Masshalten bei Gesundheitsempfehlungen der WHO
- ShortId
-
25.3629
- Id
-
20253629
- Updated
-
14.11.2025 02:44
- Language
-
de
- Title
-
Masshalten bei Gesundheitsempfehlungen der WHO
- AdditionalIndexing
-
2841;08;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>1. - 2. Forschungsergebnisse zeigen, dass bereits geringe Alkoholmengen das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen. In ihren Empfehlungen stützt sich die WHO nicht explizit auf die Metaanalyse von Stockwell, sondern auf eine breitere Evidenzbasis. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Empfehlungen der WHO auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Hinsichtlich der Qualität der Studie von NASEM (www.nap.nationalacademies.org > catalog > 28582 > review-of-evidence-on-alcohol-and-health) gab es in Fachkreisen hingegen verschiedene Bedenken, zum Beispiel in Bezug auf die Methodik.</p><p> </p><p>3. Die nationale Strategie Sucht unterscheidet Konsum- und Verhaltensweisen nach ihrer Intensität und den damit verbundenen Risiken für das Individuum und die Gesellschaft. Der aktuelle Massnahmenplan Sucht gilt für die Periode 2025-2028. Der Fokus der Strategie in Bezug auf die Vorbeugung des risikoreichen Alkoholkonsums umfasst auch die Verringerung der negativen Auswirkungen auf die körperliche und psychosoziale Gesundheit. <br>Die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) wird voraussichtlich im dritten Quartal 2025 neue Empfehlungen zum Alkoholkonsum veröffentlichen. Als unabhängige ausserparlamentarische Fachkommission ist sie bestrebt, der breiten Bevölkerung den aktuellen Kenntnisstand zu vermitteln. Der Bundesrat wird allfällige Implikationen dieser Empfehlungen für die Nachfolgestrategie Sucht prüfen, die 2029 in Kraft treten soll. <br> </p><p>4. Gestützt auf die Statistik des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) ist in der Schweiz der durchschnittliche jährliche Verkauf von reinem Trinkalkohol von 2001 bis 2023 von rund 11 Liter auf 8 Liter pro Kopf zurückgegangen. Ebenfalls zurückgegangen ist der tägliche Alkoholkonsum. Im Jahr 2022 konsumierten rund 9 Prozent der Schweizer Bevölkerung mindestens einmal pro Tag Alkohol, 2002 waren es noch rund 16 Prozent. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass dieser Rückgang während der letzten Jahre einem allgemeinen gesellschaftlichen Trend entspricht, und auf das geänderte Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zurückzuführen ist. Diese Entwicklung kann sich längerfristig auch positiv auf die hohen volkswirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit Alkoholkonsum auswirken.</p><p> </p><p>5. Die Schweiz wird, wie alle anderen Mitgliedstaaten der WHO, konsultiert zu Dokumenten, die den Leitungsgremien der Weltgesundheitsorganisation (Exekutivrat und Weltgesundheitsversammlung) vorgelegt werden. An der 75. Weltgesundheitsversammlung 2022 wurde der « Global alcohol action plan 2022-2030 » im Konsens angenommen. Die Schweiz wurde bei der Erarbeitung dieses Dokuments 2021 konsultiert und hat den Plan unterstützt.</p>
- <p>Am 4. Januar 2023 hat die WHO in einer Medienmitteilung festgehalten: «Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge». Sie hat im Fachjournal The Lancet Public Health eine entsprechende Erklärung veröffentlicht und stützt sich in der Argumentation stark auf einen externen Berater - Tim Stockwell - ab. Stockwell steht in engem Kontakt mit einer militanten Abstinenzbewegung. Kritiker werfen ihm vor, Risiken zu dramatisieren, Daten einseitig zu sammeln und auszulegen. <br>Während früher seitens WHO der Fokus auf den Missbrauch von Alkohol gelegt wurde, ist nun eine "Zero-Strategie" im Fokus. Solche einseitigen Stellungnahmen verunsichern Konsumentinnen und Konsumenten und führen in den betroffenen Branchen zu massgeblichen Schäden und zusätzlichen Druck in einer ohnehin schwierigen Situation. Beispielsweise ist der Weinkonsum in der Schweiz letztes Jahr um 8 Prozent zurückgegangen, bei Schweizer Wein um 16 Prozent – und bei Schweizer Rotwein sogar um 20 Prozent.<br><br>Die Erklärung im Lancet Fachjournal ist wissenschaftlich umstritten. Insbesondere zeichnet unter anderem der neueste «Review on Evidence on Alcohol and Health (2025) der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) ein anderes Bild der Gesundheitsfolgen von moderatem Alkoholkonsum. Der Review zeigt auch die positiven Effekte eines massvollen Alkoholkonsums auf.</p><p><br>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p><br>1. Teilt er die Auffassung, dass die WHO mit ihrer Zero-Strategie beim Alkohol unverhältnismässige Empfehlungen erlassen hat? <br>2. Teilt er die Auffassung, dass die WHO falsch liegt, wenn sie feststellt, es gebe keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol? <br>3. Sieht der Bundesrat in seiner Präventionsstrategie Änderungsbedarf oder wird weiterhin der Fokus auf den missbräuchlichen Konsum von Alkohol gelegt ? <br>4. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass solche Empfehlungen wirtschaftliche Schäden in den einzelnen Branchen verursachen? <br>5. Hat die Schweiz in den massgeblichen WHO – Gremien entsprechend interveniert oder werden die wissenschaftlich umstrittenen Aussagen einfach so hingenommen?</p>
- Masshalten bei Gesundheitsempfehlungen der WHO
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>1. - 2. Forschungsergebnisse zeigen, dass bereits geringe Alkoholmengen das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen. In ihren Empfehlungen stützt sich die WHO nicht explizit auf die Metaanalyse von Stockwell, sondern auf eine breitere Evidenzbasis. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Empfehlungen der WHO auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Hinsichtlich der Qualität der Studie von NASEM (www.nap.nationalacademies.org > catalog > 28582 > review-of-evidence-on-alcohol-and-health) gab es in Fachkreisen hingegen verschiedene Bedenken, zum Beispiel in Bezug auf die Methodik.</p><p> </p><p>3. Die nationale Strategie Sucht unterscheidet Konsum- und Verhaltensweisen nach ihrer Intensität und den damit verbundenen Risiken für das Individuum und die Gesellschaft. Der aktuelle Massnahmenplan Sucht gilt für die Periode 2025-2028. Der Fokus der Strategie in Bezug auf die Vorbeugung des risikoreichen Alkoholkonsums umfasst auch die Verringerung der negativen Auswirkungen auf die körperliche und psychosoziale Gesundheit. <br>Die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) wird voraussichtlich im dritten Quartal 2025 neue Empfehlungen zum Alkoholkonsum veröffentlichen. Als unabhängige ausserparlamentarische Fachkommission ist sie bestrebt, der breiten Bevölkerung den aktuellen Kenntnisstand zu vermitteln. Der Bundesrat wird allfällige Implikationen dieser Empfehlungen für die Nachfolgestrategie Sucht prüfen, die 2029 in Kraft treten soll. <br> </p><p>4. Gestützt auf die Statistik des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) ist in der Schweiz der durchschnittliche jährliche Verkauf von reinem Trinkalkohol von 2001 bis 2023 von rund 11 Liter auf 8 Liter pro Kopf zurückgegangen. Ebenfalls zurückgegangen ist der tägliche Alkoholkonsum. Im Jahr 2022 konsumierten rund 9 Prozent der Schweizer Bevölkerung mindestens einmal pro Tag Alkohol, 2002 waren es noch rund 16 Prozent. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass dieser Rückgang während der letzten Jahre einem allgemeinen gesellschaftlichen Trend entspricht, und auf das geänderte Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zurückzuführen ist. Diese Entwicklung kann sich längerfristig auch positiv auf die hohen volkswirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit Alkoholkonsum auswirken.</p><p> </p><p>5. Die Schweiz wird, wie alle anderen Mitgliedstaaten der WHO, konsultiert zu Dokumenten, die den Leitungsgremien der Weltgesundheitsorganisation (Exekutivrat und Weltgesundheitsversammlung) vorgelegt werden. An der 75. Weltgesundheitsversammlung 2022 wurde der « Global alcohol action plan 2022-2030 » im Konsens angenommen. Die Schweiz wurde bei der Erarbeitung dieses Dokuments 2021 konsultiert und hat den Plan unterstützt.</p>
- <p>Am 4. Januar 2023 hat die WHO in einer Medienmitteilung festgehalten: «Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge». Sie hat im Fachjournal The Lancet Public Health eine entsprechende Erklärung veröffentlicht und stützt sich in der Argumentation stark auf einen externen Berater - Tim Stockwell - ab. Stockwell steht in engem Kontakt mit einer militanten Abstinenzbewegung. Kritiker werfen ihm vor, Risiken zu dramatisieren, Daten einseitig zu sammeln und auszulegen. <br>Während früher seitens WHO der Fokus auf den Missbrauch von Alkohol gelegt wurde, ist nun eine "Zero-Strategie" im Fokus. Solche einseitigen Stellungnahmen verunsichern Konsumentinnen und Konsumenten und führen in den betroffenen Branchen zu massgeblichen Schäden und zusätzlichen Druck in einer ohnehin schwierigen Situation. Beispielsweise ist der Weinkonsum in der Schweiz letztes Jahr um 8 Prozent zurückgegangen, bei Schweizer Wein um 16 Prozent – und bei Schweizer Rotwein sogar um 20 Prozent.<br><br>Die Erklärung im Lancet Fachjournal ist wissenschaftlich umstritten. Insbesondere zeichnet unter anderem der neueste «Review on Evidence on Alcohol and Health (2025) der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) ein anderes Bild der Gesundheitsfolgen von moderatem Alkoholkonsum. Der Review zeigt auch die positiven Effekte eines massvollen Alkoholkonsums auf.</p><p><br>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p><br>1. Teilt er die Auffassung, dass die WHO mit ihrer Zero-Strategie beim Alkohol unverhältnismässige Empfehlungen erlassen hat? <br>2. Teilt er die Auffassung, dass die WHO falsch liegt, wenn sie feststellt, es gebe keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol? <br>3. Sieht der Bundesrat in seiner Präventionsstrategie Änderungsbedarf oder wird weiterhin der Fokus auf den missbräuchlichen Konsum von Alkohol gelegt ? <br>4. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass solche Empfehlungen wirtschaftliche Schäden in den einzelnen Branchen verursachen? <br>5. Hat die Schweiz in den massgeblichen WHO – Gremien entsprechend interveniert oder werden die wissenschaftlich umstrittenen Aussagen einfach so hingenommen?</p>
- Masshalten bei Gesundheitsempfehlungen der WHO
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