Schmelzender Permafrost fordert die Schweiz heraus. Ist der Bund vorbereitet?
- ShortId
-
25.3747
- Id
-
20253747
- Updated
-
14.11.2025 02:46
- Language
-
de
- Title
-
Schmelzender Permafrost fordert die Schweiz heraus. Ist der Bund vorbereitet?
- AdditionalIndexing
-
52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Für die Schweizer Alpen ist Permafrost in seiner Veränderung nicht nur ein wichtiger Klimaindikator, sondern auch ein Frühindikator für die Veränderung der Ökosysteme und damit für das wichtige Management der Berggebiete in Bezug auf Naturgefahren, Infrastruktur und generell der Landnutzung. Und das ist dringend: 2022, 2023 und 2024 gehören zu den fünf wärmsten, die in der Schweiz seit Beginn der Messungen 1864 gemessen wurden. Die Temperaturen lagen 1.44 bis 1.9 °C über dem Mittel der Periode 1991–2020. Letztes Jahr, im 2024, war erneut ein Rekordjahr: Beobachtungen seit 25 Jahren koordinierter Messungen im Rahmen des Schweizerischen Permafrostbeobachtungsnetzes PERMOS<a href="#_ftn1">[4]</a> zeigen, die Permafrostveränderungen haben sich in den Alpen beschleunigt. Auch der Rückgang des Bodeneisgehalts und die Zunahme der Blockgletschergeschwindigkeiten setzten sich weiter fort. Diese Veränderungen werden auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter gehen. Die in den obersten 10m beobachtete Erwärmung des Permafrosts wird weiter in grössere Tiefen vordringen. Erwärmung oder Auftauen des Permafrosts kann die Stabilität steiler Bergflanken reduzieren und zu mehr Felssturz- und Murgängen oder Gletscherseeausbrüchen führen.<a href="#_ftn2">[5]</a> Veränderungen des Permafrosts wirken sich generell auf die Stabilität der ganzjährig gefrorenen Berghänge aus. Das ist für die Prävention von Naturgefahren und den Unterhalt wie die Planung von Infrastrukturen im Hochgebirge zentral.</p><p>Doch in der aktuellen Klima- und Risikoanalyse des Bundes für die Schweiz als Grundlage zur Anpassung an den Klimawandel wird abschmelzenden Permafrost nur am Rande erwähnt.<a href="#_ftn3">[6]</a> Gleiches gilt für den Aktionsplan 2020-2025, in dem Permafrost nur allgemein unter Naturgefahren vorkommt. Der Bundesrat sollte diese neuen Erkenntnisse dringend antizipieren. <br> </p><p><a href="#_ftnref1">[4]</a> PERMOS wird von sechs Partnerinstitutionen aus der Forschung getragen und finanziell von MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz, dem Bafu und der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften unterstützt</p><p><a href="#_ftnref2">[5]</a> https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/einfuehrung/Einführung-Hochgebirge_Definition,_Bedeutung,_Veränderungen_und_Gefahren-(2020).pdf.</p><p><a href="#_ftnref3">[6]</a> <a href="https://che01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.bafu.admin.ch%2Fbafu%2Fde%2Fhome%2Fthemen%2Fklima%2Fpublikationen-studien%2Fpublikationen%2Fklimabedingte-risiken-und-chancen.html&data=05%7C02%7Cmaya.graf%40parl.ch%7Cb09ba5434776463fe23a08ddaf03c3ba%7C0cf3ddc638a5480885f1cae22925a1b0%7C0%7C0%7C638859152872575868%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=4tRoi28iZTkwKyFzr5xyjMwWBqLaOtz%2BZRhKRfzzeoo%3D&reserved=0">Bafu (Hrsg.):Klima-Risikoanalyse für die Schweiz. Grundlage für die Anpassung an den Klimawandel (2025)</a></p>
- <span><p><span>1) Der Bund beteiligt sich weiterhin am Programm PERMOS und damit am langfristigen Monitoring der Veränderung des Permafrostes in der Schweiz. </span><br><span>Dank des technologischen Fortschritts sind neu flächige Überwachungen von Hanginstabili</span><span></span><span>täten mittels Radarvermessung durch Satelliten (InSAR) möglich. Das Bundesamt für Umwelt baut ein schweizweites Monitoring der Massenbewegungen basierend auf InSAR auf. Diese Daten stammen vom Sentinel-1-Satelliten des Copernicus Programms der Europäischen Union. Ziel dieses Monitorings ist es, noch nicht bekannte Instabilitäten zu identifizieren, Beschleunigungen zu erkennen und insbesondere auch neue Massenbewegungen infolge tauenden Permafrosts schweizweit zu erkennen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>2) Der Schutz vor Naturgefahren ist Aufgabe der Kantone respektive der Gemeinden. Dies umfasst neben Schutzmassnahmen auch das Monitoring sowie die Gefahrenbeurteilung. Der Bund unterstützt die Kantone dabei fachlich und finanziell.</span></p><p><span>Die Verantwortung für Hochgebirgs-Infrastrukturen wie Hütten oder Seilbahnen, aber auch Bauten und Anlagen in Gebirgstälern, liegt bei den jeweiligen Eigentümern. Sie sind dafür verantwortlich, Gefahrengebiete möglichst zu meiden und gefahrengerecht zu bauen. Ebenso sind die Überwachung des Standortes und allfällige Schutzmassnahmen Sache der Eigentümer. </span><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat sieht keine weiteren zu den in der Antwort auf Frage 1 genannten Massnahmen vor, um Hanginstabilitäten in Permafrostgebieten zu beurteilen oder um Hochgebirgsinfrastrukturen langfristig zu planen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>3) Wie in der Antwort auf Frage 2 erwähnt, liegt der Schutz vor Naturgefahren in der Zuständigkeit der Kantone. Der Bund verfügt deshalb nicht über eigene Risikoeinschätzungen und Szenarien zur Bebaubarkeit von Gebieten. Er besitzt auch keine eigenen Informationen zu den Siedlungen, welche von einer erhöhten Evakuationsgefahr betroffen sein werden. Er unterstützt die Kantone jedoch sowohl in fachlicher als auch finanzieller Hinsicht bei der Erarbeitung von Grundlagen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>4) Die Permafrostgebiete liegen schweizweit kartographisch vor. Um zukünftigen Veränderungen möglichst vorausschauend zu begegnen, sind die Kantone neu verpflichtet, die Auswirkungen des Klimawandels in den Gefahrengrundlagen zu berücksichtigen. </span></p></span>
- <p>2024 war erneut ein Rekordjahr: Beobachtungen seit 25 Jahren koordinierter Messungen im Rahmen des Schweizerischen Permafrostbeobachtungsnetzes PERMOS<a href="#_ftn1">[1]</a> zeigen, die Permafrostveränderungen haben sich in den Alpen beschleunigt. Leider wird in der aktuellen Klima- und Risikoanalyse des Bundes für die Schweiz als Grundlage zur Anpassung an den Klimawandel, abschmelzenden Permafrost nur am Rande erwähnt.<a href="#_ftn2">[2]</a> Gleiches gilt für den Aktionsplan 2020-2025, in dem Permafrost nur allgemein unter Naturgefahren vorkommt.</p><p> </p><p>Der Bundesrat wird daher gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>wie sieht das Monitoring für die zunehmenden Instabilitäten aus? Müssten nicht zukünftig neue Messgrössen und Methoden die Beobachtungsstrategien ergänzt und die Abdeckung verbessert werden – gerade an schlecht erreichbaren Standorten in wenig erforschten Bedingungen oder Gebirgsregionen?<a href="#_ftn3">[3]</a></li><li>In den Schweizer Alpen ist Hochgebirgs-Infrastruktur wie Hütten, Lawinenschutzbauten oder Seilbahnen oft auf Permafrost gebaut. Die zunehmende Mächtigkeit der Auftauschicht, die Erwärmung des Permafrostes oder die schnelleren Kriechbewegungen können Bauwerke zusätzlich belasten, was zu erhöhten Unterhaltskosten oder einer kürzeren Lebensdauer führen kann. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um etwa Hanginstabilitäten in Permafrostgebieten zu beurteilen und entsprechende Hochgebirgsinfrastruktur langfristig zu planen? Wie finanziert er das?</li><li>Verfügt er über Risikoeinschätzungen und Szenarien zur Bebaubarkeit von Gebieten oder Informationen darüber, welche Siedlungen von einer erhöhten Evakuationsgefahr betroffen sein werden?</li><li>Die Bedingungen des dauerhaft gefrorenen Bodens müssen auch beim Planen und Bauen in Permafrostgebieten berücksichtigt werden. Was plant der Bundesrat um zukünftigen Veränderungen möglichst weit im Voraus und mit Blick auf den Schutz der Bevölkerung zu begegnen? <br> </li></ol><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> PERMOS wird von sechs Partnerinstitutionen aus der Forschung getragen und finanziell von MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz, dem Bafu und der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften unterstützt</p><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> <a href="https://che01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.bafu.admin.ch%2Fbafu%2Fde%2Fhome%2Fthemen%2Fklima%2Fpublikationen-studien%2Fpublikationen%2Fklimabedingte-risiken-und-chancen.html&data=05%7C02%7Cmaya.graf%40parl.ch%7Cb09ba5434776463fe23a08ddaf03c3ba%7C0cf3ddc638a5480885f1cae22925a1b0%7C0%7C0%7C638859152872527626%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=Ou%2F7zlQ5r02nSXaU6H6TX%2BOhblBO8z3qEvCSIgxv7JQ%3D&reserved=0">Bafu (Hrsg.):Klima-Risikoanalyse für die Schweiz. Grundlage für die Anpassung an den Klimawandel (2025)</a></p><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> <a href="https://che01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.klima-warnsignale.uni-hamburg.de%2Fbuchreihe%2Fhochgebirge%2Fkapitel-3-9-permafrost-in-den-alpen-langzeitbeobachtung-und-entwicklung-ueber-zwei-jahrzehnte%2F&data=05%7C02%7Cmaya.graf%40parl.ch%7Cb09ba5434776463fe23a08ddaf03c3ba%7C0cf3ddc638a5480885f1cae22925a1b0%7C0%7C0%7C638859152872560191%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=t6OV05%2Fen8fxAdp6dsW5sP9OU2xHHXsz3oSxUehszlk%3D&reserved=0">https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/buchreihe/hochgebirge/kapitel-3-9-permafrost-in-den-alpen-langzeitbeobachtung-und-entwicklung-ueber-zwei-jahrzehnte/</a>, letztmals eingesehen a 17.062025.</p>
- Schmelzender Permafrost fordert die Schweiz heraus. Ist der Bund vorbereitet?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Für die Schweizer Alpen ist Permafrost in seiner Veränderung nicht nur ein wichtiger Klimaindikator, sondern auch ein Frühindikator für die Veränderung der Ökosysteme und damit für das wichtige Management der Berggebiete in Bezug auf Naturgefahren, Infrastruktur und generell der Landnutzung. Und das ist dringend: 2022, 2023 und 2024 gehören zu den fünf wärmsten, die in der Schweiz seit Beginn der Messungen 1864 gemessen wurden. Die Temperaturen lagen 1.44 bis 1.9 °C über dem Mittel der Periode 1991–2020. Letztes Jahr, im 2024, war erneut ein Rekordjahr: Beobachtungen seit 25 Jahren koordinierter Messungen im Rahmen des Schweizerischen Permafrostbeobachtungsnetzes PERMOS<a href="#_ftn1">[4]</a> zeigen, die Permafrostveränderungen haben sich in den Alpen beschleunigt. Auch der Rückgang des Bodeneisgehalts und die Zunahme der Blockgletschergeschwindigkeiten setzten sich weiter fort. Diese Veränderungen werden auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter gehen. Die in den obersten 10m beobachtete Erwärmung des Permafrosts wird weiter in grössere Tiefen vordringen. Erwärmung oder Auftauen des Permafrosts kann die Stabilität steiler Bergflanken reduzieren und zu mehr Felssturz- und Murgängen oder Gletscherseeausbrüchen führen.<a href="#_ftn2">[5]</a> Veränderungen des Permafrosts wirken sich generell auf die Stabilität der ganzjährig gefrorenen Berghänge aus. Das ist für die Prävention von Naturgefahren und den Unterhalt wie die Planung von Infrastrukturen im Hochgebirge zentral.</p><p>Doch in der aktuellen Klima- und Risikoanalyse des Bundes für die Schweiz als Grundlage zur Anpassung an den Klimawandel wird abschmelzenden Permafrost nur am Rande erwähnt.<a href="#_ftn3">[6]</a> Gleiches gilt für den Aktionsplan 2020-2025, in dem Permafrost nur allgemein unter Naturgefahren vorkommt. Der Bundesrat sollte diese neuen Erkenntnisse dringend antizipieren. <br> </p><p><a href="#_ftnref1">[4]</a> PERMOS wird von sechs Partnerinstitutionen aus der Forschung getragen und finanziell von MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz, dem Bafu und der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften unterstützt</p><p><a href="#_ftnref2">[5]</a> https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/einfuehrung/Einführung-Hochgebirge_Definition,_Bedeutung,_Veränderungen_und_Gefahren-(2020).pdf.</p><p><a href="#_ftnref3">[6]</a> <a href="https://che01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.bafu.admin.ch%2Fbafu%2Fde%2Fhome%2Fthemen%2Fklima%2Fpublikationen-studien%2Fpublikationen%2Fklimabedingte-risiken-und-chancen.html&data=05%7C02%7Cmaya.graf%40parl.ch%7Cb09ba5434776463fe23a08ddaf03c3ba%7C0cf3ddc638a5480885f1cae22925a1b0%7C0%7C0%7C638859152872575868%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=4tRoi28iZTkwKyFzr5xyjMwWBqLaOtz%2BZRhKRfzzeoo%3D&reserved=0">Bafu (Hrsg.):Klima-Risikoanalyse für die Schweiz. Grundlage für die Anpassung an den Klimawandel (2025)</a></p>
- <span><p><span>1) Der Bund beteiligt sich weiterhin am Programm PERMOS und damit am langfristigen Monitoring der Veränderung des Permafrostes in der Schweiz. </span><br><span>Dank des technologischen Fortschritts sind neu flächige Überwachungen von Hanginstabili</span><span></span><span>täten mittels Radarvermessung durch Satelliten (InSAR) möglich. Das Bundesamt für Umwelt baut ein schweizweites Monitoring der Massenbewegungen basierend auf InSAR auf. Diese Daten stammen vom Sentinel-1-Satelliten des Copernicus Programms der Europäischen Union. Ziel dieses Monitorings ist es, noch nicht bekannte Instabilitäten zu identifizieren, Beschleunigungen zu erkennen und insbesondere auch neue Massenbewegungen infolge tauenden Permafrosts schweizweit zu erkennen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>2) Der Schutz vor Naturgefahren ist Aufgabe der Kantone respektive der Gemeinden. Dies umfasst neben Schutzmassnahmen auch das Monitoring sowie die Gefahrenbeurteilung. Der Bund unterstützt die Kantone dabei fachlich und finanziell.</span></p><p><span>Die Verantwortung für Hochgebirgs-Infrastrukturen wie Hütten oder Seilbahnen, aber auch Bauten und Anlagen in Gebirgstälern, liegt bei den jeweiligen Eigentümern. Sie sind dafür verantwortlich, Gefahrengebiete möglichst zu meiden und gefahrengerecht zu bauen. Ebenso sind die Überwachung des Standortes und allfällige Schutzmassnahmen Sache der Eigentümer. </span><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat sieht keine weiteren zu den in der Antwort auf Frage 1 genannten Massnahmen vor, um Hanginstabilitäten in Permafrostgebieten zu beurteilen oder um Hochgebirgsinfrastrukturen langfristig zu planen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>3) Wie in der Antwort auf Frage 2 erwähnt, liegt der Schutz vor Naturgefahren in der Zuständigkeit der Kantone. Der Bund verfügt deshalb nicht über eigene Risikoeinschätzungen und Szenarien zur Bebaubarkeit von Gebieten. Er besitzt auch keine eigenen Informationen zu den Siedlungen, welche von einer erhöhten Evakuationsgefahr betroffen sein werden. Er unterstützt die Kantone jedoch sowohl in fachlicher als auch finanzieller Hinsicht bei der Erarbeitung von Grundlagen. </span></p><p><span> </span></p><p><span>4) Die Permafrostgebiete liegen schweizweit kartographisch vor. Um zukünftigen Veränderungen möglichst vorausschauend zu begegnen, sind die Kantone neu verpflichtet, die Auswirkungen des Klimawandels in den Gefahrengrundlagen zu berücksichtigen. </span></p></span>
- <p>2024 war erneut ein Rekordjahr: Beobachtungen seit 25 Jahren koordinierter Messungen im Rahmen des Schweizerischen Permafrostbeobachtungsnetzes PERMOS<a href="#_ftn1">[1]</a> zeigen, die Permafrostveränderungen haben sich in den Alpen beschleunigt. Leider wird in der aktuellen Klima- und Risikoanalyse des Bundes für die Schweiz als Grundlage zur Anpassung an den Klimawandel, abschmelzenden Permafrost nur am Rande erwähnt.<a href="#_ftn2">[2]</a> Gleiches gilt für den Aktionsplan 2020-2025, in dem Permafrost nur allgemein unter Naturgefahren vorkommt.</p><p> </p><p>Der Bundesrat wird daher gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>wie sieht das Monitoring für die zunehmenden Instabilitäten aus? Müssten nicht zukünftig neue Messgrössen und Methoden die Beobachtungsstrategien ergänzt und die Abdeckung verbessert werden – gerade an schlecht erreichbaren Standorten in wenig erforschten Bedingungen oder Gebirgsregionen?<a href="#_ftn3">[3]</a></li><li>In den Schweizer Alpen ist Hochgebirgs-Infrastruktur wie Hütten, Lawinenschutzbauten oder Seilbahnen oft auf Permafrost gebaut. Die zunehmende Mächtigkeit der Auftauschicht, die Erwärmung des Permafrostes oder die schnelleren Kriechbewegungen können Bauwerke zusätzlich belasten, was zu erhöhten Unterhaltskosten oder einer kürzeren Lebensdauer führen kann. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um etwa Hanginstabilitäten in Permafrostgebieten zu beurteilen und entsprechende Hochgebirgsinfrastruktur langfristig zu planen? Wie finanziert er das?</li><li>Verfügt er über Risikoeinschätzungen und Szenarien zur Bebaubarkeit von Gebieten oder Informationen darüber, welche Siedlungen von einer erhöhten Evakuationsgefahr betroffen sein werden?</li><li>Die Bedingungen des dauerhaft gefrorenen Bodens müssen auch beim Planen und Bauen in Permafrostgebieten berücksichtigt werden. Was plant der Bundesrat um zukünftigen Veränderungen möglichst weit im Voraus und mit Blick auf den Schutz der Bevölkerung zu begegnen? <br> </li></ol><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> PERMOS wird von sechs Partnerinstitutionen aus der Forschung getragen und finanziell von MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz, dem Bafu und der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften unterstützt</p><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> <a href="https://che01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.bafu.admin.ch%2Fbafu%2Fde%2Fhome%2Fthemen%2Fklima%2Fpublikationen-studien%2Fpublikationen%2Fklimabedingte-risiken-und-chancen.html&data=05%7C02%7Cmaya.graf%40parl.ch%7Cb09ba5434776463fe23a08ddaf03c3ba%7C0cf3ddc638a5480885f1cae22925a1b0%7C0%7C0%7C638859152872527626%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=Ou%2F7zlQ5r02nSXaU6H6TX%2BOhblBO8z3qEvCSIgxv7JQ%3D&reserved=0">Bafu (Hrsg.):Klima-Risikoanalyse für die Schweiz. Grundlage für die Anpassung an den Klimawandel (2025)</a></p><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> <a href="https://che01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.klima-warnsignale.uni-hamburg.de%2Fbuchreihe%2Fhochgebirge%2Fkapitel-3-9-permafrost-in-den-alpen-langzeitbeobachtung-und-entwicklung-ueber-zwei-jahrzehnte%2F&data=05%7C02%7Cmaya.graf%40parl.ch%7Cb09ba5434776463fe23a08ddaf03c3ba%7C0cf3ddc638a5480885f1cae22925a1b0%7C0%7C0%7C638859152872560191%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=t6OV05%2Fen8fxAdp6dsW5sP9OU2xHHXsz3oSxUehszlk%3D&reserved=0">https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/buchreihe/hochgebirge/kapitel-3-9-permafrost-in-den-alpen-langzeitbeobachtung-und-entwicklung-ueber-zwei-jahrzehnte/</a>, letztmals eingesehen a 17.062025.</p>
- Schmelzender Permafrost fordert die Schweiz heraus. Ist der Bund vorbereitet?
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