Forschung zu Risiken und nachhaltigem Umgang mit Chemikalien (Chemikaliensicherheit)
- ShortId
-
25.3431
- Id
-
20253431
- Updated
-
14.11.2025 02:59
- Language
-
de
- Title
-
Forschung zu Risiken und nachhaltigem Umgang mit Chemikalien (Chemikaliensicherheit)
- AdditionalIndexing
-
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Chemikalien durchdringen unser tägliches Leben. Sie befinden sich in fast allen Produkten und Materialien des täglichen Gebrauchs wie Putzmitteln, Medikamenten oder Verpackungen, und sie sind unerlässlich für die Bereitstellung von essentiellen Dienstleistungen wie Energieerzeugung, Informationstechnologien, Mobilität etc. Chemische Produkte und Technologien ermöglichen Innovationen in allen Lebensbereichen. Heute werden weltweit über 100‘000 chemische Stoffe produziert und die Menge an produzierten Chemikalien nimmt global stärker zu als das Bruttosozialprodukt, was ihre enorme wirtschaftliche Bedeutung verdeutlicht.</p><p>Zunehmend sind wir aber auch mit Rückständen und Verbindungen von Chemikalien in der Umwelt konfrontiert, welche mittel- und langfristig ein Risiko für die menschliche Gesundheit, unsere Trinkwasserversorgung und die Lebensmittelproduktion darstellen können. Das jüngste Beispiel sind die PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen). Die Stoffgruppe umfasst zwischen einigen Tausend und einigen Millionen Einzelstoffen. PFAS sind in der Umwelt nahezu nicht abbaubar und werden daher auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. Sie stellen ein Risiko für die Gesundheit und die Umwelt dar. Sie reichern sich im menschlichen Körper, in Organismen, Tieren und Sedimenten sowie in Pflanzen an. Für einige PFAS (z.B. für die Perfluoroctansulfonsäure PFOS und die Perfluoroctansäure PFOA) sind ausserdem gesundheitsschädliche Wirkungen bekannt. Einige PFAS wurden in der Schweiz und international inzwischen verboten oder als besonders besorgniserregende Stoffe identifiziert und Grenzwerte festgelegt, für andere sind die Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt weniger gut bekannt. </p><p>Der interdisziplinäre Forschungsbedarf für Chemikalien wie PFAS und weitere risikobehaftete Chemikalien sowie das Monitoring und den nachhaltigen Umgang damit ist gross. Es braucht dazu ein Nationales Forschungsprogramm wie es bereits vor einigen Jahren von Forschungsinstitutionen unter dem Titel «Safe and sustainable (use of) chemicals» vorgeschlagen wurde.</p><p>Aktuelle Forschungsergebnisse sind auch mit Blick auf die Unterstützung der Kantone und der Landwirtschaft bei den erforderlichen Senkungs- und Sanierungsmassnahmen dringlich. </p>
- <span><p><span>Die nutzbringende breite technische Verwendung von Chemikalien birgt auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. Der Bund unterstützt deshalb mehrere wissenschaftliche Institutionen (u.a. im ETH-Bereich die Eawag und das Oekotoxzentrum sowie das Schweizer Zentrum für Angewandte Humantoxikologie SCAHT), die sich mit den schädlichen Auswirkungen von Chemikalien auf die Umwelt oder den Menschen beschäftigen. Das SCAHT</span><span> </span><span>unterstützt die kantonalen und eidgenössischen Behörden, indem es in deren Auftrag bestimmte Gesundheitsrisiken bewertet, während das Oekotoxzentrum Umweltrisiken bewertet. Grundsätzlich arbeiten diese Einrichtungen wissenschaftlich autonom, befinden sich aber bezüglich Relevanz der Fragestellung in einem engen Austausch mit den für die Umsetzung des Chemikalienrechts zuständigen Fachämtern. Letztere fördern über die Ressortforschung zudem verschiedene wissenschaftliche Forschungsprojekte zur Chemikaliensicherheit und tauschen sich auf Bundesebene regelmässig zu spezifischen Themen aus, wie z.B. zu PFAS oder hormonaktiven Substanzen. Auf europäischer Ebene finanziert der Bund mittels Direktfinanzierung die Teilnahme von Schweizer Forschungsinstitutionen an verschiedenen Europäischen Projekten und unterstützt so die Forschung zu Chemikaliensicherheit auf internationaler Ebene, so etwa das Projekt «</span><em><span>Partnership for the Assessment of Risks from Chemicals</span></em><span>». Eine detaillierte Zusammenstellung der diesbezüglichen Aktivitäten des Bundes finden sich auch in der Antwort des Bundesrates auf die Interpellation</span><span> </span><span>24.4417 Masshardt «Wie fördert die Schweiz die Forschung zur Sicherheit von Chemikalien?».</span></p><p><br></p><p><span>Der Bundesrat anerkennt das grundlegende Anliegen des Postulates für einen zusätzlichen interdisziplinären Forschungsbedarf für risikobehaftete Chemikalien, deren Monitoring und den nachhaltigen Umgang mit Chemikalien, sowie die stärkere Vernetzung der Akteure. Ein nationales Forschungsprogramm (NFP) kann in einem inter- und transdisziplinären Ansatz ermöglichen, gesellschaftlich relevante Fragen anzugehen. Dazu gehört auch die bessere Vernetzung der Forschung mit Anwendungspartnern (z.B. der Industrie oder den Behörden). </span></p><p><br></p><p><span>Im Rahmen des diesjährigen Auswahlprozesses für neue Nationale Forschungsprogramme (NFP) konnte das Thema «Sicherer und nachhaltiger Umgang mit Chemikalien» aufgrund anderweitiger Prioritäten nicht für den weiteren Selektionsprozess (Machbarkeitsprüfung durch den Schweizerischen Nationalfonds) berücksichtigt werden. Das Thema soll aber im Rahmen der nächsten offenen Prüfrunde (ab 2026) erneut zur Diskussion gestellt werden. Die nötigen Entscheidgrundlagen sind folglich bereits vorhanden, ein zusätzlicher Bericht würde keinen Mehrwert bringen. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie die Erforschung und Beurteilung von Risiken chemischer Stoffe für Gesundheit und Umwelt, das Monitoring, die Entwicklung von Risikominderungsmassnahmen sowie von Methoden für eine innovative Umsetzung der Prinzipien der nachhaltigen Chemie bei der Entwicklung neuer Chemikalien gestärkt werden können. Zudem soll er aufzeigen, wie eine bessere Vernetzung und Koordination zwischen den in diesem Bereich tätigen Forschungsinstitute, Bundes- und Kantonsstellen und relevanten Industrien erreicht werden kann.</p>
- Forschung zu Risiken und nachhaltigem Umgang mit Chemikalien (Chemikaliensicherheit)
- State
-
Überwiesen an den Bundesrat
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Chemikalien durchdringen unser tägliches Leben. Sie befinden sich in fast allen Produkten und Materialien des täglichen Gebrauchs wie Putzmitteln, Medikamenten oder Verpackungen, und sie sind unerlässlich für die Bereitstellung von essentiellen Dienstleistungen wie Energieerzeugung, Informationstechnologien, Mobilität etc. Chemische Produkte und Technologien ermöglichen Innovationen in allen Lebensbereichen. Heute werden weltweit über 100‘000 chemische Stoffe produziert und die Menge an produzierten Chemikalien nimmt global stärker zu als das Bruttosozialprodukt, was ihre enorme wirtschaftliche Bedeutung verdeutlicht.</p><p>Zunehmend sind wir aber auch mit Rückständen und Verbindungen von Chemikalien in der Umwelt konfrontiert, welche mittel- und langfristig ein Risiko für die menschliche Gesundheit, unsere Trinkwasserversorgung und die Lebensmittelproduktion darstellen können. Das jüngste Beispiel sind die PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen). Die Stoffgruppe umfasst zwischen einigen Tausend und einigen Millionen Einzelstoffen. PFAS sind in der Umwelt nahezu nicht abbaubar und werden daher auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. Sie stellen ein Risiko für die Gesundheit und die Umwelt dar. Sie reichern sich im menschlichen Körper, in Organismen, Tieren und Sedimenten sowie in Pflanzen an. Für einige PFAS (z.B. für die Perfluoroctansulfonsäure PFOS und die Perfluoroctansäure PFOA) sind ausserdem gesundheitsschädliche Wirkungen bekannt. Einige PFAS wurden in der Schweiz und international inzwischen verboten oder als besonders besorgniserregende Stoffe identifiziert und Grenzwerte festgelegt, für andere sind die Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt weniger gut bekannt. </p><p>Der interdisziplinäre Forschungsbedarf für Chemikalien wie PFAS und weitere risikobehaftete Chemikalien sowie das Monitoring und den nachhaltigen Umgang damit ist gross. Es braucht dazu ein Nationales Forschungsprogramm wie es bereits vor einigen Jahren von Forschungsinstitutionen unter dem Titel «Safe and sustainable (use of) chemicals» vorgeschlagen wurde.</p><p>Aktuelle Forschungsergebnisse sind auch mit Blick auf die Unterstützung der Kantone und der Landwirtschaft bei den erforderlichen Senkungs- und Sanierungsmassnahmen dringlich. </p>
- <span><p><span>Die nutzbringende breite technische Verwendung von Chemikalien birgt auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. Der Bund unterstützt deshalb mehrere wissenschaftliche Institutionen (u.a. im ETH-Bereich die Eawag und das Oekotoxzentrum sowie das Schweizer Zentrum für Angewandte Humantoxikologie SCAHT), die sich mit den schädlichen Auswirkungen von Chemikalien auf die Umwelt oder den Menschen beschäftigen. Das SCAHT</span><span> </span><span>unterstützt die kantonalen und eidgenössischen Behörden, indem es in deren Auftrag bestimmte Gesundheitsrisiken bewertet, während das Oekotoxzentrum Umweltrisiken bewertet. Grundsätzlich arbeiten diese Einrichtungen wissenschaftlich autonom, befinden sich aber bezüglich Relevanz der Fragestellung in einem engen Austausch mit den für die Umsetzung des Chemikalienrechts zuständigen Fachämtern. Letztere fördern über die Ressortforschung zudem verschiedene wissenschaftliche Forschungsprojekte zur Chemikaliensicherheit und tauschen sich auf Bundesebene regelmässig zu spezifischen Themen aus, wie z.B. zu PFAS oder hormonaktiven Substanzen. Auf europäischer Ebene finanziert der Bund mittels Direktfinanzierung die Teilnahme von Schweizer Forschungsinstitutionen an verschiedenen Europäischen Projekten und unterstützt so die Forschung zu Chemikaliensicherheit auf internationaler Ebene, so etwa das Projekt «</span><em><span>Partnership for the Assessment of Risks from Chemicals</span></em><span>». Eine detaillierte Zusammenstellung der diesbezüglichen Aktivitäten des Bundes finden sich auch in der Antwort des Bundesrates auf die Interpellation</span><span> </span><span>24.4417 Masshardt «Wie fördert die Schweiz die Forschung zur Sicherheit von Chemikalien?».</span></p><p><br></p><p><span>Der Bundesrat anerkennt das grundlegende Anliegen des Postulates für einen zusätzlichen interdisziplinären Forschungsbedarf für risikobehaftete Chemikalien, deren Monitoring und den nachhaltigen Umgang mit Chemikalien, sowie die stärkere Vernetzung der Akteure. Ein nationales Forschungsprogramm (NFP) kann in einem inter- und transdisziplinären Ansatz ermöglichen, gesellschaftlich relevante Fragen anzugehen. Dazu gehört auch die bessere Vernetzung der Forschung mit Anwendungspartnern (z.B. der Industrie oder den Behörden). </span></p><p><br></p><p><span>Im Rahmen des diesjährigen Auswahlprozesses für neue Nationale Forschungsprogramme (NFP) konnte das Thema «Sicherer und nachhaltiger Umgang mit Chemikalien» aufgrund anderweitiger Prioritäten nicht für den weiteren Selektionsprozess (Machbarkeitsprüfung durch den Schweizerischen Nationalfonds) berücksichtigt werden. Das Thema soll aber im Rahmen der nächsten offenen Prüfrunde (ab 2026) erneut zur Diskussion gestellt werden. Die nötigen Entscheidgrundlagen sind folglich bereits vorhanden, ein zusätzlicher Bericht würde keinen Mehrwert bringen. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie die Erforschung und Beurteilung von Risiken chemischer Stoffe für Gesundheit und Umwelt, das Monitoring, die Entwicklung von Risikominderungsmassnahmen sowie von Methoden für eine innovative Umsetzung der Prinzipien der nachhaltigen Chemie bei der Entwicklung neuer Chemikalien gestärkt werden können. Zudem soll er aufzeigen, wie eine bessere Vernetzung und Koordination zwischen den in diesem Bereich tätigen Forschungsinstitute, Bundes- und Kantonsstellen und relevanten Industrien erreicht werden kann.</p>
- Forschung zu Risiken und nachhaltigem Umgang mit Chemikalien (Chemikaliensicherheit)
Back to List