SUV auf dem Vormarsch zulasten der Sicherheit von Kindern und älteren Menschen. Welche Massnahmen plant der Bund?

ShortId
25.3591
Id
20253591
Updated
14.11.2025 02:47
Language
de
Title
SUV auf dem Vormarsch zulasten der Sicherheit von Kindern und älteren Menschen. Welche Massnahmen plant der Bund?
AdditionalIndexing
48;2841
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Zur genauen Anzahl solcher Personenwagen können keine Angaben gemacht werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Das schweizerische Strassenverkehrsrecht kennt keine eigene Fahrzeugkategorie der Sports Utility Vehicles (SUV). Aus den polizeilich registrierten Unfällen lässt sich deshalb nicht ableiten, ob SUV vermehrt Unfälle verursachen. Gesamthaft ist die Anzahl der polizeilich registrierten Unfälle mit Personenschaden zwischen Personenwagen und mindestens einem Fussgänger oder einer Fussgängerin bzw. einem Radfahrer oder einer Radfahrerin (inklusive E-Bikes) seit 2010 in der Tendenz aber rückläufig und lag im Jahr 2024 gegenüber 2010 um mehr als 10 Prozent oder rund 400 Unfälle tiefer.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Der Bundesrat hat am 22. Dezember 2023 die Harmonisierung mit der neuen Fahrzeugsicherheitsverordnung der EU beschlossen. Ein erster Teil dieser Vorschriften kommt seit dem 1. Juli 2024 für Neufahrzeuge zur Anwendung. Weitere Teile folgen in den kommenden Jahren. Der Bundesrat sieht ein grosses Potenzial in der zunehmenden Verbreitung von Fahrzeugen mit Notbrems- und weiteren Assistenzsystemen (Konzentrations- und Aufmerksamkeitswarnsysteme), wie sie seit Juli 2024 für alle neuen Personenwagen in der Schweiz obligatorisch sind. Damit wird das Risiko einer Kollision mit Fussgängerinnen, Fussgängern, Radfahrerinnen oder Radfahrern deutlich reduziert. Ferner erhöhen strengere Anforderungen an den Bau und die Ausgestaltung der Karosserie, insbesondere an der Fahrzeugfront, den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmenden wie Fussgängerinnen und Fussgänger oder Radfahrende bei einem Zusammenstoss. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Der Platzbedarf für Personenwagen wird durch die Grundabmessungen und das Lichtraumprofil der Fahrzeuge gemäss der Norm des VSS 40201 «Geometrisches Normalprofil» definiert. Es sind keine grösseren Masse für grössere Personenwagen vorgesehen. Die Strassenraumgestaltung und damit letztlich die Gestaltung des öffentlichen Raums ist Sache der Strasseneigentümer, innerorts in der Regel der Kantone oder Gemeinden. Der Bundesrat sieht aktuell keinen Bedarf, Massnahmen zu ergreifen.</span><span>&nbsp; </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Nein - die Schweiz plant bei Importen oder der Zulassung keine Restriktionen. Diese würden eine Abweichung vom EU-Recht bedeuten. Die schweizerischen fahrzeugtechnischen Vorschriften sind weitgehend mit denjenigen der EU harmonisiert. Es gelten dieselben Sicherheitsanforderungen wie in der EU. </span></p></span>
  • <p>Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Organisation <i>Transport &amp; Environment</i> zeigt eine besorgniserregende Entwicklung im europäischen Fahrzeugbestand: Die Motorhauben der Fahrzeuge, insbesondere bei SUVs und Pick-ups, werden immer wuchtiger. Im Durchschnitt sind die Motorhauben heute knapp 84&nbsp;cm hoch, 2010 waren es noch 77&nbsp;cm. Bei einigen Modellen erreicht die Motorhaube sogar eine Höhe von 1,40&nbsp;Metern. Dieser Trend hat direkte und schwerwiegende Auswirkungen auf die Sicherheit im Strassenverkehr, insbesondere für die verletzlichsten Verkehrsteilnehmenden – Fussgängerinnen und Fussgänger, Kinder und ältere Menschen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei einem Zusammenstoss mit einem Fahrzeug mit hoher Motorhaube unmittelbar die lebenswichtigen Organe im Oberkörper getroffen werden. Zudem ist das Risiko erhöht, unter das Fahrzeug zu geraten. Auch die toten Winkel sind grösser: Tests haben gezeigt, dass Kinder, die sich direkt vor einem solchen Fahrzeug befinden, von der Lenkerin oder dem Lenker nicht gesehen werden. Für Kinder besteht überdies bei einer Kollision ein hohes Risiko eines Schädel-Hirn-Traumas. Die zunehmende Verbreitung solch schwerer und grosser Fahrzeuge – die für den Stadtverkehr meist überdimensioniert sind – erhöht das Risiko für alle Menschen auf den öffentlichen Strassen erheblich. In der Schweiz ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt: Gemäss einer Umfrage von Autoschweiz und Comparis sind rund 56&nbsp;Prozent der 2024 neu zugelassenen Fahrzeuge SUVs. Damit liegt die Schweiz hinter den USA auf Platz zwei.</p><p>Angesichts dieser alarmierenden Erkenntnisse bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Wie viele der derzeit in der Schweiz zugelassenen Personenwagen haben eine Motorhaube, die höher als 85&nbsp;cm ist?&nbsp;</li><li>Angesichts der starken Zunahme an SUVs seit 2010: Wie viele Unfälle zwischen einem SUV und einem Fussgänger oder einer Fussgängerin bzw. einem Velofahrer oder einer Velofahrerin haben sich seit 2010 ereignet?</li><li>Welche Massnahmen plant der Bundesrat zur Erhöhung der Sicherheit im Strassenverkehr in Anbetracht der zunehmenden Verbreitung überdimensionierter Fahrzeuge?</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat, etwas dagegen zu unternehmen, dass solch überdurchschnittlich breite und schwere Fahrzeuge immer mehr Platz im öffentlichen Raum beanspruchen?</li><li>Sind Einschränkungen vorgesehen bei der Einfuhr oder der Zulassung von Fahrzeugen, die für verletzliche Verkehrsteilnehmende gefährlich sind?</li></ol>
  • SUV auf dem Vormarsch zulasten der Sicherheit von Kindern und älteren Menschen. Welche Massnahmen plant der Bund?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Zur genauen Anzahl solcher Personenwagen können keine Angaben gemacht werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Das schweizerische Strassenverkehrsrecht kennt keine eigene Fahrzeugkategorie der Sports Utility Vehicles (SUV). Aus den polizeilich registrierten Unfällen lässt sich deshalb nicht ableiten, ob SUV vermehrt Unfälle verursachen. Gesamthaft ist die Anzahl der polizeilich registrierten Unfälle mit Personenschaden zwischen Personenwagen und mindestens einem Fussgänger oder einer Fussgängerin bzw. einem Radfahrer oder einer Radfahrerin (inklusive E-Bikes) seit 2010 in der Tendenz aber rückläufig und lag im Jahr 2024 gegenüber 2010 um mehr als 10 Prozent oder rund 400 Unfälle tiefer.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Der Bundesrat hat am 22. Dezember 2023 die Harmonisierung mit der neuen Fahrzeugsicherheitsverordnung der EU beschlossen. Ein erster Teil dieser Vorschriften kommt seit dem 1. Juli 2024 für Neufahrzeuge zur Anwendung. Weitere Teile folgen in den kommenden Jahren. Der Bundesrat sieht ein grosses Potenzial in der zunehmenden Verbreitung von Fahrzeugen mit Notbrems- und weiteren Assistenzsystemen (Konzentrations- und Aufmerksamkeitswarnsysteme), wie sie seit Juli 2024 für alle neuen Personenwagen in der Schweiz obligatorisch sind. Damit wird das Risiko einer Kollision mit Fussgängerinnen, Fussgängern, Radfahrerinnen oder Radfahrern deutlich reduziert. Ferner erhöhen strengere Anforderungen an den Bau und die Ausgestaltung der Karosserie, insbesondere an der Fahrzeugfront, den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmenden wie Fussgängerinnen und Fussgänger oder Radfahrende bei einem Zusammenstoss. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Der Platzbedarf für Personenwagen wird durch die Grundabmessungen und das Lichtraumprofil der Fahrzeuge gemäss der Norm des VSS 40201 «Geometrisches Normalprofil» definiert. Es sind keine grösseren Masse für grössere Personenwagen vorgesehen. Die Strassenraumgestaltung und damit letztlich die Gestaltung des öffentlichen Raums ist Sache der Strasseneigentümer, innerorts in der Regel der Kantone oder Gemeinden. Der Bundesrat sieht aktuell keinen Bedarf, Massnahmen zu ergreifen.</span><span>&nbsp; </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Nein - die Schweiz plant bei Importen oder der Zulassung keine Restriktionen. Diese würden eine Abweichung vom EU-Recht bedeuten. Die schweizerischen fahrzeugtechnischen Vorschriften sind weitgehend mit denjenigen der EU harmonisiert. Es gelten dieselben Sicherheitsanforderungen wie in der EU. </span></p></span>
    • <p>Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Organisation <i>Transport &amp; Environment</i> zeigt eine besorgniserregende Entwicklung im europäischen Fahrzeugbestand: Die Motorhauben der Fahrzeuge, insbesondere bei SUVs und Pick-ups, werden immer wuchtiger. Im Durchschnitt sind die Motorhauben heute knapp 84&nbsp;cm hoch, 2010 waren es noch 77&nbsp;cm. Bei einigen Modellen erreicht die Motorhaube sogar eine Höhe von 1,40&nbsp;Metern. Dieser Trend hat direkte und schwerwiegende Auswirkungen auf die Sicherheit im Strassenverkehr, insbesondere für die verletzlichsten Verkehrsteilnehmenden – Fussgängerinnen und Fussgänger, Kinder und ältere Menschen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei einem Zusammenstoss mit einem Fahrzeug mit hoher Motorhaube unmittelbar die lebenswichtigen Organe im Oberkörper getroffen werden. Zudem ist das Risiko erhöht, unter das Fahrzeug zu geraten. Auch die toten Winkel sind grösser: Tests haben gezeigt, dass Kinder, die sich direkt vor einem solchen Fahrzeug befinden, von der Lenkerin oder dem Lenker nicht gesehen werden. Für Kinder besteht überdies bei einer Kollision ein hohes Risiko eines Schädel-Hirn-Traumas. Die zunehmende Verbreitung solch schwerer und grosser Fahrzeuge – die für den Stadtverkehr meist überdimensioniert sind – erhöht das Risiko für alle Menschen auf den öffentlichen Strassen erheblich. In der Schweiz ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt: Gemäss einer Umfrage von Autoschweiz und Comparis sind rund 56&nbsp;Prozent der 2024 neu zugelassenen Fahrzeuge SUVs. Damit liegt die Schweiz hinter den USA auf Platz zwei.</p><p>Angesichts dieser alarmierenden Erkenntnisse bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Wie viele der derzeit in der Schweiz zugelassenen Personenwagen haben eine Motorhaube, die höher als 85&nbsp;cm ist?&nbsp;</li><li>Angesichts der starken Zunahme an SUVs seit 2010: Wie viele Unfälle zwischen einem SUV und einem Fussgänger oder einer Fussgängerin bzw. einem Velofahrer oder einer Velofahrerin haben sich seit 2010 ereignet?</li><li>Welche Massnahmen plant der Bundesrat zur Erhöhung der Sicherheit im Strassenverkehr in Anbetracht der zunehmenden Verbreitung überdimensionierter Fahrzeuge?</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat, etwas dagegen zu unternehmen, dass solch überdurchschnittlich breite und schwere Fahrzeuge immer mehr Platz im öffentlichen Raum beanspruchen?</li><li>Sind Einschränkungen vorgesehen bei der Einfuhr oder der Zulassung von Fahrzeugen, die für verletzliche Verkehrsteilnehmende gefährlich sind?</li></ol>
    • SUV auf dem Vormarsch zulasten der Sicherheit von Kindern und älteren Menschen. Welche Massnahmen plant der Bund?

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