Ausstieg aus der Manosphere erleichtern

ShortId
25.3513
Id
20253513
Updated
14.11.2025 02:59
Language
de
Title
Ausstieg aus der Manosphere erleichtern
AdditionalIndexing
28;34
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Unter dem Begriff der Manosphere wird ein loses, antifeministisches Netzwerk verstanden. Es besteht vornehmlich aus sog. Influencern und Bloggern. Die Protagonisten der Manosphere propagieren offen radikale Vorstellungen hegemonialer Männlichkeit und frauenfeindliche Einstellungen. Die Manosphere spielt wohl eine wichtige Rolle bei der Verbreitung gewaltbegünstigender Männlichkeitsvorstellungen gerade bei jüngeren Generationen. Der Bundesrat hat dieses Problem in seiner Antwort auf das Postulat Graf 19.3618 und in der Studie des EBG "Präventionsansätze gegen gewaltbegünstigende Männlichkeitsvorstellungen" grundsätzlich anerkannt.&nbsp;Die Studie stellt fest, das "bisher nur wenige Ansätze in der Gewaltprävention eine geschlechterspezifische Perspektive als zentrale Dimension einbeziehen". Die Schaffung von spezifischen Präventions- und Ausstiegsangeboten für Männer in der Manosphere ist aber nicht explizit Bestandteil der weiter verfolgten Massnahmen aus dem Bericht des EBG. Vor diesem Hintergrund stelle ich dem Bundesrat nachfolgende Fragen.</p>
  • <span><p><span>1. Der Bundesrat bekräftigt die Erkenntnisse der vom Interpellanten erwähnten Berichte, dass Männlichkeitsvorstellungen mit Macht-, Dominanz- und Besitzansprüchen geschlechts</span><span>­</span><span>bezogene Gewalt begünstigen und dass bisherige Ansätze der Gewaltprävention kaum eine geschlechtsspezifische Perspektive integrieren. Der Bericht «Präventionsansätze gegen gewaltbegünstigende Männlichkeitsvorstellungen» des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) (</span><a href="http://www.ebg.admin.ch"><u><span>www.ebg.admin.ch</span></u></a><span> &gt; Über das EBG &gt; Publikationen) verweist auf die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine Zunahme von gewaltakzeptierenden, extremistischen Einstel</span><span>­</span><span>lungen unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern in der Schweiz feststellen. Diese Zunahme wird auch mit Einflüssen durch soziale Medien und Online-Netzwerken wie der Mannosphäre erklärt.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2.-4. Unterstützungsangebote für radikalisierte und gewaltbereite Personen, insbesondere junge Männer, erachtet der Bundesrat als zentrales Mittel der Prävention. Onlineberatungs</span><span>­</span><span>angebote wie die aufsuchende Sozialarbeit und Angebote für Angehörige können dabei ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Der Bericht des EBG zeigt, dass erst wenige Ansätze in der Gewaltprävention eine geschlechterspezifische Perspektive einnehmen. Insgesamt muss in Bezug auf Unterstützungsangebote von einer Angebotslücke ausgegangen werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bund plant keine Schaffung von Präventions- und Ausstiegsangeboten, kann aber mit Finanzhilfen entsprechende Projekte Dritter unterstützen. Der Bundesrat weist in seiner Stellungnahme zur Motion 25.3398 Clivaz «Bekämpfung der Ausbreitung maskulinistischer Ideologien dank verbesserter Datenlage» auf aktuell unterstützte Projekte hin.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Im Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus wurde das Prinzip der Gendersensibilität und des Gender</span><span>­</span><span>mainstreaming aufgenommen, um Radikalisierungsdynamiken in Verbindung mit traditionel</span><span>­</span><span>len Geschlechternormen zu sehen. In diesem Bereich wurde beispielsweise ein Projekt zum Thema Männlichkeitsreflexion für die Radikalisierungsprävention finanziell vom Bund unter</span><span>­</span><span>stützt (</span><a href="http://www.svs-rns.ch"><u><span>www.svs-rns.ch</span></u></a><span></span><span>&nbsp;</span><span>&gt;Themen und Handlungsfelder &gt; Prävention von Radikalisierung und Extremismus &gt; Finanzierungsprogramm).</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Ferner sehen der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention und die Roadmap gegen häusliche Gewalt Massnahmen zur Förderung von Projekten zu Gewalt</span><span>­</span><span>losigkeit und Gleichstellung in der Schule sowie zur Stärkung der Arbeit mit gewaltausüben</span><span>­</span><span>den Personen vor (abrufbar unter </span><a href="https://www.gleichstellung2030.ch"><u><span>www.gleichstellung2030.ch</span></u></a><span> &gt; Aktionsplan &gt; Suchen &gt;</span><span>&nbsp;</span><em><span>NAP IK 11 bzw. NAP IK 15 eingeben</span></em><span> und </span><a href="http://www.bj.admin.ch"><u><span>www.bj.admin.ch</span></u></a><span> &gt; Gesellschaft &gt; Häusliche Gewalt &gt; Strategischer Dialog "Häusliche Gewalt").</span><span>&nbsp;</span><span>Zudem trägt die Plattform «Jugend und Medien» des BSV dazu bei, Eltern und Lehrpersonen zu Diskriminierung sowie Gewalt und Hass im Netz, darunter auch Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, zu informieren und sensibilisieren (</span><a href="www.jugendundmedien.ch"><u><span>www.jugendundmedien.ch</span></u></a><span>).</span></p></span>
  • <ol style="list-style-type:decimal;"><li>Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass das Problem der Manosphere wohl einen bedeutenden Anteil hat an der Radikalisierung von Jugendlichen in Richtung frauenfeindlicher und gewaltbegünstigender Männlichkeitsvorstellungen? Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen in Europa und Nordamerika die Bedrohung aus der Manosphere zunehmen dürfte?</li><li>Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass es heute an Angeboten mangelt, die junge, gefährderte oder bereits in der Manosphere gefangene Männer aufsucht und ihnen den Ausstieg erleichtert? Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass es wichtig wäre, dass sich auch Angehörige von betroffenen Männern niederschwellig beraten und unterstützen lassen können? Gibt es nach Ansicht des Bundesrates dafür genügend Angebote? Sind diese Angebote ausreichend bekannt?</li><li>Hat der Bundesrat vor, die die Einrichtung von spezifischen Präventions- und Ausstiegsangeboten in Zukunft zu fördern oder zu unterstützen? Wenn nein, warum nicht?</li><li>Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass zu solchen Präventions- und Ausstiegsangeboten auch Angebote der aufsuchenden Sozialarbeit im Internet, spezfisch in und um die Manopshere, gehören müssten? Welche Angebote solcher digitalen Sozialarbeit sind dem Bundesrat bekannt? Wie will der Bundesrat solche Angebote fördern?</li></ol>
  • Ausstieg aus der Manosphere erleichtern
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Unter dem Begriff der Manosphere wird ein loses, antifeministisches Netzwerk verstanden. Es besteht vornehmlich aus sog. Influencern und Bloggern. Die Protagonisten der Manosphere propagieren offen radikale Vorstellungen hegemonialer Männlichkeit und frauenfeindliche Einstellungen. Die Manosphere spielt wohl eine wichtige Rolle bei der Verbreitung gewaltbegünstigender Männlichkeitsvorstellungen gerade bei jüngeren Generationen. Der Bundesrat hat dieses Problem in seiner Antwort auf das Postulat Graf 19.3618 und in der Studie des EBG "Präventionsansätze gegen gewaltbegünstigende Männlichkeitsvorstellungen" grundsätzlich anerkannt.&nbsp;Die Studie stellt fest, das "bisher nur wenige Ansätze in der Gewaltprävention eine geschlechterspezifische Perspektive als zentrale Dimension einbeziehen". Die Schaffung von spezifischen Präventions- und Ausstiegsangeboten für Männer in der Manosphere ist aber nicht explizit Bestandteil der weiter verfolgten Massnahmen aus dem Bericht des EBG. Vor diesem Hintergrund stelle ich dem Bundesrat nachfolgende Fragen.</p>
    • <span><p><span>1. Der Bundesrat bekräftigt die Erkenntnisse der vom Interpellanten erwähnten Berichte, dass Männlichkeitsvorstellungen mit Macht-, Dominanz- und Besitzansprüchen geschlechts</span><span>­</span><span>bezogene Gewalt begünstigen und dass bisherige Ansätze der Gewaltprävention kaum eine geschlechtsspezifische Perspektive integrieren. Der Bericht «Präventionsansätze gegen gewaltbegünstigende Männlichkeitsvorstellungen» des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) (</span><a href="http://www.ebg.admin.ch"><u><span>www.ebg.admin.ch</span></u></a><span> &gt; Über das EBG &gt; Publikationen) verweist auf die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine Zunahme von gewaltakzeptierenden, extremistischen Einstel</span><span>­</span><span>lungen unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern in der Schweiz feststellen. Diese Zunahme wird auch mit Einflüssen durch soziale Medien und Online-Netzwerken wie der Mannosphäre erklärt.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2.-4. Unterstützungsangebote für radikalisierte und gewaltbereite Personen, insbesondere junge Männer, erachtet der Bundesrat als zentrales Mittel der Prävention. Onlineberatungs</span><span>­</span><span>angebote wie die aufsuchende Sozialarbeit und Angebote für Angehörige können dabei ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Der Bericht des EBG zeigt, dass erst wenige Ansätze in der Gewaltprävention eine geschlechterspezifische Perspektive einnehmen. Insgesamt muss in Bezug auf Unterstützungsangebote von einer Angebotslücke ausgegangen werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bund plant keine Schaffung von Präventions- und Ausstiegsangeboten, kann aber mit Finanzhilfen entsprechende Projekte Dritter unterstützen. Der Bundesrat weist in seiner Stellungnahme zur Motion 25.3398 Clivaz «Bekämpfung der Ausbreitung maskulinistischer Ideologien dank verbesserter Datenlage» auf aktuell unterstützte Projekte hin.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Im Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus wurde das Prinzip der Gendersensibilität und des Gender</span><span>­</span><span>mainstreaming aufgenommen, um Radikalisierungsdynamiken in Verbindung mit traditionel</span><span>­</span><span>len Geschlechternormen zu sehen. In diesem Bereich wurde beispielsweise ein Projekt zum Thema Männlichkeitsreflexion für die Radikalisierungsprävention finanziell vom Bund unter</span><span>­</span><span>stützt (</span><a href="http://www.svs-rns.ch"><u><span>www.svs-rns.ch</span></u></a><span></span><span>&nbsp;</span><span>&gt;Themen und Handlungsfelder &gt; Prävention von Radikalisierung und Extremismus &gt; Finanzierungsprogramm).</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Ferner sehen der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention und die Roadmap gegen häusliche Gewalt Massnahmen zur Förderung von Projekten zu Gewalt</span><span>­</span><span>losigkeit und Gleichstellung in der Schule sowie zur Stärkung der Arbeit mit gewaltausüben</span><span>­</span><span>den Personen vor (abrufbar unter </span><a href="https://www.gleichstellung2030.ch"><u><span>www.gleichstellung2030.ch</span></u></a><span> &gt; Aktionsplan &gt; Suchen &gt;</span><span>&nbsp;</span><em><span>NAP IK 11 bzw. NAP IK 15 eingeben</span></em><span> und </span><a href="http://www.bj.admin.ch"><u><span>www.bj.admin.ch</span></u></a><span> &gt; Gesellschaft &gt; Häusliche Gewalt &gt; Strategischer Dialog "Häusliche Gewalt").</span><span>&nbsp;</span><span>Zudem trägt die Plattform «Jugend und Medien» des BSV dazu bei, Eltern und Lehrpersonen zu Diskriminierung sowie Gewalt und Hass im Netz, darunter auch Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, zu informieren und sensibilisieren (</span><a href="www.jugendundmedien.ch"><u><span>www.jugendundmedien.ch</span></u></a><span>).</span></p></span>
    • <ol style="list-style-type:decimal;"><li>Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass das Problem der Manosphere wohl einen bedeutenden Anteil hat an der Radikalisierung von Jugendlichen in Richtung frauenfeindlicher und gewaltbegünstigender Männlichkeitsvorstellungen? Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen in Europa und Nordamerika die Bedrohung aus der Manosphere zunehmen dürfte?</li><li>Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass es heute an Angeboten mangelt, die junge, gefährderte oder bereits in der Manosphere gefangene Männer aufsucht und ihnen den Ausstieg erleichtert? Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass es wichtig wäre, dass sich auch Angehörige von betroffenen Männern niederschwellig beraten und unterstützen lassen können? Gibt es nach Ansicht des Bundesrates dafür genügend Angebote? Sind diese Angebote ausreichend bekannt?</li><li>Hat der Bundesrat vor, die die Einrichtung von spezifischen Präventions- und Ausstiegsangeboten in Zukunft zu fördern oder zu unterstützen? Wenn nein, warum nicht?</li><li>Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass zu solchen Präventions- und Ausstiegsangeboten auch Angebote der aufsuchenden Sozialarbeit im Internet, spezfisch in und um die Manopshere, gehören müssten? Welche Angebote solcher digitalen Sozialarbeit sind dem Bundesrat bekannt? Wie will der Bundesrat solche Angebote fördern?</li></ol>
    • Ausstieg aus der Manosphere erleichtern

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