphone kontaktiert wird. Die Berichte von Falò haben gezeigt, dass die Leichtigkeit, mit der Kokain auf den Markt gebracht wird (zu Fuss, mit dem Auto oder sogar mit kleinen Drohnen) und beschafft werden kann, wirklich entwaffnend ist; dies wird durch die Tatsache begünstigt, dass Kokain heutzutage fast als Modeerscheinung und nicht mehr als etwas Negatives und Gefährliches wahrgenommen wird; ausserdem sind die Preise für jeden Geldbeutel erschwinglich geworden (wir sprechen von 100 Fr. pro Gramm oder 20 Fr. für einen Crystal Crack). Allein im Tessin wurden in den Jahren 2022 und 2023 pro Jahr durchschnittlich 30 kg Kokain beschlagnahmt, in der Schweiz stieg die Menge von 110 kg im Jahr 2023 auf fast 300 kg im Jahr 2024; dies ist jedoch nur ein Bruchteil des in unserem Land zirkulierenden Kokains. Hinter diesem lukrativen Markt stehen skrupellose kriminelle Organisationen aus verschiedenen Ländern (die Banden, die im Tessin operieren, haben ihre Basis hauptsächlich auf dem Balkan, insbesondere in Albanien, wo viele Drogenhändlerinnen und -händler rekrutiert werden).</p>
    • <span><p><span>1./2. Im vergangenen Jahrzehnt hat der globale Kokainmarkt eine Expansion erfahren. Dies zeigt sich einerseits im Volumen von Angebot und Nachfrage und andererseits in der Konsolidierung von bestehenden Kokainmärkten sowie der Erschliessung neuer Schmuggelrouten und Drehscheiben. Alle Indikatoren deuten zudem auf eine Zunahme der Verfügbarkeit mit hohem Reinheitsgrad und tiefen Preisen und des Konsums von Kokain in seinen verschiedenen Formen hin: Abwassermessungen, Krankenhausaufenthalte, Therapieeinweisungen mit Kokain als Hauptgrund sowie Bevölkerungsumfragen. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Schweiz, sondern den gesamten europäischen Kontinent, wie die Zahlen der European Union Drugs Agency (EUDA) zeigen. Hinter dem illegalen Betäubungsmittelhandel bzw. -schmuggel in der Schweiz stehen oft professionell organisierte, international vernetze kriminelle Organisationen aus Südosteuropa und Italien. Die Schweiz ist sowohl Absatzmarkt wie auch Transitland für illegale Drogen. Zudem kommt ihr auch für die Logistik des internationalen Kokainhandels eine Bedeutung zu. Die kriminellen Gruppierungen in der Schweiz haben teilweise weitreichende Kontaktnetzwerke bis in die Hauptherkunftsländer der Drogen (bspw. Südamerika), von wo aus das Kokain dann auf dem Luft- und Seeweg nach Europa transportiert wird. Die Umwandlung von Kokain in Crack erfolgt meist in der Schweiz.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3./4. Für die Strafverfolgung im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität sind in der Schweiz primär die kantonalen Behörden zuständig. Die Strafverfolgungsbehörden des Bundes sind auf Stufe Bund zuständig für die Bekämpfung von organisierter Kriminalität. Zudem nimmt fedpol operative kriminalpolizeiliche nationale und internationale Koordinationsaufgaben wahr und stellt den internationalen Informationsaustausch sicher. Zusammen mit weiteren Bundes- und Kantonsbehörden beteiligt sich fedpol an verschiedenen Plattformen und Analyseprojekten von Europol im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Nebst der Strafverfolgung werden auf Stufe Bund zur Bekämpfung des illegalen Handels von Betäubungsmitteln verschiedene Massnahmen umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Bekämpfung des illegalen Betäubungsmittelhandels erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit und einen intensiven Austausch zwischen den kantonalen Strafverfolgungsbehörden und den Bundesbehörden, da dieser illegale Handel über die Kantons- und Landesgrenzen hinweg agiert. Eine enge Kooperation zwischen den Kantonen, dem Bund und internationalen Partnern ist von entscheidender Bedeutung, um effektive Massnahmen zu entwickeln und den Erfolg in der Bekämpfung des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln zu fördern. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) kontrolliert den grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehr auf Grundlage einer umfassenden Risikobeurteilung. Es tauscht sich dazu regelmässig mit den in- und ausländischen Partnerbehörden aus, um gezielte Kontrollaktivitäten durchzuführen. Für die Kontrollen werden neben Spezialisten zur Aufdeckung von Verstecken in Fahrzeugen unter anderem auch Drogenspürhunde, Röntgengeräte und Drogentestgeräte eingesetzt. Nebst der Repression gehört die Prävention wie auch die Suchthilfe gemäss Betäubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121) in die Zuständigkeit der Kantone mit Unterstützung des Bundes. Der Bund unterstützt die Kantone in den Bereichen Prävention, Therapie und Schadensminderung bei der Koordination, Umsetzung von bewährten Interventionsmodellen und Qualitätsmassnahmen und informiert über neue wissenschaftliche Erkenntnisse. In den letzten Jahren hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) runde Tische mit Kantonen, Städten, Experten und wichtigen Interessengruppen zu den Entwicklungen im Zusammenhang mit Kokain und Opioiden organisiert. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) hat den Inspektionsbericht im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit über die BA erstellt. Er betrifft also die BA. Der Bundesrat ist nicht Adressat des Inspektionsberichts. Zurzeit überprüft die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im Rahmen des Postulates 23.4349 FK-N «Ressourcenüberprüfung beim Fedpol» die Ressourcensituation und den Ressourceneinsatz von fedpol. Der Postulatsbericht wird auch die im Bericht der AB-BA erwähnten Themen und Empfehlungen aufgreifen. </span></p></span>
    • <p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1) Wie beurteilt er die Entwicklung des Handels und des Konsums von Kokain und Crack in der Schweiz? Kann er insbesondere bestätigen, dass es sich um ein wachsendes Phänomen handelt?</p><p>2) Gibt es eine Kartierung der kriminellen Organisationen in der Schweiz, die im Handel dieser Substanzen tätig sind?</p><p>3) Hat der Bund, um diesem beunruhigenden Phänomen zu begegnen, Massnahmen ergriffen oder beabsichtigt er, Massnahmen zu ergreifen, die über die übliche Arbeit der Fahndungsbehörden auf kantonaler Ebene hinausgehen? Wenn ja, welche?</p><p>4) Wie arbeiten die Kantone zur Bekämpfung dieses Phänomens zusammen? Gibt es Möglichkeiten für die Bundesbehörden, die Arbeit der Kantone besser zu unterstützen und zu koordinieren, auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Drogenhandel keinen Halt vor den Landesgrenzen macht?</p><p>5) Ist es denkbar, das Fedpol personell und finanziell aufzustocken, um die Wirksamkeit des Kampfes gegen den Drogenhandel zu verstärken, wie dies in einem kürzlich erschienenen Bericht der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) gefordert wird?</p>
    • Handel und Konsum von Kokain und Crack in der Schweiz. Ein Phänomen, das zunehmend Sorge bereitet und das es zu bekämpfen gilt

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