Impfen im Erwachsenenalter: Situation in der Schweiz

ShortId
25.3613
Id
20253613
Updated
14.11.2025 02:44
Language
de
Title
Impfen im Erwachsenenalter: Situation in der Schweiz
AdditionalIndexing
2841;28
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Da in der Schweiz kein zentrales Impfregister existiert, ist die Zahl der Grippegeimpften bei den über 65-jährigen unbekannt. Stichprobenbefragungen in der Schweizer Bevölkerung weisen auf eine Impfquote in der genannten Grössenordnung hin. Die Methodik der Impfquotenerfassung variiert jedoch sehr stark zwischen den einzelnen Ländern. Deshalb sind isolierte Prozentzahlen nicht oder nur bedingt miteinander vergleichbar. Insofern kann zur Aussage der Rangierung in Westeuropa nicht Stellung genommen werden.</span></p><p><span>Die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) geförderte Studie «Postsaisonale Bevölkerungsbefragung zur Grippe», die zuletzt 2023/2024 durchgeführt wurde, gibt Hinweise auf mögliche Ursachen, warum über 65-Jährige in der Schweiz sich nicht gegen Grippe impfen lassen. Der Hauptgrund war, dass die Impfung als nicht prioritär angesehen wird. Andere Gründe waren das Vertrauen auf das eigene Immunsystem oder auf alternative Therapien sowie schlechte Erfahrungen mit früheren Grippeimpfungen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Nein, es gibt keine aktuellen Erkenntnisse dazu. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Die «Merkblätter» oder «Factsheets» werden vom BAG und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) gemeinsam herausgegeben. Sie sind in Papierform bestellbar oder als PDF auf der BAG-Website verfügbar. Zwischen 2018 und 2023 wurden die Factsheets unterschiedlich stark genutzt. Am häufigsten in Papierform nachgefragt war jenes zu HPV mit durchschnittlich 40’100 Exemplaren pro Jahr, am wenigsten jenes zu Hepatitis A mit 6'600 Exemplaren. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Nein, solche Angaben liegen dem Bund nicht vor. Eine geplante Sentinella-Studie soll untersuchen, wie in den Hausarztpraxen informiert wird und Informationen zur Impfquote der über 65-Jährigen liefern. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Nach einem gefällten Entscheid über eine Kostenübernahme, respektive über eine Franchisebefreiung, erfolgt die Information der interessierten Fachkreise und der Öffentlichkeit über die Medienmitteilungen und die Website des BAG.</span></p><p><span>Das Nationale Programm Impfungen (NPI), das sich aus der Nationalen Strategie zu Impfungen (NSI) und dem Aktionsplan zusammensetzt, beinhaltet eine ausgewogene und effiziente Information an die Bevölkerung. Weiter definiert es hierfür zielgruppenspezifisch angepasste Kommunikationsprodukte und -wege. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>6. Artikel 12</span><em><span>a</span></em><span> der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) legt fest, welche prophylaktischen Impfungen unter welchen Voraussetzungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) übernommen werden. Im aktuell gültigen Tarif für ambulante ärztliche Leistungen (TARMED) gibt es keine spezifische Tarifposition für die von der OKP übernommene Impfberatung von Erwachsenen. Die Ärzte haben aber die Möglichkeit, diese Leistungen über bestehende Tarifpositionen, beispielsweise im Rahmen einer Grundkonsultation, abzurechnen. Ab dem 1. Januar 2026 sind die in Artikel 12</span><em><span>a</span></em><span> KLV aufgeführten prophylaktischen Impfungen und die damit verbundene Beratung von der Franchise befreit. In dem von den Tarifpartnern ausgehandelten und vom Bundesrat am 30. April 2025 genehmigten, neuen Arzttarif (TARDOC), der per 1. Januar 2026 in Kraft tritt, gibt es eine spezifische Tarifposition für die Impfberatung bei franchisebefreiten Impfungen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>7. Die Aufschaltung der Website ist für September 2025 geplant und soll vorrangig die Präventionsbemühungen vor Erkrankungen durch respiratorische Erreger (saisonale Grippe, Covid-19 und Respiratorisches-Synzytial-Virus RSV) unterstützen. Es ist vorgesehen, die Plattform im vierten Quartal 2025 bekannt zu machen. Dies wird über eine Medienmitteilung, die Website des BAG und der Partner sowie über die sozialen Medien erfolgen.</span></p></span>
  • <p>Impfstoffe zählen zu den grössten Errungenschaften der modernen Medizin - sie haben weltweit Millionen Menschenleben gerettet. Zudem bieten sie eine der effizientesten und kostengünstigsten Möglichkeiten, Krankheiten vorzubeugen.</p><p>In der Schweiz erreichen wir bei Kindern hohe Durchimpfungsraten – nicht aber bei Erwachsenen. Ein Beispiel ist die saisonale Grippeimpfung: In der Risikogruppe der über 65-Jährigen liegt die Durchimpfungsrate bei 37.5% – damit ist die Schweiz das Schlusslicht in Westeuropa. Dabei verursacht die Grippe jährlich mehrere Hundert Todesfälle in der Schweiz. Hinzu kommt: Impfungen leisten einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen. Denn durch die Verhinderung von Infektionen kann der Einsatz von Antibiotika vermieden werden.</p><p>In der Schweiz ist die Entscheidung für oder gegen eine Impfung eine persönliche und freiwillige Wahl - und das soll so bleiben. Die Frage ist jedoch, ob potenziell Impfwillige über ausreichend Informationen verfügen.</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Wie erklärt sich der Bundesrat, dass die Durchimpfungsrate gegen Grippe bei über 65-Jährigen in der Schweiz mit 37.5% die tiefste in Westeuropa ist?</li><li>Gibt es aktuelle Erkenntnisse dazu, wie viele Erwachsene wissen, welche Impfungen für sie empfohlen sind?</li><li>Gemäss Nationaler Strategie zu Impfungen (NSI) sollen Kantone und das BAG die Ärzteschaft dazu ermutigen, Impfungen aktiv anzusprechen – unter anderem mit Merkblättern. Liegen Angaben dazu vor, in welchem Ausmass solche Merkblätter die Arztpraxen tatsächlich erreichen – und auf welchem Weg?</li><li>Liegen Angaben vor, inwiefern Personen über 65 tatsächlich proaktiv über empfohlene Impfungen (z.B. gegen Grippe, Pneumokokken oder Gürtelrose) informiert werden – insbesondere angesichts der hohen Belastung in Hausarztpraxen?</li><li>Wie kann sichergestellt werden, dass der kürzlich vom Bundesrat gefasste und zu begrüssende Entscheid, empfohlene Impfungen (Art. 12a KLV) von der Franchise zu befreien, in der Bevölkerung ausreichend bekannt ist – damit allfällige kostenbedingte Zugangshindernisse entfallen?&nbsp;</li><li>Ist eine angemessene Abgeltung der Impfberatung sichergestellt und falls ja, wie?</li><li>Im Rahmen der NSI soll eine Website («Impf-Hub») in Entwicklung sein, die Informationen zum Thema Impfen zentral bündelt – für die Bevölkerung und Fachpersonen. Ab wann ist die Aufschaltung geplant, und wie soll die Plattform bekannt gemacht werden?</li></ol>
  • Impfen im Erwachsenenalter: Situation in der Schweiz
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Da in der Schweiz kein zentrales Impfregister existiert, ist die Zahl der Grippegeimpften bei den über 65-jährigen unbekannt. Stichprobenbefragungen in der Schweizer Bevölkerung weisen auf eine Impfquote in der genannten Grössenordnung hin. Die Methodik der Impfquotenerfassung variiert jedoch sehr stark zwischen den einzelnen Ländern. Deshalb sind isolierte Prozentzahlen nicht oder nur bedingt miteinander vergleichbar. Insofern kann zur Aussage der Rangierung in Westeuropa nicht Stellung genommen werden.</span></p><p><span>Die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) geförderte Studie «Postsaisonale Bevölkerungsbefragung zur Grippe», die zuletzt 2023/2024 durchgeführt wurde, gibt Hinweise auf mögliche Ursachen, warum über 65-Jährige in der Schweiz sich nicht gegen Grippe impfen lassen. Der Hauptgrund war, dass die Impfung als nicht prioritär angesehen wird. Andere Gründe waren das Vertrauen auf das eigene Immunsystem oder auf alternative Therapien sowie schlechte Erfahrungen mit früheren Grippeimpfungen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Nein, es gibt keine aktuellen Erkenntnisse dazu. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Die «Merkblätter» oder «Factsheets» werden vom BAG und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) gemeinsam herausgegeben. Sie sind in Papierform bestellbar oder als PDF auf der BAG-Website verfügbar. Zwischen 2018 und 2023 wurden die Factsheets unterschiedlich stark genutzt. Am häufigsten in Papierform nachgefragt war jenes zu HPV mit durchschnittlich 40’100 Exemplaren pro Jahr, am wenigsten jenes zu Hepatitis A mit 6'600 Exemplaren. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Nein, solche Angaben liegen dem Bund nicht vor. Eine geplante Sentinella-Studie soll untersuchen, wie in den Hausarztpraxen informiert wird und Informationen zur Impfquote der über 65-Jährigen liefern. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Nach einem gefällten Entscheid über eine Kostenübernahme, respektive über eine Franchisebefreiung, erfolgt die Information der interessierten Fachkreise und der Öffentlichkeit über die Medienmitteilungen und die Website des BAG.</span></p><p><span>Das Nationale Programm Impfungen (NPI), das sich aus der Nationalen Strategie zu Impfungen (NSI) und dem Aktionsplan zusammensetzt, beinhaltet eine ausgewogene und effiziente Information an die Bevölkerung. Weiter definiert es hierfür zielgruppenspezifisch angepasste Kommunikationsprodukte und -wege. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>6. Artikel 12</span><em><span>a</span></em><span> der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) legt fest, welche prophylaktischen Impfungen unter welchen Voraussetzungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) übernommen werden. Im aktuell gültigen Tarif für ambulante ärztliche Leistungen (TARMED) gibt es keine spezifische Tarifposition für die von der OKP übernommene Impfberatung von Erwachsenen. Die Ärzte haben aber die Möglichkeit, diese Leistungen über bestehende Tarifpositionen, beispielsweise im Rahmen einer Grundkonsultation, abzurechnen. Ab dem 1. Januar 2026 sind die in Artikel 12</span><em><span>a</span></em><span> KLV aufgeführten prophylaktischen Impfungen und die damit verbundene Beratung von der Franchise befreit. In dem von den Tarifpartnern ausgehandelten und vom Bundesrat am 30. April 2025 genehmigten, neuen Arzttarif (TARDOC), der per 1. Januar 2026 in Kraft tritt, gibt es eine spezifische Tarifposition für die Impfberatung bei franchisebefreiten Impfungen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>7. Die Aufschaltung der Website ist für September 2025 geplant und soll vorrangig die Präventionsbemühungen vor Erkrankungen durch respiratorische Erreger (saisonale Grippe, Covid-19 und Respiratorisches-Synzytial-Virus RSV) unterstützen. Es ist vorgesehen, die Plattform im vierten Quartal 2025 bekannt zu machen. Dies wird über eine Medienmitteilung, die Website des BAG und der Partner sowie über die sozialen Medien erfolgen.</span></p></span>
    • <p>Impfstoffe zählen zu den grössten Errungenschaften der modernen Medizin - sie haben weltweit Millionen Menschenleben gerettet. Zudem bieten sie eine der effizientesten und kostengünstigsten Möglichkeiten, Krankheiten vorzubeugen.</p><p>In der Schweiz erreichen wir bei Kindern hohe Durchimpfungsraten – nicht aber bei Erwachsenen. Ein Beispiel ist die saisonale Grippeimpfung: In der Risikogruppe der über 65-Jährigen liegt die Durchimpfungsrate bei 37.5% – damit ist die Schweiz das Schlusslicht in Westeuropa. Dabei verursacht die Grippe jährlich mehrere Hundert Todesfälle in der Schweiz. Hinzu kommt: Impfungen leisten einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen. Denn durch die Verhinderung von Infektionen kann der Einsatz von Antibiotika vermieden werden.</p><p>In der Schweiz ist die Entscheidung für oder gegen eine Impfung eine persönliche und freiwillige Wahl - und das soll so bleiben. Die Frage ist jedoch, ob potenziell Impfwillige über ausreichend Informationen verfügen.</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Wie erklärt sich der Bundesrat, dass die Durchimpfungsrate gegen Grippe bei über 65-Jährigen in der Schweiz mit 37.5% die tiefste in Westeuropa ist?</li><li>Gibt es aktuelle Erkenntnisse dazu, wie viele Erwachsene wissen, welche Impfungen für sie empfohlen sind?</li><li>Gemäss Nationaler Strategie zu Impfungen (NSI) sollen Kantone und das BAG die Ärzteschaft dazu ermutigen, Impfungen aktiv anzusprechen – unter anderem mit Merkblättern. Liegen Angaben dazu vor, in welchem Ausmass solche Merkblätter die Arztpraxen tatsächlich erreichen – und auf welchem Weg?</li><li>Liegen Angaben vor, inwiefern Personen über 65 tatsächlich proaktiv über empfohlene Impfungen (z.B. gegen Grippe, Pneumokokken oder Gürtelrose) informiert werden – insbesondere angesichts der hohen Belastung in Hausarztpraxen?</li><li>Wie kann sichergestellt werden, dass der kürzlich vom Bundesrat gefasste und zu begrüssende Entscheid, empfohlene Impfungen (Art. 12a KLV) von der Franchise zu befreien, in der Bevölkerung ausreichend bekannt ist – damit allfällige kostenbedingte Zugangshindernisse entfallen?&nbsp;</li><li>Ist eine angemessene Abgeltung der Impfberatung sichergestellt und falls ja, wie?</li><li>Im Rahmen der NSI soll eine Website («Impf-Hub») in Entwicklung sein, die Informationen zum Thema Impfen zentral bündelt – für die Bevölkerung und Fachpersonen. Ab wann ist die Aufschaltung geplant, und wie soll die Plattform bekannt gemacht werden?</li></ol>
    • Impfen im Erwachsenenalter: Situation in der Schweiz

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