Weniger Antibiotikaeinsatz durch muttergebundene Kälberaufzucht
- ShortId
-
25.3377
- Id
-
20253377
- Updated
-
14.11.2025 03:03
- Language
-
de
- Title
-
Weniger Antibiotikaeinsatz durch muttergebundene Kälberaufzucht
- AdditionalIndexing
-
55;52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Antibiotikaresistenzen bereiten Ärzten zunehmend Sorge. Eine Ursache für die Resistenzen gegen Antibiotika sind dabei die teilweise hohen Antibiotikagaben in den Tierställen. In der Landwirtschaft wird bereits stark auf eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes hingearbeitet und auch der Bund hat mit der StAR (Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz) entsprechende Massnahmen ergriffen. Zentral ist dabei die Etablierung von Rahmenbedingungen, die es den Landwirten und Veterinärmedizinern ermöglichen, den Antibiotikaeinsatz so gering wie möglich zu halten. Der Schlüssel zu einer geringeren Antibiotikagabe ist eine möglichst gute und stabile Gesundheit der Tiere.</p><p> </p><p>Die grösste Anzahl Tierbehandlungen erfolgt bei Milchkühen, gefolgt von Rinderaufzucht und - mast. Insgesamt zeigt sich bei den Rinderkategorien kein abnehmender Trend im Antibiotikaverbrauch, während in den anderen Tierkategorien ein Rückgang zu beobachten ist, wie der entsprechende Bericht des Bundes von 2024 zeigt. </p><p> </p><p>Ein Ansatz, der einen signifikanten Effekt auf die Gesundheit der Kälber hat und gleichzeitig das Tierwohl verbessert, stellt die muttergebundene Kälberaufzucht dar. Dies deshalb, weil alle Kälber während 3-10 Monaten bei der Mutter verbleiben und nicht im jungen Alter vom Muttertier getrennt werden (beides bedeutet Stress für die Kälber, der das Immunsystem schwächt). Ein solcher Ansatz für eine bessere Kälbergesundheit ist für den einzelnen Milchviehbetrieb jedoch mit Zusatzaufwand und Umsatzeinbussen verbunden: er kann weniger Milch verkaufen (im Schnitt rund 30%) und es ist mehr Platz, Einstreu und Reinigungsarbeit nötig. Daher kann sich ein solcher Ansatz nicht ohne Förderung etablieren.</p><p>In Anbetracht dessen, dass es Teil der Strategie des Bundes ist, Antibiotikaresistenzen zu vermeiden, wäre es wichtig, hier Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, muttergebundene Kälberaufzucht zu etablieren und dabei kostendeckend zu wirtschaften. Die muttergebundene Kälberaufzucht kommt nicht nur dem Tier, sondern auch der Gesundheit von uns Menschen zu Gute.</p>
- <span><p><span>Der Bund verfolgt mit der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser zielt im Veterinärbereich u.a. auf die Reduktion des Antibiotikabedarfs ab. Mit dem neuen One Health-Aktionsplan StAR 2024-2027, welcher am 26. Juni 2024 vom Bundesrat verabschiedet wurde, werden ein sachgemässer Einsatz von Antibiotika sowie präventive Massnahmen zur Erhaltung und Stärkung der Tiergesundheit weiter gefördert. </span></p><p><span>Darüber hinaus unterstützt der Bund Projekte und Programme zur Verbesserung der Tiergesundheit in der Rindviehhaltung. Zu nennen sind hier beispielsweise die finanzielle Unterstützung des Kälbergesundheitsdienstes (heute Rindergesundheit Schweiz). Dieser berät Landwirtinne und Landwirte direkt bei der Verbesserung der Kälbergesundheit auf dem Betrieb. Weiter hat der Bund das Projekt «Freiluftkalb» sowie das Anschlussprojekt «Wirtschaftlichkeit von Freiluftkälbern» finanziell gefördert. In diesen Projekten wurde ein Konzept mit konkreten Massnahmen in der Rindviehhaltung entwickelt, mit dem Aufzuchtbetriebe die Gesundheit ihrer Kälber positiv beeinflussen und den Antibiotikabedarf reduzieren können. </span></p><p><span>Seit dem 1.1.2025 unterstützt der Bund die Tiergesundheit zudem im Rahmen des Aufbaus und Betriebs eines Kompetenz- und Innovationsnetzwerks (KIN) Tiergesundheit. Primäres Ziel des KIN ist dabei der Wissenstransfer und die Umsetzung der Erkenntnisse aus (Forschungs-)Projekten in die Praxis. </span></p><p><span>Der Bundesrat anerkennt auch die spezifischen Vorteile einer muttergebundenen Kälberaufzucht, insbesondere zur Stärkung des Tierwohls und der Reduktion des Antibiotikabedarfs. Er ist offen für die finanzielle Unterstützung der Mutter-Kalb-Haltung im Rahmen eines Beratungsprojekts nach </span><a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2021/684/de"><u><span>Landwirtschaftsberatungsverordnung (SR 915.1)</span></u></a><span>.</span></p><p><span>Die Abgeltung der mit der muttergebundenen Kälberaufzucht einhergehenden Aufwendungen mit einem neuen Produktionssystembeitrag ist jedoch aus Sicht Bundesrats nicht der richtige Weg. Ein zusätzliches Direktzahlungsprogramm würde die Komplexität des Direktzahlungssystems noch weiter steigern, weil es zu weiteren Differenzierungen von bestehenden Bestimmungen führen würde. Es würden neue administrative Auflagen und Kontrollpunkte geschaffen. Dies stände im Widerspruch zu den Bestrebungen des Bundesrates, die Komplexität des Kontrollsystems und den administrativen Aufwand in der Landwirtschaft zu senken, wie er es in seiner Stellungnahme auf die Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243068"><u><span>24.3068</span></u></a><span> in Aussicht gestellt hat. Bis zur Agrarpolitik 2030+ ist der Bundesrat darauf bedacht, eine grösstmögliche Stabilität im Direktzahlungssystem sicherzustellen</span><span>, was er auch in seinen Stellungnahmen zu den Motionen </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243032"><u><span>24.3032</span></u></a><span> und </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243083"><u><span>24.3083</span></u></a><span> dargelegt hat. </span><span></span></p><p><span>Um Rahmenbedingungen für eine bessere Wirtschaftlichkeit der muttergebundenen Kälberaufzucht zu schaffen, sieht der Bund die Prüfung privatrechtlicher Möglichkeiten zusammen mit der Branche als zielführender an. Das Instrument der Garantiemarke oder die Kollektivmarke nach Markenschutzgesetz sind hierfür mögliche Beispiele.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Massnahmen zu treffen, die zu besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die muttergebundene Kälberaufzucht führen. Denkbar wäre die Definition eines Produktionssystems “muttergebundene Kälberaufzucht” und damit verbundene Produktionssystembeiträge, wie dies bei RAUS oder BTS praktiziert wird.</p>
- Weniger Antibiotikaeinsatz durch muttergebundene Kälberaufzucht
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Antibiotikaresistenzen bereiten Ärzten zunehmend Sorge. Eine Ursache für die Resistenzen gegen Antibiotika sind dabei die teilweise hohen Antibiotikagaben in den Tierställen. In der Landwirtschaft wird bereits stark auf eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes hingearbeitet und auch der Bund hat mit der StAR (Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz) entsprechende Massnahmen ergriffen. Zentral ist dabei die Etablierung von Rahmenbedingungen, die es den Landwirten und Veterinärmedizinern ermöglichen, den Antibiotikaeinsatz so gering wie möglich zu halten. Der Schlüssel zu einer geringeren Antibiotikagabe ist eine möglichst gute und stabile Gesundheit der Tiere.</p><p> </p><p>Die grösste Anzahl Tierbehandlungen erfolgt bei Milchkühen, gefolgt von Rinderaufzucht und - mast. Insgesamt zeigt sich bei den Rinderkategorien kein abnehmender Trend im Antibiotikaverbrauch, während in den anderen Tierkategorien ein Rückgang zu beobachten ist, wie der entsprechende Bericht des Bundes von 2024 zeigt. </p><p> </p><p>Ein Ansatz, der einen signifikanten Effekt auf die Gesundheit der Kälber hat und gleichzeitig das Tierwohl verbessert, stellt die muttergebundene Kälberaufzucht dar. Dies deshalb, weil alle Kälber während 3-10 Monaten bei der Mutter verbleiben und nicht im jungen Alter vom Muttertier getrennt werden (beides bedeutet Stress für die Kälber, der das Immunsystem schwächt). Ein solcher Ansatz für eine bessere Kälbergesundheit ist für den einzelnen Milchviehbetrieb jedoch mit Zusatzaufwand und Umsatzeinbussen verbunden: er kann weniger Milch verkaufen (im Schnitt rund 30%) und es ist mehr Platz, Einstreu und Reinigungsarbeit nötig. Daher kann sich ein solcher Ansatz nicht ohne Förderung etablieren.</p><p>In Anbetracht dessen, dass es Teil der Strategie des Bundes ist, Antibiotikaresistenzen zu vermeiden, wäre es wichtig, hier Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, muttergebundene Kälberaufzucht zu etablieren und dabei kostendeckend zu wirtschaften. Die muttergebundene Kälberaufzucht kommt nicht nur dem Tier, sondern auch der Gesundheit von uns Menschen zu Gute.</p>
- <span><p><span>Der Bund verfolgt mit der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser zielt im Veterinärbereich u.a. auf die Reduktion des Antibiotikabedarfs ab. Mit dem neuen One Health-Aktionsplan StAR 2024-2027, welcher am 26. Juni 2024 vom Bundesrat verabschiedet wurde, werden ein sachgemässer Einsatz von Antibiotika sowie präventive Massnahmen zur Erhaltung und Stärkung der Tiergesundheit weiter gefördert. </span></p><p><span>Darüber hinaus unterstützt der Bund Projekte und Programme zur Verbesserung der Tiergesundheit in der Rindviehhaltung. Zu nennen sind hier beispielsweise die finanzielle Unterstützung des Kälbergesundheitsdienstes (heute Rindergesundheit Schweiz). Dieser berät Landwirtinne und Landwirte direkt bei der Verbesserung der Kälbergesundheit auf dem Betrieb. Weiter hat der Bund das Projekt «Freiluftkalb» sowie das Anschlussprojekt «Wirtschaftlichkeit von Freiluftkälbern» finanziell gefördert. In diesen Projekten wurde ein Konzept mit konkreten Massnahmen in der Rindviehhaltung entwickelt, mit dem Aufzuchtbetriebe die Gesundheit ihrer Kälber positiv beeinflussen und den Antibiotikabedarf reduzieren können. </span></p><p><span>Seit dem 1.1.2025 unterstützt der Bund die Tiergesundheit zudem im Rahmen des Aufbaus und Betriebs eines Kompetenz- und Innovationsnetzwerks (KIN) Tiergesundheit. Primäres Ziel des KIN ist dabei der Wissenstransfer und die Umsetzung der Erkenntnisse aus (Forschungs-)Projekten in die Praxis. </span></p><p><span>Der Bundesrat anerkennt auch die spezifischen Vorteile einer muttergebundenen Kälberaufzucht, insbesondere zur Stärkung des Tierwohls und der Reduktion des Antibiotikabedarfs. Er ist offen für die finanzielle Unterstützung der Mutter-Kalb-Haltung im Rahmen eines Beratungsprojekts nach </span><a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2021/684/de"><u><span>Landwirtschaftsberatungsverordnung (SR 915.1)</span></u></a><span>.</span></p><p><span>Die Abgeltung der mit der muttergebundenen Kälberaufzucht einhergehenden Aufwendungen mit einem neuen Produktionssystembeitrag ist jedoch aus Sicht Bundesrats nicht der richtige Weg. Ein zusätzliches Direktzahlungsprogramm würde die Komplexität des Direktzahlungssystems noch weiter steigern, weil es zu weiteren Differenzierungen von bestehenden Bestimmungen führen würde. Es würden neue administrative Auflagen und Kontrollpunkte geschaffen. Dies stände im Widerspruch zu den Bestrebungen des Bundesrates, die Komplexität des Kontrollsystems und den administrativen Aufwand in der Landwirtschaft zu senken, wie er es in seiner Stellungnahme auf die Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243068"><u><span>24.3068</span></u></a><span> in Aussicht gestellt hat. Bis zur Agrarpolitik 2030+ ist der Bundesrat darauf bedacht, eine grösstmögliche Stabilität im Direktzahlungssystem sicherzustellen</span><span>, was er auch in seinen Stellungnahmen zu den Motionen </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243032"><u><span>24.3032</span></u></a><span> und </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243083"><u><span>24.3083</span></u></a><span> dargelegt hat. </span><span></span></p><p><span>Um Rahmenbedingungen für eine bessere Wirtschaftlichkeit der muttergebundenen Kälberaufzucht zu schaffen, sieht der Bund die Prüfung privatrechtlicher Möglichkeiten zusammen mit der Branche als zielführender an. Das Instrument der Garantiemarke oder die Kollektivmarke nach Markenschutzgesetz sind hierfür mögliche Beispiele.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Massnahmen zu treffen, die zu besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die muttergebundene Kälberaufzucht führen. Denkbar wäre die Definition eines Produktionssystems “muttergebundene Kälberaufzucht” und damit verbundene Produktionssystembeiträge, wie dies bei RAUS oder BTS praktiziert wird.</p>
- Weniger Antibiotikaeinsatz durch muttergebundene Kälberaufzucht
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