Strukturwandel im Berggebiet bremsen, Versorgungssicherheit stärken
- ShortId
-
25.3833
- Id
-
20253833
- Updated
-
14.11.2025 02:37
- Language
-
de
- Title
-
Strukturwandel im Berggebiet bremsen, Versorgungssicherheit stärken
- AdditionalIndexing
-
52;55
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft setzt sich fort. Die verbleibenden Betriebe werden dadurch immer grösser. Dies kann in Bezug auf die Effizienz durchaus positive Effekte haben und damit eine gewollte Entwicklung darstellen. Im Berggebiet ist Tierhaltung meist die einzig mögliche landwirtschaftliche Produktion. Es gilt daher zu beachten, dass vornehmlich im Berggebiet das Betriebswachstum über die Fläche negative Auswirkungen haben kann, und diese aufgrund der hohen Arbeitsintensität kaum durch steigende Effizienz wettgemacht werden. Dabei sind insbesondere die Arbeitsspitzen im Sommer zu bedenken, die mit Familienarbeitskräften zu bewältigen sind.</p><p>Die wichtige Funktion der Offenhaltung wird vernachlässigt, weil die zu bewirtschaftenden Flächen zu gross sind. Vornehmlich anspruchsvoller zu bewirtschaftende Flächen verwalden. Durch diese Entwicklung gehen immer mehr Flächen für die Produktion verloren, was langfristig die Versorgungssicherheit der Schweiz gefährdet. </p><p>Der Arbeitsaufwand für die Betriebe steigt stetig an, was zu zunehmender Überlastung führt. In der Folge daraus wird es immer schwieriger, Hofnachfolgen zu finden, die bereit sind, diesen immensen Aufwand zu leisten. Die sozialen Spannungen auf den Betrieben nehmen ebenfalls zu.</p><p>Die ökologische Vielfalt im Berggebiet wird durch die Bewirtschaftung und Offenhaltung gesichert. Werden Flächen vernachlässigt, weil die Betriebe zu gross werden, ist diese Vielfalt gefährdet. Ökologische Flächen sind Lebensräume, die neben der entsprechenden botanischen Zusammensetzung auch Strukturelemente benötigen. Der Katalog der Kriterien soll daher um diese erweitert werden</p><p>Aus diesem Grund ist es notwendig, die Instrumente der Agrarpolitik, so auszugestalten, dass Leistungen und Produktion durch Familienbetriebe stärker berücksichtigt werden, und nicht der reine Flächenbezug im Vordergrund steht. Als mögliche Massnahmen könnten die Degressivität bei den Beiträgen, die Förderung der Qualität statt der Quantität bei den Biodiversitätsförderflächen und die Weiterentwicklung von guten Rahmenbedingungen zur Erzielung von Wertschöpfung sein.</p>
- <span><p><span>Der Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft vollzieht sich grundsätzlich sozialverträglich. Unterstützt wird dieser Prozess durch technische Änderungen (Mechanisierung, Digitalisierung), die zur nachhaltigen Bewirtschaftung der immer grösser werdenden Betriebe beitragen. Der Familienbetrieb ist nach wie vor das vorherrschende Modell. In den letzten Jahren hat sich der Strukturwandel verlangsamt. Wurden zwischen 2000 und 2012 im Schnitt 1,6</span><span> </span><span>Prozent der Betriebe aufgegeben, ging dieser Anteil zwischen 2012 und 2024 auf 1,4</span><span> </span><span>Prozent zurück. Im Berggebiet sind die strukturellen Veränderungen mit denen im Talgebiet vergleichbar. Aus Sicht des Bundesrates ist es nicht erforderlich, Strukturziele für die Landwirtschaft im Berggebiet vorzugeben. Wichtiger als die Anzahl und Grösse der Betriebe ist, dass die Berglandwirtschaft weiterhin ihre Leistungen zugunsten der Gesellschaft erbringen kann und die Landwirtschaftsbetriebe aus ihrer Produktion einen stabilen Mehrwert erzielen können, um angemessene Einkommen zu generieren. Um dies sicherzustellen, ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ebenfalls unerlässlich. Die Entwicklung der Leistungen zugunsten der Gesellschaft war in den letzten Jahren dennoch insgesamt positiv. So verzeichnete die Produktion der für den Vertrieb bestimmten Milch im Berggebiet im Zeitraum 2000‒2024 einen Anstieg von knapp 10</span><span> </span><span>Prozent. Die Offenhaltung ist weitgehend sichergestellt. Die Verwaldung betrifft hauptsächlich das Sömmerungsgebiet (80</span><span> </span><span>% der von Wald bedeckten Fläche) und hat sich seit Beginn des Jahrtausends deutlich verlangsamt. In Bezug auf die Bergzonen</span><span> </span><span>I‒IV ist die Entwicklung unbedenklich. Insgesamt ist die landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) in den Bergzonen im Zeitraum 2014‒2024 stabil geblieben.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat ist sich der zentralen Bedeutung der Berglandwirtschaft für die Erbringung von Leistungen zugunsten der Gesellschaft bewusst. Die Betriebe werden mit Beiträgen in Form von Direktzahlungen oder mit Strukturverbesserungsmassnahmen unterstützt, um die natürlichen Erschwernisse auszugleichen und in der Hügel- und Bergregion eine diversifizierte Landwirtschaft aufrechtzuerhalten. Der Offenhaltungsbeitrag und der Hangbeitrag dienen als Anreiz und sind je nach Erschwernis ansteigend. Die Biodiversitätsbeiträge sind abgestuft nach Qualitätsniveau. Im Rahmen der AP</span><span> </span><span>14‒17 wurde die Unterstützung für die Bergzonen verstärkt. Im Jahr</span><span> </span><span>2024 gingen somit 63</span><span> </span><span>Prozent der Direktzahlungen an Betriebe in der Hügel- und Bergregion.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Strukturverbesserungsmassnahmen helfen den Landwirtinnen und Landwirten dabei, wettbewerbsfähiger zu werden, und tragen dazu bei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Betrieben zu verbessern. Das stärkt die ländlichen Gebiete und insbesondere die Bergregion. Der Bundesrat erachtet die strukturellen Voraussetzungen und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften als wichtiger als die Betriebsgrösse, um zu verhindern, dass Flächen in schwer zugänglichen Gebieten vernachlässigt werden. In diesem Zusammenhang unterstützt der Bund den Zugang zu mechanischen Werkzeugen, den Ausbau von Alpwegen und sonstige Massnahmen, die die Arbeit in den schwer zugänglichen Gebieten erleichtern, in hohem Masse. 2024 erhielten Betriebe in Hügel- und Bergregionen rund 79</span><span> </span><span>Prozent der Beiträge für Strukturverbesserungen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat erkennt ausserdem die Schwierigkeiten an, mit denen die Berglandwirtschaft konfrontiert ist, um einen Mehrwert zu schaffen und angemessene Einkommen zu generieren. Das Parlament erteilte dem Bundesrat mit der Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244586"><u><span>24.4586</span></u></a><span> den Auftrag, den spezifischen Rahmenbedingungen für die Berglandwirtschaft im Rahmen der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Bundesrat wurde darin beauftragt, im Rahmen der AP30+ Massnahmen zu ergreifen, um die Einkommenssituation in der Landwirtschaft und insbesondere der Bergbauernfamilien zu verbessern. Der Bundesrat hat die Annahme dieser Motion beantragt.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, im Rahmen der Agrarpolitik 2030+ die Instrumente so auszugestalten, dass die Entwicklung hin zu immer grösseren Betrieben im Berggebiet abgebremst wird und landwirtschaftliche Familienbetriebe erhalten bleiben. </p>
- Strukturwandel im Berggebiet bremsen, Versorgungssicherheit stärken
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Der Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft setzt sich fort. Die verbleibenden Betriebe werden dadurch immer grösser. Dies kann in Bezug auf die Effizienz durchaus positive Effekte haben und damit eine gewollte Entwicklung darstellen. Im Berggebiet ist Tierhaltung meist die einzig mögliche landwirtschaftliche Produktion. Es gilt daher zu beachten, dass vornehmlich im Berggebiet das Betriebswachstum über die Fläche negative Auswirkungen haben kann, und diese aufgrund der hohen Arbeitsintensität kaum durch steigende Effizienz wettgemacht werden. Dabei sind insbesondere die Arbeitsspitzen im Sommer zu bedenken, die mit Familienarbeitskräften zu bewältigen sind.</p><p>Die wichtige Funktion der Offenhaltung wird vernachlässigt, weil die zu bewirtschaftenden Flächen zu gross sind. Vornehmlich anspruchsvoller zu bewirtschaftende Flächen verwalden. Durch diese Entwicklung gehen immer mehr Flächen für die Produktion verloren, was langfristig die Versorgungssicherheit der Schweiz gefährdet. </p><p>Der Arbeitsaufwand für die Betriebe steigt stetig an, was zu zunehmender Überlastung führt. In der Folge daraus wird es immer schwieriger, Hofnachfolgen zu finden, die bereit sind, diesen immensen Aufwand zu leisten. Die sozialen Spannungen auf den Betrieben nehmen ebenfalls zu.</p><p>Die ökologische Vielfalt im Berggebiet wird durch die Bewirtschaftung und Offenhaltung gesichert. Werden Flächen vernachlässigt, weil die Betriebe zu gross werden, ist diese Vielfalt gefährdet. Ökologische Flächen sind Lebensräume, die neben der entsprechenden botanischen Zusammensetzung auch Strukturelemente benötigen. Der Katalog der Kriterien soll daher um diese erweitert werden</p><p>Aus diesem Grund ist es notwendig, die Instrumente der Agrarpolitik, so auszugestalten, dass Leistungen und Produktion durch Familienbetriebe stärker berücksichtigt werden, und nicht der reine Flächenbezug im Vordergrund steht. Als mögliche Massnahmen könnten die Degressivität bei den Beiträgen, die Förderung der Qualität statt der Quantität bei den Biodiversitätsförderflächen und die Weiterentwicklung von guten Rahmenbedingungen zur Erzielung von Wertschöpfung sein.</p>
- <span><p><span>Der Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft vollzieht sich grundsätzlich sozialverträglich. Unterstützt wird dieser Prozess durch technische Änderungen (Mechanisierung, Digitalisierung), die zur nachhaltigen Bewirtschaftung der immer grösser werdenden Betriebe beitragen. Der Familienbetrieb ist nach wie vor das vorherrschende Modell. In den letzten Jahren hat sich der Strukturwandel verlangsamt. Wurden zwischen 2000 und 2012 im Schnitt 1,6</span><span> </span><span>Prozent der Betriebe aufgegeben, ging dieser Anteil zwischen 2012 und 2024 auf 1,4</span><span> </span><span>Prozent zurück. Im Berggebiet sind die strukturellen Veränderungen mit denen im Talgebiet vergleichbar. Aus Sicht des Bundesrates ist es nicht erforderlich, Strukturziele für die Landwirtschaft im Berggebiet vorzugeben. Wichtiger als die Anzahl und Grösse der Betriebe ist, dass die Berglandwirtschaft weiterhin ihre Leistungen zugunsten der Gesellschaft erbringen kann und die Landwirtschaftsbetriebe aus ihrer Produktion einen stabilen Mehrwert erzielen können, um angemessene Einkommen zu generieren. Um dies sicherzustellen, ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ebenfalls unerlässlich. Die Entwicklung der Leistungen zugunsten der Gesellschaft war in den letzten Jahren dennoch insgesamt positiv. So verzeichnete die Produktion der für den Vertrieb bestimmten Milch im Berggebiet im Zeitraum 2000‒2024 einen Anstieg von knapp 10</span><span> </span><span>Prozent. Die Offenhaltung ist weitgehend sichergestellt. Die Verwaldung betrifft hauptsächlich das Sömmerungsgebiet (80</span><span> </span><span>% der von Wald bedeckten Fläche) und hat sich seit Beginn des Jahrtausends deutlich verlangsamt. In Bezug auf die Bergzonen</span><span> </span><span>I‒IV ist die Entwicklung unbedenklich. Insgesamt ist die landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) in den Bergzonen im Zeitraum 2014‒2024 stabil geblieben.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat ist sich der zentralen Bedeutung der Berglandwirtschaft für die Erbringung von Leistungen zugunsten der Gesellschaft bewusst. Die Betriebe werden mit Beiträgen in Form von Direktzahlungen oder mit Strukturverbesserungsmassnahmen unterstützt, um die natürlichen Erschwernisse auszugleichen und in der Hügel- und Bergregion eine diversifizierte Landwirtschaft aufrechtzuerhalten. Der Offenhaltungsbeitrag und der Hangbeitrag dienen als Anreiz und sind je nach Erschwernis ansteigend. Die Biodiversitätsbeiträge sind abgestuft nach Qualitätsniveau. Im Rahmen der AP</span><span> </span><span>14‒17 wurde die Unterstützung für die Bergzonen verstärkt. Im Jahr</span><span> </span><span>2024 gingen somit 63</span><span> </span><span>Prozent der Direktzahlungen an Betriebe in der Hügel- und Bergregion.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Strukturverbesserungsmassnahmen helfen den Landwirtinnen und Landwirten dabei, wettbewerbsfähiger zu werden, und tragen dazu bei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Betrieben zu verbessern. Das stärkt die ländlichen Gebiete und insbesondere die Bergregion. Der Bundesrat erachtet die strukturellen Voraussetzungen und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften als wichtiger als die Betriebsgrösse, um zu verhindern, dass Flächen in schwer zugänglichen Gebieten vernachlässigt werden. In diesem Zusammenhang unterstützt der Bund den Zugang zu mechanischen Werkzeugen, den Ausbau von Alpwegen und sonstige Massnahmen, die die Arbeit in den schwer zugänglichen Gebieten erleichtern, in hohem Masse. 2024 erhielten Betriebe in Hügel- und Bergregionen rund 79</span><span> </span><span>Prozent der Beiträge für Strukturverbesserungen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat erkennt ausserdem die Schwierigkeiten an, mit denen die Berglandwirtschaft konfrontiert ist, um einen Mehrwert zu schaffen und angemessene Einkommen zu generieren. Das Parlament erteilte dem Bundesrat mit der Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244586"><u><span>24.4586</span></u></a><span> den Auftrag, den spezifischen Rahmenbedingungen für die Berglandwirtschaft im Rahmen der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Bundesrat wurde darin beauftragt, im Rahmen der AP30+ Massnahmen zu ergreifen, um die Einkommenssituation in der Landwirtschaft und insbesondere der Bergbauernfamilien zu verbessern. Der Bundesrat hat die Annahme dieser Motion beantragt.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, im Rahmen der Agrarpolitik 2030+ die Instrumente so auszugestalten, dass die Entwicklung hin zu immer grösseren Betrieben im Berggebiet abgebremst wird und landwirtschaftliche Familienbetriebe erhalten bleiben. </p>
- Strukturwandel im Berggebiet bremsen, Versorgungssicherheit stärken
Back to List