Burn-out-Land Schweiz? Nein danke! Mehr Prävention gegen emotionale Erschöpfung
- ShortId
-
25.3401
- Id
-
20253401
- Updated
-
14.11.2025 02:59
- Language
-
de
- Title
-
Burn-out-Land Schweiz? Nein danke! Mehr Prävention gegen emotionale Erschöpfung
- AdditionalIndexing
-
2841;44;28
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Laut dem <a href="https://www.bfs.admin.ch/asset/de/31866457">BFS</a> fühlen sich 22 % der Erwerbstätigen in der Schweiz zunehmend emotional verbraucht. Studien bestätigen, dass der Druck der Leistungsgesellschaft sowie die Vermischung von Berufs- und Privatleben zu wachsendem Stress und Erschöpfung führen. Burnout verursacht nicht nur erhebliches Leid bei den Betroffenen mit psychischen, physischen und finanziellen Folgen, sondern auch grosse wirtschaftliche Schäden für Unternehmen. Burnout-betroffene Mitarbeitende sind weniger produktiv und langfristig möglicherweise arbeitsunfähig. Der daraus resultierende wirtschaftliche Schaden beläuft sich mutmasslich auf mehrere Milliarden Franken. Der gesamtgesellschaftliche Schaden steigt zusätzlich, wenn die Kosten für Invalidenversicherungen einberechnet werden.</p><p><br>Burnout gilt nicht als eigenständige Krankheit, sondern vielmehr als Syndrom, das aus chronischem, unverarbeitetem Arbeitsstress entsteht. Dabei umfasst der Begriff «Arbeit» auch unbezahlte Tätigkeiten wie die Pflege von Angehörigen oder Familienarbeit. Kennzeichnend sind Energielosigkeit und Erschöpfung, eine zunehmende negative Haltung oder mentale Distanz zum eigenen Job, und eine reduzierte Leistungsfähigkeit.</p><p> </p><p>Dieses Postulat zielt nicht darauf ab, das Burnout als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, da entsprechende Forderungen im Parlament abgelehnt wurden.</p>
- <span><p><span>Die Thematik der psychischen Gesundheit ist ein wichtiges Anliegen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und die entsprechenden Herausforderungen betreffen die gesamte Bevölkerung. In zahlreichen Industrieländern wird dem Phänomen des Burnouts grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Der Bundesrat ist sich der Herausforderungen im Zusammenhang mit diesem Phänomen bewusst und teilt die Sorge des Verfassers dieses Postulats bezüglich der möglichen Auswirkungen auf Arbeitnehmende und Arbeitgeber.</span></p><p><span>Es ist wichtig auf die im Arbeitsgesetz (ArG; SR</span><span> </span><span>822.11) bereits verankerten Pflichten hinzuweisen. Gemäss Artikel</span><span> </span><span>6 ArG ist der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, der sowohl die körperliche als auch die psychische Integrität umfasst, Sache der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden. Das Gesetz sieht dafür einen grossen Handlungsspielraum vor, um abhängig </span><span>von der Situation im jeweiligen Betrieb </span><span>geeignete Präventionsmassnahmen zu identifizieren, anzupassen und umzusetzen.</span></p><p><span>Das Burnout ist ein komplexes und multifaktorielles Problem. Was dessen Definition anbelangt, besteht bisher kein wissenschaftlicher Konsens. Es gibt weder eine einheitliche Lösung, die sich auf alle Betriebe anwenden lässt, noch Lösungen für bestimmte Kategorien von Arbeitnehmenden oder für bestimmte Branchen. Jeder Fall ist einzigartig und die Präventionsmassnahmen müssen an die besonderen Gegebenheiten am Arbeitsplatz angepasst werden.</span></p><p><span>Für Betriebe steht bereits ein breites Unterstützungsangebot zur Verfügung. So hat das SECO eine Broschüre zum Schutz vor psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz sowie einen Prospekt zum Thema Burnout («Erschöpfung frühzeitig erkennen – Burnout vorbeugen») herausgegeben. Weitere Publikationen zu Präventionsmassnahmen bieten beispielsweise auch Gesundheitsförderung Schweiz oder das Präventionsprogramm «Führungslabor» (Ratgeber, Checklisten) an. Diese auf bewährten Praktiken und einer umfangreichen internationalen Literatur basierenden Angebote sind den Betrieben bekannt. Es wäre somit nicht zielführend einen Bericht zu erarbeiten, um diese aufzulisten. In Bezug auf die im Vorstoss erwähnte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist darauf hinzuweisen, dass das SECO in diesem Frühjahr eine aktualisierte Version des KMU-Handbuchs «Beruf und Familie» publiziert hat. </span></p><p><span>Vor diesem Hintergrund hält es der Bundesrat nicht für sinnvoll, einen Bericht zur Förderung präventiver Massnahmen gegen Burnout und emotionale Erschöpfung am Arbeitsplatz zu erstellen. Vielmehr sollten die bekannten Massnahmen berücksichtigt und der Fokus sollte auf deren wirksame Umsetzung gelegt werden – und nicht auf das Verfassen eines weiteren Berichts zu diesem Thema.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird ersucht, einen Bericht zur Förderung präventiver Massnahmen gegen Burnout und emotionale Erschöpfung am Arbeitsplatz zu erstellen. Dabei soll berücksichtigt werden, dass Burnout ein multifaktorielles Phänomen ist. Ein gesundes und unterstützendes Arbeitsumfeld sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind wesentliche Elemente der Prävention. Ein besonderes Augenmerk soll auf besonders betroffene Gruppen und Arbeitsbranchen gelegt werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen verstärkt sensibilisiert und befähigt werden, Risiken frühzeitig zu erkennen und anzusprechen. Gute Praxisbeispiele sollen hervorgehoben werden, und ein Vergleich mit Massnahmen anderer Länder in diesem Bereich ist wünschenswert. Die Zuständigkeiten der verschiedenen Akteure – insbesondere von Bund, Kantonen, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Gesundheitswesen – sollen dabei berücksichtigt und entsprechende Massnahmen und Empfehlungen dargestellt werden.</p>
- Burn-out-Land Schweiz? Nein danke! Mehr Prävention gegen emotionale Erschöpfung
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Laut dem <a href="https://www.bfs.admin.ch/asset/de/31866457">BFS</a> fühlen sich 22 % der Erwerbstätigen in der Schweiz zunehmend emotional verbraucht. Studien bestätigen, dass der Druck der Leistungsgesellschaft sowie die Vermischung von Berufs- und Privatleben zu wachsendem Stress und Erschöpfung führen. Burnout verursacht nicht nur erhebliches Leid bei den Betroffenen mit psychischen, physischen und finanziellen Folgen, sondern auch grosse wirtschaftliche Schäden für Unternehmen. Burnout-betroffene Mitarbeitende sind weniger produktiv und langfristig möglicherweise arbeitsunfähig. Der daraus resultierende wirtschaftliche Schaden beläuft sich mutmasslich auf mehrere Milliarden Franken. Der gesamtgesellschaftliche Schaden steigt zusätzlich, wenn die Kosten für Invalidenversicherungen einberechnet werden.</p><p><br>Burnout gilt nicht als eigenständige Krankheit, sondern vielmehr als Syndrom, das aus chronischem, unverarbeitetem Arbeitsstress entsteht. Dabei umfasst der Begriff «Arbeit» auch unbezahlte Tätigkeiten wie die Pflege von Angehörigen oder Familienarbeit. Kennzeichnend sind Energielosigkeit und Erschöpfung, eine zunehmende negative Haltung oder mentale Distanz zum eigenen Job, und eine reduzierte Leistungsfähigkeit.</p><p> </p><p>Dieses Postulat zielt nicht darauf ab, das Burnout als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, da entsprechende Forderungen im Parlament abgelehnt wurden.</p>
- <span><p><span>Die Thematik der psychischen Gesundheit ist ein wichtiges Anliegen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und die entsprechenden Herausforderungen betreffen die gesamte Bevölkerung. In zahlreichen Industrieländern wird dem Phänomen des Burnouts grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Der Bundesrat ist sich der Herausforderungen im Zusammenhang mit diesem Phänomen bewusst und teilt die Sorge des Verfassers dieses Postulats bezüglich der möglichen Auswirkungen auf Arbeitnehmende und Arbeitgeber.</span></p><p><span>Es ist wichtig auf die im Arbeitsgesetz (ArG; SR</span><span> </span><span>822.11) bereits verankerten Pflichten hinzuweisen. Gemäss Artikel</span><span> </span><span>6 ArG ist der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, der sowohl die körperliche als auch die psychische Integrität umfasst, Sache der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden. Das Gesetz sieht dafür einen grossen Handlungsspielraum vor, um abhängig </span><span>von der Situation im jeweiligen Betrieb </span><span>geeignete Präventionsmassnahmen zu identifizieren, anzupassen und umzusetzen.</span></p><p><span>Das Burnout ist ein komplexes und multifaktorielles Problem. Was dessen Definition anbelangt, besteht bisher kein wissenschaftlicher Konsens. Es gibt weder eine einheitliche Lösung, die sich auf alle Betriebe anwenden lässt, noch Lösungen für bestimmte Kategorien von Arbeitnehmenden oder für bestimmte Branchen. Jeder Fall ist einzigartig und die Präventionsmassnahmen müssen an die besonderen Gegebenheiten am Arbeitsplatz angepasst werden.</span></p><p><span>Für Betriebe steht bereits ein breites Unterstützungsangebot zur Verfügung. So hat das SECO eine Broschüre zum Schutz vor psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz sowie einen Prospekt zum Thema Burnout («Erschöpfung frühzeitig erkennen – Burnout vorbeugen») herausgegeben. Weitere Publikationen zu Präventionsmassnahmen bieten beispielsweise auch Gesundheitsförderung Schweiz oder das Präventionsprogramm «Führungslabor» (Ratgeber, Checklisten) an. Diese auf bewährten Praktiken und einer umfangreichen internationalen Literatur basierenden Angebote sind den Betrieben bekannt. Es wäre somit nicht zielführend einen Bericht zu erarbeiten, um diese aufzulisten. In Bezug auf die im Vorstoss erwähnte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist darauf hinzuweisen, dass das SECO in diesem Frühjahr eine aktualisierte Version des KMU-Handbuchs «Beruf und Familie» publiziert hat. </span></p><p><span>Vor diesem Hintergrund hält es der Bundesrat nicht für sinnvoll, einen Bericht zur Förderung präventiver Massnahmen gegen Burnout und emotionale Erschöpfung am Arbeitsplatz zu erstellen. Vielmehr sollten die bekannten Massnahmen berücksichtigt und der Fokus sollte auf deren wirksame Umsetzung gelegt werden – und nicht auf das Verfassen eines weiteren Berichts zu diesem Thema.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird ersucht, einen Bericht zur Förderung präventiver Massnahmen gegen Burnout und emotionale Erschöpfung am Arbeitsplatz zu erstellen. Dabei soll berücksichtigt werden, dass Burnout ein multifaktorielles Phänomen ist. Ein gesundes und unterstützendes Arbeitsumfeld sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind wesentliche Elemente der Prävention. Ein besonderes Augenmerk soll auf besonders betroffene Gruppen und Arbeitsbranchen gelegt werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen verstärkt sensibilisiert und befähigt werden, Risiken frühzeitig zu erkennen und anzusprechen. Gute Praxisbeispiele sollen hervorgehoben werden, und ein Vergleich mit Massnahmen anderer Länder in diesem Bereich ist wünschenswert. Die Zuständigkeiten der verschiedenen Akteure – insbesondere von Bund, Kantonen, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Gesundheitswesen – sollen dabei berücksichtigt und entsprechende Massnahmen und Empfehlungen dargestellt werden.</p>
- Burn-out-Land Schweiz? Nein danke! Mehr Prävention gegen emotionale Erschöpfung
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