Wiedereinführung von Sprengobjekten zur Landesverteidigung
- ShortId
-
25.3785
- Id
-
20253785
- Updated
-
14.11.2025 02:43
- Language
-
de
- Title
-
Wiedereinführung von Sprengobjekten zur Landesverteidigung
- AdditionalIndexing
-
09;2846
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Sprengobjekte bildeten lange das Rückgrat der defensiven Landesverteidigung – fest im eigenen Territorium verankert, nicht verlegbar und nicht exportierbar. Ihr Rückbau erfolgte weniger aus technischen Gründen als aufgrund veränderter politischer Prioritäten. Die vom Bundesrat genannte Dauer von 15 Jahren (25.7157) für einen Wiederaufbau wirkt wie eine politische Schutzbehauptung – ähnlich dem oft gebrauchten Argument, ein neues Kernkraftwerk dauere ohnehin 15 Jahre, weshalb man gar nicht erst beginnen sollte. Der Ukrainekrieg zeigt die Bedeutung vorbereiteter Geländeverstärkungen: Das gezielte Sprengen strategisch wichtiger Brücken hat russische Geländegewinne stark eingeschränkt, während zerstörte Bahnverbindungen logistische Engpässe verursachten. Feste, vorgängig eingebaute Sprengkammern sind gegenüber kurzfristig angebrachten Sprengladungen widerstandsfähiger – auch gegen moderne Bedrohungen wie Drohnen. Diese Erkenntnisse bestätigen: Sprengobjekte bleiben ein kosteneffizientes und wirksames Instrument der Landesverteidigung. Angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen ist eine Neubewertung dringend geboten.</p>
- <span><ol><li><span>Der Bundesrat fällte im Mai 2019 auf der Grundlage des Berichts «Zukunft der Bodentruppen» den Richtungsentscheid, die Fähigkeiten der Bodentruppen stärker auf das hybride Konfliktbild auszurichten. Dabei sollen die Verbände der Bodentruppen über die notwendige Flexibilität verfügen, um lagegerecht im gesamten Operationsgebiet eingesetzt werden zu können. Stationäre Kampfinfrastrukturen – insbesondere Sprengobjekte – sind dazu weniger geeignet als die präzise Sperrung von Achsen mit mobilen Sprengmitteln (z. B. Panzerminen). </span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="2"><li><sup><span> </span></sup><span>Die Antwort des Bundesrates basiert auf technischen Einschätzungen von Spezialisten der Armee: Das «Permanente-Spreng-Dispositiv 75» umfasste mehrere tausend Sprengobjekte. Die militärische Relevanz dieser (und auch neuer) Objekte müsste aufwändig evaluiert werden. Tausende (historische) Baupläne müssten beschafft und gesichtet, der aktuelle bauliche Zustand erfasst, die jeweilige Machbarkeit geprüft, die öffentlich- und umweltrechtlichen Bewilligungsverfahren sowie logistische Vorbereitungen durchgeführt werden, bevor mit der baulichen Umsetzung begonnen werden kann. Darüber hinaus fehlt heute das Fachpersonal und die spezialisierten Formationen, die für Bau, Betrieb und Unterhalt solcher Infrastrukturen vorhanden und ausgebildet wären.</span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="3"><li><span>Gut vorbereitete Hindernisse, wie Minenfelder oder das gezielte Zerstören von Brücken und Verkehrsachsen, können in einem wenig kanalisierenden Gelände wie der Ukraine einen Angreifer verlangsamen, abnützen und einen Durchbruch in offenes Gelände verhindern. Die Zerstörung von Infrastrukturen erschwert aber wiederum die Wiederinbesitznahme verlorenen Gebiets, insbesondere in einem stark überbauten und verteidigungsstarken Gelände wie der Schweiz. Der Nutzen von Hindernismassnahmen ist unbestritten, sofern diese in ein modernes, mobiles Verteidigungskonzept und im Kontext eines für die Schweiz realistischen Bedrohungsszenario eingebettet sind. Die Armee überarbeitet aktuell bis Ende 2025 ihre Konzeption der Gegenmobilität (Verhinderung, Einschränkung der Bewegungsfähigkeit eines Gegners), die moderne, mobile Mittel und taktische Lehren aus aktuellen Konflikten berücksichtigen wird, und überprüft die Konzeption anschliessend im Rahmen von Übungen. </span></li></ol></span>
- <p>In den letzten Jahrzehnten hat die Schweizer Armee alle Sprengobjekte – insbesondere an strategisch wichtigen Brücken und Verkehrsachsen – rückgebaut. Diese dienten ausschliesslich der Landesverteidigung und waren integraler Bestandteil des Verteidigungskonzepts. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage stellt sich heute erneut die Frage nach ihrem Nutzen.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Warum verzichtet der Bundesrat bewusst auf ein Verteidigungsinstrument, das es der Schweiz erlauben würde, ihr Territorium im Krisen- oder Kriegsfall selbst gegenüber überlegenen Armeen unpassierbar zu machen – und damit ihre Unabhängigkeit glaubwürdig zu behaupten?</li><li>Auf welcher konkreten fachlichen oder planerischen Grundlage beruht die Aussage des Bundesrats, dass der Wiederaufbau eines vergleichbaren Sprengdispositivs mindestens 15 Jahre in Anspruch nehmen würde? Gibt es dazu belastbare Studien oder Einschätzungen oder handelt es sich um eine grobe Schätzung ohne fundierte Herleitung?</li><li>Wie beurteilt die Armee heute – vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Ukraine – den militärischen Mehrwert von Sperren und Sprengobjekten? Gibt es aktuelle Einschätzungen zum Einfluss solcher Mittel auf den Kampfwert der Infanterie?</li></ol>
- Wiedereinführung von Sprengobjekten zur Landesverteidigung
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Sprengobjekte bildeten lange das Rückgrat der defensiven Landesverteidigung – fest im eigenen Territorium verankert, nicht verlegbar und nicht exportierbar. Ihr Rückbau erfolgte weniger aus technischen Gründen als aufgrund veränderter politischer Prioritäten. Die vom Bundesrat genannte Dauer von 15 Jahren (25.7157) für einen Wiederaufbau wirkt wie eine politische Schutzbehauptung – ähnlich dem oft gebrauchten Argument, ein neues Kernkraftwerk dauere ohnehin 15 Jahre, weshalb man gar nicht erst beginnen sollte. Der Ukrainekrieg zeigt die Bedeutung vorbereiteter Geländeverstärkungen: Das gezielte Sprengen strategisch wichtiger Brücken hat russische Geländegewinne stark eingeschränkt, während zerstörte Bahnverbindungen logistische Engpässe verursachten. Feste, vorgängig eingebaute Sprengkammern sind gegenüber kurzfristig angebrachten Sprengladungen widerstandsfähiger – auch gegen moderne Bedrohungen wie Drohnen. Diese Erkenntnisse bestätigen: Sprengobjekte bleiben ein kosteneffizientes und wirksames Instrument der Landesverteidigung. Angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen ist eine Neubewertung dringend geboten.</p>
- <span><ol><li><span>Der Bundesrat fällte im Mai 2019 auf der Grundlage des Berichts «Zukunft der Bodentruppen» den Richtungsentscheid, die Fähigkeiten der Bodentruppen stärker auf das hybride Konfliktbild auszurichten. Dabei sollen die Verbände der Bodentruppen über die notwendige Flexibilität verfügen, um lagegerecht im gesamten Operationsgebiet eingesetzt werden zu können. Stationäre Kampfinfrastrukturen – insbesondere Sprengobjekte – sind dazu weniger geeignet als die präzise Sperrung von Achsen mit mobilen Sprengmitteln (z. B. Panzerminen). </span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="2"><li><sup><span> </span></sup><span>Die Antwort des Bundesrates basiert auf technischen Einschätzungen von Spezialisten der Armee: Das «Permanente-Spreng-Dispositiv 75» umfasste mehrere tausend Sprengobjekte. Die militärische Relevanz dieser (und auch neuer) Objekte müsste aufwändig evaluiert werden. Tausende (historische) Baupläne müssten beschafft und gesichtet, der aktuelle bauliche Zustand erfasst, die jeweilige Machbarkeit geprüft, die öffentlich- und umweltrechtlichen Bewilligungsverfahren sowie logistische Vorbereitungen durchgeführt werden, bevor mit der baulichen Umsetzung begonnen werden kann. Darüber hinaus fehlt heute das Fachpersonal und die spezialisierten Formationen, die für Bau, Betrieb und Unterhalt solcher Infrastrukturen vorhanden und ausgebildet wären.</span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="3"><li><span>Gut vorbereitete Hindernisse, wie Minenfelder oder das gezielte Zerstören von Brücken und Verkehrsachsen, können in einem wenig kanalisierenden Gelände wie der Ukraine einen Angreifer verlangsamen, abnützen und einen Durchbruch in offenes Gelände verhindern. Die Zerstörung von Infrastrukturen erschwert aber wiederum die Wiederinbesitznahme verlorenen Gebiets, insbesondere in einem stark überbauten und verteidigungsstarken Gelände wie der Schweiz. Der Nutzen von Hindernismassnahmen ist unbestritten, sofern diese in ein modernes, mobiles Verteidigungskonzept und im Kontext eines für die Schweiz realistischen Bedrohungsszenario eingebettet sind. Die Armee überarbeitet aktuell bis Ende 2025 ihre Konzeption der Gegenmobilität (Verhinderung, Einschränkung der Bewegungsfähigkeit eines Gegners), die moderne, mobile Mittel und taktische Lehren aus aktuellen Konflikten berücksichtigen wird, und überprüft die Konzeption anschliessend im Rahmen von Übungen. </span></li></ol></span>
- <p>In den letzten Jahrzehnten hat die Schweizer Armee alle Sprengobjekte – insbesondere an strategisch wichtigen Brücken und Verkehrsachsen – rückgebaut. Diese dienten ausschliesslich der Landesverteidigung und waren integraler Bestandteil des Verteidigungskonzepts. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage stellt sich heute erneut die Frage nach ihrem Nutzen.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Warum verzichtet der Bundesrat bewusst auf ein Verteidigungsinstrument, das es der Schweiz erlauben würde, ihr Territorium im Krisen- oder Kriegsfall selbst gegenüber überlegenen Armeen unpassierbar zu machen – und damit ihre Unabhängigkeit glaubwürdig zu behaupten?</li><li>Auf welcher konkreten fachlichen oder planerischen Grundlage beruht die Aussage des Bundesrats, dass der Wiederaufbau eines vergleichbaren Sprengdispositivs mindestens 15 Jahre in Anspruch nehmen würde? Gibt es dazu belastbare Studien oder Einschätzungen oder handelt es sich um eine grobe Schätzung ohne fundierte Herleitung?</li><li>Wie beurteilt die Armee heute – vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Ukraine – den militärischen Mehrwert von Sperren und Sprengobjekten? Gibt es aktuelle Einschätzungen zum Einfluss solcher Mittel auf den Kampfwert der Infanterie?</li></ol>
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