Für ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs

ShortId
25.3622
Id
20253622
Updated
14.11.2025 02:48
Language
de
Title
Für ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs
AdditionalIndexing
2841;28
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Mit systematischen Früherkennungsprogrammen kann Brustkrebs früher erkannt, besser behandelt und in der Folge Leben gerettet sowie Lebensqualität erhalten werden. In Früherkennungsprogrammen werden aber auch Krebserkrankungen diagnostiziert, die einen relativ gutartigen, langsamen Verlauf haben und nicht zum Tod führen. Auch ist die psychische Belastung von Frauen, bei denen in der Mammografie ein verdächtiger Befund festgestellt wird, der sich aber durch weitere Abklärungen als harmlos herausstellt, nicht zu vernachlässigen. In Abwägung aller Faktoren haben viele Länder entschieden, systematische Früherkennungsprogramme einzuführen. In der Schweiz bieten aktuell 15 Kantone ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm an.</span></p><p><span>Die Übernahme der Kosten für das Mammografie-Screening durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) erfolgt nur im Rahmen von kantonalen Programmen, da nur in diesem Rahmen eine hohe Qualität der Untersuchungen gesichert werden kann. Die Schweiz verfügt über ein dezentralisiertes Gesundheitssystem unter kantonaler Hoheit; die Bundesgesetzgebung überlässt den Kantonen die Aufgabe, Früherkennungsprogramme durchzuführen. Da einige Kantone die Durchführung von Früherkennungsprogrammen, beispielsweise für Brustkrebs, nicht als Priorität erachten, führt dies dazu, dass je nach Kanton potenziell ein unterschiedlicher Zugang besteht.</span></p><p><span>Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion 14.3055 Heim Bea «Qualitätssicherung bei Untersuchungen oder Programmen zur Früherkennung von Brustkrebs» erläuterte, werden in Kantonen ohne Programme jedoch ebenfalls Früherkennungsmammografien nach individuellen Entscheidungen durchgeführt. Dieses sogenannte opportunistische Screening stellt keine Pflichtleistung der OKP dar, da dabei kein überprüfbarer systematischer und strukturierter Prozess besteht, was für die Gewährleistung der Qualität dieser Präventionsmassnahme von grosser Wichtigkeit ist. </span></p><p><span>2., 3. und 4. Der Bundesrat hat auf verschiedene gleichlautende Anliegen stets geantwortet, dass es auf der Stufe des Bundesrechts keine gesetzlichen Grundlagen für die Durchführung von nationalen Präventions- oder Früherkennungsprogrammen, beispielsweise eines nationalen Programms zur Früherkennung von Brustkrebs, gibt. Für weitere Informationen sei auf die Antworten auf die Fragen 15.5159 Piller Carrard «Wann gibt es ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs?» und 10.5176 Moret «Nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs verwiesen». </span></p><p><span>Im Rahmen der Erarbeitung des Nationalen Krebsplans (Umsetzung der am 29. Februar 2024 an den Bundesrat überwiesenen Motion 23.3014 Nationaler Krebsplan) wird die Frage der Harmonisierung und Qualitätssicherung der kantonalen Früherkennungsprogramme erneut diskutiert werden. Der Bundesrat wird den Nationalen Krebsplan voraussichtlich im Sommer 2026 verabschieden. </span></p></span>
  • <p>In der Schweiz erkranken jährlich etwa 6500 Frauen an Brustkrebs, d. h. eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens. Die Früherkennung ist von entscheidender Bedeutung: Sie erhöht die Überlebenschancen und verringert den Bedarf an belastenden Behandlungen. Doch im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern verfügt unser Land nicht über ein nationales Programm zur Früherkennung.</p><p>Derzeit bieten nur einige Kantone Frauen zwischen 50 und 69 Jahren systematisch zu einer regelmässigen Mammografie auf. Eine aktuelle Studie der Hirslanden-Klinik St. Anna, des Kantonsspitals und der Universität Luzern bestätigt, dass diese Programme zu einer früheren Diagnose von Tumoren führen, mit weniger fortgeschrittenen Fällen oder Lymphknotenmetastasen. Umgekehrt verzeichnen Kantone ohne solche Programme mehr Spätdiagnosen und mehr belastende Behandlungen.</p><p>Dies führt zu einem ungleichen Zugang zu Präventionsmassnahmen, je nachdem, wo man lebt. Ein nationales Programm würde allen Frauen ein wirksames, koordiniertes und den internationalen Standards entsprechendes Screening garantieren. Der Bundesrat hat allerdings erneut bekräftigt, dass diese Zuständigkeit bei den Kantonen liegt. Dieser fragmentierte Ansatz beeinträchtigt jedoch die Kohärenz der Gesundheitspolitik und bremst die Bemühungen um eine Kostendämpfung.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass das Fehlen eines nationalen Screening-Programms zu kantonalen Ungleichheiten beim Zugang zur Prävention und Früherkennung von Brustkrebs führt?</li><li>Wie erklärt er sich, dass die Schweiz eines der wenigen europäischen Länder bleibt, das trotz überzeugender wissenschaftlicher Daten kein solches Programm auf Bundesebene führt?</li><li>Ist er nicht auch der Ansicht, dass eine Harmonisierung der Praktiken sowohl die Prävention als auch die Qualität der Betreuung und die Steuerung der Kosten verbessern würde?</li><li>Welche rechtlichen Grundlagen bräuchte es für die Einführung eines nationalen Programms? Welche Massnahmen plant der Bundesrat, um eine landesweite Koordination zu fördern?</li></ol><p>Ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs ist eine überfällige und gerechtfertigte Massnahme. Es würde allen Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Präventionsmassnahmen garantieren. Die Beibehaltung eines fragmentierten kantonalen Ansatzes verstärkt nur die Ungleichheiten und schwächt unsere Reaktion auf diese Krankheit. Es liegt nun am Bundesrat, eine gesamtschweizerische, kohärente und ambitionierte Lösung vorzuschlagen.</p>
  • Für ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Mit systematischen Früherkennungsprogrammen kann Brustkrebs früher erkannt, besser behandelt und in der Folge Leben gerettet sowie Lebensqualität erhalten werden. In Früherkennungsprogrammen werden aber auch Krebserkrankungen diagnostiziert, die einen relativ gutartigen, langsamen Verlauf haben und nicht zum Tod führen. Auch ist die psychische Belastung von Frauen, bei denen in der Mammografie ein verdächtiger Befund festgestellt wird, der sich aber durch weitere Abklärungen als harmlos herausstellt, nicht zu vernachlässigen. In Abwägung aller Faktoren haben viele Länder entschieden, systematische Früherkennungsprogramme einzuführen. In der Schweiz bieten aktuell 15 Kantone ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm an.</span></p><p><span>Die Übernahme der Kosten für das Mammografie-Screening durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) erfolgt nur im Rahmen von kantonalen Programmen, da nur in diesem Rahmen eine hohe Qualität der Untersuchungen gesichert werden kann. Die Schweiz verfügt über ein dezentralisiertes Gesundheitssystem unter kantonaler Hoheit; die Bundesgesetzgebung überlässt den Kantonen die Aufgabe, Früherkennungsprogramme durchzuführen. Da einige Kantone die Durchführung von Früherkennungsprogrammen, beispielsweise für Brustkrebs, nicht als Priorität erachten, führt dies dazu, dass je nach Kanton potenziell ein unterschiedlicher Zugang besteht.</span></p><p><span>Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion 14.3055 Heim Bea «Qualitätssicherung bei Untersuchungen oder Programmen zur Früherkennung von Brustkrebs» erläuterte, werden in Kantonen ohne Programme jedoch ebenfalls Früherkennungsmammografien nach individuellen Entscheidungen durchgeführt. Dieses sogenannte opportunistische Screening stellt keine Pflichtleistung der OKP dar, da dabei kein überprüfbarer systematischer und strukturierter Prozess besteht, was für die Gewährleistung der Qualität dieser Präventionsmassnahme von grosser Wichtigkeit ist. </span></p><p><span>2., 3. und 4. Der Bundesrat hat auf verschiedene gleichlautende Anliegen stets geantwortet, dass es auf der Stufe des Bundesrechts keine gesetzlichen Grundlagen für die Durchführung von nationalen Präventions- oder Früherkennungsprogrammen, beispielsweise eines nationalen Programms zur Früherkennung von Brustkrebs, gibt. Für weitere Informationen sei auf die Antworten auf die Fragen 15.5159 Piller Carrard «Wann gibt es ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs?» und 10.5176 Moret «Nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs verwiesen». </span></p><p><span>Im Rahmen der Erarbeitung des Nationalen Krebsplans (Umsetzung der am 29. Februar 2024 an den Bundesrat überwiesenen Motion 23.3014 Nationaler Krebsplan) wird die Frage der Harmonisierung und Qualitätssicherung der kantonalen Früherkennungsprogramme erneut diskutiert werden. Der Bundesrat wird den Nationalen Krebsplan voraussichtlich im Sommer 2026 verabschieden. </span></p></span>
    • <p>In der Schweiz erkranken jährlich etwa 6500 Frauen an Brustkrebs, d. h. eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens. Die Früherkennung ist von entscheidender Bedeutung: Sie erhöht die Überlebenschancen und verringert den Bedarf an belastenden Behandlungen. Doch im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern verfügt unser Land nicht über ein nationales Programm zur Früherkennung.</p><p>Derzeit bieten nur einige Kantone Frauen zwischen 50 und 69 Jahren systematisch zu einer regelmässigen Mammografie auf. Eine aktuelle Studie der Hirslanden-Klinik St. Anna, des Kantonsspitals und der Universität Luzern bestätigt, dass diese Programme zu einer früheren Diagnose von Tumoren führen, mit weniger fortgeschrittenen Fällen oder Lymphknotenmetastasen. Umgekehrt verzeichnen Kantone ohne solche Programme mehr Spätdiagnosen und mehr belastende Behandlungen.</p><p>Dies führt zu einem ungleichen Zugang zu Präventionsmassnahmen, je nachdem, wo man lebt. Ein nationales Programm würde allen Frauen ein wirksames, koordiniertes und den internationalen Standards entsprechendes Screening garantieren. Der Bundesrat hat allerdings erneut bekräftigt, dass diese Zuständigkeit bei den Kantonen liegt. Dieser fragmentierte Ansatz beeinträchtigt jedoch die Kohärenz der Gesundheitspolitik und bremst die Bemühungen um eine Kostendämpfung.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass das Fehlen eines nationalen Screening-Programms zu kantonalen Ungleichheiten beim Zugang zur Prävention und Früherkennung von Brustkrebs führt?</li><li>Wie erklärt er sich, dass die Schweiz eines der wenigen europäischen Länder bleibt, das trotz überzeugender wissenschaftlicher Daten kein solches Programm auf Bundesebene führt?</li><li>Ist er nicht auch der Ansicht, dass eine Harmonisierung der Praktiken sowohl die Prävention als auch die Qualität der Betreuung und die Steuerung der Kosten verbessern würde?</li><li>Welche rechtlichen Grundlagen bräuchte es für die Einführung eines nationalen Programms? Welche Massnahmen plant der Bundesrat, um eine landesweite Koordination zu fördern?</li></ol><p>Ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs ist eine überfällige und gerechtfertigte Massnahme. Es würde allen Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Präventionsmassnahmen garantieren. Die Beibehaltung eines fragmentierten kantonalen Ansatzes verstärkt nur die Ungleichheiten und schwächt unsere Reaktion auf diese Krankheit. Es liegt nun am Bundesrat, eine gesamtschweizerische, kohärente und ambitionierte Lösung vorzuschlagen.</p>
    • Für ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs

Back to List