Belastung von Biotopen durch Pyrethroide. Der Fall Tefluthrin
- ShortId
-
25.3271
- Id
-
20253271
- Updated
-
14.11.2025 03:10
- Language
-
de
- Title
-
Belastung von Biotopen durch Pyrethroide. Der Fall Tefluthrin
- AdditionalIndexing
-
52;55;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><strong><span>1.</span></strong><span> Die Wirkstoffe Tefluthrin und Hymexazol werden nur zur Saatgutbeizung von Rüben eingesetzt. Das gesamte in der Schweiz verwendete Saatgut wird im Ausland gebeizt und anschliessend importiert. Hierzulande werden somit keine Pflanzenschutzmittel mit diesen beiden Wirkstoffen vermarktet. Die Risikoindikatoren basieren auf den in der Schweiz vermarkteten Produktmengen und berücksichtigen nicht das behandelte Saatgut. Es liegen keine Daten aus anderen Quellen vor.</span></p><p><strong><span>2.</span></strong><span> Gemäss Artikel</span><span> </span><span>62 Absatz</span><span> </span><span>2 der Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV; SR</span><span> </span><span>916.161) sind dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) jährlich alle Daten über das Umsatzvolumen mit Pflanzenschutzmitteln zu übermitteln. Diese Verpflichtung gilt nicht für mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Produkte wie Saat- oder Pflanzgut. Es liegt somit kein Fehler in der Verkaufsstatistik vor.</span></p><p><strong><span>3.</span></strong><span> Saatbeizmittel können auf verschiedenen Wegen in Biotope gelangen, beispielsweise durch Abschwemmung, Drainage oder die Abdrift von Staub. Sie können ausserdem über den Regen oder über punktuelle Quellen, etwa bei der Reinigung von Sämaschinen, eingetragen werden. Die Bedeutung der verschiedenen Eintrittspfade von Saatgutbehandlungsmitteln in die Biotope hängt von der jeweiligen Situation vor Ort ab. </span></p><p><strong><span>4.</span></strong><span> Da Pflanzenschutzmittel zum Schutz der Kulturen eingesetzt werden, ist es nicht verwunderlich, dass diese Stoffe in Biotopen innerhalb von Anbauzonen nachgewiesen werden können. Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation</span><span> </span><span>24.3767 erwähnt, lässt die geringe Anzahl der untersuchten Fälle keine allgemeine Aussage über die Belastung von stehenden Gewässern in Biotopen zu.</span></p><p><strong><span>5.</span></strong><span> Im Rahmen der Umsetzung der parlamentarischen Initiative</span><span> </span><span>19.475</span><span> </span><span>«Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» wurden im Jahr</span><span> </span><span>2023 Massnahmen zur Reduzierung der Emissionen von Pflanzenschutzmitteln aus den behandelten Flächen eingeführt. Ziel dieser Massnahmen ist es, die Einträge in Oberflächengewässer und naturnahe Lebensräume in landwirtschaftlichen Gegenden zu reduzieren. Ausserdem ist bekannt, dass Befüll- und Waschplätze für Spritz- und Sprühgeräte von Pflanzenschutzmitteln für Einträge in die Umwelt verantwortlich sind. Deren Kontrolle durch die Kantone muss bis zum 31.</span><span> </span><span>Dezember</span><span> </span><span>2026 erfolgen. Die Kantone sind verpflichtet, allfällige Mängel bis spätestens Ende</span><span> </span><span>2028 zu beheben.</span></p><p><strong><span>6.</span></strong><span> Die Risikobewertung eines Wirkstoffs erfolgt im Rahmen des Zulassungsverfahrens. Gemäss den Bestimmungen von Artikel</span><span> </span><span>29</span><em><span>a</span></em><span> PSMV kann eine Überprüfung durchgeführt werden, wenn die EU bei der Erneuerung der Genehmigung neue Bedingungen oder Einschränkungen festgelegt hat.</span></p></span>
- <p>Pyrethroide gehören zu den giftigsten Pflanzenschutzmitteln (PSM), die meist nur noch mit Sonderbewilligung angewendet werden dürfen. Zu ihnen gehört auch das Saatbeizmittel Tefluthrin. In der Antwort 21.8095 schrieb der Bundesrat, dass Tefluthrin nicht in die Liste der besonders risikoreichen Stoffe aufgenommen werde. Er wurde nicht wie andere Pyrethroide strenger reguliert. Begründung: Tefluthrin werde mit den behandelten Samen im Boden vergrabenen, das potenzielle Risiko für die Umwelt sei somit gering.</p><p>Eine Studie vom Herbst 2023 mass aber mehrfache Grenzwertüberschreitungen von Tefluthrin in Biotopen von nationaler Bedeutung - also an Orten, welche am <i>besten </i>gegen Pestizideinträge geschützt sein sollten. In der Antwort 24.3767 schreibt der Bundesrat zudem, dass die höchsten gemessenen Grenzwertüberschreitungen im Landwirtschaftsgebiet in der gleichen Grössenordnung liegen wie in den Biotopen.</p><p>Die Statistik der jährlichen Verkaufsmengen von PSM nennt für Tefluthrin keine Werte. Für die von Agroscope berechneten Risikoindikatoren von PSM-Wirkstoffen sind die Verkaufsmengen jedoch notwendig. Auch zu Hymerxazol (Saatbeizmittel für Zuckerrüben) sind keine Verkaufsmengen erfasst. In seiner Antwort 24.4583 korrigierte der Bundesrat bereits einen Fehler in der Verkaufsmengenstatistik zu Thiencarbazon.<br> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol><li>Warum sind in der Statistik für Tefluthrin- und Hymerxazol-haltige Pestizide keine jährlichen Verkaufsmengen angegeben? Wie werden die Risikoindikatoren für diese Stoffe berechnet, ohne dass eine Angabe der verkauften Menge vorliegt?</li><li>Falls dies ein weiterer Fehler ist: Um welche Verkaufsmengen geht es? Ist der Bundesrat bereit, eine umfassende Überprüfung der Verkaufsstatistik durchzuführen, damit weitere Fehler ausgeschlossen werden können?</li><li>Wie genau gelangt das Saatgutbeizmittel Tefluthrin von da, wo es angewendet wird, in Biotope von nationaler Bedeutung?</li><li>Die höchsten gemessenen Grenzwertüberschreitungen im Landwirtschaftsgebiet und in Biotopen liegen in der gleichen Grössenordnung. Was sagt dies über die Annahmen im Zulassungsverfahren aus, betreffend Abschwemmung, Abdrift, Pufferzonen etc.?</li><li>Wie wird die Qualität der Schutzmassnahmen für Biotope künftig verbessert?</li><li>Revidiert der Bundesrat die Risikoeinschätzung von Tefluthrin? Wenn nein, warum nicht? Was braucht es noch für eine angemessenere Risikoeinschätzung?</li></ol>
- Belastung von Biotopen durch Pyrethroide. Der Fall Tefluthrin
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p><strong><span>1.</span></strong><span> Die Wirkstoffe Tefluthrin und Hymexazol werden nur zur Saatgutbeizung von Rüben eingesetzt. Das gesamte in der Schweiz verwendete Saatgut wird im Ausland gebeizt und anschliessend importiert. Hierzulande werden somit keine Pflanzenschutzmittel mit diesen beiden Wirkstoffen vermarktet. Die Risikoindikatoren basieren auf den in der Schweiz vermarkteten Produktmengen und berücksichtigen nicht das behandelte Saatgut. Es liegen keine Daten aus anderen Quellen vor.</span></p><p><strong><span>2.</span></strong><span> Gemäss Artikel</span><span> </span><span>62 Absatz</span><span> </span><span>2 der Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV; SR</span><span> </span><span>916.161) sind dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) jährlich alle Daten über das Umsatzvolumen mit Pflanzenschutzmitteln zu übermitteln. Diese Verpflichtung gilt nicht für mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Produkte wie Saat- oder Pflanzgut. Es liegt somit kein Fehler in der Verkaufsstatistik vor.</span></p><p><strong><span>3.</span></strong><span> Saatbeizmittel können auf verschiedenen Wegen in Biotope gelangen, beispielsweise durch Abschwemmung, Drainage oder die Abdrift von Staub. Sie können ausserdem über den Regen oder über punktuelle Quellen, etwa bei der Reinigung von Sämaschinen, eingetragen werden. Die Bedeutung der verschiedenen Eintrittspfade von Saatgutbehandlungsmitteln in die Biotope hängt von der jeweiligen Situation vor Ort ab. </span></p><p><strong><span>4.</span></strong><span> Da Pflanzenschutzmittel zum Schutz der Kulturen eingesetzt werden, ist es nicht verwunderlich, dass diese Stoffe in Biotopen innerhalb von Anbauzonen nachgewiesen werden können. Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation</span><span> </span><span>24.3767 erwähnt, lässt die geringe Anzahl der untersuchten Fälle keine allgemeine Aussage über die Belastung von stehenden Gewässern in Biotopen zu.</span></p><p><strong><span>5.</span></strong><span> Im Rahmen der Umsetzung der parlamentarischen Initiative</span><span> </span><span>19.475</span><span> </span><span>«Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» wurden im Jahr</span><span> </span><span>2023 Massnahmen zur Reduzierung der Emissionen von Pflanzenschutzmitteln aus den behandelten Flächen eingeführt. Ziel dieser Massnahmen ist es, die Einträge in Oberflächengewässer und naturnahe Lebensräume in landwirtschaftlichen Gegenden zu reduzieren. Ausserdem ist bekannt, dass Befüll- und Waschplätze für Spritz- und Sprühgeräte von Pflanzenschutzmitteln für Einträge in die Umwelt verantwortlich sind. Deren Kontrolle durch die Kantone muss bis zum 31.</span><span> </span><span>Dezember</span><span> </span><span>2026 erfolgen. Die Kantone sind verpflichtet, allfällige Mängel bis spätestens Ende</span><span> </span><span>2028 zu beheben.</span></p><p><strong><span>6.</span></strong><span> Die Risikobewertung eines Wirkstoffs erfolgt im Rahmen des Zulassungsverfahrens. Gemäss den Bestimmungen von Artikel</span><span> </span><span>29</span><em><span>a</span></em><span> PSMV kann eine Überprüfung durchgeführt werden, wenn die EU bei der Erneuerung der Genehmigung neue Bedingungen oder Einschränkungen festgelegt hat.</span></p></span>
- <p>Pyrethroide gehören zu den giftigsten Pflanzenschutzmitteln (PSM), die meist nur noch mit Sonderbewilligung angewendet werden dürfen. Zu ihnen gehört auch das Saatbeizmittel Tefluthrin. In der Antwort 21.8095 schrieb der Bundesrat, dass Tefluthrin nicht in die Liste der besonders risikoreichen Stoffe aufgenommen werde. Er wurde nicht wie andere Pyrethroide strenger reguliert. Begründung: Tefluthrin werde mit den behandelten Samen im Boden vergrabenen, das potenzielle Risiko für die Umwelt sei somit gering.</p><p>Eine Studie vom Herbst 2023 mass aber mehrfache Grenzwertüberschreitungen von Tefluthrin in Biotopen von nationaler Bedeutung - also an Orten, welche am <i>besten </i>gegen Pestizideinträge geschützt sein sollten. In der Antwort 24.3767 schreibt der Bundesrat zudem, dass die höchsten gemessenen Grenzwertüberschreitungen im Landwirtschaftsgebiet in der gleichen Grössenordnung liegen wie in den Biotopen.</p><p>Die Statistik der jährlichen Verkaufsmengen von PSM nennt für Tefluthrin keine Werte. Für die von Agroscope berechneten Risikoindikatoren von PSM-Wirkstoffen sind die Verkaufsmengen jedoch notwendig. Auch zu Hymerxazol (Saatbeizmittel für Zuckerrüben) sind keine Verkaufsmengen erfasst. In seiner Antwort 24.4583 korrigierte der Bundesrat bereits einen Fehler in der Verkaufsmengenstatistik zu Thiencarbazon.<br> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol><li>Warum sind in der Statistik für Tefluthrin- und Hymerxazol-haltige Pestizide keine jährlichen Verkaufsmengen angegeben? Wie werden die Risikoindikatoren für diese Stoffe berechnet, ohne dass eine Angabe der verkauften Menge vorliegt?</li><li>Falls dies ein weiterer Fehler ist: Um welche Verkaufsmengen geht es? Ist der Bundesrat bereit, eine umfassende Überprüfung der Verkaufsstatistik durchzuführen, damit weitere Fehler ausgeschlossen werden können?</li><li>Wie genau gelangt das Saatgutbeizmittel Tefluthrin von da, wo es angewendet wird, in Biotope von nationaler Bedeutung?</li><li>Die höchsten gemessenen Grenzwertüberschreitungen im Landwirtschaftsgebiet und in Biotopen liegen in der gleichen Grössenordnung. Was sagt dies über die Annahmen im Zulassungsverfahren aus, betreffend Abschwemmung, Abdrift, Pufferzonen etc.?</li><li>Wie wird die Qualität der Schutzmassnahmen für Biotope künftig verbessert?</li><li>Revidiert der Bundesrat die Risikoeinschätzung von Tefluthrin? Wenn nein, warum nicht? Was braucht es noch für eine angemessenere Risikoeinschätzung?</li></ol>
- Belastung von Biotopen durch Pyrethroide. Der Fall Tefluthrin
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