Eine Welt- statt einer Landesausstellung in der Schweiz? Eine vergleichende Analyse

ShortId
25.3495
Id
20253495
Updated
14.11.2025 03:01
Language
de
Title
Eine Welt- statt einer Landesausstellung in der Schweiz? Eine vergleichende Analyse
AdditionalIndexing
2831;15;04
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Schweiz veranstaltet regelmässig Landesausstellungen. Sie ist eines der wenigen Länder, die dies tun. Nun wird über eine nächste Ausstellung nachgedacht (siehe Motion 23.3966) und es gibt verschiedene Pläne. Vergleicht man jedoch Landesausstellungen mit Weltausstellungen wie derjenigen, die 2025 in Osaka, Japan, stattfindet, so scheint es, dass bei vergleichbaren Kosten für die öffentliche Hand (ca. 1 Mrd. Franken für die Expo.02, 1,35 Mrd. für die Expo in Osaka) die Besucherzahl deutlich höher sein (etwa doppelt so hoch) und eine deutlich höhere internationale Wirkung erzielt werden können. Die Frage nach den Auswirkungen auf die nationale Identität muss natürlich auch gestellt werden; aber auch hier sind Weltausstellungen in vielerlei Hinsicht (Landes- und Themenpavillons, Gesamtarchitektur, Gesamtthema, Gastronomie, Shows usw.) auch eine Visitenkarte, ein Spiegel und ein Ort der Reflexion über die Identität des Gastlandes. Darum ist es wohl angebracht, sich zu fragen, ob die Schweiz ihr Geld gegebenenfalls besser investieren würde, wenn sie statt einer Landesausstellung eine Weltausstellung in Erwägung zöge. Um die Kosten, die Auswirkungen und die Vor- und Nachteile vergleichen zu können, bitte ich den Bundesrat, eine vergleichende Analyse der beiden Arten von Veranstaltungen durchzuführen und sich dabei insbesondere auf folgende Kriterien zu stützen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Anzahl Besucherinnen und Besucher&nbsp;</li><li>Wirtschaftliche Auswirkungen&nbsp;</li><li>Kosten für die öffentliche Hand.&nbsp;</li><li>Internationale Sichtbarkeit und Auswirkungen auf das Image des Landes</li><li>Stärkung und Reflexion der nationalen Identität und des nationalen Zusammenhalts&nbsp;</li></ol><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen ausführlichen Bericht über diese vergleichende Analyse vorzulegen. Zudem soll der Bericht auch Empfehlungen dazu enthalten, ob die Schweiz in Zukunft eine Weltausstellung ausrichten sollte oder nicht. Dieses Postulat greift der Entscheidung, eine Landesausstellung zu organisieren oder eine Bewerbung für eine Weltausstellung einzureichen, nicht vor. Der geforderte Bericht wird vielmehr das Parlament über die Auswirkungen einer solchen Entscheidung unter Berücksichtigung vergangener Erfahrungen und zukünftiger Möglichkeiten aufklären.</p>
  • <p>Die Schweiz ist noch nie Austragungsort oder Gastgeberland einer Weltausstellung gewesen. Sie nimmt aber regelmässig mit Schweizer Pavillons an Weltausstellungen in anderen Ländern teil, beispielsweise im Jahr 2025 in Osaka, Japan. Landesausstellungen haben in der Schweiz bisher sechs stattgefunden, zuletzt die Expo.02.</p><p>&nbsp;</p><p>Am 25. Juni 2025 hat der Bundesrat den Vorentwurf des neuen Bundesgesetzes über die Förderung von Landesausstellungen (LaFG) in die Vernehmlassung geschickt, da es für eine allfällige Mitfinanzierung durch den Bund eine gesetzliche Grundlage braucht. Der Vorentwurf orientiert sich am «Bericht über die Rahmenbedingungen für eine Landesausstellung», den der Bundesrat am 22. November 2023 verabschiedet hat. Die Frage der gesetzlichen Grundlage würde sich bei einer Weltausstellung in der Schweiz ebenfalls stellen. Gleichzeitig hat sich der Bundesrat vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage und entsprechenden negativen Aussichten gegen die Mitfinanzierung einer Landesausstellung in den 2030er-Jahren entschieden. Sollte der Bundesrat später eine nächste Landesausstellung mitfinanzieren wollen, sieht der Gesetzesentwurf eine deutlich geringere Beteiligung als bei der Expo.02 vor.</p><p>Auch die Finanzierung einer Weltausstellung erscheint im aktuellen Kontext kaum realistisch. Unabhängig von der Art und Dauer der Weltausstellung (drei bzw. sechs Monate) ist davon auszugehen, dass in der kostenintensiven Schweiz und mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen eine Weltausstellung in der Schweiz mit deutlich höheren Ausgaben verbunden wäre als eine Weltausstellung in einem anderen Gastgeberland. Schliesslich unterscheidet sich der Zweck einer Weltausstellung wesentlich von dem einer Landesausstellung. Letztere bietet eine Plattform, um gesellschaftlich relevante Fragen im Inland zu diskutieren, die kulturelle und soziale Vielfalt in der Schweiz zu pflegen und zu feiern sowie innovative Schweizer Lösungsansätze für die Herausforderungen der Zukunft aufzuzeigen. Bei einer Weltausstellung würde es vielmehr darum gehen, die Identität, Rolle und Position der Schweiz in der Welt zur Schau zu stellen. Sie würde den internationalen kulturellen Austausch, die Völkerverständigung sowie die internationalen Beziehungen der Schweiz und ihr weltweites Image fördern.</p><p>Angesichts der aktuellen Situation ist eine vertiefende Analyse zum Vergleich von Landes- und Weltausstellungen nicht angezeigt.<br>&nbsp;</p><p><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.</p>
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen, ob die Schweiz statt einer Landesausstellung eine Weltausstellung organisieren sollte. Zu untersuchen sind die Vor- und Nachteile der beiden Arten von Veranstaltungen insbesondere in Bezug auf Kosten und Auswirkungen .</p>
  • Eine Welt- statt einer Landesausstellung in der Schweiz? Eine vergleichende Analyse
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Schweiz veranstaltet regelmässig Landesausstellungen. Sie ist eines der wenigen Länder, die dies tun. Nun wird über eine nächste Ausstellung nachgedacht (siehe Motion 23.3966) und es gibt verschiedene Pläne. Vergleicht man jedoch Landesausstellungen mit Weltausstellungen wie derjenigen, die 2025 in Osaka, Japan, stattfindet, so scheint es, dass bei vergleichbaren Kosten für die öffentliche Hand (ca. 1 Mrd. Franken für die Expo.02, 1,35 Mrd. für die Expo in Osaka) die Besucherzahl deutlich höher sein (etwa doppelt so hoch) und eine deutlich höhere internationale Wirkung erzielt werden können. Die Frage nach den Auswirkungen auf die nationale Identität muss natürlich auch gestellt werden; aber auch hier sind Weltausstellungen in vielerlei Hinsicht (Landes- und Themenpavillons, Gesamtarchitektur, Gesamtthema, Gastronomie, Shows usw.) auch eine Visitenkarte, ein Spiegel und ein Ort der Reflexion über die Identität des Gastlandes. Darum ist es wohl angebracht, sich zu fragen, ob die Schweiz ihr Geld gegebenenfalls besser investieren würde, wenn sie statt einer Landesausstellung eine Weltausstellung in Erwägung zöge. Um die Kosten, die Auswirkungen und die Vor- und Nachteile vergleichen zu können, bitte ich den Bundesrat, eine vergleichende Analyse der beiden Arten von Veranstaltungen durchzuführen und sich dabei insbesondere auf folgende Kriterien zu stützen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Anzahl Besucherinnen und Besucher&nbsp;</li><li>Wirtschaftliche Auswirkungen&nbsp;</li><li>Kosten für die öffentliche Hand.&nbsp;</li><li>Internationale Sichtbarkeit und Auswirkungen auf das Image des Landes</li><li>Stärkung und Reflexion der nationalen Identität und des nationalen Zusammenhalts&nbsp;</li></ol><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen ausführlichen Bericht über diese vergleichende Analyse vorzulegen. Zudem soll der Bericht auch Empfehlungen dazu enthalten, ob die Schweiz in Zukunft eine Weltausstellung ausrichten sollte oder nicht. Dieses Postulat greift der Entscheidung, eine Landesausstellung zu organisieren oder eine Bewerbung für eine Weltausstellung einzureichen, nicht vor. Der geforderte Bericht wird vielmehr das Parlament über die Auswirkungen einer solchen Entscheidung unter Berücksichtigung vergangener Erfahrungen und zukünftiger Möglichkeiten aufklären.</p>
    • <p>Die Schweiz ist noch nie Austragungsort oder Gastgeberland einer Weltausstellung gewesen. Sie nimmt aber regelmässig mit Schweizer Pavillons an Weltausstellungen in anderen Ländern teil, beispielsweise im Jahr 2025 in Osaka, Japan. Landesausstellungen haben in der Schweiz bisher sechs stattgefunden, zuletzt die Expo.02.</p><p>&nbsp;</p><p>Am 25. Juni 2025 hat der Bundesrat den Vorentwurf des neuen Bundesgesetzes über die Förderung von Landesausstellungen (LaFG) in die Vernehmlassung geschickt, da es für eine allfällige Mitfinanzierung durch den Bund eine gesetzliche Grundlage braucht. Der Vorentwurf orientiert sich am «Bericht über die Rahmenbedingungen für eine Landesausstellung», den der Bundesrat am 22. November 2023 verabschiedet hat. Die Frage der gesetzlichen Grundlage würde sich bei einer Weltausstellung in der Schweiz ebenfalls stellen. Gleichzeitig hat sich der Bundesrat vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage und entsprechenden negativen Aussichten gegen die Mitfinanzierung einer Landesausstellung in den 2030er-Jahren entschieden. Sollte der Bundesrat später eine nächste Landesausstellung mitfinanzieren wollen, sieht der Gesetzesentwurf eine deutlich geringere Beteiligung als bei der Expo.02 vor.</p><p>Auch die Finanzierung einer Weltausstellung erscheint im aktuellen Kontext kaum realistisch. Unabhängig von der Art und Dauer der Weltausstellung (drei bzw. sechs Monate) ist davon auszugehen, dass in der kostenintensiven Schweiz und mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen eine Weltausstellung in der Schweiz mit deutlich höheren Ausgaben verbunden wäre als eine Weltausstellung in einem anderen Gastgeberland. Schliesslich unterscheidet sich der Zweck einer Weltausstellung wesentlich von dem einer Landesausstellung. Letztere bietet eine Plattform, um gesellschaftlich relevante Fragen im Inland zu diskutieren, die kulturelle und soziale Vielfalt in der Schweiz zu pflegen und zu feiern sowie innovative Schweizer Lösungsansätze für die Herausforderungen der Zukunft aufzuzeigen. Bei einer Weltausstellung würde es vielmehr darum gehen, die Identität, Rolle und Position der Schweiz in der Welt zur Schau zu stellen. Sie würde den internationalen kulturellen Austausch, die Völkerverständigung sowie die internationalen Beziehungen der Schweiz und ihr weltweites Image fördern.</p><p>Angesichts der aktuellen Situation ist eine vertiefende Analyse zum Vergleich von Landes- und Weltausstellungen nicht angezeigt.<br>&nbsp;</p><p><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.</p>
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen, ob die Schweiz statt einer Landesausstellung eine Weltausstellung organisieren sollte. Zu untersuchen sind die Vor- und Nachteile der beiden Arten von Veranstaltungen insbesondere in Bezug auf Kosten und Auswirkungen .</p>
    • Eine Welt- statt einer Landesausstellung in der Schweiz? Eine vergleichende Analyse

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