Französischunterricht bedroht. Der nationale Zusammenhalt ist gefährdet

ShortId
25.3587
Id
20253587
Updated
14.11.2025 02:48
Language
de
Title
Französischunterricht bedroht. Der nationale Zusammenhalt ist gefährdet
AdditionalIndexing
32;2831
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Der Bundesrat erachtet das Erlernen der Landessprachen als grundlegendes Element der Verständigung zwischen den Sprachregionen. Er hält fest, dass der Unterricht einer zweiten Landessprache ab der Primarschule Teil der Sprachenstrategie ist, die von den Kantonen verabschiedet und in das HarmoS-Konkordat aufgenommen wurde. In Bezug auf den nationalen Zusammenhalt schätzt der Bundesrat die Vorhaben, den Französischunterricht in der Primarschule abzuschaffen, als problematisch ein. Er verfolgt die Entwicklungen aufmerksam. </span></p><p><span>2. Die Bundesverfassung (Art.</span><span>&nbsp;</span><span>62 Abs.</span><span>&nbsp;</span><span>4 BV; SR</span><span>&nbsp;</span><span>101) und das Sprachengesetz (Art.</span><span>&nbsp;</span><span>15 Abs.</span><span>&nbsp;</span><span>3; SR</span><span>&nbsp;</span><span>441.1) verpflichten die Kantone, ihre Ziele für den Sprachenunterricht zu vereinheitlichen. Das HarmoS-Konkordat und die Sprachenstrategie setzen in dieser Hinsicht einen klaren Rahmen und lassen den Kantonen gleichzeitig Handlungsspielraum. Eine Schwächung dieses Rahmens würde die Bestrebungen zur Harmonisierung gefährden. Der Bundesrat ermutigt die Kantone, ihr Engagement für die Sicherstellung der Qualität und der Durchlässigkeit des Schweizer Bildungsraums beizubehalten. </span></p><p><span>3. Der Bundesrat bekräftigt seinen Willen, für die Achtung der Mehrsprachigkeit in der Schweiz zu sorgen. Er ist bereit, im Rahmen seiner verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten zu handeln, sollte es den Kantonen nicht gelingen, die bestehende Lösung aufrechtzuerhalten oder eine harmonisierte neue Lösung in Übereinstimmung mit den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz zu finden. </span></p><p><span>4. Der Bundesrat verfolgt die kantonalen Entscheide und ihre möglichen Auswirkungen auf den Sprachenunterricht sehr genau. Sollte sich eine Abkehr vom Sprachenkompromiss abzeichnen, wird der Bundesrat aktiv und das weitere Vorgehen festlegen. Gegenwärtig vertraut der Bundesrat darauf, dass die Kantone im Interesse des nationalen Zusammenhalts die Grundprinzipien der Schweizer Sprachenpolitik respektieren.</span></p></span>
  • <p>Der Frühfranzösischunterricht ist in der Deutschschweiz erneut bedroht: Eine Ende Februar im Zürcher Kantonsrat eingereichte Motion fordert, dass das derzeit ab der 5.<sup> </sup>Klasse gelehrte Französisch erst ab Sekundarstufe&nbsp;I unterrichtet wird. Zürich ist kein Einzelfall, denn auch andere Ostschweizer Kantone erwägen, zugunsten des Englischunterrichts später mit Französisch zu beginnen. Der Kantonsrat Appenzell Ausserrhoden hat bereits im März einer entsprechenden Motion zugestimmt. In Kürze könnten es ihm die Parlamente der Kantone Thurgau, St.&nbsp;Gallen und Luzern gleichtun.&nbsp;</p><p>Eine Feststellung drängt sich auf: Der Frühfranzösischunterricht wird immer wieder in Frage gestellt, bisher wurde aber keine Lösung gefunden. Es ist jedoch ein wichtiges Thema, da es um den nationalen Zusammenhalt der Schweiz geht, wie auch der Bundesrat in seiner Antwort auf eine Interpellation aus dem Jahr&nbsp;2014 (14.3287) anerkannt hat.&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:&nbsp;</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die Vorhaben, Lehrpläne umzusetzen, die den Französischunterricht in der Primarschule nicht mehr beinhalten?</p><p>2. Besteht nicht die Gefahr, dass die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos-Konkordat) gebrochen wird und damit auch der nationale Zusammenhalt bröckelt, wenn man die Kantone machen lässt?&nbsp;</p><p>3. In seiner Antwort auf die Interpellation&nbsp;15.3921 erklärte sich der Bundesrat bereit zu handeln, falls eine Landessprache nicht mehr (als Fremdsprache) auf der Primarstufe unterrichtet wird. Ist er immer noch dieser Meinung? Wenn ja, was wird unternommen, um eine Situation zu vermeiden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann?</p><p>4. Ist es nicht angesichts des jüngsten Beschlusses in Appenzell Ausserrhoden und der sich in anderen Kantonen abzeichnenden Entscheide dringend notwendig, das Sprachengesetz zu ändern oder das Harmos-Konkordat als verbindlich zu erklären?&nbsp;</p>
  • Französischunterricht bedroht. Der nationale Zusammenhalt ist gefährdet
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Der Bundesrat erachtet das Erlernen der Landessprachen als grundlegendes Element der Verständigung zwischen den Sprachregionen. Er hält fest, dass der Unterricht einer zweiten Landessprache ab der Primarschule Teil der Sprachenstrategie ist, die von den Kantonen verabschiedet und in das HarmoS-Konkordat aufgenommen wurde. In Bezug auf den nationalen Zusammenhalt schätzt der Bundesrat die Vorhaben, den Französischunterricht in der Primarschule abzuschaffen, als problematisch ein. Er verfolgt die Entwicklungen aufmerksam. </span></p><p><span>2. Die Bundesverfassung (Art.</span><span>&nbsp;</span><span>62 Abs.</span><span>&nbsp;</span><span>4 BV; SR</span><span>&nbsp;</span><span>101) und das Sprachengesetz (Art.</span><span>&nbsp;</span><span>15 Abs.</span><span>&nbsp;</span><span>3; SR</span><span>&nbsp;</span><span>441.1) verpflichten die Kantone, ihre Ziele für den Sprachenunterricht zu vereinheitlichen. Das HarmoS-Konkordat und die Sprachenstrategie setzen in dieser Hinsicht einen klaren Rahmen und lassen den Kantonen gleichzeitig Handlungsspielraum. Eine Schwächung dieses Rahmens würde die Bestrebungen zur Harmonisierung gefährden. Der Bundesrat ermutigt die Kantone, ihr Engagement für die Sicherstellung der Qualität und der Durchlässigkeit des Schweizer Bildungsraums beizubehalten. </span></p><p><span>3. Der Bundesrat bekräftigt seinen Willen, für die Achtung der Mehrsprachigkeit in der Schweiz zu sorgen. Er ist bereit, im Rahmen seiner verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten zu handeln, sollte es den Kantonen nicht gelingen, die bestehende Lösung aufrechtzuerhalten oder eine harmonisierte neue Lösung in Übereinstimmung mit den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz zu finden. </span></p><p><span>4. Der Bundesrat verfolgt die kantonalen Entscheide und ihre möglichen Auswirkungen auf den Sprachenunterricht sehr genau. Sollte sich eine Abkehr vom Sprachenkompromiss abzeichnen, wird der Bundesrat aktiv und das weitere Vorgehen festlegen. Gegenwärtig vertraut der Bundesrat darauf, dass die Kantone im Interesse des nationalen Zusammenhalts die Grundprinzipien der Schweizer Sprachenpolitik respektieren.</span></p></span>
    • <p>Der Frühfranzösischunterricht ist in der Deutschschweiz erneut bedroht: Eine Ende Februar im Zürcher Kantonsrat eingereichte Motion fordert, dass das derzeit ab der 5.<sup> </sup>Klasse gelehrte Französisch erst ab Sekundarstufe&nbsp;I unterrichtet wird. Zürich ist kein Einzelfall, denn auch andere Ostschweizer Kantone erwägen, zugunsten des Englischunterrichts später mit Französisch zu beginnen. Der Kantonsrat Appenzell Ausserrhoden hat bereits im März einer entsprechenden Motion zugestimmt. In Kürze könnten es ihm die Parlamente der Kantone Thurgau, St.&nbsp;Gallen und Luzern gleichtun.&nbsp;</p><p>Eine Feststellung drängt sich auf: Der Frühfranzösischunterricht wird immer wieder in Frage gestellt, bisher wurde aber keine Lösung gefunden. Es ist jedoch ein wichtiges Thema, da es um den nationalen Zusammenhalt der Schweiz geht, wie auch der Bundesrat in seiner Antwort auf eine Interpellation aus dem Jahr&nbsp;2014 (14.3287) anerkannt hat.&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:&nbsp;</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die Vorhaben, Lehrpläne umzusetzen, die den Französischunterricht in der Primarschule nicht mehr beinhalten?</p><p>2. Besteht nicht die Gefahr, dass die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos-Konkordat) gebrochen wird und damit auch der nationale Zusammenhalt bröckelt, wenn man die Kantone machen lässt?&nbsp;</p><p>3. In seiner Antwort auf die Interpellation&nbsp;15.3921 erklärte sich der Bundesrat bereit zu handeln, falls eine Landessprache nicht mehr (als Fremdsprache) auf der Primarstufe unterrichtet wird. Ist er immer noch dieser Meinung? Wenn ja, was wird unternommen, um eine Situation zu vermeiden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann?</p><p>4. Ist es nicht angesichts des jüngsten Beschlusses in Appenzell Ausserrhoden und der sich in anderen Kantonen abzeichnenden Entscheide dringend notwendig, das Sprachengesetz zu ändern oder das Harmos-Konkordat als verbindlich zu erklären?&nbsp;</p>
    • Französischunterricht bedroht. Der nationale Zusammenhalt ist gefährdet

Back to List