Zukunft des Alpentransits. Wie begegnet der Bund der Zunahme des LKW-Verkehrs nach dem Wegfall der rollenden Landstrasse?

ShortId
25.3541
Id
20253541
Updated
14.11.2025 02:53
Language
de
Title
Zukunft des Alpentransits. Wie begegnet der Bund der Zunahme des LKW-Verkehrs nach dem Wegfall der rollenden Landstrasse?
AdditionalIndexing
48
1
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <span><p><span>1./3.</span><span>&nbsp;</span><span>Aktuell werden mit der Rollenden Landstrasse (Rola) zwischen Freiburg im Breisgau und Novara täglich rund 140 Fahrzeuge (Durchschnitt pro Tag für 2025) befördert. Auf der Autobahn A2 verkehren heute – gemessen im Gotthard-Tunnel und für die ersten Wochen 2025 – täglich rund 16’500 Fahrzeuge, davon rund 15 Prozent schwere Güterverkehrsfahrzeuge. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass alle heute mit der Rola transportierten Fahrzeuge auf der A2 verkehren, würde dies eine Zunahme der Fahrzeugfahrten um rund 0,85 Prozent und eine Zunahme bei den schweren Güterverkehrsfahrzeugen um 5,5 Prozent bedeuten. Es ist zu erwarten, dass diese geringe Mehrbelastung keine messbaren Auswirkungen auf Verkehrssicherheit sowie Infrastruktur- und Unterhaltskosten hat. Auch dürften somit dem Tourismus keine Nachteile entstehen. </span><br><span>Selbst wenn alle 2024 mit der Rola transportierten Fahrzeuge auf der Strasse die Schweizer Alpenübergänge genutzt hätten, wäre die Zahl schwerer Güterfahrzeuge mit 1,032 Mio. Fahrten noch deutlich unter den Werten vor 2012 gelegen, als bis zu 1,4 Millionen alpenquerende Fahrten schwerer Güterfahrzeuge zu verzeichnen waren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass nicht alle Rola-Transporte auf die A2 wechseln. Ein Teil der mit der Rola beförderten Lastwagen hat Gefahrgut geladen, dessen Transport in den Tunneln an den Strassen-Übergängen Gotthard, Grosser St. Bernhard und San Bernardino verboten ist. Für diese Verkehre dürfte im Transit durch die Schweiz auch weiterhin eine Schienenlösung im Vordergrund stehen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2.</span><span>&nbsp;</span><span>Die vorgezogene Einstellung der Rola ist primär begründet mit der schlechten Infrastrukturverfügbarkeit infolge Baustellen sowie Störungen und Ereignissen auf den Zulaufstrecken zur Schweiz. </span><span>Die erhöhte Baustellentätigkeit liegt zum grossen Teil im Ausbau der Zulaufstrecken zur NEAT begründet. Die Baustellen reduzieren aktuell die Kapazitäten auf dem Nord-Süd-Korridor erheblich, sind jedoch für eine langfristig erfolgreiche Schweizer Verlagerungspolitik unverzichtbar. Das Bundesamt für Verkehr prüft mit den Branchenakteuren Massnahmen, mit denen ein Wechsel der Transporte in den unbegleiteten kombinierten Verkehr (UKV) oder andere multimodale Logistiklösungen beschleunigt oder erleichtert werden kann. Das Ziel ist, die Rückverlagerung von Transporten auf die Strasse zeitlich und mengenmässig zu begrenzen. Der Bundesrat wird hierzu im Verlagerungsbericht 2025 Bericht erstatten. Dieser wird voraussichtlich im November 2025 verabschiedet werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4.</span><span>&nbsp;</span><span>Das bestehende Schwerverkehrsmanagement auf den Transit-Strassenachsen durch die Schweiz ist bereits heute stark ausgelastet. Das zuständige Bundesamt für Strassen arbeitet deshalb daran, weitere Lastwagenabstellplätze und Warteräume zur Verfügung zu stellen. Die Suche nach geeigneten Flächen gestaltet sich jedoch schwierig und ist langwierig. Das geringe mit der Einstellung der Rola zu erwartende Verkehrswachstum erfordert darüber hinaus keine besonderen oder zusätzlichen Massnahmen der Verkehrslenkung.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5./6.</span><span>&nbsp;</span><span>Der Bundesrat erachtet die Gefahr eines Trendbruchs bei der Verlagerungspolitik als real gegeben an. In den kommenden Jahren ist mit einer gegenüber heute höheren Zahl an alpenquerenden Lastwagenfahrten und einer Verschiebung des Modal Split zulasten der Schiene zu rechnen. Aufgrund der mangelhaften Verfügbarkeit und Qualität der Schieneninfrastrukturen im angrenzenden Ausland liegt der Fokus auf Massnahmen in diesem Bereich. Der Bundesrat wird auch hierzu im Verlagerungsbericht 2025 ausführlich Bericht erstatten.</span></p></span>
  • <p>Mit der angekündigten Einstellung der Rollenden Landstrasse (Rola) per Ende 2025 fällt ein zentrales Instrument der Schweizer Verlagerungspolitik weg. Rund 70'000 Lastwagenfahrten, die bisher per Bahn transportiert wurden, drohen neu auf die Strasse zu verlagern – obwohl das in der Bundesverfassung festgelegte Ziel von maximal 650'000 alpenquerenden Fahrten pro Jahr bereits deutlich überschritten ist.</p><p>Die Belastung der zentralen Transitachsen – insbesondere am Gotthard (Kantone Uri und Tessin) sowie in den Kantonen Graubünden und Wallis – wird dadurch erheblich zunehmen, was zu Rückstaus im gesamten Nationalstrassennetz führen kann. Gleichzeitig bestehen Engpässe im internationalen Schienennetz, beispielsweise entlang der Brennerroute. Diese Entwicklung bringt erhebliche verkehrliche, ökologische und sicherheitstechnische Risiken mit sich.</p><p>&nbsp;</p><p>Fragen an den Bundesrat:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche Auswirkungen erwartet der Bundesrat hinsichtlich Verkehrssicherheit sowie Infrastruktur- und Unterhaltskosten in den besonders betroffenen Regionen?</li><li>Welche kurzfristigen Massnahmen plant der Bundesrat, um die erwartete Mehrbelastung der Transitachsen durch den Wegfall der Rola abzufedern?</li><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Auswirkungen auf den Tourismus in den betroffenen Regionen durch die zu erwartende Zunahme des Verkehrs?</li><li>Welche konkreten Optionen prüft der Bundesrat zur besseren Verteilung des LKW-Verkehrs auf verschiedene Transitrouten in der Schweiz (z. B. Gotthard, Lötschberg-Simplon, San Bernardino) sowie im internationalen Kontext?</li><li>Wie schätzt der Bundesrat das Risiko eines Rückschritts in der Güterverlagerungspolitik ein – insbesondere mit Blick auf die Klimaziele, Umweltbelastung und Lebensqualität in den betroffenen Regionen und der Schweiz insgesamt?</li><li>Welche verkehrs- und politischen Konsequenzen zieht der Bundesrat aus dieser neuen Herausforderung im Alpentransitverkehr?&nbsp;</li></ol>
  • Zukunft des Alpentransits. Wie begegnet der Bund der Zunahme des LKW-Verkehrs nach dem Wegfall der rollenden Landstrasse?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1./3.</span><span>&nbsp;</span><span>Aktuell werden mit der Rollenden Landstrasse (Rola) zwischen Freiburg im Breisgau und Novara täglich rund 140 Fahrzeuge (Durchschnitt pro Tag für 2025) befördert. Auf der Autobahn A2 verkehren heute – gemessen im Gotthard-Tunnel und für die ersten Wochen 2025 – täglich rund 16’500 Fahrzeuge, davon rund 15 Prozent schwere Güterverkehrsfahrzeuge. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass alle heute mit der Rola transportierten Fahrzeuge auf der A2 verkehren, würde dies eine Zunahme der Fahrzeugfahrten um rund 0,85 Prozent und eine Zunahme bei den schweren Güterverkehrsfahrzeugen um 5,5 Prozent bedeuten. Es ist zu erwarten, dass diese geringe Mehrbelastung keine messbaren Auswirkungen auf Verkehrssicherheit sowie Infrastruktur- und Unterhaltskosten hat. Auch dürften somit dem Tourismus keine Nachteile entstehen. </span><br><span>Selbst wenn alle 2024 mit der Rola transportierten Fahrzeuge auf der Strasse die Schweizer Alpenübergänge genutzt hätten, wäre die Zahl schwerer Güterfahrzeuge mit 1,032 Mio. Fahrten noch deutlich unter den Werten vor 2012 gelegen, als bis zu 1,4 Millionen alpenquerende Fahrten schwerer Güterfahrzeuge zu verzeichnen waren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass nicht alle Rola-Transporte auf die A2 wechseln. Ein Teil der mit der Rola beförderten Lastwagen hat Gefahrgut geladen, dessen Transport in den Tunneln an den Strassen-Übergängen Gotthard, Grosser St. Bernhard und San Bernardino verboten ist. Für diese Verkehre dürfte im Transit durch die Schweiz auch weiterhin eine Schienenlösung im Vordergrund stehen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2.</span><span>&nbsp;</span><span>Die vorgezogene Einstellung der Rola ist primär begründet mit der schlechten Infrastrukturverfügbarkeit infolge Baustellen sowie Störungen und Ereignissen auf den Zulaufstrecken zur Schweiz. </span><span>Die erhöhte Baustellentätigkeit liegt zum grossen Teil im Ausbau der Zulaufstrecken zur NEAT begründet. Die Baustellen reduzieren aktuell die Kapazitäten auf dem Nord-Süd-Korridor erheblich, sind jedoch für eine langfristig erfolgreiche Schweizer Verlagerungspolitik unverzichtbar. Das Bundesamt für Verkehr prüft mit den Branchenakteuren Massnahmen, mit denen ein Wechsel der Transporte in den unbegleiteten kombinierten Verkehr (UKV) oder andere multimodale Logistiklösungen beschleunigt oder erleichtert werden kann. Das Ziel ist, die Rückverlagerung von Transporten auf die Strasse zeitlich und mengenmässig zu begrenzen. Der Bundesrat wird hierzu im Verlagerungsbericht 2025 Bericht erstatten. Dieser wird voraussichtlich im November 2025 verabschiedet werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4.</span><span>&nbsp;</span><span>Das bestehende Schwerverkehrsmanagement auf den Transit-Strassenachsen durch die Schweiz ist bereits heute stark ausgelastet. Das zuständige Bundesamt für Strassen arbeitet deshalb daran, weitere Lastwagenabstellplätze und Warteräume zur Verfügung zu stellen. Die Suche nach geeigneten Flächen gestaltet sich jedoch schwierig und ist langwierig. Das geringe mit der Einstellung der Rola zu erwartende Verkehrswachstum erfordert darüber hinaus keine besonderen oder zusätzlichen Massnahmen der Verkehrslenkung.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5./6.</span><span>&nbsp;</span><span>Der Bundesrat erachtet die Gefahr eines Trendbruchs bei der Verlagerungspolitik als real gegeben an. In den kommenden Jahren ist mit einer gegenüber heute höheren Zahl an alpenquerenden Lastwagenfahrten und einer Verschiebung des Modal Split zulasten der Schiene zu rechnen. Aufgrund der mangelhaften Verfügbarkeit und Qualität der Schieneninfrastrukturen im angrenzenden Ausland liegt der Fokus auf Massnahmen in diesem Bereich. Der Bundesrat wird auch hierzu im Verlagerungsbericht 2025 ausführlich Bericht erstatten.</span></p></span>
    • <p>Mit der angekündigten Einstellung der Rollenden Landstrasse (Rola) per Ende 2025 fällt ein zentrales Instrument der Schweizer Verlagerungspolitik weg. Rund 70'000 Lastwagenfahrten, die bisher per Bahn transportiert wurden, drohen neu auf die Strasse zu verlagern – obwohl das in der Bundesverfassung festgelegte Ziel von maximal 650'000 alpenquerenden Fahrten pro Jahr bereits deutlich überschritten ist.</p><p>Die Belastung der zentralen Transitachsen – insbesondere am Gotthard (Kantone Uri und Tessin) sowie in den Kantonen Graubünden und Wallis – wird dadurch erheblich zunehmen, was zu Rückstaus im gesamten Nationalstrassennetz führen kann. Gleichzeitig bestehen Engpässe im internationalen Schienennetz, beispielsweise entlang der Brennerroute. Diese Entwicklung bringt erhebliche verkehrliche, ökologische und sicherheitstechnische Risiken mit sich.</p><p>&nbsp;</p><p>Fragen an den Bundesrat:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche Auswirkungen erwartet der Bundesrat hinsichtlich Verkehrssicherheit sowie Infrastruktur- und Unterhaltskosten in den besonders betroffenen Regionen?</li><li>Welche kurzfristigen Massnahmen plant der Bundesrat, um die erwartete Mehrbelastung der Transitachsen durch den Wegfall der Rola abzufedern?</li><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Auswirkungen auf den Tourismus in den betroffenen Regionen durch die zu erwartende Zunahme des Verkehrs?</li><li>Welche konkreten Optionen prüft der Bundesrat zur besseren Verteilung des LKW-Verkehrs auf verschiedene Transitrouten in der Schweiz (z. B. Gotthard, Lötschberg-Simplon, San Bernardino) sowie im internationalen Kontext?</li><li>Wie schätzt der Bundesrat das Risiko eines Rückschritts in der Güterverlagerungspolitik ein – insbesondere mit Blick auf die Klimaziele, Umweltbelastung und Lebensqualität in den betroffenen Regionen und der Schweiz insgesamt?</li><li>Welche verkehrs- und politischen Konsequenzen zieht der Bundesrat aus dieser neuen Herausforderung im Alpentransitverkehr?&nbsp;</li></ol>
    • Zukunft des Alpentransits. Wie begegnet der Bund der Zunahme des LKW-Verkehrs nach dem Wegfall der rollenden Landstrasse?

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