Für eine bessere Informationsgrundlage und klare Zuständigkeiten im Kampf gegen Einsamkeit und soziale Isolation

ShortId
25.3762
Id
20253762
Updated
14.11.2025 02:38
Language
de
Title
Für eine bessere Informationsgrundlage und klare Zuständigkeiten im Kampf gegen Einsamkeit und soziale Isolation
AdditionalIndexing
2841;28
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2022 zeigt sich ein langfristiger ansteigender Trend des Einsamkeitsgefühls über breite Bevölkerungsschichten hinweg. Besonders betroffen sind junge und ältere Menschen, Frauen und Personen mit Migrationshintergrund.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Eine Analyse der Universität Freiburg zeigt, dass soziale Isolation mit einem signifikanten Anstieg fast aller betrachteten nichtübertragbaren Krankheiten verbunden ist. Nebst gesundheitlichen Schäden haben Einsamkeit und soziale Isolation auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft, wie Daten aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich eindrücklich zeigen. Unter anderem belasten durch Einsamkeit mitverursachte Erkrankungen die Sozialversicherungssysteme. Studien beobachten negative Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität und eine Häufung von Arbeitsausfällen sowie Frühverrentungen. Die Gesellschaft trägt schliesslich die Kosten. Gesellschaftliche Entwicklungen wie die deutliche Zunahme von Einpersonenhaushalten dürften zu einem weiteren Anstieg von Einsamkeit und sozialer Isolation führen, welchem mit gezielten sozialen und politischen Massnahmen begegnet werden muss. Dafür braucht es eine solide Daten- und Informationsgrundlage, basierend auf zwei Ansätzen:&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>1. Nebst einer Frage in der alle fünf Jahre durchgeführten Schweizerischen Gesundheitsbefragung fehlt eine systematische Erhebung in der Schweiz. Der Bundesrat wird daher beauftragt, die Schaffung einer breiteren Datengrundlage zur Einsamkeit in der Schweiz zu prüfen. Dabei soll der Erweiterung des Fragenkatalogs ab der nächsten Schweizerischen Gesundheitsbefragung mit einer themenspezifischen Fragebatterie, etwa nach dem Vorbild der britischen Community Life Survey, besonderes Augenmerk zukommen.</p><p>&nbsp;</p><p>2. Für die Entwicklung und Umsetzung wirksamer Massnahmen gegen Einsamkeit und soziale Isolation ist die Klärung der Zuständigkeiten von Bund, Kantonen und Gemeinden von grundlegender Bedeutung. Damit können Verantwortlichkeiten festgelegt, Synergien identifiziert und Ineffizienzen verhindert werden.</p>
  • <span><p><span>Einsamkeit gilt als wichtiger Einflussfaktor, der sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit negativ beeinflussen kann. Bei anhaltender Einsamkeit verschlechtert sich in der Folge oft auch die psychische und physische Gesundheit. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>1. Die Gesundheitsbefragung beinhaltet bereits seit 1997 eine Frage zur Häufigkeit von Einsamkeitsgefühlen. Zudem werden Fragen zur sozialen Unterstützung und damit zur Qualität und Quantität sozialer Kontakte erhoben. Diese Indikatoren lassen sich mit einer Vielzahl anderer Einflussfaktoren vergleichen und zeigen auf, welche Bevölkerungsgruppen gut integriert respektive sozial isoliert sind. In Anbetracht der methodischen Umstellung von einer telefonischen und anschliessenden schriftlichen Nachbefragung hin zu einer gemischten Methodik mit Telefon- und Online-Befragungen muss der Fragebogen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2027 konsolidiert werden. Das Bundesamt für Gesundheit prüft derzeit im Rahmen dieser Arbeiten mit dem Bundesamt für Statistik, inwiefern das Thema Einsamkeit vertieft werden könnte. Auf jeden Fall werden die bestehenden Fragen zur Thematik weitergeführt.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation 24.3935 Bulliard-Marbach «Welche Massnahmen im Umgang mit der zunehmenden Einsamkeit?»</span><strong><span> </span></strong><span>ausgeführt, sind Bund und Kantone im Bereich der sozialen Integration tätig. Die nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) wird vom BAG, der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz (GFCH) getragen. Die Förderung der psychischen Gesundheit gehört zu den Schwerpunkten des NCD-Massnahmenplans 2025-2028, der die Zielerreichung der NCD-Strategie unterstützt. Im Rahmen der Umsetzung des Massnahmenplans kann die Thematik der Einsamkeit mitberücksichtigt werden. Die Entwicklung und Umsetzung konkreter Massnahmen im Bereich der psychischen Gesundheit im Allgemeinen und in Bezug auf die Thematik der Einsamkeit im Speziellen, fällt in den Zuständigkeitsbereich der Kantone. GFCH unterstützt verschiedene Projekte zum Thema Einsamkeit wie zum Beispiel das Kantonale Aktionsprogramm (KAP) von Basel-Stadt «Einsamkeit hat viele Gesichter». Das Bundesamt für Sport unterstützt die Weiterbildung von Trainerinnen und Trainern für die Bewegungsförderung älterer Menschen, was die Möglichkeit der sozialen Kontakte unterstützt. Das BFS wird weiterhin Monitoringdaten zur psychischen Gesundheit, darunter zu Einsamkeit, erheben. Das Bundesamt für Sozialversicherung ist daran, weiterführende Massnahmen zum Thema Einsamkeit abzuklären. Aus Sicht des Bundesrates sind somit die Rollen im Bereich der psychischen Gesundheit, worunter auch die Thematik der Einsamkeit fällt, bereits klar definiert und es drängt sich kein weiterer Klärungsbedarf auf. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>In Anbetracht der besorgniserregenden Zunahme von Einsamkeit und sozialer Isolation in der Schweizer Bevölkerung wird der Bundesrat beauftragt, die damit verbundene Datengrundlage gezielt auszubauen und die Zuständigkeiten von Bund, Kantonen und Gemeinden zu klären.</p>
  • Für eine bessere Informationsgrundlage und klare Zuständigkeiten im Kampf gegen Einsamkeit und soziale Isolation
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2022 zeigt sich ein langfristiger ansteigender Trend des Einsamkeitsgefühls über breite Bevölkerungsschichten hinweg. Besonders betroffen sind junge und ältere Menschen, Frauen und Personen mit Migrationshintergrund.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Eine Analyse der Universität Freiburg zeigt, dass soziale Isolation mit einem signifikanten Anstieg fast aller betrachteten nichtübertragbaren Krankheiten verbunden ist. Nebst gesundheitlichen Schäden haben Einsamkeit und soziale Isolation auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft, wie Daten aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich eindrücklich zeigen. Unter anderem belasten durch Einsamkeit mitverursachte Erkrankungen die Sozialversicherungssysteme. Studien beobachten negative Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität und eine Häufung von Arbeitsausfällen sowie Frühverrentungen. Die Gesellschaft trägt schliesslich die Kosten. Gesellschaftliche Entwicklungen wie die deutliche Zunahme von Einpersonenhaushalten dürften zu einem weiteren Anstieg von Einsamkeit und sozialer Isolation führen, welchem mit gezielten sozialen und politischen Massnahmen begegnet werden muss. Dafür braucht es eine solide Daten- und Informationsgrundlage, basierend auf zwei Ansätzen:&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>1. Nebst einer Frage in der alle fünf Jahre durchgeführten Schweizerischen Gesundheitsbefragung fehlt eine systematische Erhebung in der Schweiz. Der Bundesrat wird daher beauftragt, die Schaffung einer breiteren Datengrundlage zur Einsamkeit in der Schweiz zu prüfen. Dabei soll der Erweiterung des Fragenkatalogs ab der nächsten Schweizerischen Gesundheitsbefragung mit einer themenspezifischen Fragebatterie, etwa nach dem Vorbild der britischen Community Life Survey, besonderes Augenmerk zukommen.</p><p>&nbsp;</p><p>2. Für die Entwicklung und Umsetzung wirksamer Massnahmen gegen Einsamkeit und soziale Isolation ist die Klärung der Zuständigkeiten von Bund, Kantonen und Gemeinden von grundlegender Bedeutung. Damit können Verantwortlichkeiten festgelegt, Synergien identifiziert und Ineffizienzen verhindert werden.</p>
    • <span><p><span>Einsamkeit gilt als wichtiger Einflussfaktor, der sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit negativ beeinflussen kann. Bei anhaltender Einsamkeit verschlechtert sich in der Folge oft auch die psychische und physische Gesundheit. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>1. Die Gesundheitsbefragung beinhaltet bereits seit 1997 eine Frage zur Häufigkeit von Einsamkeitsgefühlen. Zudem werden Fragen zur sozialen Unterstützung und damit zur Qualität und Quantität sozialer Kontakte erhoben. Diese Indikatoren lassen sich mit einer Vielzahl anderer Einflussfaktoren vergleichen und zeigen auf, welche Bevölkerungsgruppen gut integriert respektive sozial isoliert sind. In Anbetracht der methodischen Umstellung von einer telefonischen und anschliessenden schriftlichen Nachbefragung hin zu einer gemischten Methodik mit Telefon- und Online-Befragungen muss der Fragebogen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2027 konsolidiert werden. Das Bundesamt für Gesundheit prüft derzeit im Rahmen dieser Arbeiten mit dem Bundesamt für Statistik, inwiefern das Thema Einsamkeit vertieft werden könnte. Auf jeden Fall werden die bestehenden Fragen zur Thematik weitergeführt.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Wie bereits in der Antwort auf die Interpellation 24.3935 Bulliard-Marbach «Welche Massnahmen im Umgang mit der zunehmenden Einsamkeit?»</span><strong><span> </span></strong><span>ausgeführt, sind Bund und Kantone im Bereich der sozialen Integration tätig. Die nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) wird vom BAG, der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz (GFCH) getragen. Die Förderung der psychischen Gesundheit gehört zu den Schwerpunkten des NCD-Massnahmenplans 2025-2028, der die Zielerreichung der NCD-Strategie unterstützt. Im Rahmen der Umsetzung des Massnahmenplans kann die Thematik der Einsamkeit mitberücksichtigt werden. Die Entwicklung und Umsetzung konkreter Massnahmen im Bereich der psychischen Gesundheit im Allgemeinen und in Bezug auf die Thematik der Einsamkeit im Speziellen, fällt in den Zuständigkeitsbereich der Kantone. GFCH unterstützt verschiedene Projekte zum Thema Einsamkeit wie zum Beispiel das Kantonale Aktionsprogramm (KAP) von Basel-Stadt «Einsamkeit hat viele Gesichter». Das Bundesamt für Sport unterstützt die Weiterbildung von Trainerinnen und Trainern für die Bewegungsförderung älterer Menschen, was die Möglichkeit der sozialen Kontakte unterstützt. Das BFS wird weiterhin Monitoringdaten zur psychischen Gesundheit, darunter zu Einsamkeit, erheben. Das Bundesamt für Sozialversicherung ist daran, weiterführende Massnahmen zum Thema Einsamkeit abzuklären. Aus Sicht des Bundesrates sind somit die Rollen im Bereich der psychischen Gesundheit, worunter auch die Thematik der Einsamkeit fällt, bereits klar definiert und es drängt sich kein weiterer Klärungsbedarf auf. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>In Anbetracht der besorgniserregenden Zunahme von Einsamkeit und sozialer Isolation in der Schweizer Bevölkerung wird der Bundesrat beauftragt, die damit verbundene Datengrundlage gezielt auszubauen und die Zuständigkeiten von Bund, Kantonen und Gemeinden zu klären.</p>
    • Für eine bessere Informationsgrundlage und klare Zuständigkeiten im Kampf gegen Einsamkeit und soziale Isolation

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