Für eine Gesetzgebung gegen "cheating" bei Online-Wettkämpfen
- ShortId
-
25.3574
- Id
-
20253574
- Updated
-
14.11.2025 02:55
- Language
-
de
- Title
-
Für eine Gesetzgebung gegen "cheating" bei Online-Wettkämpfen
- AdditionalIndexing
-
34;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Geldspiele sind in der Schweiz rechtlich klar geregelt, um Betrug zu verhindern, Fairness zu gewährleisten und die Beteiligten zu schützen. Bei Online-Wettkämpfen – beim E-Sport oder Schach beispielsweise – werden heute sehr hohe Erträge erwirtschaftet: Beim Dota-2-Turnier «The International» wurde beispielsweise ein Gesamtpreisgeld von über 40 Millionen US-Dollar ausgegeben. Professionelle Gamerinnen und Gamer erhalten fünfstellige Gehälter und dazu kommen noch Einnahmen aus Streaming, Sponsoring und Werbung. Der E-Sport-Markt im Jahr 2024 wird auf 1,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auch beim Online-Schach, das zunehmend an Beliebtheit gewinnt, können Gewinne erzielt werden. Dabei beeinflusst die Platzierung den Bekanntheitsgrad und das Einkommen.</p><p> </p><p>In der Schweiz gibt es bislang keine Rechtsgrundlage gegen «Cheating» bei diesen Spielen. In Südkorea hingegen wurde 2017 ein Gesetz verabschiedet, das die Herstellung und Nutzung von Cheat-Software verbietet, womit ihre wirtschaftliche und ethische Bedeutung anerkannt wird.</p><p> </p><p>Besonders schwer wiegt, dass gemäss einer Studie des ehemaligen Schachweltmeisters Wladimir Kramnik mindestens 20 Prozent der professionellen Schachspielerinnen und -spieler online statistische Indikatoren für «Cheating» aufweisen. Dies zeigt, dass die Integrität der Wettkämpfe – und der Spiele im Allgemeinen – ohne einen rechtlichen Rahmen bedroht ist. Wenn moderne Technologien und die künstliche Intelligenz eingesetzt werden, kann eine ehrliche Spielerin oder ein ehrlicher Spieler, anders als bei Praktiken wie dem Doping, nicht mehr mit den unehrlichen mithalten, in diesem Fall mit denen, die maschinelle Tools brauchen. Damit kommt das «Cheating» dem kriminellen Betrug nahe.</p><p> </p><p>Ursprünglich war man der Meinung, dass die künstliche Intelligenz uns alltägliche Aufgaben abnimmt, damit wir uns der Kunst und intellektuellen Aufgaben widmen können. Heute nimmt sie uns die intellektuellen Aufgaben ab und schafft an unserer Stelle Kunstwerke, wodurch wir mehr Zeit für unsere lästigen Pflichten haben. Mit einer gesetzlichen Regelung könnte dies wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.</p>
- <span><p><span>1. Die Schweizer Rechtsordnung ist auch auf Online-Sachverhalte anwendbar. Online-Wettkämpfe bewegen sich somit nicht im rechtsfreien Raum. Insbesondere gelten für die Teilnehmenden Artikel 146, 147 oder 151 Strafgesetzbuch (SR 311.0) oder Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (SR 241), welche betrügerische Verhaltensweisen regeln. Zudem erfasst das Übereinkommen des Europarates gegen die Manipulation von Sportwettbewerben vom 18. September 2014 (SR 0.415.4), das die Schweiz 2018 ratifiziert hat, Schach, nicht jedoch den E-Sport (vgl. Liste der «organisations sportives» </span><a href="https://rm.coe.int/t-mc-2021-18-en-sports-organisations/1680a41399"><u><span>https://rm.coe.int/t-mc-2021-18-en-sports-organisations/1680a41399</span></u></a><span> ). </span></p><p><span> </span></p><p><span>2./3. Angesichts des bestehenden rechtlichen Rahmens zur Betrugsbekämpfung erachtet der Bundesrat eine Spezialregelung zurzeit nicht als notwendig. Er beobachtet aber die internationalen Entwicklungen, so auch die Regulierung in Südkorea.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Wie im traditionellen Sport liegt es im Interesse und in der Verantwortung der Organisatoren von entsprechenden Wettkämpfen, die notwendigen Disziplinarregeln oder Teilnahmebedingungen aufzustellen, damit faires und ethisch korrektes Verhalten der Teilnehmenden gefördert und fehlbares Verhalten wie «Cheating» sanktioniert wird. In vielen Fällen handelt es sich bei den Organisatoren denn auch um kommerzielle Unternehmen, namentlich Spielentwickler, Publisher oder kommerzielle Eventveranstalter. Die vom privatrechtlich organisierten Sport in der Schweiz entwickelten Regeln und Verfahren können dazu Vorbild sein (vgl. </span><a href="https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik"><u><span>https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik</span></u></a><span> ).</span></p><p><span> </span></p><p><span>Ziel von Betrugs- oder Manipulationshandlung im Sport ist häufig einen unrechtmässigen Wettgewinn zu realisieren. In der Schweiz sind die zulässigen Wetten jedoch beschränkt auf die in der Positivliste der interkantonalen Geldspielaufsicht (Gespa) aufgeführten Sportarten und Wettkämpfe (vgl. </span><a href="https://www.gespa.ch/download/pictures/86/y70f8984qvsbhhgqnlpgkvnw0dvt7v/liste_zugelassenes_wettangebot.pdf"><u><span>https://www.gespa.ch/download/pictures/86/y70f8984qvsbhhgqnlpgkvnw0dvt7v/liste_zugelassenes_wettangebot.pdf</span></u></a><span> ). Schach oder E-Sports-Aktivitäten sind nicht darunter. Das bedeutet, dass auf solchen Wettkämpfen in der Schweiz keine Wetten angeboten werden dürfen.</span></p></span>
- <p>1. Stimmt es, dass «Cheating» bei Online-Wettkämpfen heute nicht rechtlich geregelt ist?</p><p>2. Meint der Bundesrat nicht, dass es notwendig ist, in der Schweiz eine solche Regelung einzuführen?</p><p>3. Sollten wir uns bei der Frage, wie die genannten Praktiken erkannt und bestraft werden könnten, nicht von der Gesetzgebung in der Republik Korea inspirieren lassen?</p>
- Für eine Gesetzgebung gegen "cheating" bei Online-Wettkämpfen
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Geldspiele sind in der Schweiz rechtlich klar geregelt, um Betrug zu verhindern, Fairness zu gewährleisten und die Beteiligten zu schützen. Bei Online-Wettkämpfen – beim E-Sport oder Schach beispielsweise – werden heute sehr hohe Erträge erwirtschaftet: Beim Dota-2-Turnier «The International» wurde beispielsweise ein Gesamtpreisgeld von über 40 Millionen US-Dollar ausgegeben. Professionelle Gamerinnen und Gamer erhalten fünfstellige Gehälter und dazu kommen noch Einnahmen aus Streaming, Sponsoring und Werbung. Der E-Sport-Markt im Jahr 2024 wird auf 1,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auch beim Online-Schach, das zunehmend an Beliebtheit gewinnt, können Gewinne erzielt werden. Dabei beeinflusst die Platzierung den Bekanntheitsgrad und das Einkommen.</p><p> </p><p>In der Schweiz gibt es bislang keine Rechtsgrundlage gegen «Cheating» bei diesen Spielen. In Südkorea hingegen wurde 2017 ein Gesetz verabschiedet, das die Herstellung und Nutzung von Cheat-Software verbietet, womit ihre wirtschaftliche und ethische Bedeutung anerkannt wird.</p><p> </p><p>Besonders schwer wiegt, dass gemäss einer Studie des ehemaligen Schachweltmeisters Wladimir Kramnik mindestens 20 Prozent der professionellen Schachspielerinnen und -spieler online statistische Indikatoren für «Cheating» aufweisen. Dies zeigt, dass die Integrität der Wettkämpfe – und der Spiele im Allgemeinen – ohne einen rechtlichen Rahmen bedroht ist. Wenn moderne Technologien und die künstliche Intelligenz eingesetzt werden, kann eine ehrliche Spielerin oder ein ehrlicher Spieler, anders als bei Praktiken wie dem Doping, nicht mehr mit den unehrlichen mithalten, in diesem Fall mit denen, die maschinelle Tools brauchen. Damit kommt das «Cheating» dem kriminellen Betrug nahe.</p><p> </p><p>Ursprünglich war man der Meinung, dass die künstliche Intelligenz uns alltägliche Aufgaben abnimmt, damit wir uns der Kunst und intellektuellen Aufgaben widmen können. Heute nimmt sie uns die intellektuellen Aufgaben ab und schafft an unserer Stelle Kunstwerke, wodurch wir mehr Zeit für unsere lästigen Pflichten haben. Mit einer gesetzlichen Regelung könnte dies wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.</p>
- <span><p><span>1. Die Schweizer Rechtsordnung ist auch auf Online-Sachverhalte anwendbar. Online-Wettkämpfe bewegen sich somit nicht im rechtsfreien Raum. Insbesondere gelten für die Teilnehmenden Artikel 146, 147 oder 151 Strafgesetzbuch (SR 311.0) oder Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (SR 241), welche betrügerische Verhaltensweisen regeln. Zudem erfasst das Übereinkommen des Europarates gegen die Manipulation von Sportwettbewerben vom 18. September 2014 (SR 0.415.4), das die Schweiz 2018 ratifiziert hat, Schach, nicht jedoch den E-Sport (vgl. Liste der «organisations sportives» </span><a href="https://rm.coe.int/t-mc-2021-18-en-sports-organisations/1680a41399"><u><span>https://rm.coe.int/t-mc-2021-18-en-sports-organisations/1680a41399</span></u></a><span> ). </span></p><p><span> </span></p><p><span>2./3. Angesichts des bestehenden rechtlichen Rahmens zur Betrugsbekämpfung erachtet der Bundesrat eine Spezialregelung zurzeit nicht als notwendig. Er beobachtet aber die internationalen Entwicklungen, so auch die Regulierung in Südkorea.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Wie im traditionellen Sport liegt es im Interesse und in der Verantwortung der Organisatoren von entsprechenden Wettkämpfen, die notwendigen Disziplinarregeln oder Teilnahmebedingungen aufzustellen, damit faires und ethisch korrektes Verhalten der Teilnehmenden gefördert und fehlbares Verhalten wie «Cheating» sanktioniert wird. In vielen Fällen handelt es sich bei den Organisatoren denn auch um kommerzielle Unternehmen, namentlich Spielentwickler, Publisher oder kommerzielle Eventveranstalter. Die vom privatrechtlich organisierten Sport in der Schweiz entwickelten Regeln und Verfahren können dazu Vorbild sein (vgl. </span><a href="https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik"><u><span>https://www.swissolympic.ch/verbaende/werte-ethik</span></u></a><span> ).</span></p><p><span> </span></p><p><span>Ziel von Betrugs- oder Manipulationshandlung im Sport ist häufig einen unrechtmässigen Wettgewinn zu realisieren. In der Schweiz sind die zulässigen Wetten jedoch beschränkt auf die in der Positivliste der interkantonalen Geldspielaufsicht (Gespa) aufgeführten Sportarten und Wettkämpfe (vgl. </span><a href="https://www.gespa.ch/download/pictures/86/y70f8984qvsbhhgqnlpgkvnw0dvt7v/liste_zugelassenes_wettangebot.pdf"><u><span>https://www.gespa.ch/download/pictures/86/y70f8984qvsbhhgqnlpgkvnw0dvt7v/liste_zugelassenes_wettangebot.pdf</span></u></a><span> ). Schach oder E-Sports-Aktivitäten sind nicht darunter. Das bedeutet, dass auf solchen Wettkämpfen in der Schweiz keine Wetten angeboten werden dürfen.</span></p></span>
- <p>1. Stimmt es, dass «Cheating» bei Online-Wettkämpfen heute nicht rechtlich geregelt ist?</p><p>2. Meint der Bundesrat nicht, dass es notwendig ist, in der Schweiz eine solche Regelung einzuführen?</p><p>3. Sollten wir uns bei der Frage, wie die genannten Praktiken erkannt und bestraft werden könnten, nicht von der Gesetzgebung in der Republik Korea inspirieren lassen?</p>
- Für eine Gesetzgebung gegen "cheating" bei Online-Wettkämpfen
Back to List