Pneuabrieb in Schweizer Gemüse. Welche Massnahmen sind geplant?
- ShortId
-
25.3381
- Id
-
20253381
- Updated
-
14.11.2025 03:01
- Language
-
de
- Title
-
Pneuabrieb in Schweizer Gemüse. Welche Massnahmen sind geplant?
- AdditionalIndexing
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52;2841;55;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
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- <span><p><span>1) Zum Thema Reifenabrieb laufen auf nationaler und internationaler Ebene verschiedene Forschungsarbeiten. Ein vom Bund unterstütztes Forschungsprojekt zum Thema Reifenabrieb in die Umwelt durch atmosphärische Deposition von u.</span><span> </span><span>a. der Empa und der Eawag wird demnächst wichtige Erkenntnisse zum Eintrag von Reifenabrieb in der Schweiz liefern können. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat zudem bei der EPFL und in Zusammenarbeit mit Agroscope eine exploratorische Studie zu Reifenabrieb-Zusatzstoffen in Milch und Käse in Auftrag gegeben. Das vom Bund getragene Oekotoxzentrum, die EPFL und die Eawag arbeiten in einem Forschungsprojekt zusammen, um Toxizität von Schadstoffen in Reifenabriebpartikeln sowie die direkten Auswirkungen der Partikel auf Organismen besser zu verstehen. Der Bund wird im Rahmen seiner rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten auch künftig bei Bedarf entsprechende Forschung mitfinanzieren.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2) Der Bericht des Bundesrates vom 23.</span><span> </span><span>August 2023 in Erfüllung des Postulates 19.3559 Schneider Schüttel «Reifenabrieb als grösste Quelle von Mikroplastik. Massnahmen zur Verminderung» gibt eine Übersicht der geplanten und laufenden Massnahmen, wie beispielsweise die Entwicklung einer zuverlässigen und praktikablen Messmethode für den Nachweis von Reifenabrieb. Zusätzliche Massnahmen sind im Postulatsbericht ebenfalls aufgeführt. Ausserdem werden im ETH-Bereich Strategien für Toxizitätstests entwickelt, um die Konzeption sicherer Produkte zu unterstützen (safe-by-design).</span></p><p><span> </span></p><p><span>3) Seit 2002 müssen die Abwässer von stark befahrenen National- und Kantonsstrassen behandelt werden. Die Sanierung der Strassen mittels Bau von Strassenabwasserbehandlungsanlagen ist kosten- und zeitintensiv. Man rechnet damit, dass es noch mindestens 50 Jahre dauern wird, bis alle Strassen korrekt entwässert sind. Heute fallen in der Schweiz jährlich 10</span><span> </span><span>000 Tonnen Reifenabrieb an, wovon 4000 Tonnen in Oberflächengewässer gelangen, 2500 Tonnen in der Strassenentwässerung zurückgehalten und rund 3500 Tonnen vom Wind abgetragen werden. Nach vollständiger entwässerungstechnischer Sanierung der Strassen kann der Anteil, der in die Oberflächengewässer gelangt, halbiert werden. 45</span><span> </span><span>Prozent des Reifenabriebs können dann mit der Strassenentwässerung zurückgehalten werden. Durch weitere Massnahmen (siehe Antwort 2), wie beispielsweise der Entwicklungsförderung von fahrzeugseitigen Rückhaltesystemen, sind weitere Reduktionen möglich. </span></p><p><span> </span></p><p><span>4) Im Bereich Strassenverkehr ist die Schweiz an internationale Abkommen gebunden; die Vorschriften für Strassenfahrzeuge sind seit 1995 mit denjenigen der Europäischen Union (EU) harmonisiert. In der EU zugelassene Reifen sind deshalb auch in der Schweiz zugelassen. Aufgrund der harmonisierten technischen Normen müssen die Anforderungen an Reifen in internationaler Zusammenarbeit geregelt werden. Im Rahmen der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) sind momentan Arbeiten mit Beteiligung der Schweiz im Gange, die darauf abzielen, dass zukünftig Reifen eine geringere Menge an Reifenabriebpartikel in die Umwelt freisetzen. Im Juni 2024 wurde ein international anerkanntes Testverfahren zur Messung von Reifenabrieb bei Strassenfahrzeugen verabschiedet, das als Grundlage für künftige Grenzwerte dient.</span></p><p><span> </span></p><p><span>5) Die im Schweizer Chemikalienrecht festgelegten Einschränkungen und Verbote für das Inverkehrbringen von Chemikalien sind weitestgehend mit der EU harmonisiert. So hat der Bundesrat 2006 die EU-Vorschriften über Beschränkungen des Inverkehrbringens von Reifen, die Weichmacheröle mit problematischen polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten, in das Schweizer Recht übergeführt. Der Bundesrat wird bei allfälligen zukünftigen Vorschriften der EU über chemische Zusatzstoffe in Pneus ein analoges Vorgehen prüfen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>6) Die Europäische Kommission beabsichtigt, basierend auf den unter Antwort 4 erwähnten Arbeiten der UNECE, die 2012 in der EU eingeführte Reifenetikette mit Informationen für die Konsumentinnen und Konsumenten zu Abrieb bzw. Laufleistung der Reifen zu ergänzen. Die in der EU eingeführte Reifenetikette ist seit dem 1.</span><span> </span><span>August 2014 auch in der Schweiz obligatorisch.</span></p></span>
- <p>Eine aktuelle Studie der ETH Lausanne zeigt, dass Gemüse in der Schweiz Rückstände aus Autoreifen enthält. Dies berichtete kürzlich die RTS-Sendung «A bon entendeur». Fast ein Drittel des analysierten Gemüses enthielt chemische Zusatzstoffe. Diese werden bei der Herstellung von Pneus verwendet, um die Qualität und Widerstandsfähigkeit des Reifens zu verbessern. Die Untersuchung wurde vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Die Umweltverschmutzung und die Gesundheitsrisiken durch Pneuabrieb sind gross: Eine Studie der Empa zeigt, dass Pneuabrieb für 90 Prozent der in die Umwelt freigesetzten Mikroplastikpartikel verantwortlich ist. In der EU legt die neue Euro-7-Norm Grenzwerte für Pneu- und Bremsabrieb fest, die aber nur für neu zugelassene Fahrzeuge gelten werden. Die Einführung ist für 2026 geplant.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Ist der Bundesrat bereit, weitere Studien in Auftrag zu geben, um die Auswirkungen von chemischen Zusatzstoffen in Pneuabrieb auf die Umwelt, die Nahrungsmittel und die Gesundheit zu erforschen?</li><li>Welche Massnahmen hat der Bundesrat bisher ergriffen, damit gemäss Vorsorgeprinzip möglichst wenig Reifenabrieb in die Umwelt gelangt und die Gesundheitsrisiken, die von Pneuabrieb ausgehen, eingedämmt werden? Welche weiteren Massnahmen sind geplant und bis wann werden diese umgesetzt? Welche zusätzlichen Massnahmen könnten ergriffen werden?</li><li>Strassenabwasser von Kantonsstrassen gelangt oft ungereinigt in die Umwelt und in angrenzende landwirtschaftliche Kulturen. Mit welchen Massnahmen will der Bundesrat dieses Problem in den Griff bekommen?</li><li>Könnte die Schweiz das Inverkehrbringen von Pneus, die besonders problematische chemische Zusatzstoffe enthalten oder besonders viel Pneuabrieb verursachen, verbieten?</li><li>Was hält der Bundesrat davon, Grenzwerte für gewisse chemische Zusatzstoffe in Pneus festzulegen oder gewisse Zusätze ganz zu verbieten?</li><li>Was hält der Bundesrat von der Einführung einer Umweltetikette, die besonders umweltfreundliche Pneus (z.B. lärm- und abriebsarm) kennzeichnet, sodass Konsumentinnen und Konsumenten vor ihren Kaufentscheiden adäquat informiert werden?</li></ol>
- Pneuabrieb in Schweizer Gemüse. Welche Massnahmen sind geplant?
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p><span>1) Zum Thema Reifenabrieb laufen auf nationaler und internationaler Ebene verschiedene Forschungsarbeiten. Ein vom Bund unterstütztes Forschungsprojekt zum Thema Reifenabrieb in die Umwelt durch atmosphärische Deposition von u.</span><span> </span><span>a. der Empa und der Eawag wird demnächst wichtige Erkenntnisse zum Eintrag von Reifenabrieb in der Schweiz liefern können. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat zudem bei der EPFL und in Zusammenarbeit mit Agroscope eine exploratorische Studie zu Reifenabrieb-Zusatzstoffen in Milch und Käse in Auftrag gegeben. Das vom Bund getragene Oekotoxzentrum, die EPFL und die Eawag arbeiten in einem Forschungsprojekt zusammen, um Toxizität von Schadstoffen in Reifenabriebpartikeln sowie die direkten Auswirkungen der Partikel auf Organismen besser zu verstehen. Der Bund wird im Rahmen seiner rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten auch künftig bei Bedarf entsprechende Forschung mitfinanzieren.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2) Der Bericht des Bundesrates vom 23.</span><span> </span><span>August 2023 in Erfüllung des Postulates 19.3559 Schneider Schüttel «Reifenabrieb als grösste Quelle von Mikroplastik. Massnahmen zur Verminderung» gibt eine Übersicht der geplanten und laufenden Massnahmen, wie beispielsweise die Entwicklung einer zuverlässigen und praktikablen Messmethode für den Nachweis von Reifenabrieb. Zusätzliche Massnahmen sind im Postulatsbericht ebenfalls aufgeführt. Ausserdem werden im ETH-Bereich Strategien für Toxizitätstests entwickelt, um die Konzeption sicherer Produkte zu unterstützen (safe-by-design).</span></p><p><span> </span></p><p><span>3) Seit 2002 müssen die Abwässer von stark befahrenen National- und Kantonsstrassen behandelt werden. Die Sanierung der Strassen mittels Bau von Strassenabwasserbehandlungsanlagen ist kosten- und zeitintensiv. Man rechnet damit, dass es noch mindestens 50 Jahre dauern wird, bis alle Strassen korrekt entwässert sind. Heute fallen in der Schweiz jährlich 10</span><span> </span><span>000 Tonnen Reifenabrieb an, wovon 4000 Tonnen in Oberflächengewässer gelangen, 2500 Tonnen in der Strassenentwässerung zurückgehalten und rund 3500 Tonnen vom Wind abgetragen werden. Nach vollständiger entwässerungstechnischer Sanierung der Strassen kann der Anteil, der in die Oberflächengewässer gelangt, halbiert werden. 45</span><span> </span><span>Prozent des Reifenabriebs können dann mit der Strassenentwässerung zurückgehalten werden. Durch weitere Massnahmen (siehe Antwort 2), wie beispielsweise der Entwicklungsförderung von fahrzeugseitigen Rückhaltesystemen, sind weitere Reduktionen möglich. </span></p><p><span> </span></p><p><span>4) Im Bereich Strassenverkehr ist die Schweiz an internationale Abkommen gebunden; die Vorschriften für Strassenfahrzeuge sind seit 1995 mit denjenigen der Europäischen Union (EU) harmonisiert. In der EU zugelassene Reifen sind deshalb auch in der Schweiz zugelassen. Aufgrund der harmonisierten technischen Normen müssen die Anforderungen an Reifen in internationaler Zusammenarbeit geregelt werden. Im Rahmen der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) sind momentan Arbeiten mit Beteiligung der Schweiz im Gange, die darauf abzielen, dass zukünftig Reifen eine geringere Menge an Reifenabriebpartikel in die Umwelt freisetzen. Im Juni 2024 wurde ein international anerkanntes Testverfahren zur Messung von Reifenabrieb bei Strassenfahrzeugen verabschiedet, das als Grundlage für künftige Grenzwerte dient.</span></p><p><span> </span></p><p><span>5) Die im Schweizer Chemikalienrecht festgelegten Einschränkungen und Verbote für das Inverkehrbringen von Chemikalien sind weitestgehend mit der EU harmonisiert. So hat der Bundesrat 2006 die EU-Vorschriften über Beschränkungen des Inverkehrbringens von Reifen, die Weichmacheröle mit problematischen polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten, in das Schweizer Recht übergeführt. Der Bundesrat wird bei allfälligen zukünftigen Vorschriften der EU über chemische Zusatzstoffe in Pneus ein analoges Vorgehen prüfen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>6) Die Europäische Kommission beabsichtigt, basierend auf den unter Antwort 4 erwähnten Arbeiten der UNECE, die 2012 in der EU eingeführte Reifenetikette mit Informationen für die Konsumentinnen und Konsumenten zu Abrieb bzw. Laufleistung der Reifen zu ergänzen. Die in der EU eingeführte Reifenetikette ist seit dem 1.</span><span> </span><span>August 2014 auch in der Schweiz obligatorisch.</span></p></span>
- <p>Eine aktuelle Studie der ETH Lausanne zeigt, dass Gemüse in der Schweiz Rückstände aus Autoreifen enthält. Dies berichtete kürzlich die RTS-Sendung «A bon entendeur». Fast ein Drittel des analysierten Gemüses enthielt chemische Zusatzstoffe. Diese werden bei der Herstellung von Pneus verwendet, um die Qualität und Widerstandsfähigkeit des Reifens zu verbessern. Die Untersuchung wurde vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Die Umweltverschmutzung und die Gesundheitsrisiken durch Pneuabrieb sind gross: Eine Studie der Empa zeigt, dass Pneuabrieb für 90 Prozent der in die Umwelt freigesetzten Mikroplastikpartikel verantwortlich ist. In der EU legt die neue Euro-7-Norm Grenzwerte für Pneu- und Bremsabrieb fest, die aber nur für neu zugelassene Fahrzeuge gelten werden. Die Einführung ist für 2026 geplant.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Ist der Bundesrat bereit, weitere Studien in Auftrag zu geben, um die Auswirkungen von chemischen Zusatzstoffen in Pneuabrieb auf die Umwelt, die Nahrungsmittel und die Gesundheit zu erforschen?</li><li>Welche Massnahmen hat der Bundesrat bisher ergriffen, damit gemäss Vorsorgeprinzip möglichst wenig Reifenabrieb in die Umwelt gelangt und die Gesundheitsrisiken, die von Pneuabrieb ausgehen, eingedämmt werden? Welche weiteren Massnahmen sind geplant und bis wann werden diese umgesetzt? Welche zusätzlichen Massnahmen könnten ergriffen werden?</li><li>Strassenabwasser von Kantonsstrassen gelangt oft ungereinigt in die Umwelt und in angrenzende landwirtschaftliche Kulturen. Mit welchen Massnahmen will der Bundesrat dieses Problem in den Griff bekommen?</li><li>Könnte die Schweiz das Inverkehrbringen von Pneus, die besonders problematische chemische Zusatzstoffe enthalten oder besonders viel Pneuabrieb verursachen, verbieten?</li><li>Was hält der Bundesrat davon, Grenzwerte für gewisse chemische Zusatzstoffe in Pneus festzulegen oder gewisse Zusätze ganz zu verbieten?</li><li>Was hält der Bundesrat von der Einführung einer Umweltetikette, die besonders umweltfreundliche Pneus (z.B. lärm- und abriebsarm) kennzeichnet, sodass Konsumentinnen und Konsumenten vor ihren Kaufentscheiden adäquat informiert werden?</li></ol>
- Pneuabrieb in Schweizer Gemüse. Welche Massnahmen sind geplant?
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