Stellt der Bundesrat sicher, dass die Kreuzfahrtschiffe ihre Treibhausgasemissionen senken und die Gewässer weniger verschmutzen?
- ShortId
-
25.3218
- Id
-
20253218
- Updated
-
14.11.2025 03:14
- Language
-
de
- Title
-
Stellt der Bundesrat sicher, dass die Kreuzfahrtschiffe ihre Treibhausgasemissionen senken und die Gewässer weniger verschmutzen?
- AdditionalIndexing
-
52;48
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>1./2. Die Maritime Strategie 2023-2027 des Bundesrates hat eine ganzheitliche Ausrichtung auf die maritime Politik der Schweiz. Sie sieht vor, dass sich die Schweiz für eine Schärfung der Reduktionsziele auf Netto-Null bis 2050 im Rahmen der Revision der </span><a href="https://wwwcdn.imo.org/localresources/en/OurWork/Environment/Documents/annex/MEPC%2080/Annex%2015.pdf"><u><span>IMO-Treibhausgas-Strategie</span></u></a><span> einsetzt. Die Treibhausgas-Strategie der IMO gilt auch für Kreuzfahrtschiffe. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Derzeit fahren keine Kreuzfahrtschiffe unter Schweizer Flagge. Aufgrund des Flaggenstaatsprinzips und der damit verbundenen Zuständigkeit der Flaggenstaaten für die Aufsicht über die Einhaltung der internationalen Vorschriften gibt es für die Schweiz keinen Bedarf für den Erlass besonderer nationaler Regelungen im Kreuzfahrtsektor.</span><span> </span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Unternehmen, die aus der Schweiz Kreuzfahrtschiffe betreiben, werden im regelmässigen Dialog zur Einhaltung höchster Standards aufgefordert. Zudem nehmen sie am Emissionshandelssystem der EU teil und müssen für die ausgestossenen Treibhausgasemissionen Emissionsrechte abgeben.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Regeln zur Seeschifffahrt sollen in der IMO ausgearbeitet werden, damit sie für alle Seeschiffe gelten und der Flaggenwettbewerb limitiert wird. Die Schweiz setzt sich in der IMO für eine Stärkung der Umweltvorschriften ein. </span></p><p><span> </span></p><p><span>4. Die externen Kosten, die durch Emissionen und Umweltverschmutzung im Kreuzfahrtsektor entstehen, werden nicht vollständig von der Branche selbst getragen. Im Rahmen der Klimaverhandlungen der IMO setzt sich die Schweiz für eine Bepreisung von CO2 ein. </span></p><p><span> </span></p><p><span>5./6. Die Schweiz führt weder eine CO2-Bilanz für Kreuzfahrtschiffe, die von Schweizer Unternehmen betrieben werden, noch sind die Emissionen im Treibhausgasinventar der Schweiz enthalten. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Die CO2-Bilanzierung im Rahmen der Treibhausgas-Strategie der IMO liegt in der Verantwortung der Flaggenstaaten. Nach den Richtlinien des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) werden die Emissionen dem Land zugerechnet, in dem sie tatsächlich entstehen. </span></p></span>
- <p>Kreuzfahrten sind eine Erfolgsgeschichte. Die Kreuzfahrtschiffe belasten jedoch die Luft in hohem Masse, denn sie setzten enorme Mengen an CO2, Stickoxid und Schwefeloxid frei. Laut einer Studie des Verbands «Transport & Environment» aus dem Jahr 2023 stossen die Schiffe des Kreuzfahrtanbieters MSC Cruises, der die Umwelt am meisten belastet und seinen Sitz in Genf hat, fast gleich viel Schwefel aus wie alle 291 Millionen Autos in Europa zusammen!</p><p>Zudem leiten diese Schiffe ihre ungeklärten Abwässer in der Regel direkt in den Ozean oder ins Meer, und zahlreiche Abfälle, Chemikalien, Kunststoffe und Schwermetalle gelangen durch sie ins Wasser. Die Kreuzfahrtindustrie verursacht folglich enorme Belastungen mit starken Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit.</p><p>Die Schweiz trägt ein hohes Mass an Verantwortung in der Kreuzfahrtindustrie, denn die Schweizer Unternehmen bereedern 42 Kreuzfahrtschiffe und damit mehr als Deutschland oder das Vereinigte Königreich. In der Maritimen Strategie 2023‒2027 des Bundesrates kommt das Wort «Kreuzfahrt» allerdings nicht vor. </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><ol><li>Ist die Maritime Strategie 2023‒2025 der Schweiz auch auf Kreuzfahrtschiffe anwendbar? Falls ja, gibt es in der Strategie Fragen, die vor allem die Kreuzfahrtbranche betreffen? Falls nein, warum nicht?</li><li>Welche Massnahmen hat der Bund ergriffen, um die Einhaltung der Anforderungen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) durchzusetzen, die für die von der Schweiz aus bereederten Kreuzfahrtschiffe eine Halbierung der Emissionen bis 2030 und die CO2-Neutralität bis 2050 vorsehen?</li><li>Welche Massnahmen hat der Bund ergriffen, damit die Kreuzfahrtbranche die von ihr verursachte Wasserverschmutzung deutlich verringert?</li><li>Werden die externen Kosten der Emissionen und der Umweltverschmutzung vollständig von der Kreuzfahrtbranche selbst getragen?</li><li>Führt der Bund für die Kreuzfahrtschiffe, die von Schweizer Unternehmen bereedert werden, eine CO2-Buchaltung? Falls ja, wie haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt? Falls nein, wie kann der Bund die Einhaltung der Anforderungen der IMO kontrollieren?</li><li>Sind die Treibhausgasemissionen der von der Schweiz aus bereederten Kreuzfahrtschiffe in der CO2-Bilanz der Schweiz enthalten?</li></ol>
- Stellt der Bundesrat sicher, dass die Kreuzfahrtschiffe ihre Treibhausgasemissionen senken und die Gewässer weniger verschmutzen?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p><span>1./2. Die Maritime Strategie 2023-2027 des Bundesrates hat eine ganzheitliche Ausrichtung auf die maritime Politik der Schweiz. Sie sieht vor, dass sich die Schweiz für eine Schärfung der Reduktionsziele auf Netto-Null bis 2050 im Rahmen der Revision der </span><a href="https://wwwcdn.imo.org/localresources/en/OurWork/Environment/Documents/annex/MEPC%2080/Annex%2015.pdf"><u><span>IMO-Treibhausgas-Strategie</span></u></a><span> einsetzt. Die Treibhausgas-Strategie der IMO gilt auch für Kreuzfahrtschiffe. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Derzeit fahren keine Kreuzfahrtschiffe unter Schweizer Flagge. Aufgrund des Flaggenstaatsprinzips und der damit verbundenen Zuständigkeit der Flaggenstaaten für die Aufsicht über die Einhaltung der internationalen Vorschriften gibt es für die Schweiz keinen Bedarf für den Erlass besonderer nationaler Regelungen im Kreuzfahrtsektor.</span><span> </span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Unternehmen, die aus der Schweiz Kreuzfahrtschiffe betreiben, werden im regelmässigen Dialog zur Einhaltung höchster Standards aufgefordert. Zudem nehmen sie am Emissionshandelssystem der EU teil und müssen für die ausgestossenen Treibhausgasemissionen Emissionsrechte abgeben.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Regeln zur Seeschifffahrt sollen in der IMO ausgearbeitet werden, damit sie für alle Seeschiffe gelten und der Flaggenwettbewerb limitiert wird. Die Schweiz setzt sich in der IMO für eine Stärkung der Umweltvorschriften ein. </span></p><p><span> </span></p><p><span>4. Die externen Kosten, die durch Emissionen und Umweltverschmutzung im Kreuzfahrtsektor entstehen, werden nicht vollständig von der Branche selbst getragen. Im Rahmen der Klimaverhandlungen der IMO setzt sich die Schweiz für eine Bepreisung von CO2 ein. </span></p><p><span> </span></p><p><span>5./6. Die Schweiz führt weder eine CO2-Bilanz für Kreuzfahrtschiffe, die von Schweizer Unternehmen betrieben werden, noch sind die Emissionen im Treibhausgasinventar der Schweiz enthalten. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Die CO2-Bilanzierung im Rahmen der Treibhausgas-Strategie der IMO liegt in der Verantwortung der Flaggenstaaten. Nach den Richtlinien des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) werden die Emissionen dem Land zugerechnet, in dem sie tatsächlich entstehen. </span></p></span>
- <p>Kreuzfahrten sind eine Erfolgsgeschichte. Die Kreuzfahrtschiffe belasten jedoch die Luft in hohem Masse, denn sie setzten enorme Mengen an CO2, Stickoxid und Schwefeloxid frei. Laut einer Studie des Verbands «Transport & Environment» aus dem Jahr 2023 stossen die Schiffe des Kreuzfahrtanbieters MSC Cruises, der die Umwelt am meisten belastet und seinen Sitz in Genf hat, fast gleich viel Schwefel aus wie alle 291 Millionen Autos in Europa zusammen!</p><p>Zudem leiten diese Schiffe ihre ungeklärten Abwässer in der Regel direkt in den Ozean oder ins Meer, und zahlreiche Abfälle, Chemikalien, Kunststoffe und Schwermetalle gelangen durch sie ins Wasser. Die Kreuzfahrtindustrie verursacht folglich enorme Belastungen mit starken Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit.</p><p>Die Schweiz trägt ein hohes Mass an Verantwortung in der Kreuzfahrtindustrie, denn die Schweizer Unternehmen bereedern 42 Kreuzfahrtschiffe und damit mehr als Deutschland oder das Vereinigte Königreich. In der Maritimen Strategie 2023‒2027 des Bundesrates kommt das Wort «Kreuzfahrt» allerdings nicht vor. </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><ol><li>Ist die Maritime Strategie 2023‒2025 der Schweiz auch auf Kreuzfahrtschiffe anwendbar? Falls ja, gibt es in der Strategie Fragen, die vor allem die Kreuzfahrtbranche betreffen? Falls nein, warum nicht?</li><li>Welche Massnahmen hat der Bund ergriffen, um die Einhaltung der Anforderungen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) durchzusetzen, die für die von der Schweiz aus bereederten Kreuzfahrtschiffe eine Halbierung der Emissionen bis 2030 und die CO2-Neutralität bis 2050 vorsehen?</li><li>Welche Massnahmen hat der Bund ergriffen, damit die Kreuzfahrtbranche die von ihr verursachte Wasserverschmutzung deutlich verringert?</li><li>Werden die externen Kosten der Emissionen und der Umweltverschmutzung vollständig von der Kreuzfahrtbranche selbst getragen?</li><li>Führt der Bund für die Kreuzfahrtschiffe, die von Schweizer Unternehmen bereedert werden, eine CO2-Buchaltung? Falls ja, wie haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt? Falls nein, wie kann der Bund die Einhaltung der Anforderungen der IMO kontrollieren?</li><li>Sind die Treibhausgasemissionen der von der Schweiz aus bereederten Kreuzfahrtschiffe in der CO2-Bilanz der Schweiz enthalten?</li></ol>
- Stellt der Bundesrat sicher, dass die Kreuzfahrtschiffe ihre Treibhausgasemissionen senken und die Gewässer weniger verschmutzen?
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