Schweizer Strategie zur Kernfusionsenergie

ShortId
25.3818
Id
20253818
Updated
14.11.2025 02:37
Language
de
Title
Schweizer Strategie zur Kernfusionsenergie
AdditionalIndexing
66;32;36;15
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Kernfusionsenergie gilt weltweit als Schlüsseltechnologie für die langfristige Dekarbonisierung. In einem internationalen Kontext, der durch steigende Anforderungen an die Energiesicherheit, die Klimaneutralität und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gekennzeichnet ist, ist es wichtig, dass die Schweiz auch ihre strategische Positionierung in diesem Bereich sorgfältig analysiert.&nbsp;</p><p>Gegenwärtig beteiligt sich die Schweiz im Rahmen der Vereinbarungen mit Euratom am ITER-Programm (reine Forschung).&nbsp;</p><p>Seit über fünfzig Jahren konzentriert sich die Forschung fast ausschliesslich auf die toroidalen Modelle Tokamak und Stellarator – ein technologisches Paradigma, das trotz bedeutender wissenschaftlicher Fortschritte erhebliche Herausforderungen mit sich bringt: Komplexität, äusserst hohe Kosten und Zeithorizonte, bei denen eine konkrete industrielle Anwendung noch in ferner Zukunft liegt. In der Zwischenzeit sind in mehreren Ländern private Initiativen ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, alternative, weniger kostspielige und potenziell schnellere Ansätze für eine tatsächlich praktikable Kernfusion zu entwickeln. &nbsp;Die Schweiz, die nicht an die Euratom-Richtlinien gebunden ist, verfügt über ausgezeichnete akademische Kompetenzen und fortschrittliche industrielle Fähigkeiten.&nbsp;</p><p>Daher sollte geprüft werden, eine nationale Kernfusionsstrategie festzulegen, die unter Einbezug der innovativen Industrie, von Start-ups und Forschungsinstituten auf eine technologische Diversifizierung abzielt.&nbsp;</p>
  • <span><ol><li><span>Der Bundesrat anerkennt das langfristige Potenzial der Entwicklung der Kernfusion für die industrielle Produktion von sauberer, sicherer und kohlenstofffreier Energie. Er ist sich der Tatsache bewusst, dass die Schweiz im Bereich der Kernfusion Spitzenforschung betreibt, die heute auf europäischer und globaler Ebene eine führende Rolle spielt. Das </span><em><span>Swiss Plasma Center</span></em><span> an der ETH Lausanne verfügt über unerlässliche Infrastrukturen für die Umsetzung der europäischen Roadmap für Fusionsenergie, leistet einen anerkannten wissenschaftlichen Beitrag zur Realisierung der Forschungsinfrastruktur für einen internationalen thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER), engagiert sich für die Entwicklung von aus der Forschung zur Plasmaphysik hervorgehenden Anwendungen und unterstützt die Beteiligung der Schweizer Industrie im Bereich der Kernfusion. Aufgrund der hohen Kosten und Komplexität dieser Forschung ist eine Einbindung in multilaterale internationale Initiativen wie das Forschungs- und Ausbildungsprogramm von Euratom (Euratom-Programm), das Projekt ITER oder die Forschungsprogramme (Technology Collaboration Programmes) der Internationalen Energieagentur (IEA) nach wie vor unerlässlich. Die Schweizer Industrie profitiert direkt von diesem Ansatz, indem sie High-Tech-Komponenten (insb. in den Bereichen Supraleitung, Diagnostik, Kryogenik und Vakuumtechnologie) für den Bau der entsprechenden Forschungsinfrastrukturen liefert. Dieses Engagement dürfte in den kommenden Jahren noch zunehmen.</span></li><li><span>Die Beteiligung der Schweiz an der europäischen Forschung im Nuklearbereich gewährleistet die Exzellenz und die Positionierung der Schweizer Institutionen in internationalen Forschungsnetzwerken. Dies trägt unter anderem dazu bei, dass wichtige Kompetenzen im Nuklearbereich in der Schweiz erhalten bleiben – einem Bereich, der im Zusammenhang mit der Energiewende weiter an Bedeutung gewinnen wird. Aus diesen Gründen erachtet der Bundesrat die Teilnahme am Euratom-Programm und am Projekt ITER, wie sie in dem im April</span><span>&nbsp;</span><span>2025 paraphierten EU-Programmabkommen (EUPA) vorgesehen ist, als wesentlich. </span></li><li><span>Im Einklang mit der europäischen Roadmap für Fusionsenergie, die insbesondere vom EUROfusion-Konsortium getragen wird, beurteilen die in der Kernfusion tätigen akademischen Einrichtungen die torusförmigen Anlagen wie Tokamaks und Stellaratoren als Technologien, die für die Nutzung der Kernfusion zur Energieerzeugung in grossem Massstab derzeit am vielversprechendsten und mit Abstand am weitesten fortgeschritten sind. Diese Bereiche erfordern eine bedeutende und nachhaltige Unterstützung durch die öffentliche Hand. Öffentlich-private Partnerschaften werden allerdings ebenfalls von entscheidender Bedeutung sein, damit die Kernfusion effektiv Wirklichkeit wird. Der Bundesrat leistet durch den finanziellen Beitrag an den ETH-Bereich sowie die Beteiligung am Euratom-Programm und am Bau von ITER einen Anteil an der Entwicklung dieser Technologien. Er beobachtet die Entwicklung alternativer Ansätze im Bereich der Kernfusion aufmerksam und wird das Parlament im Rahmen der in Artikel</span><span>&nbsp;</span><span>74</span><em><span>a</span></em><span> des Kernenergiegesetzes (KEG; SR</span><span>&nbsp;</span><em><span>732.1</span></em><span>) vorgesehenen Berichterstattung über das wissenschaftliche Potenzial und die Machbarkeit dieser Ansätze informieren.</span></li><li><span>Allfällige Gelegenheiten, die sich in der Schweiz im Bereich der Kernfusion für den Bau eines Technologiedemonstrators bieten, können im Zuge dieser Beobachtungen und im Rahmen der Kompetenzen und Mittel des Bundes geprüft werden. Bis heute hat sich keine solche Gelegenheit ergeben.</span></li><li><span>In Erwartung einer industriellen Umsetzung der Kernfusion durch den Privatsektor wird diese Dynamik des Technologietransfers von internationalen Institutionen und Initiativen unterstützt. So wird unter anderem im Rahmen des Euratom-Programms 2026‒2027 eine breit abgestützte öffentlich-private Partnerschaft ins Leben gerufen. In der Schweiz trägt </span><em><span>das Swiss Industry Liaison Office,</span></em><span> ergänzend zu den Aktivitäten des </span><em><span>Swiss Plasma Center,</span></em><span> zur Förderung der Teilnahme von Schweizer Akteuren an internationalen Ausschreibungen für internationale Forschungsinfrastrukturen, einschliesslich ITER, bei.</span></li></ol></span>
  • <p>1. Welche Bedeutung misst der Bundesrat der Forschung im Bereich der Kernfusion bei und wie will er das im Rahmen der Euratom-Programme erarbeitete Wissen an die Schweizer Industrie weitergeben?<br>2. Wie beurteilt er die Gesamtwirkung, die Kosten und den Nutzen der Beteiligung der Schweiz an den Euratom-Programmen?<br>3. Inwieweit beabsichtigt der Bundesrat, die Unterstützung alternativer Ansätze zum toroidalen Modell in der Kernfusion in seine Forschungs- und Industriepolitik aufzunehmen?<br>4. Beabsichtigt der Bundesrat, im Rahmen der Energie- und Technologiepolitik in der Schweiz Pilotprojekte zu fördern, die mittels alternativer Ansätze Zwischenanwendungen der Kernfusion nutzen?<br>5. Erwägt der Bundesrat, eine Plattform zur Koordination der Universitäten, Forschungsinstitute, Unternehmen und Start-ups zu schaffen, um das Schweizer Knowhow beim Bau von Demonstrationskraftwerken zu stärken, den Technologietransfer zu fördern und die Schweiz in den entstehenden Wertschöpfungsketten im Bereich der Kernfusion zu positionieren?</p>
  • Schweizer Strategie zur Kernfusionsenergie
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Kernfusionsenergie gilt weltweit als Schlüsseltechnologie für die langfristige Dekarbonisierung. In einem internationalen Kontext, der durch steigende Anforderungen an die Energiesicherheit, die Klimaneutralität und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gekennzeichnet ist, ist es wichtig, dass die Schweiz auch ihre strategische Positionierung in diesem Bereich sorgfältig analysiert.&nbsp;</p><p>Gegenwärtig beteiligt sich die Schweiz im Rahmen der Vereinbarungen mit Euratom am ITER-Programm (reine Forschung).&nbsp;</p><p>Seit über fünfzig Jahren konzentriert sich die Forschung fast ausschliesslich auf die toroidalen Modelle Tokamak und Stellarator – ein technologisches Paradigma, das trotz bedeutender wissenschaftlicher Fortschritte erhebliche Herausforderungen mit sich bringt: Komplexität, äusserst hohe Kosten und Zeithorizonte, bei denen eine konkrete industrielle Anwendung noch in ferner Zukunft liegt. In der Zwischenzeit sind in mehreren Ländern private Initiativen ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, alternative, weniger kostspielige und potenziell schnellere Ansätze für eine tatsächlich praktikable Kernfusion zu entwickeln. &nbsp;Die Schweiz, die nicht an die Euratom-Richtlinien gebunden ist, verfügt über ausgezeichnete akademische Kompetenzen und fortschrittliche industrielle Fähigkeiten.&nbsp;</p><p>Daher sollte geprüft werden, eine nationale Kernfusionsstrategie festzulegen, die unter Einbezug der innovativen Industrie, von Start-ups und Forschungsinstituten auf eine technologische Diversifizierung abzielt.&nbsp;</p>
    • <span><ol><li><span>Der Bundesrat anerkennt das langfristige Potenzial der Entwicklung der Kernfusion für die industrielle Produktion von sauberer, sicherer und kohlenstofffreier Energie. Er ist sich der Tatsache bewusst, dass die Schweiz im Bereich der Kernfusion Spitzenforschung betreibt, die heute auf europäischer und globaler Ebene eine führende Rolle spielt. Das </span><em><span>Swiss Plasma Center</span></em><span> an der ETH Lausanne verfügt über unerlässliche Infrastrukturen für die Umsetzung der europäischen Roadmap für Fusionsenergie, leistet einen anerkannten wissenschaftlichen Beitrag zur Realisierung der Forschungsinfrastruktur für einen internationalen thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER), engagiert sich für die Entwicklung von aus der Forschung zur Plasmaphysik hervorgehenden Anwendungen und unterstützt die Beteiligung der Schweizer Industrie im Bereich der Kernfusion. Aufgrund der hohen Kosten und Komplexität dieser Forschung ist eine Einbindung in multilaterale internationale Initiativen wie das Forschungs- und Ausbildungsprogramm von Euratom (Euratom-Programm), das Projekt ITER oder die Forschungsprogramme (Technology Collaboration Programmes) der Internationalen Energieagentur (IEA) nach wie vor unerlässlich. Die Schweizer Industrie profitiert direkt von diesem Ansatz, indem sie High-Tech-Komponenten (insb. in den Bereichen Supraleitung, Diagnostik, Kryogenik und Vakuumtechnologie) für den Bau der entsprechenden Forschungsinfrastrukturen liefert. Dieses Engagement dürfte in den kommenden Jahren noch zunehmen.</span></li><li><span>Die Beteiligung der Schweiz an der europäischen Forschung im Nuklearbereich gewährleistet die Exzellenz und die Positionierung der Schweizer Institutionen in internationalen Forschungsnetzwerken. Dies trägt unter anderem dazu bei, dass wichtige Kompetenzen im Nuklearbereich in der Schweiz erhalten bleiben – einem Bereich, der im Zusammenhang mit der Energiewende weiter an Bedeutung gewinnen wird. Aus diesen Gründen erachtet der Bundesrat die Teilnahme am Euratom-Programm und am Projekt ITER, wie sie in dem im April</span><span>&nbsp;</span><span>2025 paraphierten EU-Programmabkommen (EUPA) vorgesehen ist, als wesentlich. </span></li><li><span>Im Einklang mit der europäischen Roadmap für Fusionsenergie, die insbesondere vom EUROfusion-Konsortium getragen wird, beurteilen die in der Kernfusion tätigen akademischen Einrichtungen die torusförmigen Anlagen wie Tokamaks und Stellaratoren als Technologien, die für die Nutzung der Kernfusion zur Energieerzeugung in grossem Massstab derzeit am vielversprechendsten und mit Abstand am weitesten fortgeschritten sind. Diese Bereiche erfordern eine bedeutende und nachhaltige Unterstützung durch die öffentliche Hand. Öffentlich-private Partnerschaften werden allerdings ebenfalls von entscheidender Bedeutung sein, damit die Kernfusion effektiv Wirklichkeit wird. Der Bundesrat leistet durch den finanziellen Beitrag an den ETH-Bereich sowie die Beteiligung am Euratom-Programm und am Bau von ITER einen Anteil an der Entwicklung dieser Technologien. Er beobachtet die Entwicklung alternativer Ansätze im Bereich der Kernfusion aufmerksam und wird das Parlament im Rahmen der in Artikel</span><span>&nbsp;</span><span>74</span><em><span>a</span></em><span> des Kernenergiegesetzes (KEG; SR</span><span>&nbsp;</span><em><span>732.1</span></em><span>) vorgesehenen Berichterstattung über das wissenschaftliche Potenzial und die Machbarkeit dieser Ansätze informieren.</span></li><li><span>Allfällige Gelegenheiten, die sich in der Schweiz im Bereich der Kernfusion für den Bau eines Technologiedemonstrators bieten, können im Zuge dieser Beobachtungen und im Rahmen der Kompetenzen und Mittel des Bundes geprüft werden. Bis heute hat sich keine solche Gelegenheit ergeben.</span></li><li><span>In Erwartung einer industriellen Umsetzung der Kernfusion durch den Privatsektor wird diese Dynamik des Technologietransfers von internationalen Institutionen und Initiativen unterstützt. So wird unter anderem im Rahmen des Euratom-Programms 2026‒2027 eine breit abgestützte öffentlich-private Partnerschaft ins Leben gerufen. In der Schweiz trägt </span><em><span>das Swiss Industry Liaison Office,</span></em><span> ergänzend zu den Aktivitäten des </span><em><span>Swiss Plasma Center,</span></em><span> zur Förderung der Teilnahme von Schweizer Akteuren an internationalen Ausschreibungen für internationale Forschungsinfrastrukturen, einschliesslich ITER, bei.</span></li></ol></span>
    • <p>1. Welche Bedeutung misst der Bundesrat der Forschung im Bereich der Kernfusion bei und wie will er das im Rahmen der Euratom-Programme erarbeitete Wissen an die Schweizer Industrie weitergeben?<br>2. Wie beurteilt er die Gesamtwirkung, die Kosten und den Nutzen der Beteiligung der Schweiz an den Euratom-Programmen?<br>3. Inwieweit beabsichtigt der Bundesrat, die Unterstützung alternativer Ansätze zum toroidalen Modell in der Kernfusion in seine Forschungs- und Industriepolitik aufzunehmen?<br>4. Beabsichtigt der Bundesrat, im Rahmen der Energie- und Technologiepolitik in der Schweiz Pilotprojekte zu fördern, die mittels alternativer Ansätze Zwischenanwendungen der Kernfusion nutzen?<br>5. Erwägt der Bundesrat, eine Plattform zur Koordination der Universitäten, Forschungsinstitute, Unternehmen und Start-ups zu schaffen, um das Schweizer Knowhow beim Bau von Demonstrationskraftwerken zu stärken, den Technologietransfer zu fördern und die Schweiz in den entstehenden Wertschöpfungsketten im Bereich der Kernfusion zu positionieren?</p>
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