Lohnungleichheit. Welche Mindereinnahmen ergeben sich daraus für den Bundeshaushalt?

ShortId
25.3610
Id
20253610
Updated
14.11.2025 02:46
Language
de
Title
Lohnungleichheit. Welche Mindereinnahmen ergeben sich daraus für den Bundeshaushalt?
AdditionalIndexing
44;28;2446
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>Dem Bundesrat ist der Grundsatz «gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit» ein wichtiges Anliegen. Er hat 2021 die Gleichstellungsstrategie 2030 verabschiedet, die neben anderen Themen auch die Gleichstellung im Erwerbsleben zum Ziel hat. Es handelt sich um die erste nationale Strategie des Bundes zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Die finanziellen Auswirkungen der Unterschiede in der Lohnstruktur zwischen Frauen und Männern auf den Bund kann der Bundesrat nicht beziffern. Die dem Bund zur Verfügung stehende Bundessteuerstatistik enthält keine Informationen zum Geschlecht der steuerpflichtigen Personen. Ebenso fehlen Angaben zur Zusammensetzung des Einkommens aus Erwerbs-, Kapital- oder Renteneinkommen. Bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren liegen zudem keine Informationen zur Einkommensaufteilung zwischen den Eheleuten vor. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Unabhängig von der mangelnden Datenlage lassen sich gewisse Aussagen zu den Auswirkungen auf das Aufkommen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen machen. Generell gilt: Wenn die Löhne einer bestimmten Personengruppe steigen, erhöhen sich – unter sonst gleichen Bedingungen – sowohl die Einnahmen aus Einkommenssteuern als auch jene aus lohnabhängigen Sozialversicherungsbeiträgen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Allerdings ist bei der Beurteilung solcher Lohnveränderungen auch zu berücksichtigen, dass eine Erhöhung der Löhne einer bestimmten Personengruppe ohne gleichzeitige Produktivitätssteigerung eine Umverteilung zwischen verschiedenen Wirtschaftsakteuren darstellt. Höhere Löhne könnten beispielsweise mit niedrigeren Unternehmensgewinnen finanziert werden, was zu Mindereinnahmen bei den Unternehmenssteuern und bei den Einkommenssteuern der beteiligten Aktionärinnen und Aktionäre führen würde. Alternativ könnten Unternehmen versuchen, gestiegene Lohnkosten über höhere Preise an die Konsumentinnen und Konsumenten weiterzugeben. Auch dies würde Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und auf die Steuereinnahmen nach sich ziehen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Eine weitere Möglichkeit wäre eine Umverteilung innerhalb der Lohnsumme durch gleichzeitige Lohnsenkungen bei den Männern. In diesem Fall wären Unternehmensgewinne und Preise nicht betroffen, wohl aber die Verteilung der Einkommen. Eine gleichmässigere Verteilung der Lohneinkommen führt im Kontext eines progressiven Steuersystems tendenziell zu geringeren Steuereinnahmen, weil die Steuerbelastung überproportional zum Einkommen steigt. Je gleichmässiger eine gegebene Summe an Einkommen auf die Steuerpflichtigen verteilt ist, desto niedriger fallen tendenziell die Steuereinnahmen aus.</span></p><p><span>Auf die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge hat eine Umverteilung der Lohnsumme nur einen beschränkten Einfluss, da die Beitragssätze in der 1. Säule (AHV/IV/EO) unabhängig von der Höhe des Lohneinkommens sind und damit die Gesamthöhe dieser Beiträge bei konstanter Lohnsumme unverändert bleiben würde. Hingegen würde eine gleichmässigere Einkommensverteilung tendenziell dazu führen, dass ein grösserer Anteil der Lohnbeiträge zu höheren Versicherungsleistungen führt. Dies kann ausgabenseitig zu einer geringeren Abhängigkeit von Ergänzungsleistungen führen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Sofern Frauen jedoch aufgrund von Diskriminierung einen geringeren Lohn erhalten, könnte deren Korrektur auch zu gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerungen führen. Lohndiskriminierung ist volkswirtschaftlich ineffizient, da sie unter anderem zu einer Fehlallokation der Arbeitskräfte führt und Bildungs- und Erwerbsanreize schwächt. Deren Beseitigung könnte zudem positive Effekte auf die Einnahmen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen auslösen. </span></p></span>
  • <p>In der gegenwärtig angespannten Haushaltslage führen die Bemühungen um einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zu Kürzungen in mehreren Bereichen. Die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern stellt einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Verlust dar. Ein tieferer Frauenlohn bedeutet nicht nur weniger Autonomie für die betroffenen Frauen, sondern auch weniger Einnahmen für die Bundes-, Kantons- und Gemeindekassen in Form von Steuern oder auch Sozialversicherungsbeiträgen. Diese Frage wird in den aktuellen Finanzdebatten nur selten angesprochen, verdient jedoch eine ernsthafte Betrachtung.<br><br>Ich bitte deshalb den Bundesrat um die Beantwortung folgender Frage:<br>Wie hoch schätzt der Bundesrat den jährlichen Ausfall, der sich aufgrund der anhaltenden Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern bei der direkten Bundessteuer und den Sozialversicherungsbeiträgen ergibt?</p>
  • Lohnungleichheit. Welche Mindereinnahmen ergeben sich daraus für den Bundeshaushalt?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>Dem Bundesrat ist der Grundsatz «gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit» ein wichtiges Anliegen. Er hat 2021 die Gleichstellungsstrategie 2030 verabschiedet, die neben anderen Themen auch die Gleichstellung im Erwerbsleben zum Ziel hat. Es handelt sich um die erste nationale Strategie des Bundes zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Die finanziellen Auswirkungen der Unterschiede in der Lohnstruktur zwischen Frauen und Männern auf den Bund kann der Bundesrat nicht beziffern. Die dem Bund zur Verfügung stehende Bundessteuerstatistik enthält keine Informationen zum Geschlecht der steuerpflichtigen Personen. Ebenso fehlen Angaben zur Zusammensetzung des Einkommens aus Erwerbs-, Kapital- oder Renteneinkommen. Bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren liegen zudem keine Informationen zur Einkommensaufteilung zwischen den Eheleuten vor. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Unabhängig von der mangelnden Datenlage lassen sich gewisse Aussagen zu den Auswirkungen auf das Aufkommen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen machen. Generell gilt: Wenn die Löhne einer bestimmten Personengruppe steigen, erhöhen sich – unter sonst gleichen Bedingungen – sowohl die Einnahmen aus Einkommenssteuern als auch jene aus lohnabhängigen Sozialversicherungsbeiträgen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Allerdings ist bei der Beurteilung solcher Lohnveränderungen auch zu berücksichtigen, dass eine Erhöhung der Löhne einer bestimmten Personengruppe ohne gleichzeitige Produktivitätssteigerung eine Umverteilung zwischen verschiedenen Wirtschaftsakteuren darstellt. Höhere Löhne könnten beispielsweise mit niedrigeren Unternehmensgewinnen finanziert werden, was zu Mindereinnahmen bei den Unternehmenssteuern und bei den Einkommenssteuern der beteiligten Aktionärinnen und Aktionäre führen würde. Alternativ könnten Unternehmen versuchen, gestiegene Lohnkosten über höhere Preise an die Konsumentinnen und Konsumenten weiterzugeben. Auch dies würde Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und auf die Steuereinnahmen nach sich ziehen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Eine weitere Möglichkeit wäre eine Umverteilung innerhalb der Lohnsumme durch gleichzeitige Lohnsenkungen bei den Männern. In diesem Fall wären Unternehmensgewinne und Preise nicht betroffen, wohl aber die Verteilung der Einkommen. Eine gleichmässigere Verteilung der Lohneinkommen führt im Kontext eines progressiven Steuersystems tendenziell zu geringeren Steuereinnahmen, weil die Steuerbelastung überproportional zum Einkommen steigt. Je gleichmässiger eine gegebene Summe an Einkommen auf die Steuerpflichtigen verteilt ist, desto niedriger fallen tendenziell die Steuereinnahmen aus.</span></p><p><span>Auf die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge hat eine Umverteilung der Lohnsumme nur einen beschränkten Einfluss, da die Beitragssätze in der 1. Säule (AHV/IV/EO) unabhängig von der Höhe des Lohneinkommens sind und damit die Gesamthöhe dieser Beiträge bei konstanter Lohnsumme unverändert bleiben würde. Hingegen würde eine gleichmässigere Einkommensverteilung tendenziell dazu führen, dass ein grösserer Anteil der Lohnbeiträge zu höheren Versicherungsleistungen führt. Dies kann ausgabenseitig zu einer geringeren Abhängigkeit von Ergänzungsleistungen führen. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Sofern Frauen jedoch aufgrund von Diskriminierung einen geringeren Lohn erhalten, könnte deren Korrektur auch zu gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerungen führen. Lohndiskriminierung ist volkswirtschaftlich ineffizient, da sie unter anderem zu einer Fehlallokation der Arbeitskräfte führt und Bildungs- und Erwerbsanreize schwächt. Deren Beseitigung könnte zudem positive Effekte auf die Einnahmen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen auslösen. </span></p></span>
    • <p>In der gegenwärtig angespannten Haushaltslage führen die Bemühungen um einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zu Kürzungen in mehreren Bereichen. Die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern stellt einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Verlust dar. Ein tieferer Frauenlohn bedeutet nicht nur weniger Autonomie für die betroffenen Frauen, sondern auch weniger Einnahmen für die Bundes-, Kantons- und Gemeindekassen in Form von Steuern oder auch Sozialversicherungsbeiträgen. Diese Frage wird in den aktuellen Finanzdebatten nur selten angesprochen, verdient jedoch eine ernsthafte Betrachtung.<br><br>Ich bitte deshalb den Bundesrat um die Beantwortung folgender Frage:<br>Wie hoch schätzt der Bundesrat den jährlichen Ausfall, der sich aufgrund der anhaltenden Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern bei der direkten Bundessteuer und den Sozialversicherungsbeiträgen ergibt?</p>
    • Lohnungleichheit. Welche Mindereinnahmen ergeben sich daraus für den Bundeshaushalt?

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