KI. Ein gemeinsames Ziel und eine koordinierte nationale Kompetenzstrategie für den obligatorischen Schulunterricht
- ShortId
-
25.3767
- Id
-
20253767
- Updated
-
14.11.2025 02:42
- Language
-
de
- Title
-
KI. Ein gemeinsames Ziel und eine koordinierte nationale Kompetenzstrategie für den obligatorischen Schulunterricht
- AdditionalIndexing
-
32;28;34
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>Der Bundesrat ist von der hohen Qualität und Anpassungsfähigkeit des Schweizer Bildungssystems überzeugt. Auf dieser Basis anerkennt er die strategische Notwendigkeit, den Menschen bereits in jungen Jahren die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie sich in einer sich ständig verändernden digitalen Welt entwickeln können. Der Bundesrat nimmt zu den einzelnen Fragen wie folgt Stellung:</span></p><p><span> </span></p><p><span>1. Der Bundesrat teilt die Einschätzung der Interpellantin nicht. Für das Schulwesen sind in der Schweiz die Kantone zuständig (Art.</span><span> </span><span>62 BV). Es ist daher Aufgabe der Kantone und ihrer Bildungseinrichtungen, Bildungsverantwortlichen sowie Expertinnen und Experten für Bildungsfragen, die Bildungsziele und die zu erreichenden Mindestanforderungen festzulegen; der Bund hat dazu keinerlei Kompetenzen. Zudem ist festzuhalten, dass digitale Bildung und Bildung mit digitalen Medien in den drei sprachregionalen Lehrplänen für die obligatorische Schule (Lehrplan 21, Piano di studio und Plan d’études romand) bereits integriert sind. Dazu gehört, dass Schülerinnen und Schüler einen bewussten Umgang mit auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Tools lernen und das notwendige kritische Denken erlangen, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit KI zu verstehen. Dies ist eine wichtige Grundlage, damit sich Schülerinnen und Schüler in einer Welt im Wandel zurechtfinden können.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Angesichts der verfassungsmässigen Zuständigkeiten, der bestehenden Rechtsgrundlagen und der in Antwort</span><span> </span><span>1 ausgeführten kantonalen Aktivitäten sieht der Bundesrat weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit, auf Stufe der obligatorischen Schule im Sinne der Interpellation tätig zu werden. Im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) obliegt es grundsätzlich den BFI-Akteuren, neue technologische Entwicklungen zu antizipieren und angemessen zu berücksichtigen. Der Bund unterstützt sie bei dieser Aufgabe, indem er die grossen Herausforderungen – darunter die digitale Transformation – in seine strategischen Steuerungsinstrumente aufnimmt. Im Vorfeld der Förderperiode 2025–2028 hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die BFI-Akteure aufgerufen, das Thema in ihre strategischen Ziele einfliessen zu lassen und sowohl die soziale Dimension (Grundbildung und Weiterbildung, digitale Kompetenzen) als auch die wissenschaftliche Dimension (digitale Transformation als Forschungsgegenstand) und die wirtschaftliche Dimension (Anerkennung von Potenzialen in allen relevanten Technologiefeldern) zu berücksichtigen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Gemäss Bundesverfassung koordinieren Bund und Kantone ihre Anstrengungen für den Bildungsraum Schweiz (Art.</span><span> </span><span>61</span><em><span>a</span></em><span> BV). Diese Zusammenarbeit konkretisiert sich in den im Jahr</span><span> </span><span>2023 aktualisierten gemeinsamen politischen Zielen sowie in gemeinsamen Organen und Institutionen wie Educa, der Fachagentur für den digitalen Bildungsraum Schweiz. Themen im Zusammenhang mit KI werden dort ebenfalls behandelt. Das SBFI wird die in dieser Interpellation aufgeworfenen Fragen im Rahmen seines regelmässigen Austauschs mit der EDK besprechen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die bestehenden Mechanismen eine wirksame Koordination innerhalb des Bildungsraums Schweiz unter Wahrung des Föderalismus ermöglichen.</span></p></span>
- <p>Künstliche Intelligenz (KI) hat schon jetzt einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Wirtschaft, unsere Institutionen und darauf, wie wir Wissen verstehen. Nun ist sie auch im Begriff, Berufe, Laufbahnen und Kompetenzen grundlegend neu zu definieren. KI bringt einschneidende Veränderungen für die unterschiedlichsten Gebiete, Alterssegmente und Disziplinen.</p><p> </p><p>Bildung ist in der Schweiz Sache der Kantone. Grundsätzlich ist die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) dafür zuständig, die Entwicklungen im Bereich KI zu koordinieren. Der Wandel durch KI ist tiefgreifend, die Initiativen im erwähnten Bereich sind jedoch nach wie vor unkoordiniert und inkonsistent oder fehlen sogar ganz. Im Rahmen seiner Kompetenzen kann der Bund zusammen mit den Kantonen die Erarbeitung und Umsetzung einer gemeinsamen Strategie anstossen und fördern.</p><p> </p><p>Die rasante Entwicklung von KI erfordert jetzt einen klaren Impuls; es braucht eine koordinierte Lösung für die ganze Schweiz, andernfalls droht das Bildungssystem auseinanderzufallen. Die Souveränität der Kantone darf einer gemeinsamen strategischen Vision nicht im Wege stehen. Das ist auch mit dem Subsidiaritätsprinzip vereinbar.</p><p> </p><p>Nationen, die im Bildungsbereich führend sind, wie Südkorea, Finnland, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Singapur sehen in ihren Lehrpläne neu vor, dass Themen rund um KI schon im obligatorischen Schulunterricht behandelt werden. Damit tragen sie neuen Erfordernissen Rechnung: Junge Menschen müssen nicht nur befähigt werden, KI richtig zu nutzen, sondern es müssen ihnen auch Kenntnisse und die massgeblichen Kompetenzen vermittelt werden, damit sie den Anforderungen einer von KI revolutionierten Welt gewachsen sind. Das umfasst zum Beispiel kritisches Denken, Kreativität, geistige Flexibilität, Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sowie ein Bewusstsein für die ethischen und gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit den neuen Technologien.</p><p> </p><p>Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Schweiz den Schulkindern so früh wie möglich beibringen, wie KI funktioniert, wie man sie nutzt und wo man sie hinterfragen sollte. Im Wesentlichen sichert Bildung unsere geistige Unabhängigkeit und unsere Innovationskraft.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass KI nach wie vor zu langsam und uneinheitlich in den obligatorischen Schulunterricht aufgenommen wird und dass unterschätzt wird, wie stark und schnell sich die Dinge in Zukunft verändern werden?</li><li>Ist er bereit, zusammen mit der EDK eine nationale Kompetenzstrategie für den obligatorischen Schulunterricht anzustossen?</li><li>Wird er die Kantone dabei unterstützen, eine richtungsweisende Bildungsstrategie zu erarbeiten, um die Herausforderungen des erwähnten technologischen Wandels zu bewältigen?</li></ul>
- KI. Ein gemeinsames Ziel und eine koordinierte nationale Kompetenzstrategie für den obligatorischen Schulunterricht
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p><span>Der Bundesrat ist von der hohen Qualität und Anpassungsfähigkeit des Schweizer Bildungssystems überzeugt. Auf dieser Basis anerkennt er die strategische Notwendigkeit, den Menschen bereits in jungen Jahren die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie sich in einer sich ständig verändernden digitalen Welt entwickeln können. Der Bundesrat nimmt zu den einzelnen Fragen wie folgt Stellung:</span></p><p><span> </span></p><p><span>1. Der Bundesrat teilt die Einschätzung der Interpellantin nicht. Für das Schulwesen sind in der Schweiz die Kantone zuständig (Art.</span><span> </span><span>62 BV). Es ist daher Aufgabe der Kantone und ihrer Bildungseinrichtungen, Bildungsverantwortlichen sowie Expertinnen und Experten für Bildungsfragen, die Bildungsziele und die zu erreichenden Mindestanforderungen festzulegen; der Bund hat dazu keinerlei Kompetenzen. Zudem ist festzuhalten, dass digitale Bildung und Bildung mit digitalen Medien in den drei sprachregionalen Lehrplänen für die obligatorische Schule (Lehrplan 21, Piano di studio und Plan d’études romand) bereits integriert sind. Dazu gehört, dass Schülerinnen und Schüler einen bewussten Umgang mit auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Tools lernen und das notwendige kritische Denken erlangen, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit KI zu verstehen. Dies ist eine wichtige Grundlage, damit sich Schülerinnen und Schüler in einer Welt im Wandel zurechtfinden können.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Angesichts der verfassungsmässigen Zuständigkeiten, der bestehenden Rechtsgrundlagen und der in Antwort</span><span> </span><span>1 ausgeführten kantonalen Aktivitäten sieht der Bundesrat weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit, auf Stufe der obligatorischen Schule im Sinne der Interpellation tätig zu werden. Im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) obliegt es grundsätzlich den BFI-Akteuren, neue technologische Entwicklungen zu antizipieren und angemessen zu berücksichtigen. Der Bund unterstützt sie bei dieser Aufgabe, indem er die grossen Herausforderungen – darunter die digitale Transformation – in seine strategischen Steuerungsinstrumente aufnimmt. Im Vorfeld der Förderperiode 2025–2028 hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die BFI-Akteure aufgerufen, das Thema in ihre strategischen Ziele einfliessen zu lassen und sowohl die soziale Dimension (Grundbildung und Weiterbildung, digitale Kompetenzen) als auch die wissenschaftliche Dimension (digitale Transformation als Forschungsgegenstand) und die wirtschaftliche Dimension (Anerkennung von Potenzialen in allen relevanten Technologiefeldern) zu berücksichtigen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Gemäss Bundesverfassung koordinieren Bund und Kantone ihre Anstrengungen für den Bildungsraum Schweiz (Art.</span><span> </span><span>61</span><em><span>a</span></em><span> BV). Diese Zusammenarbeit konkretisiert sich in den im Jahr</span><span> </span><span>2023 aktualisierten gemeinsamen politischen Zielen sowie in gemeinsamen Organen und Institutionen wie Educa, der Fachagentur für den digitalen Bildungsraum Schweiz. Themen im Zusammenhang mit KI werden dort ebenfalls behandelt. Das SBFI wird die in dieser Interpellation aufgeworfenen Fragen im Rahmen seines regelmässigen Austauschs mit der EDK besprechen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die bestehenden Mechanismen eine wirksame Koordination innerhalb des Bildungsraums Schweiz unter Wahrung des Föderalismus ermöglichen.</span></p></span>
- <p>Künstliche Intelligenz (KI) hat schon jetzt einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Wirtschaft, unsere Institutionen und darauf, wie wir Wissen verstehen. Nun ist sie auch im Begriff, Berufe, Laufbahnen und Kompetenzen grundlegend neu zu definieren. KI bringt einschneidende Veränderungen für die unterschiedlichsten Gebiete, Alterssegmente und Disziplinen.</p><p> </p><p>Bildung ist in der Schweiz Sache der Kantone. Grundsätzlich ist die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) dafür zuständig, die Entwicklungen im Bereich KI zu koordinieren. Der Wandel durch KI ist tiefgreifend, die Initiativen im erwähnten Bereich sind jedoch nach wie vor unkoordiniert und inkonsistent oder fehlen sogar ganz. Im Rahmen seiner Kompetenzen kann der Bund zusammen mit den Kantonen die Erarbeitung und Umsetzung einer gemeinsamen Strategie anstossen und fördern.</p><p> </p><p>Die rasante Entwicklung von KI erfordert jetzt einen klaren Impuls; es braucht eine koordinierte Lösung für die ganze Schweiz, andernfalls droht das Bildungssystem auseinanderzufallen. Die Souveränität der Kantone darf einer gemeinsamen strategischen Vision nicht im Wege stehen. Das ist auch mit dem Subsidiaritätsprinzip vereinbar.</p><p> </p><p>Nationen, die im Bildungsbereich führend sind, wie Südkorea, Finnland, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Singapur sehen in ihren Lehrpläne neu vor, dass Themen rund um KI schon im obligatorischen Schulunterricht behandelt werden. Damit tragen sie neuen Erfordernissen Rechnung: Junge Menschen müssen nicht nur befähigt werden, KI richtig zu nutzen, sondern es müssen ihnen auch Kenntnisse und die massgeblichen Kompetenzen vermittelt werden, damit sie den Anforderungen einer von KI revolutionierten Welt gewachsen sind. Das umfasst zum Beispiel kritisches Denken, Kreativität, geistige Flexibilität, Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sowie ein Bewusstsein für die ethischen und gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit den neuen Technologien.</p><p> </p><p>Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Schweiz den Schulkindern so früh wie möglich beibringen, wie KI funktioniert, wie man sie nutzt und wo man sie hinterfragen sollte. Im Wesentlichen sichert Bildung unsere geistige Unabhängigkeit und unsere Innovationskraft.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass KI nach wie vor zu langsam und uneinheitlich in den obligatorischen Schulunterricht aufgenommen wird und dass unterschätzt wird, wie stark und schnell sich die Dinge in Zukunft verändern werden?</li><li>Ist er bereit, zusammen mit der EDK eine nationale Kompetenzstrategie für den obligatorischen Schulunterricht anzustossen?</li><li>Wird er die Kantone dabei unterstützen, eine richtungsweisende Bildungsstrategie zu erarbeiten, um die Herausforderungen des erwähnten technologischen Wandels zu bewältigen?</li></ul>
- KI. Ein gemeinsames Ziel und eine koordinierte nationale Kompetenzstrategie für den obligatorischen Schulunterricht
Back to List